Die Mumie

Originaltitel: The Mummy
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  1932
Regie: Karl Freund

Darsteller

Figur

Boris Karloff   Imhotep / Ardath Bey
Zita Johann   Helen Grosvenor / Anck-es-en-Amon
Edward van Sloan   Dr. Muller
David Manners   Frank Whemple
Arthur Bryon   Sir Joseph Whemple
Bramwell Fletcher   Ralph Norton
Kathryn Bryon   Frau Muller
Leonard Mudie   Professor Pearson
  
Genre: Klassiker, Grusel, Okkult
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Inhalt

Der Archäologe Sir Joseph Whemple und sein Assistent Norton entdecken in der ägyptischen Wüste die mumifizierte Leiche des Hohepriesters Imhotep und eine geheimnisvolle Schriftrolle. Während der Okkultist Dr. Muller Whemple eindringlich warnt, die Geister der Toten ruhen zu lassen, erbricht Norton den alten Papyrus. Von seinem hysterischen Gelächter alarmiert, finden Whemple und Muller kurz darauf den wahnsinnig gewordenen Norton. Die Mumie und die Schriftrolle aber sind verschwunden.

Zehn Jahre später: Whemples Sohn Frank leitet inzwischen die Ausgrabungen, und nach einem Hinweis des mysteriösen Einheimischen Ardath Bey – niemand anders als der von Mullbinden befreite Imhotep – entdeckt er das Grab der altägyptischen Prinzessin Anck-es-en-Amon. Zeitgleich verliebt sich Frank in die bei Dr. Muller lebende Halbägypterin Helen Grosvenor – und ruft damit Ardath Bey auf den Plan, der in der ebenso exzentrischen wie charmanten Helen die Inkarnation von Anck-es-en-Amon erkennt, die er vor vielen tausend Jahren liebte und nach ihrem Tod ins Leben zurückrufen wollte, ein zweifacher Frevel, für den er lebendig einbalsamiert wurde. Ein Kampf zwischen Imhotep auf der einen und Frank und Muller auf der anderen Seite entbrennt – um Helens Leben, aber auch um ihre Identität ...

Kommentar

Hierzulande muss man Karl Freunds „Die Mumie“ wohl als weitgehend unbekannten Klassiker des Horrorkinos bezeichnen, denn obwohl der Film die Mutter aller Mumienfilme ist, eine stolze Anzahl von Remakes und Variationen nach sich gezogen hat und – diese Ansage sei schon hier gemacht – bis heute der mit Abstand beste Vertreter seines Subgenres ist, hat er in unseren Breiten den Geheimtipp-Status nie hinter sich gelassen. Das dürfte vor allem daran liegen, dass er sowohl im TV als auch auf Video bzw. DVD nur OmU präsentiert wird; der Legende nach hat RTL in einem früheren Jahrtausend, als sich dieser Sender noch RTL Plus nannte, mal eine Synchronfassung ausgestrahlt, aber sollte daran tatsächlich ein Körnchen Wahrheit sein, hat es sicher seinen Grund, dass diese Version seitdem in einem Giftschrank ruht. Erfreuen wir uns also am Original, dies umso mehr, da wir dort die Gelegenheit haben, Boris Karloff zu lauschen, der – wie die meisten klassischen Horrorstars – eine sehr einprägsame Stimme besaß und diese auch zu nutzen wusste, aber nur höchst selten adäquat eingedeutscht wurde. Sein Imhotep / Ardath Bey ist das vielleicht zärtlichste „Monster“ des Universal-Gruselkabinetts.

