Kommentare von Wollo

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Kommentare 1 bis 25

Conan - Der Barbar (USAUSA, 1982)
OT: Conan the Barbarian, Regie: John Milius
Mit: Arnold Schwarzenegger, James Earl Jones, Gerry Lopez, Sandahl Bergman, ...

Autor:Wollo
Datum:07.09.10
Kommentar:War lange nicht mehr hier, Sorry diesbezüglich!!! Sogleich aber begann mir Testosteron aus Augen, Mund und Ohren zu laufen als ich den vorletzten Gatskommentar zu diesem Streifen vernahm. Noch immer schleife ich mit einem Stein an meinem Schwert... Nee, im Ernst, eigentlich stricke ich gerade einen warmen Pullover für den Winter, was bleibt mir denn sonst übrig, weil ich finde diesen FIlm irgendwie total lachhaft? Jetzt fühle ich mich erwischt, unmännlich wie ich wohl offensichtlich bin, ach Menno.... Wahrscheinlich werde ich mir nu im Kino die "Expendables" ansehen müssen, aber ich hab a so 'ne gewisse Ahnung, das mir die auc nicht gefallen werden.... mmh...
Bewertung:
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Scarface (USAUSA, 1983)
OT: Scarface, Regie: Brian De Palma
Mit: Miriam Colon, Robert Loggia, Mary Elizabeth Mastrantonio, Michelle Pfeiffer, ...

Autor:Wollo
Datum:12.05.10
Kommentar:De Palmas "Scarface" ist ganz zweifelsohne der besten Gangsterfilme einer überhaupt, und Al Pacino spielt als Schauspieler an und für sich ohnehin in einer eigenen Liga, wenngleich er mitunter auch schon mal ein wenig zum sogenannten "Overacting" neigt, also dazu seine Charaktere etwas zu überzeichnen, und genau dafür ist dieser Film ein Paradebeispiel. Ich bin nicht der Meinung, die Rolle des Tony Montana sei die Rolle seines Lebens, denn die war ganz klar die des Michael Corleone in der "Godfather" Saga, und ich denke, de Palma hat Pacino ohnehin nur besetzt, weil er eben zuvor bereits einen der legendärsten Filmgangster überhaupt verkörpert hat. Zudem mochte ich ihm nie so ganz den jungen Springinsfeld abnehmen, der er zu Beginn des Films sein soll, denn hierzu wirkt er für mich einfach zu betagt - immerhin war Pacino bei den Dreharbeiten bereits 43 Jahre alt. In meinen Augen ist die wahre Sensation des Films die damals noch blutjunge und gänzlich unverbrauchte Michelle Pfeiffer, die eine grandiose Performance hinlegt. Absolut nachvollziehbar, dass dieser Film eine der Säulen ihrer späteren Weltkarriere war. Die gezeigten Gewaltdarstellungen sind gelegentlich reichlich over the Top, aber das kennt man ja von de Palma, und ganz gewiss waren diese nicht der Grund für die Indizierung des Films in unseren Breiten. Die Ursache hierfür ist, wie der Rezensent schon ganz richtig erkannt hat, eher in der Wirkung zu suchen, die der Film auf manch schlichtes Gemüt haben mag, welches sich durch die vermeintliche Gloriole, die hier dem Verbrechertum aufgesetzt wird, angesprochen fühlen mag, auch wenn's am Ende nicht gut ausgeht für den Überflieger Tony. Verbrechen zahlt sich nicht aus, will der Film zwar irgendwo sagen, aber zwischen den Zeilen steht auch irgendwo so ein abgedroschener Satz wie "Live fast, die young!" Na ja, als mündiger Zuschauer kann man damit umgehen, denke ich mal. Übrigens, auch hier gilt mal wieder, wer in den wahren Genuss des Films kommen will, der muss gerade hier unbedingt zum Original greifen, denn die eingedeutschte Version ist selbstverständlich nicht halb so gelungen. Fazit: "Scarface" ist sicherlich ein Meilenstein des Gangsterfilms und war auch ganz sicher stilprägend für die damalig laufende Dekade (man schaue sich nur "Miami Vice" an), ich denke aber nicht, dass er dieser Tage noch so einflussreich ist wie anno dazumal, was man wiederum andererseits über den "Paten" nicht sagen kann, denn das ist und bleibt noch immer die Gangstersaga überhaupt, und ich wage zu bezweifeln, dass es jemals einem anderen Film dieser Art gelingen wird, ihm diesen Nimbus abzujagen! Dennoch, vier Skulls für de Palma und Pacino, fünf würde ich der Pfeiffer geben, bleiben unterm Strich also vier!
Bewertung:
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Bram Stoker's Dracula (USAUSA, 1992)
OT: Dracula, Regie: Francis Ford Coppola
Mit: Gary Oldman, Winona Ryder, Anthony Hopkins, Keanu Reeves, ...

Autor:Wollo
Datum:15.04.10
Kommentar:Der Film gehört definitiv zum Grandiosesten, was die "Königsklasse des Horrorfilms" - sag ich jetzt mal so und behaupte, das sei der klassische Gothic-Flick - jemals in die Finsternis der Lichtspielhäuser (was für eine Ironie!) entließ! Diese bildgewaltige Mischung aus zeitgemäßem Blockbuster, traditionellem "Gruselhandwerk" (um das mal jetzt so zu nennen) und in gewisser Weise "Arthouse-Horror" ist einzigartig und Filmkunst pur, auch wenn sich das nicht unbedingt sogleich beim ersten Anschauen des Films erschließt, und letztlich oft kopiert, aber nie wieder in dieser Vollendung erreicht worden. Fast ausschließlich im Studio entstanden ist der Film tatsächlich so etwas wie eine Verbeugung vor den guten alten Klassikern des Genres und ihrer Masterminds, vor Tod Browning und Mario Bava, aber auch vor Friedrich Wilhelm Murnau und Fritz Lang (nur um ein paar derer namentlich zu listen.) Die Darsteller sind großartig gecastet, Oldman als Dracula ist eine Offenbarung, beinahe wie ein tragischer König Lear auf der Bühne, Ryder als Mina der Höhepunkt einer Karriere, die leider vorbei ist (was macht die Dame eigentlich dieser Tage, hat sie sich verjüngt und nennt sich nun Keira Knightley?), Reeves präsentiert hier einmal nicht seine Betonmimik und beweist, dass er die Berufsbezeichnung Schauspieler auch verdienen darf (sähe man ihn nur mal häufiger so), Hopkins liefert seine ganz eigene Interpretation des victorianischen Superwissenschaftlers van Helsing, chargiert allerdings einstweilen etwas, was ihm Coppola durchgehen ließ, aber letztlich zeigt auch er eine großartige Leistung. Ob der geschätze Steve Buscemi letztlich die Rolle des Renfield besser besetzt hätte als der gleichermaßen grandiose Tom Waits lasse ich mal dahingestellt, Sadie Frost allerdings wirkt als "lüsterne Lucy" gleich mehrfach ein wenig überfordert, und die damals noch gar nicht wirklich bekannte Frau Belucci fällt als eine der drei Vampirbräute auch nicht wirklich auf. Grant, Elwes und Campbell sind nicht mehr als schmückendes Beiwerk, hier hätte der Regisseur mehr Sorgfalt walten lassen können da ihren Figuren in der literarischen Vorlage ja auch einen weitaus größeren Anteil an der Jagd auf Dracula haben. Und überhaupt, für einen Film, von dem immer wieder behauptet wird, er halte sich so eng wie kein anderer an das Buch Stokers - was ihm der deutsche Verleih ja auch gleich in den Titel schrieb - kümmert er sich doch recht wenig um eben dieses. Mir persönlich ist das zwar wumpe, denn künstlerische Freiheit muss sein, doch für manch einen Puritaner mag das ein Kritikpunkt sein. Mir gefällt die Idee, den Dracula mit den Mitteln einer klassischen Tragödie zu erzählen. Ob das mit der Idee des Horrorfilms zusammen geht, das muss jeder für sich je nach Vorliebe entscheiden, doch wer es im positiven Sinne "old School" mag (klingt hübscher als altmodisch oder gar wertkonservativ, gell?) wird hier hervorragend bedient. Nach diesem Film vermochte nur noch "Interview mit einem Vampir" das Publikum (beinahe) auf eben diese spezielle, irgendwie barock anmutende Art in seinen Bann zu ziehen. Einen solch schönen Film wie diesen hier suchte man hernach vergeblich. Underworld? Van Helsing? Twilight gar? Ach Quatsch!!
Bewertung:
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Oben (USAUSA, 2009)
OT: Up, Regie: Pete Docter, Bob Peterson
Mit: Edward Asner/Fred Maire, Jordan Nagai/Maximilian Belle, Christopher Plummer/Karlheinz Böhm, Bob Peterson/Dirk Bach, ...

Autor:Wollo
Datum:02.04.10
Kommentar:Jedem seine Meinung, dennoch sehe ich mich hier noch einmal gezwungen, dazu etwas zu schreiben, denn mitnichten ist die Handlung total vorhersehbar, denn wer wäre schon ohne den Trailer und die Vorberichterstattung auf die Idee gekommen, dass Carl sein Haus mit einer grotesken Anzahl von Luftballons davon schweben lassen würde? Zudem, wer hätte die anrührende Dramatik in den ersten 30 Minuten in einem Disney Film erwartet? Eine lebenslange Liebe, die so traurig zu Ende geht? Ein Paar, das kinderlos bleiben muss? Ein lebenslanger Wunsch, der gemeinsam nie in Erfüllung ging? Da kann man selbst als Mathegenie nicht drauf kommen, oder? Und hätte man nicht beinahe sogar am Ende fast den Tod Fredricksens erwartet? Hätte ja durchaus zu der nicht unbedingt immer hoffnungsfrohen Geschichte gepasst, dennoch ging es schließlich versöhnlich aus, auf eine Art allerdings, die ich so nicht erwartet hätte, und damit meine ich jetzt gar nicht, dass der Greis und der Knirps Freunde werden, denn das war ja dann schon irgendwie klar, aber das Abschließen können mit dem gelebten Leben, das Bereitsein, ja das Annehmen von neuerlichen Abenteuern und Herausforderungen, das hat in der Konsequenz überrascht. Und da, wo es um solche Elemente geht, da tut Pixar Disney ungemein gut. Letztlich bleibt es zwar sowas wie ein Familienfilm, aber nicht mehr einer der scheinheiligen Sorte, die man bei den Micky Mäusen so lange fabriziert hat. Gründe genug dafür, weswegen der Film das Mittelmaß weit überragt! Wir haben den Film zu dritt gesehen, zwei Erwachsene, die Filme an und für sich durchaus kritisch schauen (sag ich jetzt mal so), und ein Siebenjähriger, und wir waren alle drei begeistert und konnten uns darauf einigen, einen Film gesehen zu haben, der jedem von uns ein tolles Kinoerlebnis beschert hatte. Ich bleibe bei meiner Höchstwertung!!!
Bewertung:
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Batman (GroßbritannienGroßbritannien, USAUSA, 1989)
OT: Batman, Regie: Tim Burton
Mit: Michael Keaton, Jack Nicholson, Kim Basinger, Robert Wuhl, ...

