Sleepy Hollow
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Inhalt
Im verwunschenen Neu England Kaff Sleepy Hollow rollen Köpfe! Anno 1799 wird deshalb der New Yorker Constabler Ichabod Crane, ein ausgesprochen aufgeklärter Geist und Verfechter fortschrittlichen Denkens, an jenen Ort geschickt, um die rätselhafte Mordserie aufzuklären, für die, wie die Mär geht, ein kopfloses Phantom verantwortlich sein soll. Crane, der nicht an die berüchtigten Dinge zwischen Himmel und Erde glaubt, die der Schulweisheit verborgen blieben, ist sich sicher, dem Täter mit den Methoden der modernen Kriminalistik schon recht bald auf die Fährte zu kommen. Doch große Unterstützung findet er nicht in Slepy Hollow. Lediglich die schöne Katrina van Tassel, Tochter seines Gastgebers, und der junge Masbath, dessen Vater ebenfalls dem Phantom zum Opfer fiel, unterstützen den wackeren Ermittler. Als Crane schließlich selber Zeuge des Mordes an Bürgermeister Phillips wird und erkennen muss, dass er es tatsächlich mit einem wahrhaftigen und äußerst garstigen Gespenst zu tun hat, ist ihm klar, das er dieses nur bannen kann, wenn er das Grab selbigen findet. Tatsächlich wird er samt Helfer bald fündig, doch stellt er fest, dass dort nur die Gebeine eines grausamen hessischen Söldners, der hier fatal spukt, ruhen, nicht aber sein Schädel. Somit ist für den Constabler klar, dass eine irdische Macht über den Geist gebietet und zu diesem Zweck den Schädel der Schreckgestalt besitzen muss. Er hält Baltus van Tassel, den Vater Katrinas, für den Hexenmeister, weswegen sich die junge Dame von ihm abwendet. Als aber auch Baltus vom Hessen enthauptet wird, will Crane abreisen, denn seiner Schlussfolgerung zufolge kann nur die offenbar zauberkundige Katrina die Mörderin sein, und zu eben jener ist er inzwischen in Liebe entfacht und will ihr nicht schaden. Als es schon fast zu spät ist, erkennt Ichabod Crane, dass Mary Van Tassel, Katrinas Stiefmutter, in Wahrheit die Macht über den Kopflosen besitzt. Alldieweil hat das böse Weibsstück die schöne Kati gefangen und eingesperrt, doch Crane und Masbeth gelingt ihre Befreiung. Nun nimmt der böse Hesse die Verfolgung unserer Helden auf und bald brennt wahrhaft die Luft. Wird Ichabod den Geist des Bösen Reiters in die Hölle zurückstoßen und Lady van Tassel ihrer gerechten Strafe zuführen können, oder werden noch mehr Köpfe rollen in Sleepy Hollow?
Kommentar
In Amerika ist Washington Irvings klassische Schauer Erzählung „Die Legende von Sleepy Hollow“ im Gegensatz zu unseren Breiten so bekannt wie hierzulande vielleicht Schillers „Wilhelm Tell“ oder Goethes „Zauberlehrling“, sie ist Standardlektüre an dortigen Highschools und jedermann ein Begriff. Darüber hinaus ist „Sleepy Hollow“ drüben aber auch speziell in den Zeiten, in denen die Kürbisfratzen vor den Haustüren leuchten, ein untoter (haha) Klassiker! Und genau dieser Idee folgend brachte der kreative Querkopf Tim Burton die Vorlage auf die große Leinwand und ließ Ichabod Crane gegen den mörderischen kopflosen Reiter zu Felde ziehen, dass es nur so kracht im verhexten Gehölst um Sleepy Hollow. Er entstaubte die Vorlage tüchtig und machte daraus ein lupenreines „Halloween-Fairytale“ im typisch überdrehten Burtonschen Stil, das inzwischen, nur wenige Jahre nach seiner Entstehung, längst zu einem Kultfilm der gotischen Art brachte, wie es einen solchen schon ewig keinen mehr gab. Burton nahm sich hierbei die Freiheit, von Irvings Geschichte nicht viel mehr als die Eckpfeiler zu übernehmen, den Rest füllte und bevölkerte er mit skurrilen Ideen, Landschaften und Typen aus seinem eigenen scheinbar unerschöpflichem Fundus aus schräger Fantasie. In der Originalgeschichte ist Crane ein wandernder Schulmeister und kein Polizist, der im Städtchen eine Anstellung findet und sich in Katrina verliebt. Dieser aber ist auch der Raufbold Brom Bones zugetan, so dass sich Crane keine großen Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft macht. Irgendwann verlässt er das Dorf und wird an der Brücke vom „Headless Hunter“ gestellt. Am nächsten Tag findet man seinen Hut und einen