Edward mit den Scherenhänden
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Inhalt
Im trauten Vorstadtidyll des perfekten amerikanischen Suburbia-Traums verdingt sich die erfolglose Avon Vertreterin Peg. Eines Tages beschließt sie, ihr Glück auf dem finsteren Schloss, welches scheinbar Unheil verheißend finster über dem Örtchen auf einem Hügel thront, zu versuchen. Sie klingelt, und ein seltsames Geschöpf tritt ihr zutage, der junge Edward, ein künstlicher Humunkulus, der einsam und allein die finsteren Gemäuer bewohnt. Sein Schöpfervater, ein gütiger, begnadeter Wissenschaftler und Erfinder verstarb, bevor er Edward richtige Hände geben konnte. An derer statt hat er monströse Scheren. Das Schicksal des jungen Wesens rührt Peg an, und so nimmt sie ihn in ihre Familie auf.
Rasch findet die gelangweilte Vorstadtgesellschaft Gefallen an dem naiven und außergewöhnlichen Edward, der mit seinen Scherenhänden ganz außergewöhnliche Dinge anstellen kann, indem er beispielsweise kunstvolle Heckenfiguren formt, die Hairstyles der desperate Housewifes formt oder ihren Pudeln ganz neue Designs verpasst. So was hat die Welt noch nicht gesehen! Doch bald ergeben sich erste Sozialisierungsprobleme mit dem Außenseiter. Kim, die schöne Tochter des Hauses, erkennt ihr Herz für den Sonderling, und auch sein Herz ist schon entflammt für die Schöne. Solche Gefühle hat er bislang nicht gekannt. Wie wird ihm nur? Und will die Außenwelt das überhaupt?
Doch Kims eifersüchtiger und fieser Freund Jim versucht Edward auf finstere Pfade zu locken, indem er die Fähigkeiten des unbedarften Wesens für einen Einbruch nutzen will. Während Jim und seine Freunde fliehen als die Polizei eintrifft, wird Edward verhaftet. Bald halten ihn die Vorstadtbewohner für eine Gefahr, zumal er dem Drängen der allzeit bereiten Nachbarin nicht nachkommt und sie aus Rache Gerüchte streut, er habe versucht sie zu vergewaltigen. Als auch noch der jüngste Sohn Pegs verunfallt, macht der Mob Edward dafür verantwortlich. Dieser flieht auf sein Schloss. Kim folgt ihn, aber auch der Pöbel unter der Führung des eifersüchtigen Jim ist ihm auf den Fersen. Die Polizei versucht die Lage zu beruhigen, es fallen Schüsse. Kim glaubt, Edward sei tot. Außer sich vor Sorge eilt sie ins Schloss… und findet Edward lebend! Schließlich erscheint auch Jim, der über Edward herfällt. Kim will den rasenden Jim aufhalten, doch der schlägt sie nieder. Das ist zu viel für Edward, er tötet Jim um Kim zu schützen. Kim gesteht Edward ihre Liebe und küsst ihn, danach stellt sie sich vor den Lynchmob und erzählt ihm, Edward und Jim hätten sich gegenseitig umgebracht, beide seien tot. Die Nachbarn ziehen ab.