Autor:Wollo
Datum:17.03.10
Kommentar:Oh oh, Burtons "Batman"!! Da habe ich selber schon mehrfach drüber nachgedacht, da mal ein Review zu verfassen, habe den Gedanken aber letztlich verworfen weil ich es eigentlich einfach zu schwierig fand, denn a) bin ich einfach nicht so der ganz große Superhelden Fan, erst recht nicht, wenn man sie vom bunten Papier auf die Kinoleinwände beamt, was ich noch selten so richtig überzeugend fand, und somit in letzter Konsequenz auch wohl nicht unbedingt der Jenige sein muss, der sich ausgerechnet an Burtons "Batman" verhebt, und b) bin ich eben einfach ein zu großer Burton Fan, der einfach mal schon vorneweg nicht unvoreingenommen genug an dieses Garn rangehen kann. Ganz schwieriger und äußerst kontroverser Stoff also, das! Leider, leider wird dieses Review dem nicht gerecht und bleibt sogar am Ende ziemlich nichtssagend, Sorry, deswegen, lieber ActionFreak, aber hier werden leider nur Gemeinplätze gelistet, wobei da manch ein Highlight sogar außen vor gelassen wurde, zum Beispiel der sensationelle Score von Danny Elfman, der zu recht längst Kinogeschichte geworden ist! Ansonsten aber ist hier die Rede von erstklassigen Schauspielern und einer spannenden, düsteren Geschichte, mithin einer hervorragenden Comicverfilmung. Tja nun, jein, aber eindeutig!!! Die Schauspieler mögen ja erste Garde sein (obwohl, Michael Keaton?), aber so richtig überzeugen kann hier nur einer, und das ist ohne jede Frage Jack Nicholson als Joker, der hier mal wieder so richtig auf die Sahne hauen darf und dabei sichtlich auch noch einen Heidenspaß hat, und das obwohl er die Rolle zunächst gar nicht habe wollte. Finanziell ausgezahlt soll es sich für ihn dann aber auch haben, denn es wird gemunkelt, er habe eine der bis heute höchsten Gagen aller Zeiten für seinen Part in die Taschen stecken dürfen (die dann wohl recht große gewesen sein werden.) Aber seien wir mal ehrlich, Kim Basinger spielt ihren Part überzeugend? Nie und nimmer, stattdessen nervt sie ohne Ende mit ihrem Part als blondes ScreamQueen Dummchen. Überhaupt habe ich nie verstanden, was denn an dieser Dame dran sein soll, dass ausgerechnet sie immer wieder zur "Erotik-Ikone" der 1980'er Jahre erklärt wird. Ich kann nix dafür, aber für mein Empfinden hat Frau Basinger null Ausstrahlung (ungefähr genau so viel mimische Anlage sowieso) und gleiches lässt sich auch über ihre Figur sagen, weswegen man gar nicht nachvollziehen kann (oder will), was denn der ach so tolle und rätselhafte Bruce Wayne alias Batman von der Dame will oder an ihr findet. Und überhaupt, Bruce Wayne/Batman, was soll ich nur von Michael Keatons Darstellung halten? Auf der einen Seite deckt er zwar halbwegs überzeugend mit solidem Schauspielhandwerk das dualistische Dilemma ab, in welchem die Figur steckt (das ich mal als bekannt voraus setze, denn auf das jetzt genau einzugehen den Rahmen dieses Kommentars bei weitem sprengen würde), und sehr wohl kann man sich vorstellen, dass er auch bestimmt ein guter Bühnenmime sein dürfte, der mühelos alle klassischen Stoffe bedienen kann, dennoch kann und will man irgendwie nicht verstehen, was Burton bewogen haben mag, diesem (sorry again) mickrigen und unscheinbaren Männlein die Rolle des widersprüchlichsten aller klassischen Superhelden zu geben, des "dunklen Ritters", diesem sinistren maskierten Detektiv, der auf der einen Seite selbstgerechter Vigilant, auf der anderen Seite eine düstere Erlöserfigur ist und übrigens über keine echten "Superkräfte" verfügt wie sein (langweiliger) Kollege Superman oder der Fassandenkrabbler Spiderman von der Marvel-Konkurrenz. Keaton fehlt leider jegliches Charisma, was sich vielleicht unter dem äußerst gelungenen Gummidress des Helden noch ganz gut verbergen lässt, doch spätestens immer dann besonders auffällt, wenn Bruce Wayne als lässiger Lebemann auftreten soll. Lieber mag ich mir Keatons Wayne als ältlichen Junggesellen vorstellen, der nächtens ein Pfeifchen schmauchend im karierten Abendrock vorm Kamin sitzend die Zeitung liest. Keaton ist für mich eine der grandiosesten Fehlbesetzungen der Filmgeschichte! Tja, und dann wäre da noch das Drehbuch, das eigentlich reichlich dröge ist und im Prinzip kaum den Film über zwei Stunden lang tragen kann, weswegen sich die Spannung hier auch absolut in Grenzen hält. Aber erstens hat sich Tim Burton sowieso immer nur dann als erstklassiger Geschichtenerzähler erwiesen, wenn er nämlich seine eigenen Geschichten visualisiert (wie beispielsweise im Falle "Edward"), denn ansonsten scheinen ihm die Inszenierungen wichtiger zu sein als die Geschichten, um die es gerade geht (was aber meistens auch völlig okay geht, sich hingegen in diesem Fall ein wenig komplexer darstellt, weswegen man diesmal damit auch nicht vollkommen zufrieden sein kann), und zweitens hat Tim Burton sich ja hinlänglich dahingehend geäußert, dass die Produzenten ihm seine Batman-Vision zerstört haben, da sie sich zu sehr in den kreativen Prozess einmischten, ja Zensur geübt haben sollen. Er bezeichnet "Batman" als künstlerischen Fehlschlag, weswegen er sich für die Fortsetzung auch das Recht am Final Cut in den Vertrag hat schreiben lassen! Und dennoch ist "Batman" ein "richtiger" Burton was Ausstattung, Atmosphäre, Kreativität, Einfallsreichtum und Summe der einzelnen Teile angeht, die einen immer wieder die Kinnlade herunter gleiten lässt und sich am Ende doch wieder zu einem homogenen Ganzen konglomeriert. Selten sah man einen so expressionistisch anmutenden Megablockbuster wie diesen hier (hat ja inzwischen auch mehrere hundert Millionen $ eingespielt), selten lagen Gotik und Popart so eng beieinander und bildeten dennoch eine so fröhlich-düstere Eintracht, und auch wenn inzwischen in den Zeiten des CGI-Zauberkastens so manch ein Effekt vielleicht doch ein klein wenig angestaubt daherkommen mag, so ist "Batman" dennoch ein Film von enormem Schauwert, welcher eben auf den ersten Blick über die inhaltlichen Mängel hinweg täuschen lässt. Dennoch bleibt unterm Strich ungefähr der gleiche Effekt, den die große Tüte Popcorn hatte, die man vielleicht beim Film verzehrt hat, nämlich viel Zucker, kaum Nährwerte! In noch größerem Maße lässt sich das über die drei Jahre jüngere Fortsetzung "Batmans Rückkehr sagen, in welcher Christopher Walken und Danny de Vito (der allerdings in grandioser Maske, wenngleich diese völlig am Original vorbei ging) als eher lächerliche Superschurken chargierten. Dort überzeugte einzig Michelle Pfeiffer als Catwoman, auch wenn die Motivation hinter ihrer Figur leider völlig im Dunkel bleibt. Auch dieser Film lebt letztlich nur davon, ein grandioser Ausstattungsfilm zu sein, der in ähnlicher Weise dicht und atmosphärisch stimmig inszeniert ist, mit expressionistischem Ausdruck spielt und am Ende eben doch bloß Popcorn bleibt. Die beiden unwürdigen kunterbunten Quatschfilme, die Joel Schumacher nachgeschoben hat und in denen Val Kilmer und George Clooney die Fledermausohren trugen, die müssen hier gar nicht erst zur Diskussion stehen. Später hat ja dann Herr Nolan mit Christian Bale einen ambitionierten Neubeginn der Serie gewagt und scheiterte damit in gewisser Weise auf ähnlich hohem Niveau wie Burton, denn letztlich kann man mit dem Stoff nur baden gehen wenn man versucht, daraus Kinokunst zu machen. Aber von all diesen Filmen mag ich diesen hier, also Burtons ersten "Batman" noch immer am liebsten, eben weil er grandioser Trash ist, der aber nach viel mehr aussieht. Hätte er eine überzeugendere, rasantere Story mit mehr Überraschungen und Wendungen, mehr Dynamik und Rasanz erzählt, heissa, das wäre schön gewesen! Hätte er vielleicht noch einige passendere Darsteller zu bieten gehabt, so hätte am Ende vielleicht noch ein richtiger Klassiker dabei heraus kommen können. Dennoch, mit vielen Abstrichen gerade mal noch vier Skulls für diesen Film hier, die Fortsetzung bekommt drei von mir!
Bewertung:
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Lizenz zum Töten (USAUSA, 1989)
OT: Licence to Kill, Regie: John Glen
Mit: Timothy Dalton, Robert Davi, Carey Lowell, Talisa Soto, ...

Autor:Wollo
Datum:13.03.10
Kommentar:Als ich die Formulierung "unwürdiger Rache Haudrauf-Klopper" (oder so ähnlich) auf diesen Film münzte hatte ich auch gar keine Bedenken bezüglich der "fragwürdigen" Moral, denn, Entschuldigung, wir reden hier von einem Bond-Streifen, da stellt sich per se die Frage nach einer wie auch immer gearteten moralischen oder politisch korrekten Botschaft sowieso gar nicht erst. Und auf Danny Craigs Darstellung, die in meinen Augen fast nahtlos an die Dalton Filme anknüpft, hatte ich ja bereits ebenfalls verwiesen, und gerade zwischen den jeweils "zweiten" der beiden lassen sich überdeutliche Parallelen ziehen, gar keine Frage. Allerdings ist es für mich auch überhaupt keine Frage, dass "Quantum" um Längen besser ist als "Lizenz", der zwar klar kontrovers gezeichnet ist, geprägt vom Wunsch, der Reihe eine neue Ausrichtung zu geben, was auch prinzipiell nicht falsch gedacht oder gar verkehrt wäre, denn gerade das hatte ich am Vorgängerfilm ja bejubelt, aaaaaber, und jetzt kommt's, was im ersten Dalton Film hervorragend funktionierte, das will hier so gar nicht klappen! Der Ansatz war zwar gut, die Geschichte aber, wie ich finde, schwach umgesetzt und sicherlich innerhalb des Bond-Kosmos, in gewisser Weise, na ja, eben unwürdig. Klar, Äktschn, Raufereien, Explosionen, alles im Übermaß vorhanden, aber mir fehlen irgendwie diese Bond Momente, dieses gewisse Etwas, dieses "Aah, jetzt...", sowas halt, was mir allerdings auch in den Craig Filmen einstweilen abhanden gekommen zu sein scheint, wie ich ja auch an anderer Stelle bereits angeführt hatte. Irgendwie will ich Bond einfach nicht als eiskalten Racheengel Koksdealer plattmachen sehen, obschon ich damit noch irgendwie leben kann, aber wenn mich der ganze Film dann eher an eine überlange Episode "Miami Vice" erinnert, dann ist das für mich eben auch nicht mehr so richtig Bond. In den neuen Filmen, über die man nun sagen könnte, na ja, die erinnern ja dann auch gelegentlich eher daran, wie Special Agent Jack Bauer binnen tagesfrist Amerika vor Atombomben, tödlichen Viren oder sonstwelchem lethalen Kram beschützt als an einen Bond, der gegen SPECTRE kämpft, und das ist vielleicht auch gar nicht so falsch, aber dennoch im Falle Craig nachvollziehbarer, denn man hatte ja mit den neuen Filmen quasi tatsächlich eine Art Neubeginn der Serie an den Start gebracht. Und wenn da jetzt wer meckert, was will er denn eigentlich, einerseits faselt er von Innovationen und neuer Ausrichtung, andererseits will er altbewährtes... Stimmt, ich will halt beides! Einen Bond auf der Höhe der Zeit, der aber dennoch gewisse Dinge erkennen lässt, die die Serie halt so eigen und einzigartig machten. Kapiert? Und nach wie vor bleibe ich dabei, Dalton als Darsteller = richtig gut, hätte ich auch liebend gern noch öfter gesehen, aber dieser Film hier ist nicht meine Tasse Earl Grey, schon allein weil Bond hier auch Sonny Crocket hätte heißen können. Den Titelsong dieses Films mag ich übrigens auch nicht und finde sogar, dass er der beliebigsten einer der gesamten Serie ist, genau wie die extrem gruselige Nummer von dem Sondgarden Sänger in "Casino Royale". Doch glücklicherweise lässt sich über Geschmack ja vortrefflich streiten, gelle?
Bewertung:
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Der Hauch des Todes (GroßbritannienGroßbritannien, USAUSA, 1987)
OT: The Living Daylights, Regie: John Glen
Mit: Timothy Dalton, Maryam d'Abo, Jeroen Krabbé, Joe Don Baker, ...