zerschmetterten Kürbiss. Ichabod ist verschollen. Burton freilich schnitzt seine Version aus ganz anderem Holz, vermengt Vorbilder wie die Filme aus der britischen Hammerschmiede mit den US Universals der 1930’er/1940’er, Mario Bava, deutschen Expressionismus und tschechischen Märchenfilm mit dem französischen Théâtre du Grand-Guignol zu einer Mixtur, wie man sie im zeitgenössischen Gruselkintopp lange, lange nicht mehr sah. In gewisser Weise wirkt sein hauptsächlich (aber nicht ausschließlich) im Studio entstandener Film natürlich altmodisch, funktioniert aber gerade diesem Umstand geschuldet so hervorragend. Man fühlt sich nämlich – durchaus angenehm - der gruseligen Gefühle zurück erinnert, die man vielleicht beim erstmaligen Anschauen von Polanskis „Tanz der Vampire“ oder Fishers „Dracula“ empfunden haben mag, als man vielleicht zehn Jahre alt war und hat einen Heidenspaß dabei!. Bis in Detail hat Burton, selbstredend für ihn und seine Arbeit, seinen Film ausgestattet wie in den goldenen Jahren des Genres. Selbst die Farben des Films wirken, als habe man eine Jahrzehnte alte VHS im Videorekorder. Und damit ist ja noch lang nicht Schluss! Burton hat sich für den Film einmal mehr ein Ensemble vor dem Herrn zusammengesucht, das seinesgleichen sucht. Sein (und aller Frauen sowieso) Lieblingsschauspieler Johnny Depp, der nun wahrhaftig ein großer Könner ist, macht uns den Ichabod und deutet hier bereits Ansätze seiner späteren Meisterleistung als Captain Sparrow an. Die wunderbare, in diesem Film irgendwie ätherische Christina Ricci empfahl sich für künftige Großleistungen (obschon man sie seit einiger Zeit nicht mehr wirklich in einer guten Rolle sah), Miranda Richardson ist eine hinreißend böse Lady van Tassel, und wieder einmal glänzt der großartige Jeffery Jones in einer Nebenrolle, ein wirklich fantastischer Schauspieler, der nahezu jeden Film in dem er mitwirkt allein durch sein Zutun sehenswert macht. Fazit: Tim Burton hat mit „Sleepy Hollow“ einen der stimmungsvollsten, atmosphärischsten und virtuosesten Gruselfilme (bewusst habe ich jetzt genau dieses Wort verwendet) der letzten Jahre geliefert. Eine grandiose Hommage an den guten alten Gothic Film, mit dem der Meister selber aufgewachsen ist, und den es in der Form heuer leider so nicht mehr gibt. Stattdessen dominieren dieser Tage sinnlose und unangenehme Folterfilme wie „Saw“ und „Hostel“ das Genre. Bäh! Natürlich kann sich jeder, der das irgendwie schräge Oeuvre Burtons kennt, leicht ausmalen, dass sich der hier besprochene Film perfekt innerhalb des Burtonschen Raums bewegt, und somit natürlich auch den Leuten, die bislang prinzipiell wenig mit den Filmen des Meisters wie vielleicht „Edward Scissorhands“ oder „Big Fish“ (eine Ausnahme hierbei ist „Planet der Affen“, den man allerdings auch als eher misslungen betrachten darf) anzufangen wussten, auch hier nicht viel Spaß haben werden. Wer sich aber für Tim Burtons Stil zu begeistern weiß, wird „Sleepy Hollow“ lieben und Johnny Depp in einer der besten Rollen seiner Karriere sehen.
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
DVD: VCL (Platinum Edition/AVF Bild/TV Movie/Warner Neuauflage/Platinum Edition Neuaflage)
VHS: Constantin/VCL
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Weitere Kommentare zum Film
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| Berti, 14.01.08 |
| Also ich finde diesen Film geil. Nicht nur die tollen Effekte, die super charismatischen Schauspieler und die tolle Story- auch der Schluss ist super weils da eine interessante Wende gibt, mit der man nicht gerechnet hätte. Ich fand ihn stellenweise schon sehr gruselig- und immer wenn der Kopflose Reiter auftaucht, wirds spannend. Ich mag so Filme aus der alten Zeit wo Männer noch Perrücken trugen "gg" |
| Staudenmaier007, 19.01.10 |
| Der Film ist ein Traum in seiner Tiefe der Charaktere - der Detailverliebtheit und der spannendern Geschichte. Wer Burton kennt wird hier und da einige kleine Symbole aus anderen Filmen wieder entdecken. 5/5 und Glückwunsch für die Wahl der Besetzung. |
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