Edward bleibt allein und einsam auf dem Schloss zurück. Er und Kim sehen sich nie wieder, doch ihre Liebe wird nie erlöschen…
Kommentar
Schnüff, heul, ist das nicht traurig? „Edward Scissorhands“, wie der Film im Original heißt, gehört zu den wenigen Filmen, bei denen sich auch die harten Jungs schon mal ein Tränchen aus dem trüben Auge drücken und sich lieber rasch Schutz vor argwöhnischen Blicken hinter dunklen Brillengläsern suchen (ich weiß, wovon ich rede.) Die Geschichte um die unerfüllte Liebe zwischen dem künstlichen Wesen Edward, der dennoch die menschlichste Figur im gesamten Film ist, und der schönen Kim, die ihre Liebe opfert um Edward zu schützen, ist für mich einer der grandiosesten Filme aller Zeiten. Er legte seinerzeit den Grundstein für die Weltkarrieren von Regiewunderkind Tim Burton und dessen Lieblingsmimen Johnny Depp, mit dem er nachfolgend (bis jetzt) noch weitere fünfmal zusammen arbeiten sollte (Ed Wood, Sleepy Hollow, Charlie und die Schokoladenfabrik, The Corpse Bride und Sweeney Todd), und niemand außer den beiden Brüdern im Geiste wäre geeigneter gewesen sich an dem Stoff zu versuchen. Doch es handelte sich auch gar nicht um eine Auftragsarbeit für Tim Burton, vielmehr hat er den Edward selber erfunden und schon als Jugendlicher Zeichnungen von ihm entworfen. In einem Interview erzählte Burton einmal, Edward sei sein Alter Ego, das er sinnbildlich für ihn selber als Außenseiter entwickelt hat. Folglich war er auch selber für das Drehbuch verantwortlich, welches er gemeinschaftlich mit Caroline Thompson verfasste, wie später auch die Scripts zu „Nightmare before Christmas“ und „The Corpse Bride“, seinen beiden Ausflügen ins Anime-Fach.Tom Cruise und Robert Downey jr. sollen sich um die Rolle des Jungen mit den Scherenhänden bemüht haben, immerhin zwei Namen mit einiger Zugkraft, doch Burton entschied sich ohne großes Zögern, dem damals noch eher unbekannten Johnny Depp die Titelfigur anzuvertrauen, einfach weil die Chemie zwischen ihm und dem genialen Ausnahmeschauspieler mit den traurigen Augen stimmte. Natürlich erwies sich dies als genialer Glücksgriff, denn wie gesagt, zumindest meine Wenigkeit und niemand sonst, den ich kenne und der den Film schätzt, hätte sich je einen anderen Darsteller für die Rolle vorstellen mögen. Dieser Film machte mich seinerzeit zum, nun ja, ich gestehe es, Fan vom talentierten Mr. Depp, wie das geschätzte „Rolling Stone Magazin“ ihm unlängst auf dem Titelblatt huldigte. Unter all dem Make up hatte Depp, dessen Gesicht nun mal die Züge eines „Automaten“, wie man künstliche Menschen im 19. Jahrhundert nannte, tragen mussten, kaum die Chance, große Gefühle zu transportieren. Dennoch gelang ihm das auf wunderbare Weise fast allein mit seinen Augen. Ein reduziertes Spiel, und doch voller großer Tragik . Hierbei werden Erinnerungen an das Spiel der Schauspieler des Filmexpressionismus geweckt, und vermutlich haben sich Depp und Burton auch genau dort inspirieren lassen. Überhaupt hat Burton ja nie einen Hehl aus seiner Begeisterung für die alten Horrorklassiker gemacht, seien es die alten deutschen Meisterwerke von Murnau, Wiene oder Dreyer, oder eben die US Gothics aus den 1930’er/40’er Jahren von Whale, Browning, Freund und Siodmark.
Und natürlich steckt auch jede Menge „Frankenstein“ im Edward, ebenso wie das alte französische Märchen von der Schönen und dem Biest, das ja 1946 in einer genialen Filmversion vom französischen Surrealisten und Überkünstler Jean Cocteau inszeniert wurde („La Belle et la Bete“ mit Jean Marais und Josette Day), welche sich Burton unbedingt vor den Dreharbeiten angesehen haben wird. Oft wird auch ein Bezug zum italienischen Märchen „Pinocchio“ in die Geschichte interpretiert, das kann man tun, muss man aber in meinen Augen nicht. Und auch nicht von Ungefähr kommt das Mitwirken des alten Gruselfilmrecken Vincent Price, der hier eine gütige Version des Victor Frankenstein zum Allerbesten gibt. Übrigens handelte es sich hierbei nicht wie vielfach behauptet wurde um den letzten Filmauftritt des großen Mannes, den hatte er erst drei Jahre später im TV Movie „Im Herzen der Rache“. Dennoch gehört der Edward unbedingt zu seinem Vermächtnis.