Autor:Wollo
Datum:10.03.10
Kommentar:Da schließe ich mich meinem Vorredner weitestgehend an; auch ich halte "Der Hauch des Todes" für einen der besten Streifen der Reihe überhaupt. Der Film wirkt gerade gemessen an seinen beiden Vorgängerfilmen beinahe wie eine Frischzellenkur für die Serie, die gemeinsam mit ihrem Hauptdatrsteller zum damaligen Zeitpunkt doch arg in die Jahre gekommen war. Die Story wirkte weitaus weniger comichaft als zuletzt in der Ära Bond, der Focus lag wieder mehr auf Härte und nachvollziehbarer Action (so weit im Bond Universum überhaupt davon gesprochen werden kann), die zuletzt beinahe schon nervigen technischen Mätzchen wurden auf ein angenehmes Maß zurecht gestutzt (ganz ohne ging es ja nicht, denn schließlich brauchte Mr. Llewelyn alias Q seine Szenen) und Timothy Dalton, tja, da scheiden sich natürlich die Geister gewaltig! Meine Wenigkeit hält ihn für einen grandiosen Darsteller und seine Interpretation der Figur ist tatsächlich am nächsten an der Romanfigur, und seien wir mal ehrlich, Daniel Craig, der allseits über den grünen Klee gelobte und beliebte aktuelle Darsteller mit der Lizenz zum Leute umnieten, hält sich in seiner Darstellung am ehesten an den Bond, den Dalton gab. Wo der verdiente Roge zum Schluss fast ein wenig bräsig wirkte, da macht Dalton einen frischen Eindruck, dynamisch, überzeugend, ja gefährlich, möchte man sagen! Okay, freilich ist Dalton 20 Jahre jünger als Moore, aber den hätte man ja auch schon eher austauschen können, denn eigentlich mochte er ja im Vorgängerfilm schon gar nicht mehr wirklich zum Dienst antreten, was man ihm dann aber mit einer fürstlichen Gage doch noch einmal schmackhaft gemacht hatte. Immer wieder wird ja gemunkelt, eigentlich hätten die Produzenten lieber zum damaligen Zeitpunkt bereits einen gewissen Pierce Brosnan als Hauptdarsteller verpflichtet, der jedoch vertraglich noch an seine TV-Serie "Remington Steele" (die by the way vollkommen bescheuert gewesen ist) gebunden war. Gut, der bekam dann ein paar Jahre später seine Chance und trat in gewisser Weise dann wirklich die Nachfolge von Roger Moore an, aber das ist dann auch wieder ein anderes Kapitel in der langen Bond Geschichte. Ferner spricht noch eines in meinen Augen unbedingt für diesen Film hier, nämlich Maryam D'Abo, die ich irgendwie ziemlich süß finde. Klar, 'ne starke Frauenfigur spielt sie wohl kaum, dafür ist sie aber irgendwie das verhuschteste aller Bond-Girls, und schon allein dafür mag ich sie überaus! Was allerdings hier so vielversprechend begann - guter Hauptdarsteller in gutem Debüt, gute neue Ideen und insgesamt guter Weg - wurde schon mit dem nächsten Film wieder in Stücke geschlagen, denn der unwürdige Haudrauf Rache Klopper "Lizenz zum Töten" stellt einen neuerlichen Tiefpunkt der Serie dar. Dann war's auch schon wieder vorbei mit der kurzen Ära Dalton, der 1995 nicht mehr gegen "Goldeneye" antreten mochte. Ein Wort noch zum Regisseur John Glen, der seltsamerweise für einige der besten und auch der schlechtesten Filme der Serie verantwortlich zeichnete, womit er wohl eindeutig bewiesen hätte, dass er keinesfalls ein Regievisionär zu nennen ist, sondern vielmehr als solider Handwerker angesehen werden muss, als Auftragswerker, der das inszeniert, was seinen Geldgebern vorschwebt. Heute sieht man das ja ein wenig anders und sucht die Regisseure der Filme tatsächlich danach aus, dass sie den jeweiligen Streifen auch ihren persönlichen Stempel aufdrücken, was ich sehr positiv finde. Glens Arbeit war stets schnörkellos, große Kunst hatte er nie im Sinn, eher gediegenere Unterhaltung, was ja dieser Tage nicht mehr unbedingt ein Widerspruch sein muss. Im Rahmen der Serie möchte ich diesem Film hier dennoch die Höchstwertung verleihen, die er allerdings für sich allein stehend (wie so ziemlich jeder Bond Film) sicher nicht verdient hätte!
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Im Angesicht des Todes (GroßbritannienGroßbritannien, USAUSA, 1985)
OT: A View to a Kill, Regie: John Glen
Mit: Roger Moore, Christopher Walken, Tanya Roberts, Grace Jones, ...

Autor:Wollo
Datum:08.03.10
Kommentar:Glücklicherweise ging es hier tatsächlich wieder etwas aufwärts mit der Serie, auch wenn ich finden muss, dass "uns Roge" hier wirklich nun eindeutig zu alt für die Rolle wirkt. Ansonsten halten sich in diesem letzten Moore-Bond Licht und Schatten in etwa die Waage "Bondgirl" Tanya Roberts ist nicht nur eine gänzlich talentfreie Zone, sie wirkt tatsächlich viel zu jung für Moore, der hier zwar insgesamt wieder ein wenig überzeugender agiert als in "Octopussy", aber eben, wie gesagt, inzwischen einfach viel zu betagt wirkt. Dafür ist der Plot diesmal wieder etwas gelungener und halbwegs auf der Höhe der Zeit, und mit Grace Jones und Christopher Walken gibt es zwei der hinreißendsten Bond-Schurken überhaupt zu bestaunen. Die Actionszenen sind alles in allem als gelungen zu betrachten und Glen gelang es anders als im Vorgängerfilm Moore in den selben so in Szene zu setzen, dass man den Umstand nicht ständig bemerkt, hier einen schwer auf die sechzig zugehenden Mann den Superhelden geben zu sehen. In den Szenen mit Roberts hingegen können Moore und Glen alerdings keineswegs hierüber hinweg täuschen. Der Humor kommt diesmal wieder etwas reduzierter und feiner zum tragen, was aber nicht zwangsläufig für sämtliche Gags gilt. Nach diesem Film machte Moore endgültig und nicht zuletzt auch endlich Schluss mit dem britischen Geheimdienst und überließ die Lizenz zum Töten einem Jüngeren, der leider zu unrecht etwas glücklos bleiben sollte. Aber das ist ein anderes Kapitel!
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Octopussy (GroßbritannienGroßbritannien, USAUSA, 1983)
OT: Octopussy, Regie: John Glen
Mit: Roger Moore, Maud Adams, Louis Jourdan, Kristina Wayborn, ...

Autor:Wollo
Datum:08.03.10
Kommentar:Auch für mich ist "Octopussy" einer der schlechtesten Filme der gesamten Serie, vielleicht nicht gar so mau und piefig anbiedernd wie "Moonraker", mit dem man besonders juvenil und vielleicht sogar innovativ daherkommen wollte und genau das Gegenteil erreichte, aber dennoch wirkt der Film im direkten Vergleich zur vorhergegangenen Episode "In tödlicher Mission" brav und altbacken. Die "Kalte-Krieg" Story um die Atombombe ist einfach zu hanebüchen um wirklich zu fesseln, das "exotische" Zirkus- und "zauberhafte" Indien-Flair aus tausendundeiner Nacht wirken eher putzig denn aufregend und die Rasanz seines Vorgängers hat der Regisseur Glen keinesfalls ein zweites Mal erzeugen können. Auch wirkt die Ikone Bond hier plötzlich in Moores Darstellung erstmals wie ihre eigene Karikatur. Obschon "In tödlicher Mission" nur zwei Jahre zuvor inszeniert worden war wirkt Moore hier plötzlich müde und, Sorry, um Jahre gealtert! Wo er zuvor noch einmal eine ordentliche Kelle in Sachen Härte und Action drauflegte, scheint man dies aufgrund seines fortgeschrittenen Alters in diesem Film doch wieder ein wenig rückgängig gemacht zu haben und setze wieder mehr auf die anderen vermeintlichen Schauwerte der Serie, sprich Schauplätze, die Normalkinobesucher (damals) nie in Natura zu sehen bekomme würde, hübsche Mädels mit wenig Stoff am Leib, die Normalkinobesucher... ist klar, ne?, und eben viel Bumm Bumm und so. Dennoch, der Vorgänger hatte die Messlatte um so viel höher angelegt, a konnte dieser Film einfach nicht mithalten und geriet schon allein deshalb so enttäuschend weil man die Innovationen wieder umkehrte. Die "Realsitik" und Ernsthaftigkeit wich wieder eher Klamaukigem, die Story ist doof und Bonds Gegenspieler kann man nicht ernst nehmen, die einstige Scharfzüngigkeit von Moores Bond erscheint hier eher erstmals als Altherrenhumor wie überhaupt der ganze Film eine Altherenfantasie "kalter Krieger" zu sein scheint. Mission nahezu fehlgeschlagen, Zeit was neues auszuprobieren!
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In tödlicher Mission (GroßbritannienGroßbritannien, USAUSA, 1981)
OT: For Your Eyes Only, Regie: John Glen
Mit: Roger Moore, Carole Bouquet, Topol, Lynn-Holly Johnson, ...

