Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
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Inhalt
London im 19. Jahrhundert: Der Barbier Benjamin Barker könnte der glücklichste Mensch der Welt sein. Er hat eine hübsche Frau, eine reizende Tochter, leider aber auch einen mächtigen Feind. Der nicht eben zimperliche Richter Turpin ist in Barkers Frau verliebt und läßt ihn zwecks Eroberung derselben aus dem Weg schaffen. Jahre später kehrt Barker aus der Gefangenschaft zurück und erfährt von seiner früheren Vermieterin Mrs Lovett, einer erfolglosen Pastetenbäckerin, seine Frau habe sich nach seinem Verschwinden vergiftet und seine Tochter Johanna sei inzwischen das Mündel seines Erzfeindes Turpin. Barker eröffnet unter dem Namen Sweeney Todd in seiner alten Wohnung erneut einen Friseursalon. Sein einziges Ziel: Rache an Turpin. Doch als er diesen schon auf dem Frisierstuhl und das Rasiermesser an dessen Kehle hat, platzt sein Bekannter, der junge Seemann Anthony, herein und informiert ihn über seine Liebe zu Johanna und seine Pläne, sie zu entführen. Das hört Turpin, der Johanna selbst heiraten möchte, gar nicht gern, und sagt Todd aufgrund seines fragwürdigen Freundes für immer Adieu. Todd, um seine Rache an Turpin gebracht, beginnt sich nun an der ganzen Welt zu rächen und schneidet seinen Kunden reihenweise die Kehle durch. Die Leichen landen umgehend in Mrs Lovetts Backstube. Und deren Fleischpasteten erfreuen sich auf einmal großer Beliebtheit...
Kommentar
Sweeney Todd war im London des 19. Jahrhunderts so eine Art Urban Legend: ein Barbier, der seine Kunden ein wenig zu scharf rasierte und dem benachbarten Pastetenladen zur Weiterverarbeitung überließ. Mehrfach wurde inzwischen versucht, seine Existenz zu beweisen, doch ist Sweeney Todd nicht realer als sein Mitbürger Sherlock Holmes, der nichtsdestotrotz noch jedes Jahr waschkörbeweise Briefe erhält. Manche Geschichten sind zu gut, um nicht geglaubt zu werden, erst recht zu gut, um nicht erzählt zu werden, und so avancierte Sweeney Todd seit 1936 zum Helden diverser Filme und bereits seit 1847 zum Protagonisten mehrerer Bühnenstücke. Am erfolgreichsten wurde das 1979 uraufgeführte Broadway-Musical von Stephen Sondheim, und eben dieses hat Tim Burton, Hollywoods Großmeister des Grotesken, 2007 aufwendig verfilmt. Herausgekommen ist, gäbe es dieses Genre denn wirklich, ein formidables „Grusical“, und deswegen muß man die Warnung aussprechen: Ja, es wird viel gesungen, und ja, die Darsteller singen allesamt selbst. Aber diese Warnung ist – selbst wenn man, wie der Rezensent, kein großer Musical-Freund ist – zugleich eine Empfehlung, denn die Musik hat nichts mit dem typisch Lloyd-Webberschen Zuckerguß zu tun, vielmehr erinnert sie oft an den Stil von Burtons eigentlichem Hauskomponisten Danny Elfman und trägt viel zu dem komischen Element, aber auch zu der Schaueratmosphäre des Films bei. Sie illustriert den makabren Stoff ebenso vielfältig – von der wuchtigen Orgelkaskade bis zur Liebesschnulze – wie wirkungsvoll, und die Schauspieler singen erstaunlich gut (dazu mag das Mischpult einiges beigetragen haben; wer will da nachhaken?..), wiewohl die Stimmen natürlich nicht die stärksten sind.
Als Sweeney Todd glänzt Burtons bevorzugter Hauptdarsteller Johnny Depp („Sleepy Hollow“ (1999), „From Hell“ (2001)). In der dem „Grafen von Monte Christo“ ähnlichen Rolle als Racheengel in eigener Sache liefert er eine der besten Leistungen seiner Karriere ab, die ihm einen Golden Globe und die immerhin dritte Oscarnominierung einbrachte. Gewonnen hat er den Oscar - angesichts der Schrägheit der Rolle kaum verwunderlich - selbstredend nicht, und so sehr Daniel Day-Lewis der Goldjunge für sein grandios-überzogenes Spiel in Paul Thomas Andersons „There will be Blood“ (2007) gegönnt sei, so sehr hätte ihn doch Johnny Depp diesmal verdient. Bei aller Skurrilität liefert er, ob er spricht oder singt, das zwingende Portrait eines völlig zerstörten, nur noch von der eigenen Besessenheit am Leben gehaltenen Menschen und bewahrt durchweg die Balance zwischen Dämonie, Tragik und Komik. Kaum weniger überzeugend ist Tim Burtons Lebensgefährtin Helena Bonham Carter („Mary Shelley’s Frankenstein“ (1994), „Planet der Affen“ (2001)) als Mrs Lovett. Es muß eine große Versuchung sein, die Rolle als bloße Schreckschraube, als rein komische Figur zu spielen – und daß sie das nicht getan hat, ist Helena Bonham Carter in mehreren Kritiken vorgeworfen worden –, doch betont sie mehr Mrs Lovetts unglückliche Liebe zu Todd und geht so in ihrem Spiel über die skrupellose Geschäftsfrau und alte Vettel hinaus. Ohne sich die Pointen entgehen zu lassen, zeigt sie den Menschen hinter der Karikatur, und das ist ohne Zweifel viel in diesem düster-grotesken Streifen, der nur selten einen emotionalen Hoffnungsschimmer zuläßt. Als solcher dient vor allem die Liebe zwischen dem jungen Seemann Anthony und Todds Tochter Johanna: Sicher handelt es sich hierbei um eine denkbar banale Love Story, und ebenso sicher sind die beiden die blassesten Charaktere des Films, doch bildet ihr Miteinander einen nötigen Kontrast zu dem übrigen Kompendium beschwingt inszenierter seelischer Abgründe.
