Mary Shelley's Frankenstein
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Inhalt
Das arktische Meer im Jahre 1794. Unerbittlich gegen sich selbst und seine Crew treibt der junge Kapitän Robert Walton Mensch und Material an. Er ist besessen von der Idee, als erster Mensch die Passage zum Nordpol zu finden und somit Unsterblichkeit in den Annalen der Geschichte zu erlangen. Als das Schiff im Packeis stecken bleibt, droht eine Meuterei, doch bevor es zum Äußersten kommt, vernehmen die Kerls ein unmenschliches Heulen. Kurz darauf erscheint ein Mann auf dem Eis und fordert Captain Walton auf, ihm mit Männern und Gewehren zu folgen. Die abergläubischen Seeleute glauben, der Leibhaftige selber treibe sein Unwesen mit ihnen, doch Walton denkt gar nicht daran von seinem Ziel abzurücken. Als der erschöpfte Reisende, der sich als Viktor Frankenstein zu erkennen gibt, in Waltons Besessenheit seine eigene wieder erkennt, erzählt er dem Entdecker seine Geschichte. Bereits als Kind war der junge Frankenstein ein hochintelligentes Kerlchen, der die meiste Zeit mit Büchern und Experimenten verbrachte. Als er zu einem jungen Mann heranwächst, stürmt und drängt es in ihm, die Schranken der bekannten Wissenschaften aus den Angeln zu heben. Dieser Wunsch wird bald zur rasenden Obsession, als seine Mutter bei der Geburt seines jüngsten Bruders im Wochenbett stirbt. Fortan gilt sein Streben dem Sieg über den Tod. Frankenstein nimmt ein Medizinstudium in Ingolstadt auf und schafft sich mit seinen kühnen Theorien nicht allzu viele Freunde, doch bald nimmt ihn der brillante Dr. Waldmann unter seine Fittiche, der in seiner Jugend mit dem Erschaffen künstlichen Lebens experimentierte, doch davon abließ, als ihm die Gefahren dessen bewusst wurden. Als Waldmann ermordet wird, verschafft Frankenstein sich die Aufzeichnungen seines Mentors und führt heimlich dessen Werk fort. Während über Ingolstadt eine Epidemie hereinbricht, erschafft der besessene Viktor mithilfe der Elektrizität einen künstlichen Menschen, erschaffen aus Leichenteilen. Und das Experiment gelingt, der Homunkulus beginnt zu atmen, sein Herz schlägt, doch der inzwischen halb dem Wahnsinn verfallene Frankenstein bricht zusammen. Als ihm Tags drauf die Tragweite seines Handelns bewusst wird, beschließt er alles zu vernichten, doch die Kreatur ist bereits entkommen. Frankenstein reist zurück zu seiner Familie in die Schweiz und beschließt, dieses dunkle Kapitel zu vergessen, seine Verlobte Elisabeth zu heiraten und fortan glücklich und zufrieden zu leben bis…. Doch dies soll ihm nicht vergönnt sein, denn längst hat sich die Kreatur, getrieben von Einsamkeit und von den Menschen aufgrund ihres abstoßenden Äußeren überall nur angefeindet und gefürchtet, auf der Suche nach Antworten an Viktors Fersen geheftet. Nach und nach kommen alle zu Tode, die Frankenstein liebt. Als die Kreatur Elisabeth in ihrer Hochzeitsnacht ebenfalls tötet, wiederholt Frankenstein voller Gram und Trauer sein einstiges Experiment und erweckt seine Angetraute wieder zum Leben, doch diese richtet sich voller Verzweifelung selbst im Feuer. Schließlich beginnt Viktor die Verfolgung seiner eigens geschaffenen Nemesis aufzunehmen, die ihn bis ins ewige Eis des hohen Nordens verschlägt…
Kommentar
Zwei Jahre nachdem Francis Ford Coppola Bram Stokers „Dracula“ erstmals halbwegs dem Buch entsprechend auf die Leinwand gebracht hatte und damit einen enormen Erfolg feiern konnte, schickte sich der gefeierte Shakespeare Darsteller und Inszenierer Kenneth Branagh an, die andere große gotische Schauermär neu zu erzählen, den „Frankenstein“, und zwar ganz im Sinne der geistigen Mutter des Monsterbauers, Mary Wollstonecraft Shelley – oder zumindest was Branagh für eben diesen hielt. Dabei orientierte er sich im Großenganzen erstaunlich eng an der Buchvorlage und übernahm beispielsweise auch die arktische Rahmenhandlung der Shelleyschen Vorlage. Mehrfach zitierte er sogar ganze wörtliche Passagen aus dem Buch, doch es ist nicht zu verhehlen, dass er sich auch bei James Whale und seiner berühmten „Frankenstein“ Version von 1931 (mit der legendären Boris Karloff Darstellung des Monsters) bediente, z.B. in der Schöpfungsszene der Kreatur, wo Frankenstein mit Elektrizität und allerlei Blubber Blubber Apparaturen aus der Hollywood Hexenküche hantiert, denn davon ist im Buch nichts zu finden. Dies sah man in der Form tatsächlich erstmals bei Whale, und es wurde