Autor:Wollo
Datum:08.03.10
Kommentar:"For Your Eyes Only", Moores fünfter Auftritt als Super-Geheimagent, ist mir ein beinahe genau so lieber Bond Film wie "Der Spion, der..."und in jedem Fall der besten einer Beiträge der gesamten Reihe so far - für manchen gar der beste, aber darüber kann man freilich streiten! Ja, dieser Film versuchte tatsächlich so etwas wie einen Neubeginn im Bond-Universum und hätte sich perfekt als Nachfolger für den "Spion" geeignet, doch so hat es ja nicht kommen sollen und die Geldgeber hatten Bond in "Moonraker" lieber noch schnell zu einem unwürdigen Auftritt (beinahe) auf den Mond geschossen (finanziell ausgezahlt hatte sich diese Finte dann allerdings) und damit beinahe dem Reigen den Charme geklaut. Diesmal jedoch schaltete man einen Gang runter und besann sich der Tradition und der Qualität britischer Agentenfilme, verzichtete auf allzu viele technische Gadgets und hielt den zum Teil schon klamaukigen Humor des Vorgängers angenehm zurück. Und die Figur selber hatte sich auch verändert. Nie war Moores Bond härter und zynischer ohne dabei aber dennoch seinen lässigen Charme zu verlieren, nie zuvor waren die Nebenfiguren präziser gezeichnet, die ja sonst zumeist nur schmückend Beiwerk sind um den Protagonisten gut aussehen zu lassen. Insgesamt steht dieser Streifen eher in der Tradition der frühen Filme der Ära Connery denn das er ein typischer "Moore-Bond" wäre, was ihn aber paradoxerweise eben doch zu einem der besten Filme unter seiner Mitwirkung macht, und dem Vernehmen nach soll der Film ja auch Moores persönlicher Lieblingsfilm diesbezüglich sein, was ich gut nachvollziehen kann. Tja, danach kam es aber wie es kommen musste und die eingeschlagene Richtung wurde leider nicht fortgeführt. Moore hätte nach diesem Film als verdienter Streiter für Queen und Vaterland in Pension gehen sollen und die Weltrettung jüngeren überlassen sollen, was er aber leider nicht tat und noch zwei weitere Male als 007 in sehr mediokren Filmen in Erscheinung trat, in denen er zu a) alt für die Rolle wirkte und b)darstellerisch keinesfalls mehr an seine Leistungen im "Spion" oder der "Mission" anknüpfen konnte (oder auch gar nicht wollte?) Diesem Film aber gebührt die Höchstwertung!
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Moonraker - Streng geheim (GroßbritannienGroßbritannien, 1979)
OT: Moonraker, Regie: Lewis Gilbert
Mit: Roger Moore, Lois Chiles, Michael Lonsdale, Richard Kiel, ...

Autor:Wollo
Datum:08.03.10
Kommentar:Dumm, das, nach dem Highlight "Der Spion der mich liebte" folgte dann mit "Moonraker" der zweite echte Ausfall der Serie (der erste war der flache und mitunter gar dämliche "Diamantenfieber", mithin Connerys erstmalige uninspiriert wirkende Rückkehr zu der Rolle, die ihn reich und berühmt gemacht hatte), und offenbarte erstmals echte Abnutzungserscheinungen, denn in den Zeiten von "Star Wars" und der erfolgreichen Neuinterpretation der legendären "Star Trek" Serie auf die Kinoleinwände drohte der chauvinistische Weltretter Bond, inzwischen beinahe ein Relikt der 1960'er Jahre, so ganz allmählich zum Anachronismus zu werden. Folglich musste dem Zeitgeist gehuldigt werden und Bond jenseits von Zeit und Raum unseren Planeten vor einem diesmal reichlich blass und uncharismatisch wirkenden Erzschurken retten. Die erste Hälfte des Films funktioniert hierbei auch noch ganz ordentlich, ist sie doch mit allerlei typischen Bondingredienzien zubereitet und halbwegs gelungenem Humor gewürzt, und doch verkocht sie bald am eigenen Dampf, die seltsame Mischung aus (Billig) Science Fiction und Agenten-Thriller. Roger Moore gibt seinen Bond ähnlich lässig wie im Vorgängerfilm, wirkt aber nicht mehr so frisch und beginnt mitunter beinahe schon, der Figur am Rande parodistische Züge zu geben, was in der späteren Darstellung seiner Filme Usus wird, und was sein Regisseur Lewis Gilbert, der den "Spion, der mich..." doch so furios inszeniert hatte, ihm so nicht hätte durchgehen lassen dürfen. Überhaupt, die Regie! Die kriegt den Film einstweilen gar nicht in den Griff, was aber auch zum Teil am echt doofen Drehbuch lag, welches Bond einfach immer wieder völlig unlogisch und doof in möglichst haarsträubende Situationen geraten ließ ohne dass sich dabei ein echter logischer Handlungsfaden ergeben hat. Die Story ist hauchdünn, also noch dünner als bei den meisten anderen Filmen der Serie, und das Sci-Fi Design im haarsträubenden Finale einfach unwürdig. Im Vergleich mit den damals angesagten Weltraumstreifen wirkt Bonds kosmisches Abenteuer wie eine Episode "Mondbasis Alpha 1" im Vergleich zu "Star Trek" - ein schlicht gehaltenes Plagiat, oder sollten wir da gar das böse Wort "Exploitation" anführen? Denn was anderes als das ist es am Ende? Sollte dies etwa als eine augenzwinkernde Reminszenz an die neue Generation der Filmphantastik sein, gagreich und dennoch gut abgehangen, so nach em Motto, ein Bond kann es immer noch besser (eben "Nobody does it better"?) Sorry, das hat eindeutig nicht funktioniert und ging sogar nach hinten los!!! Verglichen mit etwa Spielbergs und Lucas Filmen wirkt "Moonraker", der eingeschobene Weltall-Bond seiner Zeit, doch reichlich altväterlich. Zum Glück fanden das die Produzenten dann wohl auch, und Bond lief schon in seinem nächsten Streifen zu alter Stärke und überraschend neuer Größe auf. "Moonraker" aber bleibt für mich ein Ausfall. Leider nur zwei Skulls!
Bewertung:
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Der Spion, der mich liebte (GroßbritannienGroßbritannien, 1977)
OT: The Spy Who Loved Me, Regie: Lewis Gilbert
Mit: Roger Moore, Barbara Bach, Curd Jürgens, Richard Kiel, ...

Autor:Wollo
Datum:08.03.10
Kommentar:"Der Spion er mich liebte" war der erste Bond-Film, den ich mit damals vielleicht zehn oder elf Jahren gesehen habe, und er hatte mich seinerzeit schlicht umgeblasen. Sowas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen, und der Film hat definitiv mehr mit mir gemacht als beispielsweise die erste "Star Wars" Trilogie, die zuvor für mich das Maß aller Dinge meines jungen Lebens gewesen ist. Geheimagent müsste man sein, dachte ich damals, das wäre mal 'ne Perspektive. Und so fing ich an über Geheimdienste zu schmökern und internationale Krisen, entdeckte dann nach und nach Autoren wie eben Ian Flemming, später John Le Carré, Graham Greene, Robert Ludlum und wurde eben auch zum Riesenfan der Bond-Serie, die, wie ich schon kurz nach meiner Beschäftigung mit der Materie gelernt hatte, natürlich nix mit der Realität echter Geheimdienstler zu tun hat. Zum Film: Mit diesem Streifen hatte Moore "seinen" Bond erstmalig richtig im Griff und passte schauspielerisch perfekt in die Rolle. Seine ersten beiden Abenteuer als ihrer Majestäts bester Mann waren einerseits noch geprägt vom übergroßen Schatten seines Vorgängers Connery (die glücklose Interpretation des Nichtschauspielers George Lazenby mal außer acht gelassen, der aber dennoch in einem der besten Filme der Serie mitwirkte) und von schwachen Drehbüchern. Hier aber stimmt alles!! Endlich hatte Moore zu seiner ganz eigenen Auslegung der Figur gefunden, weg vom kaltschnäuzigen flotten und unbesiegbaren Mr. Supercool, den Connery im Prinzip ganz im Geiste seiner Zeit verkörperte, und hin zu einem etwas, na ja, britischerem Gentleman mit schwarzem Humor, hintergründigem Charme und lässiger Ironie. Und doch konnte Moores Bond auch knallhart sein, wenn er musste. Insgesamt war die Serie mit dieser Episode endgültig in der damaligen Gegenwart angekommen. Die technischen Gags funktionierten hervorragend, der Beißer als Bösewicht ist sowieso legendär, die Geschichte als solche ist zwar auch nicht eben ein Ausbund an Originalität, dient aber bei Bond in aller Regel ja ohnehin nur als Vehikel, den Mann an möglichst hübsch anzusehenden Orten seinen Gegnern das Licht ausblasen und seinen Gespielinnen die Blusen aufknöpfen zu lassen und funktioniert im Prinzip in diesem Film so weit ganz ordentlich. Klar, aus heutiger Sicht wirkt der Film natürlich mittlerweile schon ein wenig angestaubt, dennoch macht es mir noch immer einen Heidenspaß dabei zuzuschauen, wie der Lotus sich in Mini-Uboot verwandelt oder Moore und Bach sich kabbeln. Ein Wort noch zum Titelsong "Nobody does it better" von Carly Simon, der für mich der gelungenste aller Bond-Songs ist und später gar eine Ehrung der besonderen Art erfuhr weil nämlich Radiohead ihn live immer gern mal wieder covern und er stets von Thom Yorke als "sexiest Song ever" angesagt wird. Bestimmt hat die Serie im Prinzip "bessere" Filme zu bieten - handwerklich betrachtet, von der Story her oder den Leistungen seiner Darsteller - dennoch ist er mir der liebste aller Filme unter dem Deckel Bond. Er beinhaltet für mich alles, was für mich noch stets den Reiz der Serie ausmachte und ist nicht mehr und nicht weniger als ein perfektes Märchen für "große Kinder", diestaunen und sich unterhalten lassen wollen. Volle Punktzahl!!!
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Friedhof der Kuscheltiere (USAUSA, 1989)
OT: Pet Sematary, Regie: Mary Lambert
Mit: Dale Midkiff, Denise Crosby, Miko Hughes, Blaze Berdahl, ...

Autor:Wollo
Datum:15.02.10
Kommentar:Ich bleibe dabei, King ist und bleibt für mich einer der produktivsten, unterschätztesten und nicht zuletzt auch besten Gegenwartsautoren populärer Literatur. In den meisten Büchern steckt sehr viel mehr als "nur" eine Gruselgeschichte, und wenn Du, lieber Staudenmaier007, der Meinung bist, sowohl seine Bücher wie auch die Figuren darin glichen sich stets und seien kaum besser als die zumeist kreuzdämlichen Filme, die in aller Regel sowieso kaum mehr als den Titel mit der Vorlage gemein haben, so mag das eben Deine Meinung sein, lässt mich aber ein wenig daran zweifeln, dass sich hier eben in entsprechender Weise mit dem Werk auseinandergesetzt worden ist. Aber ist ja auch egal, denn das ist ja schließlich keine Literaturseite hier. Im Übrigen, klar kenne ich Clive Barker, hab hier ja sogar mal seinen ziemlich guten "Hellraiser" besprochen, und den mag ich als Vertreter der schreibenden Zunft auch ganz gern, aber über den könnte man eben so vortrefflich streiten, denn der mag zwar in seinen Beschreibungen des Makabren stets recht blumig zu Werke gehen und sich nicht selten von Vorbildern wie Blackwood oder Lovecraft inspirieren lassen, dafür aber haben seine Figuren nur ziemlich selten echten Tiefgang. Aber egal. "Friedhof der Kuscheltiere" ist wie schon gesagt solide, nicht mehr, nicht weniger.
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Friedhof der Kuscheltiere (USAUSA, 1989)
OT: Pet Sematary, Regie: Mary Lambert
Mit: Dale Midkiff, Denise Crosby, Miko Hughes, Blaze Berdahl, ...