Die Vorstellung, dass sich Mumien aus ihren Sarkophagen erheben, um Grabräubern die Leviten zu lesen, Reinkarnationen von längst verstorbenen Schönheiten nachzuspüren oder aus sonst welchen Gründen destruktiv durch die Gegend zu wanken, war den alten Ägyptern mehr als fremd und ist – abgesehen von ein paar kleineren Vorläufern, vor allem der Schauergeschichte „Lot No. 249“ des Sherlock-Holmes-Erfinders Conan Doyle – in erster Linie erfindungsreichen Filmproduzenten-Hirnen entsprungen, die, nach Howard Carters spektakulären Funden in Ägypten und den bald darauf einsetzenden Yellow-Press-Schlagzeilen über Pharaonenflüche, neue Stoffe suchten, gerade für Boris Karloff, der nach seiner Darstellung des Monsters in James Whales „Frankenstein“ (1931) zum ungekrönten König des Horrorfilms aufgestiegen war. Basierend auf einem Konzept über den historischen Scharlatan Cagliostro entwickelte Drehbuchautor John Balderston eine Geschichte über eine wiedererwachte Mumie, die ihre Entdecker in Angst und Schrecken versetzt. Balderstons Entwurf bekam schnell grünes Licht, denn was für Möglichkeiten bot diese Idee für "Karloff the Uncanny" und den nicht minder genialen Universal-Maskenmagier Jack Pierce!

Aber nicht nur bei der Stoffwahl ließ sich Balderston inspirieren, sondern auch bei seinem Plot: Handlungstechnisch bedient sich „Die Mumie“ ausgiebig bei dem gerade einmal ein Jahr zuvor entstandenen Universal-Hit „Dracula“ (1931), dessen Bühnenvorlage kein anderer als Balderston für den amerikanischen Markt bearbeitet hatte. In beiden Filmen geht es um eine junge Frau, die in den Bann eines unsterblichen, charismatischen Halbwesens gerät, allerdings von ihrem Geliebten und einem befreundeten, dem Okkulten zugewandten Wissenschaftler errettet wird. Das Halbwesen wird zunächst nicht als solches erkannt und hat deshalb auch Zugang in das Haus unserer Helden und der jungen Frau, die es in seine Gewalt bekommt; es verfügt zudem über hypnotische Fähigkeiten und kann sich so vor allem die Bediensteten nutzbar machen. Allerdings ist es durch religiöse Symbole zu bannen: Weicht Dracula dem Kreuz, ist Imhotep gegen einen ägyptischen Talisman machtlos. Zudem trafen die Horrorfans vor wie hinter der Kamera auf vertraute Namen: David Manners und Edward van Sloan wiederholten quasi eins zu eins ihre Dracula-Rollen als Liebhaber der bedrohten Dame bzw. als nahezu allwissender Gelehrter, und Regie führte Karl Freund, einer der wichtigsten Kameramänner des Stummfilms (etwa für Friedrich Wilhelm Murnaus „Der letzte Mann“ (1924) und Fritz Langs „Metropolis“ (1926); ab Ende der 1920er Jahre arbeitete Freund dann in Hollywood, wurde 1938 gar mit einem Oscar ausgezeichnet (manchmal trifft es ja doch die Richtigen)), der auch Tod Brownings „Dracula“ fotografiert hatte, wobei er hier in den klassischen Szenen, gerade in der ersten Viertelstunde in Transsilvanien, faktisch auch der Regisseur war. Man möchte beinahe annehmen, Freund habe Browning – einem schon damals beinahe legendären Genreregisseur – gleich mit seiner ersten offiziellen Regiearbeit zeigen wollen, wie man es richtig macht, und in der Tat: „Die Mumie“ erweist sich fast von der ersten Szene an als verkapptes, nach Ägypten verlegtes „Dracula“-Remake, ist allerdings – das muss ich selbst als großer Anhänger des Browning-Films konstatieren – eine schönere, atmosphärisch dichtere, einheitlicher inszenierte, schlüssigere, vielschichtigere und nicht zuletzt schauspielerisch bessere Variante. Auch inhaltlich ist der Film weniger abgekupfert, als es auf den ersten Blick scheint, plünderte er doch nicht nur den „Dracula“-Film, sondern vertiefte gleichzeitig dessen Motive und wurde so seinerseits für das Grusel- und nicht zuletzt für das Vampirfilm-Genre geradezu wegweisend: Imhotep verfolgt Helen Grosvenor, weil er sie als Wiedergeburt seiner geliebten Anck-es-en-Amon identifiziert, für die er einst sein Leben verlor und mit deren Inkarnation er nun, in einer neuen Daseinsform, leben möchte; und mit Helen Grosvenor begleiten wir eine junge, starke Frau, die mehr und mehr die Gewissheit verliert, wer sie eigentlich ist und auf welche Seite des Lebens sie gehört – eine Situation, die auch zwei der interessantesten Dracula-Versionen motiviert: Dan Curtis’ „Dracula“ (1973) und Francis Ford Coppolas auf Curtis’ Adaption basierenden, ihm aber in allen Belangen überlegenen Meilenstein „Bram Stoker’s Dracula“ (1992).