Nicht nur die übrigen Darsteller, von Alan Rickman als despotischer Richter über Timothy Spall als dessen schmieriges Faktotum bis hin zu Sacha Baron Cohen als wenigstens ebenso schmieriger Scharlatan, verdienen höchstes Lob, sondern auch der ganze Stab: Sei es der Kameramann Dariusz Wolski, sei es das oscargekrönte Szenenbild Dante Ferrettis und Francesca Lo Schiavos, das in jedem Augenblick den typischen Burton-Look garantiert, sei es – natürlich – die Regie Tim Burtons selbst. Burton bewährt sich auf seine ihm eigene Manier in einem der kommerziell hoffnungslosesten Filmgenres. Der Erfolg, der sich glücklicherweise eingestellt hat, gibt ihm recht. Er bleibt sich selbst treu, läßt das Blut fontänenweise spritzen, ohne daß dies zur bloßen Effekthascherei verkäme, und geht noch einen Schritt weiter dabei, seine kinematographische Welt immer hermetischer werden zu lassen. Mangelt es Burtons Filmen manchmal einzig an einer stimmigen Gesamtdramaturgie, so daß die Handlung dann teilweise wie eine Reihung origineller Einzelszenen wirkt (etwa in „Big Fish“ (2003) und z.T. in Charlie und die Schokoladenfabrik (2005)), liegen die Dinge hier anders, sogar die Gesangsnummern (in der deutschen Fassung zum Glück nicht synchronisiert, sondern OmU) integrieren sich – und das ist bei einem Film-Musical alles andere als selbstverständlich – nahtlos in den Erzählfluß. Neben „Ed Wood“ (1994) und „Sleepy Hollow“ (1999) dürfte „Sweeney Todd“ sein geschlossenster Film sein: ein (gar nicht mal so) kleines Meisterwerk, das sich die Höchstwertung ohne jede Einschränkung verdient hat.
Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven
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Veröffentlichungen
Der Film ist bei Warner Home Video auf DVD und Blu-ray erschienen.
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Weitere Kommentare zum Film
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| ItsJustAMovie, 29.02.08 |
| Ich war gestern in dem Film und muss sagen, er ist ein weiteres Meisterwerk von Tim Burton. Ein Musical das Höchste Filmansprüche zu frieden stellen kann. Ein sehr düster gehaltener Film, der sehr von seiner Atmosphäre lebt, die aber gerne mal durch ein lustigeres Lied unterbrochen wird. Schon allein die Kameraführung deutet sofort auf Tim Burton, da diese schnelle durch die Gegend fahren und nur kurz haltmachen an optischen wirkenden Punkten. Die Schauspieler sind wirklich gut in ihren Rollen und überraschen so manchen mit ihrem Gesangstalent. Vor allem Johnny Depp und Helena Bonham Carter können in ihren Rollen als Sweeney Todd/Benjamin Barker und Mrs. Lovett bilden ein schaurig schönes Schauspielerpaar. Da Johhny Depp und Tim Burton befreundet sind, verwundert es wohl auch keinen das gerade er wieder die Hauptrolle spielt(In Tim Burtons "Charlie und die Schokoladenkinder", ist er ja auch der Hauptdarsteller). Aber auch die anderen Schauspieler sind nicht zu verachten. Das ungewöhnlichste an diesem Film dürfte sein, das jeder Böse zu sein scheint und gerade die beiden Feinde Richter Turpin und Sweeny Todd sich darüber einig sind, das jeder in dieser Stadt den Tod verdient. Ein einfach ungewöhnlicher Film, mit einer ungewöhnlichen Geschichte, die einen in ihren Bann zeiht. Wer diesen Film nicht gesehen hat, der verpasst eines der besten Musicals und einen der besten Filme dieses Jahres. |
| Wollo, 29.03.08 |
| Hi Ruthven, stimme Dir nahezu uneingeschränkt zu. Allerdings sehe ich Deine Betrachtung des Films "Big Fish" ein wenig anders als hier wiedergegeben, denn der Film ist so viel mehr als eben nur die Aneinanerreihung origineller Einzelszenen, wie ich ja eben an anderer, entsprechender Stelle wiedergegeben habe. Aber da nur am Rande. Beste Grüße Wollo |
| Staudenmaier007, 11.01.10 |
| Ich war zuerst ein bischen entäuscht - wenn ich ehrlich bin. Mir kam es vor wie eine Mischung aus "Jack the Ripper" und der Graf von Monte Christo - trotzdem wurde wie bei allen Filmen Tim Burtons mit Liebe zum Detail gedreht. 3/5 Punkte schon alleine deswegen. |
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