Autor:Wollo
Datum:10.02.10
Kommentar:Kann zwar der Bewertung meines "Vorredners" hinsichtlich des soliden Gruselfaktors den Film betreffend zustimmen, nicht aber eigentlich was seine Meinung über das Werk des Schriftstellers Stephen King angeht. Freilich, die Qualität seiner Releases unterliegt argen Qualitätsschwankungen. Dies liegt meines Erachtens allein darin begründet, dass der Mann einfach zu viel schreibt. Wie man ja in so ziemlich jedem Interview mit ihm lesen kann, scheint er nahezu ein getriebener Schreiber zu sein (oder aber er hat einfach nichts besseres zu tun, was mir aber auch ein legitimer Grund für seine außerordentliche Produktivität zu sein scheint), weswegen sein opulenter täglicher Output im Allgemeinen mindestens zwanzig geschriebene Seiten umfasst, und dass unter diesen Umständen nicht stets jeder Gedankenblitz von gleicher Qualität sein kann, erscheint da wohl nur logisch. Und doch, der King hat ja als Autor eine solche Narrenfreiheit; was durch seine persönliche Qualitätskontrolle geht, wird auch veröffentlicht! Die Verkaufszahlen sprechen schließlich immer noch dafür! Inzwischen werden ja auch pro Jahr nicht mehr unbedingt fünf neue Bücher seiner Feder auf den Markt geschwemmt, dennoch ist sein bisheriges Gesamtwerk mehr als beeindruckend was allein den Umfang abelangt. Aber unbedingt möchte ich auch eine Lanze brechen für seine schriftstellerischen Qualitäten, die niederzumachen mir noch immer ein klein wenig als intellektueller Volkssport erscheint. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, haben all die Menschen, die so gern die Schriften des Stephen King verspotten, belächeln oder sonstwie niedermachen, sich jemals ernsthaft mit eben diesen beschäftigt oder haben sie sich zur Urteilsbildung lediglich manch' Film reingezogen (was ja viel weniger Mühe erfordert), welche(r) in der Tat fast ausnahmslos von weitaus bescheidenerer Qualität ist/sind und kaum in irgendeiner Weise wiedergeben zu vermag, was der große Mann einstweilen für weirde literarische Feuerwerke abbrennt? Gerade der angeführte Begriff "vorhersehbar" ist äußerst selten bis eigentlich fast nie auf die geistigen Ergüsse Kings zutreffend, da er ja in aller Regel als reiner "Instinktschriftsteller" an die Arbeit geht, was heißt, er konstruiert seine Bücher nicht am Reißbrett, seine Geschichten entstehen fast ausschließlich beim Schreibprozess. Das kann sicherlich auch schon mal zu Längen in seinen Geschichten führen, fast nie aber zu Logikfehlern, denn dazu ist er ein zu sorgfältiger Schreiber, und zu Vorhersehbarkeit erst recht nicht. Im Gegenteil, bei King sterben in aller Regel immer die Figuren, von denen man es am wenigsten erwartet, selten versöhnt ein Happy End, und doch gehen seine Geschichten fast nie aus wie erwartet. Okay, die hier vorliegende Geschichte um den "Friedhof der Kuscheltiere" bietet da sicherlich die Ausnahme von der Regel, dennoch, welcher Autor lässt schon das kleine Kind sterben und eine gräßliche Familientragödie ihren Lauf nehmen? Eben! Zudem kenne ich kaum einen anderen Verfasser, dem es dermaßen präzise gelingt, solch hervorragende Charakterstudien seiner Figuren anzufertigen, selbst wenn es sich "lediglich" hierbei um Solche handelt, die in seinen Kurzgeschichten auftreten. <br>/ Seien wir ehrlich, es gibt allerhöchstens eine Handvoll Filme, die den Vorlagen seiner Feder ansatzweise gerecht werden. Jene, um die es hier geht, gehört höchstens ansatzweise dazu, muss aber auch nicht unbedingt zu Kings besten Veröffentlichungen gezählt werden. Von daher trifft es das Wort 'solide' sehr wohl. Doch den Geschichtenerzähler Stephen King, den möchte ich nicht an den Verfilmungen seiner Bücher gemessen wissen, denn der ist so viel besser als sein Ruf, und er hat es meines Erachtens nach auf jeden Fall verdient, nicht nur als einer der meistgelesensten zeitgemäßen Autoren bezeichnet zu werden, der produktivsten einer sowieso, sondern auch als einer der famosesten amerikanischsten Chronisten der Gegenwartskultur. Nur sieht sein Amerika, seine Welt, die zumeist die Provinz, die Vorstädte, die Gemeinden am Rande wiederspiegelt und somit ein Umfeld, welches mutmaßlich letztlich mehr Menschen unseres Kulturkreises ihr Zuhause nennen werden als es die großen Städte vermögen, von denen es ja sooo viele auch nicht gibt, auch immer ein Hort der Fürchternis ist, was aber nicht per se der Fall sein muss, aber eben kann. Häh? Tja, denk mal drüber nach, denn das ist eigentlich die Kernaussage des Kingschen Werks, oder doch nicht? Lies halt nach!!!
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So finster die Nacht (FrankreichFrankreich, SchwedenSchweden, 2008)
OT: Låt den rätte komma in, Regie: Tomas Alfredson
Mit: Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar, Henrik Dahl, ...