Spricht dies alles erst einmal für die filmgeschichtliche Relevanz von Karl Freunds Regiedebüt, ist „Die Mumie“ doch auch und vor allem ein Klassiker aus eigenem Recht, ist der Streifen der wohl am besten fotografierte und vielleicht subtilste Gruselfilm, den Universal je produziert hat, was nicht zuletzt an der oft gepriesenen Szene der erwachenden Mumie offenbar wird. Obwohl Jack Pierce Boris Karloff in einer zig-stündigen Prozedur (Karloff sprach von der schlimmsten Tortur seiner Karriere) von Kopf bis Fuß bandagierte, zeigte Freund nicht die umherwandelnde Mumie, sondern nur ihre Hand und die Reaktion des daraufhin dem Wahnsinn verfallenden Norton, dessen hysterisches Lachen Dwight Fryes Renfield aus Brownings „Dracula“ Tribut zollt, zugleich aber keinen Vergleich zu Frye zu scheuen braucht! Generell ist das Erzähltempo eher gemäßigt, nichtsdestotrotz baut der Film, unterstützt von der gelungenen Musik (einem der ganz frühen Horror-Scores) des in den Credits nicht genannten James Dietrich, eine stets gegenwärtige Spannung auf, die mehr dem präsentierten Beziehungsgeflecht als den äußeren Schockeffekten geschuldet ist und viel dem vorzüglichen Spiel der Hauptdarsteller verdankt. Karloffs Ardath Bey – dessen Maske nicht weniger bewundernswert ist als die der noch bandagierten Mumie – ist eines der komplexesten Universal-„Monster“ überhaupt, ein über Leichen gehender und doch sanfter Liebender, der nie die Stimme erhebt, sich – wenn überhaupt (was seine Geisterhaftigkeit noch betont) – nur langsam bewegt, ein durch die Unsterblichkeit Getriebener, der in der Liebe Erlösung sucht (und das war im Genrefilm der damaligen Zeit wirklich noch weitgehend unbetretenes Land). Ihm zur Seite stand die faszinierende Zita Johann, die sich leider bereits nach wenigen Jahren zugunsten des Theaters aus dem Filmgeschäft zurückzog und deren Helen die wahrscheinlich modernste, selbständigste und interessanteste Heroine ist, die man in den klassischen Universal-Gruslern zu sehen bekommt.

Also, liebe Leute, noch einmal zum Mitschreiben: Karl Freunds „Die Mumie“ ist ein ebenso intelligenter wie atmosphärischer und seiner offensichtlichen Inspirationsquelle unerachtet sehr origineller und wegweisender Horrorklassiker. Im Mumiengenre gibt es – trotz der äußerst stimmungsvollen Hammer-Variation „Die Rache der Pharaonen“ (1959) von Terence Fisher und erst recht Stephen Sommers' mehr als freier, nichtsdestotrotz kurzweiliger Krawumm-Neuverfilmung von 1999 (über deren Fortsetzungen breiten wir dann mal den gnädigen Mantel des Schweigens) – bis heute nichts auch nur Gleichrangiges. Schon deshalb gebührt Karl Freunds Meisterwerk zweifellos die Höchstnote.

Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven

Veröffentlichungen

Der Film ist bei Universal in mehreren Auflagen auf DVD erschienen und auch in diversen Universal Classic Monster Kollektionen enthalten.

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