Ebenfalls gehört die wundervolle Filmmusik von Danny Elfman, einem weiteren Soul Buddy Burtons, zu den zu Herzen gehendsten Augenblicken der Filmhistorie. Immer wieder Ehrfurcht gebietend ist die Szene, in denen Edward/Depp an Eisskulpturen schnitzt und Kim/Wynona Ryder, im entstehenden Schneeregen zu der genialen Intonierung tanzt. Nicht viele Filme transportieren Szenen solch magischer Größe! Überhaupt, Wynona Ryder, die große ätherische Schönheit der 1990’er Jahre, für die es ja leider in den letzten Jahren nicht so brillant lief. Auch sie brachte eine ergreifende Leistung in diesem Film zustande. Sie wurde ja oft kritisiert, außer einem schönen Gesicht hätte sie nicht viel zu bieten. Hier überzeugt sie wie selten in der Rolle der schönen, edlen, aufopferungsvollen Kim. Klasse!
Ziehen wir einen Strich und schauen was drunter bleibt: Ein wunderbares, düsteres Märchen nämlich für Große, eine Geschichte, die die Shakespearsche Tragik von Romeo und Julia hat, vom Frankenstein und von Jean Cocteaus Werk, hierzu eben solch großartige Bilder liefert mit einem jungen Johnny Depp auf der frühen Höhe seines Schaffens und einer grandiosen Wynona Ryder, und den vielleicht großartigsten Film, den aber sicherlich schönsten, den Burton je fabriziert hat. Eine Sternstunde des modernen Kinos. Das wirkt lange nach! So muss großes, grandioses, fantasievolles Kino sein. Und die Zeilen „Hold me!“ - I can’t“ gehören zu den großartigsten und genialsten, die je in einem Film gesprochen worden sind! Besser geht es nicht! Anschauen!! Lieben!!!
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Die DVD ist zu haben bei 20Th Century Fox, sowohl in der Originalfassung wie in in einer Neuauflage, auch auf Blu-ray! Es gibt auch bei Fox eine Johnny Depp Box, in der der Film zu kriegen ist.
Für die VHS Version muss man ebenfalls bei den geschäftstüchtigen Kollegen von der Fox klingeln, aber manchmal läuft der Film ja auch im Fernsehen!
Filmbewertung
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Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche
Stand: 09.02.2010 01:51:31
Charlie und die Schokoladenfabrik (Einzel-DVD)
Stand: 09.02.2010 01:44:36
Nightmare Before Christmas (Collector's Edition, 2 DVDs)
Stand: 09.02.2010 01:52:38
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Weitere Kommentare zum Film
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| Berti, 16.02.09 |
| Habe mir den großartigen Film gestern wieder mal nach langer Zeit angeschaut und war wie immer aufgewühlt danach. Auch ich hab natürlich wieder ein Tränchen raus gedrückt, einfach weil die ganze Story so ungerecht - also - so direkt aus dem Leben gerissen ist! Gut, ich spreche hier nicht von Robotermenschen- sondern einfach von Menschen die in unserer Gesellschaft Aussenseiter sind- aus welchen Gründen auch immer. Es hat immer und ewig schon den Pöbel gegeben die "solche" Menschen kritisieren und zu dem machen was sie dann sind: Aussenseiter. Sei es aus Neid, Angst, Hass, was auch immer. Johnny Depp spielt wie von Wollo schon beschrieben absolut großartig! Seine Empfindungen gibt er nicht nur mit den Augen wider sondern auch mit dem Mund indem er hi und da ein ganz kleines verzücktes Lächeln formt. Die witzigeste Szene für mich war neben den Haarbüscheln die beim Schneiden ständig davon flogen (hihi) die- als Winona ins Zimmer kommt- schreit- und er sich so erschrickt dass er wild um sich sticht und überall das Wasser aus dem Wasserbett rausspritzt!! Da hab ich echt gelacht. Eine der gefühlvollsten ist wie von Wolle schon beschrieben die- wo Edward sie in den Arm nehmen will... und als sie draußen tanzt. Besonders traurig fand ich halt auch den Schluss- eben wegen der großen Ungerechtigkeit die ihm wiederfahren ist... schnief... seufz... |
| Staudenmaier007, 19.01.10 |
| Eine wundervolle Charakterstudie der amerikanischen oder auch unseres spiesbürgelichen wohlstands und Bildungsbürgertums. Burton schafft es auf unterhaltsame Weise zu offenbaren und offenzulegen was einem als alltäglich oft nicht auffällt. 5/5 |
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