in fast alle späteren Verfilmungen übernommen (vergleichbar mit dem Effekt, dass Vampire bei Sonnenlicht zu Staub zerfallen, was so erstmals in Murnaus „Nosferatu“ geschah und inzwischen längst Legende ist.) Branagh mühte sich redlich, seinem Film eine ordentlich romantisch gotische Tapete zu verpassen, was ihm zum Teil auch ganz hervorragend gelang. Drehorte, Bauten, Kulissen, Kostüme, Make up, alles wirkt nahezu verschwenderisch. Die Musik von Patrick Doyle tobt und donnert, dass es schauerlich grollt, die Blitze zucken, und der Zuschauer kann sich dennoch ein Grinsen nicht verkneifen, denn Branagh, scheinbar ähnlich besessen vom künstlerischen Gehalt seines Films wie seine Figur vom Gott spielen, tat vor allem eins: er übertrieb in fast allen Belangen maßlos und inszenierte in der Hauptsache sich selber. Dennoch wird er in schauspielerischer Hinsicht von den meisten Mitgliedern seines wirklich erstklassigen Ensembles locker an die Wand gespielt. Besonders Tom „Amadeus“ Hulce, der in all dem megalomanischen Pomp angenehm sparsam und scheinbar mit gewissem Schalk im Nacken agiert und die immer wieder großartige, zauberschöne Helena Bonham Carter (ach ja, schwärm) müssen gelobt werden, wohingegen Robert de Niros Performance, unverständlicherweise vielfach gelobt, weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und ähnlich „over the Top“ wirkt wie die Branaghs. Man könnte nun argumentieren, das liege ja auch an seinem Make up, unter dem er ja kaum zu erkennen sei und das sein Minenspiel doch stark einschränkt, was sicher nicht ganz falsch ist, doch gibt der Rezensent zu bedenken wie großartig einst Karloff in der Rolle der Kreatur war, und dies unter einer Maske, die von seinem tatsächlichen Äußeren nicht mehr als eine vage Ahnung verhieß. Dennoch waren die Tragik der Kreatur auf der einen Seite und die Aura des Unheimlichen andererseits stets so präsent in Karloffs Darstellung, wie es danach keinem anderen Schauspieler mehr gelingen konnte. Die Schar der prominenten Nebendarsteller, unter anderem Aidan Quinn, John Cleese und Ian Holm, Peter Jacksons Bilbo Beutlin, glänzt in uneitlen kleinen Rollen und hatte scheinbar einfach Spaß daran, in einem Frankenstein Film mitwirken zu dürfen. Alles in allem ist Kenneth Branaghs Interpretation des Klassikers sicher keine ganz schlechte. Lob gebührt ihm allemal dafür, sich so eng an der Vorlage orientiert zu haben wie bislang keiner vor ihm. Wahrscheinlich sogar hat er einer nicht geringen Zahl von Menschen die Geschichte erstmals so vor Augen geführt, wie sie in etwa dem Buch entspricht. Über den Gehalt der Wissenschaftskritik, die mancher in Branaghs Film hinein interpretiert, mag man streiten können. Meiner Meinung nach folgt der Film hier durchaus dem Buch und seinem Zeitgeist, und Mary Shelley wollte eher nicht mahnen, sondern vielmehr eine Geschichte erzählen, die den Leser düster unterhalten sollte, ihm aber auch Schauer der Erkenntnis über den Rücken jagen über die Dinge, die die „moderne“ Wissenschaft vielleicht in der Lage zu sein vermochte. Angeblich soll die Shelley ja von den berühmten Froschschenkelexperimenten des Arztes James Lind, der tote Frösche mit Elektroschocks zum Hüpfen brachte, inspiriert worden sein, die aber eher morbide Scharlatanerie zum Amüsement des damaligen Publikums denn seriöse Wissenschaft waren. Eine Hommage an Mary Shelley und ihr Buch ist Branagh allemal gelungen, wenn freilich auch eine überladene, eine sehenswerte dennoch. Und ob unser etwas überambitionierter Kenneth nun große Kunst oder doch eher leichte Muse geschaffen hat, das mag im Auge und Empfinden des Betrachters liegen. Den besseren Film hat eh James Whale gedreht, wenngleich der auch nicht allzu viel mit Shelleys Buch zu tun hat.
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
DVD: Columbia TriStar Home Video, Pictures Home Entertainment, Universal Triplepack
Video: Columbie TriStar, United Video
Laserdisc: Columbia TriStar
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Weitere Kommentare zum Film
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| Staudenmaier007, 14.12.09 |
| Beängstigend gut. Alleine schon Stars wie De Niro oder Brannagh erreichen es den Zuschauer durch die spannende Handlung zu tragen. Es entsteht ein Darstellung welche durchaus als Alternative zu den sonst üblichen Verfilmungen neue Maßstäbe setzt. Top Film. |
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