Tanz der toten Seelen
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Inhalt
Mary Henry, eine lebenslustige junge Frau, unternimmt mit zwei Freundinnen eine ausgelassene Spritztour. Von einer Gruppe junger Männer werden sie zu einem Autorennen überredet, das allerdings fatal endet. Marys Auto stürzt von einer Brücke, ihre zwei Freundinnen kommen ums Leben. Sie selber entsteigt auf rätselhafte Weise vollkommen unverletzt, doch auch seltsam verändert dem Fluss.
Scheinbar geht einige Zeit ins Land und Mary begibt sich nach Salt Lake City, um dort eine neue Stellung als Kirchenorganistin anzutreten. Auf ihrem Weg dorthin entdeckt sie einen alten Vergnügungspark, der eine faszinierend hypnotische Wirkung auf sie ausübt, sie aber gleichzeitig auch unerklärlich ängstigt. Da blickt sie plötzlich ein unheimliches Gesicht an und verschwindet wieder. Was hat das nur zu bedeuten?
Mary nimmt sich ein Zimmer in der Stadt und beginnt mit ihrer Arbeit, doch immer wieder plagen sie verstörende Erscheinungen, sägen an den Nerven und der Substanz. Und immer wieder scheint sie der Unheimliche vom Rummelplatz zu verfolgen, will sie scheinbar in seine Welt der Toten zerren. Verliert Mary den Verstand? Fortan drängt sich ihr auch immer häufiger den Eindruck auf, als sei sie für ihre Mitmenschen unsichtbar, ja gar nicht wahrzunehmen.
Sie sucht einen Arzt auf, der kann ihr nicht helfen. Vergeblich versucht sie Trost bei einem Mann zu finden, doch der ist nur auf ein amouröses Abenteuer aus. Niemand versteht sie, sie ist allein! Sie begibt sich zu dem gespenstischen Vergnügungspark, der, wie sie nun erkennt, ein Ort der toten Seelen ist. Die Erscheinungen, allen voran der unheimliche Mann, heißen sie mit einem schaurigen Totentanz willkommen, und endlich versteht Mary, dass ihr die Stunde längst geschlagen hat!
In der letzten Sequenz des Films wird das Auto, mit dem Mary und ihre beiden Freundinnen verunglückt sind, aus dem Fluss gezogen. Darin befinden sich drei Leichen…
Kommentar
Dass es nicht eines riesigen Budgets, teurer Hollywood Stars und Unmengen von aufwendigen Specialeffects bedarf, um einen Film zu fabrizieren, der vollkommen in seinen Bann ziehen kann und dich mit einfachsten Mitteln das Fürchten lehrt, das bewies Harold „Herk“ Harvey 1962 mit seinem Spielfilmdebüt „Carnival of Souls“ eindrucksvoll. Der Legende nach drehte Harvey den Film mehr oder weniger spontan in weniger als zwei Wochen ab. Die Inspiration hierbei soll ihm der verlassene Saltair Pavillon in Salt Lake City gewesen sein, den er auf einem Ausflug entdeckt hatte und der Pate stand für seinen geisterhaften Jahrmarkt im Film. Mit seinem Freund John Clifford zusammen entwickelte er auf Basis der Erzählung „Ein Vorfall an der Owl-Creek Brücke“ von Ambros Bierce, dem neben Poe zweiten großen amerikanischen Erzähler klassischer unheimlicher Geschichten, das Konzept zu dem Film. Außer der Hauptdarstellerin Candace Hilligoss waren die mitwirkenden Schauspieler samt und sonders Laien, einige Statisten sollen sogar „von der Straße weg“ engagiert worden sein. Die Rolle des Totenfängers, der Mary verfolgt, spielte Harvey recht eindrucksvoll selbst. Das Budget soll nur 33.000 US$ betragen haben (und war somit immer noch höher als das von David Lynchs „Eraserhead“), darin enthalten waren kuriose Ausgaben wie die 17 $, die Harvey für den Schaden an der Brücke aus der Eröffnungssequenz zu zahlen hatte.
Aufgrund des Geldmangels war Harvey, der hauptberuflich seine Brötchen als Regisseur und Produzent von Schulfilmen verdiente, gezwungen, aus der Not eine Tugend zu machen, und erzeugte mit einfachsten Mitteln, dem Wechselspiel des Lichts, dem plötzlichen Ausblenden der Umweltgeräusche, simpler, aber effektiver Make ups, eine düstere, morbide, Furcht einflößende Atmosphäre, die an einen surrealen Alptraum erinnert. Stell dir vor, du bist tot, und du weißt es nicht. Du willst dein Leben einfach nur weiter leben, denn du hängst ja dran, willst weiter machen wie immer, und wenn das nicht geht, irgendwo anders neu anfangen. Du fliehst vor der Wahrheit, die aber längst zur Erkenntnis geworden ist, und denkst, du kannst ihr entkommen, aber sie holen dich, sie finden dich, wo immer du bist, und dann gibt es kein Entkommen mehr. Die Toten heißen dich Willkommen….
Das ist fürwahr ganz schön gruselig, oder nicht?
Harveys Film hat inzwischen längst Kultstatus erreicht. Leider sollte es sein einziger Spielfilm bleiben, wohl auch, weil er zur damaligen Zeit gnadenlos floppte. Aber es war halt die Zeit der Autokinos, die beherrscht und geprägt war von Streifen wie „I was a Teenage Werewolf“. Ein künstlerisch ambitionierter Independent Horrorfilm entertainte die US Kids scheinbar nicht ausreichend, und so fiel der surreal düstere Streifen beim Mainstream Publikum mit Pauken und Trompeten durch, und doch ist dies nicht das Ende der Geschichte. Plötzlich gaben sich allerlei Künstler als Fans des finsteren Films zu erkennen. George A. Romero war der erste, der „Carnival of Souls“ huldigte, indem er ihn als maßgebliche Inspiration für seinen legendären „Night of the living Dead“ benannte. David Lynchs Werk, insbesondere „Eraserhead“, der sich einstweilen einer ähnlichen Bildsprache bedient, und vor allem „Lost Highway“, ist voller Anspielungen auf Harveys Film. Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek bezeichnete „Tanz der toten Seelen“ als einen ihrer Lieblingsfilme, und auch der Einfluss auf Adrian Lynes großartigen „Jacob’s Ladder“ oder M. Night Shyamalans „Sixth Sense“ ist kaum zu übersehen. Doch auch in Europa hinterließ der Film Spuren. So drehten beispielsweise Claude Chabrol 1976 mit „Alice ou la dernière fugue“ und Christian Petzold 2007 mit „Yella“ jeweils eigene Variationen des „Carnival of Souls“ Motivs. Über das „Direct to Video“ Remake des Films aus der „Wes Craven präsentiert“ Reihe aber wollen wir übrigens lieber das Mäntelchen des Schweigens hüllen, denn besser ist das!
Den späten Erfolg seines Films, der sich in seinen diversen DVD Veröffentlichungen im Internetzeitalter gut verkauft, bekam „Herk“ Harvey nur noch ansatzweise mit, denn der Mann verstarb im Jahre 1996 an einem Krebsleiden. Ob ihn sein finsteres Alter Ego ins andere Reich geleitet hat, ist freilich nicht überliefert.
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
DVD: Best Entertainment (diverse Auflagen), Flex Media Entertainment, M.I.B., X-Gabu Film
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Die Außerirdischen - Gesandter des Grauens
Stand: 09.02.2010 13:07:25
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