Autor:Wollo
Datum:04.12.09
Kommentar:Lieber Preytor, dann möchte ich sehr gern hierzu auch noch einmal Stellung beziehen, denn es gibt ja nichts Vortrefflicheres als 'ne ordentliche Diskussion, besonders wenn es sich, wie im vorliegenden Fall, um eine Art "Lieblingsfilm" handelt. Und so stellt sich mir zunächst einmal die Frage, was Du denn meinst, wenn Du schreibst, das Niveau sei ziemlich angestiegen? Ich denke, Du meinst das finanzielle Niveau, vertrittst also in gewisser Weise die Meinung, "wat nix kost', dat taucht auch nix", richtig? Das formulierte quasi die Ansicht des Blockbusterfans, der sich vordergründig von einem Film unterhalten lassen will, sich idealerweise zwei Stunden lang das Gehirn mit Effekten, großem Pomp und Tamtam und Stars und allem, was man so für 200 Millionen bekommen kann, wegblasen lässt. Was ja auch vollkommen legitim ist! Kann mir auch schon mal viel Spaß machen, keine Frage, grundsätzlich aber ist meine Philosophie eine andere. Ich bin der Meinung, nicht die Höhe des Budgets ist entscheidend für einen guten Film, sondern letztlich die Qualität der Geschichte, die erzählt wird, das Ausloten der Figuren, die Originalität, mit der ein Regisseur dem Film Stück für Stück Leben einhaucht, das Spiel der Akteure, die Magie, die dabei entsteht, wenn aus der Summe der einzelnen Teile vom ersten Keyboardklick des Autoren bis hin zum Final Cut etwas geschaffen wird, das letztlich Kunst ist. Und tatsächlich glaube ich, lieber Preytor, dass Du das Publikum insgesamt vieleicht etwas unterschätzt, wenn Du schreibst, dass die Leute heutzutage nur noch die großen teuren Streifen sehen will. Klar, die funktionieren an der Kinokasse, aber Film führt ja auch ein Leben fernab der großen Multiplex-Center, wo einen ein Kinobesuch inzwischen beinahe ohnehin arm macht. Sieh mal, mit dem Blockbusterkino ist es doch auch nicht so ganz anders wie mit den Charts. Dort gehen die Plattenfirmen ja auch kein Risiko mehr ein. Das große Geld wird nur noch in die Produktionen von Superstars wie Madonna oder Bruce Springsteen gesteckt, die dann ja nicht zuletzt Dank riesigem Werbeaufwand regelmäßig vorn in den Charts zu finden sind, und eben weil sie dem Publikum bekannt sind. Die "Basis" aber, die vielen wirklich interessanten "kleinen" Bands und Künstler, die haben inzwischen lange andere Vertriebswege gefunden, und denen geht es oftmals trotzdem ganz gut, und die werden auch wahrgenommen. Und es gibt durchaus auch immer noch Bands wie, um jetzt nur mal ein Bespiel zu listen, Depeche Mode, die seit rund dreißig Jahren dabei sind, konstant gute Alben machen, aber immer noch auf "Mute Records" veröffentlichen, einem immer noch recht gut funktionierenden Independent Label, welches zum Beispiel die Philosophie des "kurzen Dienstwegs" beherzigt und damit erfolgreich ist. Und Depeche Mode, die sind gewiss fernab davon, eine Mainstream-Band zu sein, und dennoch fanden sie über die Jahre hinweg konstant ihr Publikum und wurden unlängst von der WDR 2 Hörerschaft, immerhin ein Publikum, dass sich gewiss nicht aus lauter Avantgardisten zusammensetzt, zur besten Band der Welt gewählt. Und in der "Traumfabrik" ist das gar nicht anders. So Leuten wie Spielberg, Emmerich, Jackson oder Bay, denen gibt man bedenkenlos Gigabudgets für ihre Filme, die dann aber auch generalstabsmäßig "konstruiert" werden, damit sie bloß nicht an der Kinokasse absaufen und somit das nächste Studio in den finanziellen Ruin treiben. Doch längst ist dort auch nicht mehr alles Gold, was eben glänzt. Jetzt hat es gerade die gute alte MGM getroffen, über der bedrohlich das Fallbeil der Zahlungsunfähigkeit pendelt. Die Ära der Megasuperhyperpopcornstreifen, die größerschnellerlauterteurer sind, die ist allmählich vorbei, denn auch in Hollywood ist die Rezession längst angekommen. Aber ich glaube auch darüber hinaus, dass ein Umdenken auch dort schon lange stattgefunden hat. Man betrachte mal die größten Stars des aktuellen Hollywood. Leute wie Depp, Pitt, Clooney, Jolie, Spielberg beispielsweise, die waren sich auch nie zu schade, kleine kluge Filme zu machen, mit denen sie nicht den finanziellen Gegenwert eines Ölfeldes in Alaska verdient haben, sondern haben das Publikum ernst genommen, ihm etwas zugetraut, hatten den Wunsch... ja, meinethalben echte Filmkunst zu schaffen, die anderen Geschichten zu erzählen, die nicht nach dem berüchtigten Schema F funktionieren, die unbequeme Wahrheiten von sich geben, oder die auch einfach mal nur ohne Schmalz hoffnungslos romantisch sein dürfen. Was Vorurteile gegenüber Filmen, die ich nicht gesehen habe anbelangt: nun, im Prinzip gebe ich Dir vollkommen recht. Ich weiß jetzt gar nicht, ob Du das weißt, aber ich bin Mitbetreiber der Internetpräsenz Vampire-World und beschäftige mich dort seit etwa acht Jahren mit dem Phänomen Vampirismus in der Popkultur, von daher habe ich mich natürlich auch mit dem "Twilight" Hype auseinandergesetzt. Klar, ich habe die Bücher nicht gelesen, was ich frank und frei zugebe, aber ich weiß um ihre Inhalte, und selbstredend habe ich auch mal reingeschmökert um mitreden zu können. Genau so klar habe ich mich mit der visuellen Umsetzung auseinandergesetzt und kenne etwa ein Drittel des ersten Films und reichlich Ausschnitte aus dem neuen Streifen, genug um zu wissen, dass mich das nicht interessiert. In meinen Augen wird da ein grenzwertiges, konservatives "heile Welt und kein Sex vor der Ehe" Image im schicken Image an junge Menschen verkauft und damit auch noch richtig Kohle gemacht. Schau, ich hab meine Kindheit in den 1970'ern und frühen 1980'ern verbracht, einer Zeit, die extreme Umbrüche im Empfinden und Denken der Menschen mit sich brachte. Endlich weg mit der Kriegsgeneration! Ich will hier nicht so ein "Opa redet vom Krieg" Ding daraus machen, aber mir ging es damals, als ich 16 oder 20 war, um Aufbegehren, etwas anders zu machen als die Generation der Eltern, Rebellion, Rock'n'Roll, etwas bewegen. Und ich bin mir auch sicher, dass meiner Generation das irgendwo in gewisser Weise gelungen ist, denn die Zeiten sind heuer so ganz anders als anno dazumal. Umso entsetzter bin ich einstweilen, wenn ich nun sehe, dass Millionen von Kids sich irgendwo ein muffiges George W. Bush Weltbild, das sich in stylisher Emo-Optik verkleidet hat, verkaufen lassen. Traurig irgendwie, das. Und was die Anime Filme anbelangt, die Du hier gelistet hast, okay, da habe ich wirklich keine Ahnung von. Ich habe mit meinem Sohn, der jetzt sieben ist, so Sachen gesehen wie den "Kung Fu Panda", "Madagascar" oder "Wall E", und die fand ich zum Beispiel tatsächlich gelegentlich grandios. Ja, absolut, richtig gelesen, denn da wird den Kids nicht irgendein Scheiß verkauft, da gibt es immer wieder wirklich kritische Ansätze, über die ich gestaunt habe, und natürlich werden auch Werte vermittelt, eben Liebe und Freundschaft, aber in den Filmen steckt mehr Rock'n'Roll als im ganzen "Twilight" Kosmos. Und um schlussendlich nun auch noch die Brücke zu "So finster die Nacht" zu schlagen, einen Titel übrigens, den ich sehr schön und prosaisch finde, der aber bei weitem nicht so gut und vor allem trefflich wie der Originaltitel daherkommt, nun, ich kann immer wieder nur sagen, hier hat man alles, aber auch sowas von alles richtig gemacht, dass ich fast in Ehrfurcht erstarren könnte. Lindqvist ist, wie ich vermute, ein so genannter Instinktschriftsteller, ähnlich wie Stephen King, mit welchem der gute Mann reichlich oft und sehr wohl zu Recht verglichen wird. Das heißt letztlich, er schreibt drauf los und die Geschichte entwickelt sich dahin, wie es dem Autor gerade gefällt. Eine vorgesehene Storyline scheint nicht zu existieren. Für den Film hat Lindqvist, der kein erfahrener Drehbuchautor ist, seinen Stoff entschlackt, hatte aber genau den richtigen Riecher dafür, nur das filmisch zu erzählen, was eben den Kern, das wirklich Wichtige, die Prämisse der Geschichte ausmacht, und dennoch findet der geneigte Fan manch einen Dialog aus dem Buch eins zu eins im Film wieder. Man darf aber den Film auch toll finden, wenn man das Buch nicht kennt, und findet den Film dennoch gelungen, wenn man den Roman zuvor gelesen hat. Ich bleibe dabei, hier wird eine überaus faszinierende Geschichte zum Besten gegeben, dargeboten in einem Film, der ein sehr ruhiges Erzähltempo aufweist, der seine finstersten Bilder gar nicht in den Horrormotiven zeigt, sondern vielmehr in der so typischen Sozialstudie skandinavischer Herkunft. Ich gebe ja zu, ich bin im Augenblick ein großer Freund skandinavischer Bücher und Filme, ich liebe diese spezielle Stimmung und Spannung, die in diesen Erzeugnissen herrscht. Skandinavien, Schweden insbesondere, hat für mich das UK als Maß aller Dinge in Sachen Thriller abgelöst, allein schon durch die immer so gelungene dichte Atmosphäre. Und ich habe wirklich keine Ahnung, wie ein Land, welches nicht mal 10 Millionen Einwohner hat, über so viele kreative und überaus talentierte Menschen verfügen kann, aber da soll es ja hier nicht drum gehen. Ich wollte nur noch einmal klar machen, warum ich diesen Film so grandios finde: Ich sah hier einen Vampirfilm, der aber nur scheinbar fast zufällig ein solcher geworden ist, sich dann aber doch dieses Vehikels nahezu perfekt bedient um seine Botschaft zu transportieren. Und dazu braucht er nicht einmal all den Glanz, in welchem seine großen Brüder und Schwestern aus Hollywood erstrahlen, die unter ihrem schönen, teuren Schein aber oft nicht mehr vermitteln als eben den schönen Schein. Bei diesen Filmen geht es mir so ähnlich, wie wenn man mir irgendein sinnloses Plastikteil zu verkaufen trachtet, das durch den Ausdruck „Klavierlackoptik“ künstlich veredelt wird. Funktioniert nicht! Gerade das Unkonventionelle, das Ruhige, das Andersartige fasziniert mich bei „So finster..“. Und die Botschaft lautet am Ende tatsächlich: Liebe ist alles! Aber eben nicht nur! Plakative Romantik wird konsequent ausgeklammert, die Antihelden sind verunsichert, verzweifelt, verwirrt, und sie sind Kinder und keine coolen Revolverschwinger oder auch irgendwie für das Genre öde gewordene Femme Fatales. Irgendwer schrieb diesbezüglich tatsächlich mal, der Film werde schon ganz bald zum Kultfilm für Päderasten avancieren, was selbstredend absoluter Schmock ist, denn dazu kann ich nur sagen, der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand’! Im Gegenteil, gerade die jenigen, die auch das Buch kennen, erkennen sogleich den kritischen Ansatz diesbezüglich. Sehr wohl aber zeigt der Film, dass dieses Problem existiert. Die Gesellschaft, in welcher Oskar und Eli leben, ist einfach gnadenlos am Ende. Die Liebe der beiden aber ist unschuldig und rein und wird aufgrund der Umstände tragisch und fatal, und dennoch geht alles gut aus und die beiden haben vielleicht keine Chance, aber sie nutzen sie. Das ist alles so toll und mit einstweilen grimmigem Humor dargestellt, dass ich einfach nur begeistert bin. Das kann sonst kaum ein Film. Nein, ich sah noch nicht oft Filme, die sowohl Vampirfilm waren und darüber hinaus noch so viel Wahrhaftigkeit inne hatten, so unromantisch romantisch waren, so sehr Independent sind und Schweden sowieso, so viel Hoffnung bei so viel Trostlosigkeit zu bieten hatten, so viel Wärme in so eiskalter Kulisse ausstrahlten, eben einfach alles anders machte, als üblich. Echt jetzt. Und am Ende rockt der Film dennoch, man muss sich halt nur darauf einlassen. Okay, genug nun! Ich danke auch noch mal für Deine Worte „Fight Club“ betreffend und möchte Dich, Preytor, dahingehend bestärken, das mit der eigenen Meinung durchzuziehen, auch wenn Du damit immer mal wieder allein dastehst. Egal! So muss das sein! Und nun greife ich einen absolut gelungenen Gag meines Vorredners auf, und sage nur, falls irgendwer das hier überhaupt bis hierher gelesen haben mag, nun ist es aber doch endlich vorbei. Danke! Beim nächsten Mal aber sehe ich wieder davon ab, mich kurz zu fassen. War das etwa ein Witz?
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So finster die Nacht (FrankreichFrankreich, SchwedenSchweden, 2008)
OT: Låt den rätte komma in, Regie: Tomas Alfredson
Mit: Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar, Henrik Dahl, ...

Autor:Wollo
Datum:27.11.09
Kommentar:Oh,oh, da muss ich aber leider außergewöhnlich entschieden widersprechen, denn "So finster die Nacht" ist tatsächlich der vielleicht beste Film des Jahres 2008, ganz gewiss aber ist er der beste Vampirfilm seit Ewigkeiten. Seien wir doch mal ehrlich, das Genre war kreativ betrachtet nahezu tot. Was gab es da schon an nennenswerten Beiträgen in den letzten Jahren? Der Vampirfilm, tatsächlich ehemals fast so etwas wie die Königsdisziplin der Filmphantastik, hatte an Stil, Eleganz, Atmosphäre und vor allem Originalität so gut wie vollständig eingebüßt, was eben zum Teil sicher auch damit zu tun hatte, das sich die Sehgewohnheiten des Publikums geändert haben. Die letzten der großen barocken Vampirstreifen waren Coppolas "Dracula" und Jordans "Interview mit einem Vampir", und die haben ja inzwischen auch schon etliche Ostersonntage auf dem Igor-Buckel. Es scheint, in den Jahren danach, jenen, in denen die schönen neuen Cyberwelten unser aller Leben revolutionierten, war der Bedarf an klassischem "Vampirstoff" gedeckt. Was folgte und letztlich auch nötig war, war eine Neuausrichtung, die aber in meinen Augen zumindest das Blockbusterkino betreffend reichlich enttäuschend ausfiel. Die Eleganz wich waffenstarren Ballerfilmen in "Matrix"-Optik a la "Underworld" und "Harte Jungs" Streifen mit Superheldenappeal wie eben "Blade" oder den "Vampires" von Carpenter. Aktuell hat nun Stephanie Meyer mit ihren blutlosen "Twilight" Vampiren die Krone auf, was eine ziemlich schmonzettige Teeniesaga ist für ein Publikum, welches sonst wahrscheinlich hauptsächlich BRAVO-Girl liest (mein Empfinden, will aber niemandem zu nahe treten) und gegen die selbst die gute alte "Buffy", von der ich nie jemals ein Fan gewesen wäre, beinahe schon Hardcore ist. Da fehlt mir als Uraltfan des Genres beinahe alles, nicht nur, wie angesprochen, Eleganz und Stil, auch und sogar besonders das, was diese Art Film eben immer so besonders machte: die Provokation, weil ja auch irgendwie das ganze Rumgesauge eigentlich für was ganz anderes steht; die unterschwellig kritische Note der alten Filme, in welchen der Nosferatu entweder den Untergang symbolisierte (ganz im Sinne von Voltaire oder Marx) oder eben auch in neueren Nischenbeiträgen schon mal die Lösung des Problems sein konnte; das Spiel um düstere Romantik, der Frage danach, was nach dem Tod kommt und vielleicht der subliminalen Sehnsucht nach Übermenschlichem. All das fand sich in den Filmen der letzten Jahre so gut wie nie! In "So finster die Nacht" aber wurde alles exakt auf den Punkt gebracht! Keinesfalls sehen wir hier nur einen zwölfjährigen Jungen, der sich zufällig in einen Vampir verliebt und werden ansonsten hauptsächlich Zeuge seiner Freizeitgestaltung. Und es geht auch nicht ansatzweise um die spärlich, aber sehr, sehr wirkungsvoll eingestreuten Splattereffekte, die hier überhaupt gar nicht dem Selbstzweck dienen, sondern unbedingt zur Geschichte gehören und dem Verstehen derselben dienen. Wir sehen hier eine zutiefst gescheiterte Gesellschaft von Verlierern, die im Plattenbau im Heileweltland Schweden Anfang der 1980'er versuchen, sich durchzuschlagen: Arbeitslose, Alkoholiker, Gestrandete, die zwar irgendwie an ihrem Leben hängen, zum Teil aber trotzdem lange schon aufgegeben haben! Noch schlimmer geht es nur ihren Kindern, denen sie aus nachvollziehbaren Gründen nicht die Aufmerksamkeit zuteil werden lassen können, die die doch bräuchten, und die am Beispiel der Erwachsenen ihre eigene traurige Zukunft vor Augen haben. Oskar ist so ein Kind. Er ist einsam, vernachlässigt und verwirrt, denn es ist ja nicht gerade einfach, zwölf Jahre alt zu sein und niemanden zu haben, der einem die Welt erklärt. Von einigen Mitschülern wird er terrorisiert, geschlagen, drangsaliert, und er ergeht sich in Rachefantasien, in welchen er seine Peiniger aufschlitzt, mit ihnen abrechnet. Eli gibt ihm Halt, sie ist seine erste Liebe, obschon sie doch immer so eigentümlich riecht und so ganz anders ist als alles, was er bisher kannte. Die süße Eli ist eine tödliche Gefahr, aber auch sie ist einsam, und sie würde Oskar nie etwas antun. Die sich entwickelnde, zarte Beziehung der beiden, ihre Zuneigung, ja Liebe zueinander, ist stärker als alles, was es für Oskar je gegeben hat, und sie schlägt die ganze Welt, die der Junge bislang kannte, entzwei. Am Ende rettet sie ihn vor seinen Peinigern, und wir sehen ein Finale, welches wir so nicht erwartet haben, ein schauerliches Blutbad im wahrsten Wortsinn, und einen Oskar, der schließlich selig lächelt.... Was bitte schön soll daran "Müll" sein? Der Film ist, wie seine literarische Vorlage übrigens, die zu lesen sich in jedem Fall lohnt, beinahe reine Poesie. Die Kinderdarsteller machen ihren Job unglaublich gut. Angeblich haben die beiden nie das vollständige Drehbuch lesen dürfen, Regisseur Alfredson soll ihnen am entsprechenden Drehtag immer vorgelesen haben, um was es eben ging. Wie groß muss man die schauspielerische Leistung der beiden Darsteller, die ja keine studierten Schauspieler sind, sondern echte Naturtalente, angesichts dieser Räuberpistole, so sie denn stimmt, bewerten? Grandios, kann ich da nur sagen! Nein, nein, hier wollte bestimmt niemand auf den "Twilight"-Zug aufspringen. Hier wollte jemand seine eigene Geschichte davon erzählen, wie es ist, im Vorstadtghetto aufzuwachsen, wenn man etwas anders ist als die Anderen. Wir haben es auch hier nicht mit einer Literaturverfilmung der Art zu tun, wo ein professioneller Filmautor im Auftrag des Studios einen Roman zu einem Drehbuch umschrieb, denn John Ajvide Linqvist, der Urheber dieser genialen Story, hat selber das Drehbuch verfasst und dabei die Größe und das grandiose Talent bewiesen, tatsächlich alles langatmige, das seinem dennoch brillanten Buch sehr wohl mitunter inne wohnt, auszublenden und sich auf den Kern der Geschichte zu beziehen ohne aber seine Prämisse zu verbiegen. Ihm dafür ein sehr großes Chapeau! Alfredson gleichermaßen, denn er hat das alles sehr gut verstanden und hat mit diesem Film ein Highlight gesetzt, an welchem sich im Vampirfilmgenre künftig ein jeder wird messen müssen. Nun ist inzwischen ein amerikanisches Remake des Garns abgedreht worden, von dem ich mir aber sicher bin, dass es niemand brauchen wird. Ich werde es mir dennoch ganz sicher ansehen, und ich weiß jetzt schon, dass man mit diesem sowohl dem Film wie auch dem Buch nichts Neues wird hinzufügen können. Lindqvist und Alfredson ist es gelungen, einen Meilenstein zu setzen. Meine absolute Hochachtung dafür!
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Vulkan (DeutschlandDeutschland, 2009)
OT: Vulkan, Regie: Uwe Janson
Mit: Matthias Koeberlin, Katharina Wackernagel, Yvonne Catterfeld, Heiner Lauterbach, ...

Autor:Wollo
Datum:21.10.09
Kommentar:An und für sich sehe ich mir Filme dieses Kalibers - also sogenante "Event-Movies" aus den "Kreativschmieden" deutscher Privatsender - beinahe kategorisch gar nicht an. Klar, man könnte hier als Argument pro solcher Streifen ins Feld führen, das sei ja durchaus zumeist trashige, kunterbunte Unterhaltung der exploitationelen Art, oft unfreiwillig komisch und manchmal sogar richtig gelungen. "Das Jesus Video", in welchem ebenfalls Herr Koeberlin mitwirkte, wäre da exemplarisch als solch ein gelungeneres Teil anzusehen, obschon die Story der guten Buchvorlage ziemlich krude verbogen worden ist, und die Prämisse des Eschbach Buches erst recht, aber da soll es jetzt nicht drum gehen. Hier und in diesem Fall, beim "Vulkan" also, lässt sich das mit Sicherheit nicht behaupten. Warum ich mir das dann überhaupt angeschaut habe? Weil mich ein viraler Infekt darnieder warf und ich eh nichts besseres zu tun hatte als in die Röhre zu schauen, zumal das Rauschen im Blätterwald (respektive online) im Vorfeld zur TV-Ausstrahlung auch gehörig war und dann doch irgendwie neugierig machte. Neun Millionen Euriomünzen hatten RTL und wer sonst noch beteligt war in die Produktion investiert und versprachen Blockbustergedöhns a la Hollywood. Nun bin ich ja nicht unbedingt der größte Freund von teurer, praller, besser, aber mit Verlaub, für die Kohle kriegt man drüben nicht mal einen veritablen Hauptdarsteller. Hier warf man dann zumindest diesbezüglich in den Topf, was der hiesige Markt zu bieten hat, Namen wie Lauterbach, Koeberlin, Wackernagel, Rohde, Catterfeld und Riemann ließen sich vernehmen - eine illustre Truppe zumindest, die einen nicht unerheblichen Teil des Geldtopfes vereinnahmt haben dürfte. Einige dieser Mimen beherrschen ihr Handwerk ganz sicherhlich ohne jede Frage. Über Heiner Lauterbach kann man zum Beispiel sagen/schreiben, was man möchte, doch vom Schauspiel versteht er was. Im vorliegenden Fall ist er zweifelsohne noch einer der überzeugenderen Darsteller, auch wenn seine Figur keine echte Tiefe auslotet. Die wohl größte Verschwendung ist sicherlich die Rolle der Katja Riemann, die wahrscheinlich die beste Schauspielerin der gesamten Truppe ist, und die hier eine lächerliche Nebenrolle einnimmt. Auch Armin Rohde ist ja normalerweise ein überaus Guter. In ernsthafteren Produktionen wirkt er oftmals wie ein Method Actor amerikanischer Prägung. Hier allerdings erscheint sein Spiel total überdeht und over the Top. Auch Katharina Wackernagel kann eine ganze Menge, doch wirkt sie in dieser Produktion wie eine mäßige Theaterschauspielerin aus der Provinz, was absolut schade ist, da sie beispielsweise auch zur Stammbesetzung der guten "Bloch" Reihe in der ARD an der Seite von Dieter Pfaff gehört und dort überzeugt. Die größte Fehlbesetzung ist natürlich das Soap- und Schlagersternchen Yvonne Catterfeld in der Rolle einer ernsthaften Wissenschaftlerin, die wohl eh nur aufgrund ihrer Popularität gecastet worden ist. Die Dame hat leider nur zwei Gesichtsausdrücke, einmal künstlich bestürzt, einmal mehr oder minder verschmitzt lächelnd. Beides nimmt man ihr nicht ab. Bleibt Matthias Koeberlin, der sich allmählich ja den Rang eines deutschen Acton-Rauhbeins erarbeitet hat. Sein Mitwirken an dieser Produktion wird ihm mit Sicherheit nicht zu seinem Nachteil gereichen, denn er hat sich inzwischen durchaus ein Charisma angeeignet, welches Rollen wie diese gerechtfertigt. Und dabei orientiert er sich gar nicht an Vorbildern wie Bruce Willis und Konsorten, sondern erinnerte mich mitunter eher an den seligen alten "Schimanski" Götz George, wie er immer mal wieder rumschrie und jedem aufmunternd herzte und auf die Schulter klopfte, wenn es nötig war. Einer der alle kennt, sich für alle verprügeln lässt und niemals aufgibt, vor allem nicht seinen Sturkopf! Vielleicht hat er sich auch Kiefer Sutherland in "24" ziemlich gut angeschaut, und tatsächlich, rein optisch ist eine gewisse Ähnlichkeit ja auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Jedenfalls, auch wenn er hier nicht zu 100% überzeugen weiß; er stemmt einen Großteil des Films. Dass die meisten der mehr oder weniger guten Mimen nicht abriefen, was vielleicht möglich gewesen wäre, liegt vermutlich an der Regie des - meiner bescheidenen Meinung nach - überforderten Uwe Janson, der mit für deutsche Verhältnisse viel Geld zu jonglieren hatte und somit zum Erfolg verdammt war. Wohl der falsche Mann am falschen Platz. Aber was kriegt man denn sonst noch für neun Millionen? Ein Drehbuch, das reichlich Lücken hat, auf jeden Fall, Klischees bedienen muss, dass man sich im deutschen Heimatfilm wähnt, und auch aus US-Filmen dieser Art scheinbar zwingend notwendig gewordenen Adoleszenz Rüpeleien nicht verzichten mag. Und wenn dann die Überlebenden auf Anhöhen auf die zugegebenermaßen toll animierten Lavaströme herabblicken, dann denkt man unweigerlich auch an Samy und Frodo im Lande Mordor. Knuffig, gell? Die Plinius Explosion des Vulkans war tricktechnisch mit Sicherheit allererste Güte. Der große Rest sah dann tricktechnisch wieder doch eher nach 1980'er Italo-Exploitation aus. So, und auch wenn ich der Regie insgesamt die Gelungenheit der Spielleitung abgesprochen habe, so muss ich der Fairness halber auch noch anführen, dass es sehr wohl zwischenzeitlich auch mal Sequenzen gegeben hat, die tatsächlich völlig gelungen waren und überzeugten, ja fast wie von Romero inszeniert wirkten. Da waren jene Szenen, als die Flüchtlinge, die nur auf ihren Vorteil bedacht waren, den Familienvater niederschossen um sein Auto zu stehlen. Leider sieht man nur ganz wenige Minuten solch fesselnder Intensität in diesem Film, die dann allerdings durchaus Größe haben. Aber insgesamt schaffte es der Regisseur nicht, die Schauspieler zu Höchstleistungen anzuleiten noch den nötigen Tiefgang zu erzeugen, echte Dramatik kam selten auf. Die Effekte waren zwei, drei Mal überzeugend, ansonsten nur B-Klasse, und die Story war einfach zu holprig und verzettelte sich nur allzu häufig in total unnötigen Subplots, die letztlich nicht einmal aufgelöst wurden. Großes Hollywood Kino in der deutschen Provinz? Wäre machbar, aber dann muss man eben auch schlüssig zuwerke gehen, und nicht so zaghaft wie hier. Der Beleg dafür: immer mal wieder gab es Highlights echter Größe, doch zu unentschlossen der Rest. Romeros "Dawn of the Dead" hat nicht mal ein Viertel der Produktionskosten verschlungen, doch der Weltuntergang, den er uns zeigte, wirkt doch umso viel beklemmender. Und die Kollegen vom öffentlich rechtlichen TV haben beispielsweise mit ihrer Produktion "Dresden", in welcher ebenfalls Herr Lauterbach zu sehen war, fulminant vorgeführt, wie solch ein "Event-Movie" aus hiesiger Herstellung tief ausgelotete Dramatik, brutale Schlagkraft und überzeugende Charakterstudien zu bieten hat. Zwei Skulls dafür, einer davon für Koeberlin als Hoffnungsträger, ein halber für die wenigen wirklich guten Effekte, die andere Hälfte für die wenigen gelungenen, überzeugenden dramatischen Szenen, die aber viel zu wenig Raum einnehmen in einer drei Stunden Produktion. Insgesamt sind die meisten "Terra X" Episoden oder ähnlich gelagerte Dokus zum Thema Vulkanausbruch dramatischer, spanender, unterhaltsamer und vor allem lehrreicher als dieser Film.
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Inside (FrankreichFrankreich, 2007)
OT: À l'intérieur, Regie: Alexandre Bustillo, Julien Maury
Mit: Béatrice Dalle, Alysson Paradis, Nathalie Roussel, François-Régis Marchasson, ...

Autor:Wollo
Datum:15.09.09
Kommentar:Hier schließe ich mich weitestgehend der Meinung meines Vorkommentatoren an, dass ich nämlich selten einen so kranken - und das sei nun im pathologischen wie psychologischen, in jedem Fall aber im negativen Wortsinn verstandenenen Film wie eben diesen hier gesehen habe. Im Prinzip hatte ich mich auf diesen Film gefreut, denn Beatrice Dalle ist für mich noch immer eine der grandiosesten und aufregendsten Aktricen unserer Tage, und ihre Leistung ist aus schauspielerischer Sicht auch in diesem Film zweifellos einwandfrei. Die Gewaltdarstellung ist definitiv völlig over the Top, meiner Meinung nach ein Problem, das der franzöische Horrorfilm in den letzten Jahren häufiger zum Ausdruck brachte. Nicht falsch verstehen, es gab gerade von dort etliche innovative und eigenständige Formate in der letzten Zeit, die versuchten, einem nahezu gleichgeschalteten Hollywood etwas entgegen zu stemmen, und das ist vom Ansatz her ja aller Ehren wert. Aber wie Schnuff sehr richtig bemerkte, da gibt es Tabus, an denen man sich besser nicht abarbeitet. Ursprünglich hatte ich im Vorfeld vor, selber ein Review zu diesem Film zu verfassen, aber auf eben diesen Seiten nehme ich für mich in Anspruch, nur über Filme zu berichten, die mir auch gefallen, und dieser hier gehört definitiv nicht dazu. Wenn ich nun dennoch einen zweiten Skull vergebe, also knapp ander Höchststrafe vorbei, so hat das nahezu auschließlich mit Beatrices schauspielerischer Leistung zu tun, die sich ja nie zu schade ist, noch die unsympathischste Rolle zum allerbesten zu geben, und das auch vorrangig in Filmen, die ohnehin polarisieren. Fazit: Hirnlose Gewaltorgie, die gern als intelligentes Kammerdrama vermarktet wird, letztlich aber als gänzlich ekelhafte Paranoiastudie daherkommt, die "Das Schweigen der Lämmer" zu einem Disney Film degradiert. Wenn sie diesen Film gut finden, sagt mir das Dinge über sie, die ich nun wirklich gar nicht wissen will!
Bewertung:
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Pet Shop Boys - Der Film (GroßbritannienGroßbritannien, 1987)
OT: It couldn't happen here, Regie: Jack Bond
Mit: Neil Tennant, Chris Lowe, Joss Ackland, Neil Dickson, ...

Autor:Wollo
Datum:15.09.09
Kommentar:Okay, unlängst war ich gerade ein wenig angefressen weil ich einen ziemlich langen Kommentar verfasst habe und eine Trennung meiner Internetverbindung, die nicht von mir herbei geführt worden ist, das Geschriebene wieder in Stücke gehauen hat und irgendwo im digitalen Nirvana hat verschwinden lassen. Tolle Wurst! Also musste ich nochmal von vorn beginnen, wozu ich am betreffenden Abend dann nicht mehr so die rechte Lust zu hatte. Sei’s drum! Tatsächlich haben Zoltan und ich uns kürzlich den Streifen zu Gemüte geführt und konnten beide leider nicht Deine Begeisterung, lieber Preytor, für diesen Film teilen. Ich kann nur für meine Wenigkeit sprechen und muss zum einen sagen, ich bin ja nun nicht der ganz große Pet Shop Boys Fan (auch wenn ich wie bereits erwähnt manch eine Nummer der beiden Herren zu schätzen weiß) und mich hat die Dauerberieselung mit ihrer Musik dann doch schlicht irgendwann überfordert. Aber das war nicht der einzige Grund, weswegen der Film für mein Daherhalten einfach nicht funktioniert hat. Klar, man stellt sich, wie Du ja auch in Deinem Review anmerktest, am Ende die Frage, was habe ich denn hier nun eigentlich gerade gesehen? Ein Musical ganz sicher nicht, und das ist auch gut so. Dennoch kann ich zu keinem anderen Ergebnis kommen, als das wir es hier mit nichts anderem zu tun haben als eben doch einem überlangen Musikclip, der letztlich lediglich dem Zweck gedient haben wird, die Musik der Herren Tennant und Lowe an den Kunden zu bringen, denn ein Film als solcher bringt ja eigentlich normalerweise eine Geschichte zum Tragen, und eine solche ist hier allemal marginal in ganz groben Ansätzen erkennbar. Es fehlen Sinn und Verstand – leider, denn eigentlich wollte ich den Film ja gut finden! Möglicherweise sollte hier ein ambitionierter Kunstanspruch formuliert werden, der aber letztlich daran gescheitert ist, dass man einfach zu viel Buntes in den Kessel geworfen hat. Nur leider kam am Ende dabei kein wohlschmeckender Zaubertrank heraus, sondern vielmehr ein undankbarer und angeberischer Allerlei Eintopf, der auch noch am eigenen Dampf verköchelte. Vielleicht trachteten die Pet Shop Boys auch danach, mit diesem Streifen ein möglichst seltsames Image von ihnen als Band wiederzuspiegeln, einer Mischung aus bowieesker Exaltiertheit, weirdem surrealistischem Ausdruck, multimedialer DaDa (oder besser GaGa) Verliebtheit und nicht zuletzt auch dem nötigen Quentchen britischem Patriotismus, auch wenn freilich erkennbar ist, dass hier zwar mit einer gewissen Ironie gespielt wird, die aber dann doch nicht klug genug zu Ende gedacht worden ist um so richtig zu funktionieren. Warum? Nun, da haben wir zunächst einmal den Umgang mit den beiden urtypischsten Humorformen des britischen Ausdrucks davon, nämlich den schwarzen Humor und der Absurdität. Beidem wird im Film im großen Maße gehuldigt, besser aber ausgedrückt, versucht zu huldigen. Im Land ihrer Königin Lisbeth ist dies eine große Tradition, siehe hierzu die Monty Pythons, Peter Sellers, Marty Feldman, sogar Benny Hill. Hier aber scheitert der Witz viel zumeist schon am eigenen Anspruch, am falschen Timing, oder schlicht daran, dass er eigentlich gar nicht lustig genug ist. Auf der einen Seite versucht man einen intellektuellen Jokus an den Mann zu bringen, der aber einfach nur verkopft wirkt, wie beispielsweise bei den Existentialismus Monologen der Bauchrednerpuppe. Huh!, Sartre und so!! Auf der anderen Seite übertreibt man es gnadenlos mit der Skurrilität, wie exemplarisch in der Frühstücksszene in der Pension, in welcher Chris in die Handlung eingeführt wird, der übrigens sehr wohl im Film einige Sätze spricht! Freilich hat man auch versucht, sich in die durchaus britische Tradition der Bandmovies einzureihen, man möge sich hierzu exemplarisch die Kooperationen der Beatles mit Richard Lester anschauen („A Hard Day’s Night“, „Help“), Pink Floyds mit Alan Parker („The Wall“) oder, zwar letztlich später, dennoch ebenso gescheitert was den Sinn betrifft, oder sagen wir besser, eigentlich nur für den sehr geneigten Fann von wirklichem Interesse, „Spice World – The Movie“, den Spice Girls Film von Bob Spiers. Die beiden Beatles Filme funktionieren ja aufgrund ihres skurrilen Humors noch durchaus. Klar, dies ist sicherlich ein Humor, welcher dem Zeitgeist unterworfen ist, und nicht anders ist es ja auch bei den Spice Girls oder eben den Pet Shop Boys; Pink Floyds Film hingegen ist einfach nur ein Mahnmal megalomanischer Selbstbeweihräucherung/-überschätzung, also ein riesiger Ego_Trip ihres damaligen Hauptsongschreibers Roger Waters, der das Ding ja auch nach seinem Ausstieg bei den Prog-Rock Langweilern (da stehe ich zu!) größenwahnsinnig auf dem Potsdamer Platz im Jahre 1990, also kurz nach dem Mauerfall, mit den größten Popstars der damaligen Zeit als Zaungäste aufführte. Aber gut, das soll uns an dieser Stelle gleich sein, obwohl, so völlig eins aber auch nicht, denn gerade im letzten Drittel haben sich die Pet Shop Boys ziemlich offensichtlich schon von der Pink Floyd’schen Bildsprache anstiften lassen, denn da sehen wir ordentlich pyrotechnische Effekte, die mitunter fast eins zu eins kopiert wirkten bei den älteren Kollegen, und eben reichlich Weltkriegssymbolik, mit der sich die Mannen um Waters ja auch schon Sympathien bei ihren Landsleuten einzuheimsen suchten. Traurige Soldaten auf einsamen, dunklen britischen Bahnhöfen. Man sieht schon, das will alles gar nicht so recht zusammengehen. Und so kam dann auch der gesamte Film daher. Klar, wenn man nun absoluter Anhänger dieser an ihrem Gesamtwerk gemessenen sicher großen, verdienten Band ist (respektive Duo), dann kann man schon Spaß an diesem Streifen haben, doch alle anderen werden eher ihre Schwierigkeiten mit diesem, nun, Film?, Werbeclip?, Präsentation des künstlerischen Schaffens?, was auch immer, feststellen, und so muss auch ich nun schweren Herzens meine vorab in Unkenntnis gegebene Viererwertung nach unten richtig stellen und gegen eine zwei eintauschen. Gern hätte ich da was Besseres vergeben, aber so ist das nun mal! Wie sagt die britische Zunge so gern? – Not my Cup of Tea!!!
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Die Klapperschlange (GroßbritannienGroßbritannien, USAUSA, 1981)
OT: Escape from New York, Regie: John Carpenter
Mit: Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, ...

Autor:Wollo
Datum:16.08.09
Kommentar:Eigentlich ist zu diesem nun ja auch schon beinahe dreißig Jahre auf dem breiten Rücken habenden Film mehr oder weniger alles gesagt worden. Hinlänglich wurde der visionäre Ausdruck Carpenters gelobt, die düstere Atmosphäre des Films, die auch heute noch ganz prima funktioniert, obschon die Zukunft, die in diesem Film gezeigt wird, ja auch inzwischen schon wieder seit 12 Jahren Vergangenheit ist, dafür aber kaum Patina angesetzt hat. Das stylishe Synthiescore, das Carpenter zusammen mit Alan Howarth komponiert hatte, findet in fast jedem Review Würdigung, und auch Hauptdarsteller Kurt Russel machte seinen Job als wortkarger Django Wiedergänger der Apokalypse allseits bekannt ziemlich ordentlich. Lob gebührt dem Film allemal, denn sein wegweisender Status ist ihm nicht abzusprechen. Doch das alles sind inzwischen Gemeinplätze. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um einen Film solcher Art, den viele von uns als junge Menschen gesehen und dann nie wieder wirklich vergessen haben, der sich irgendwie in die Netzhaut einbrannte und der die Sehgewohnheiten für lange Zeit geprägt hat. Ein Film, den man irgendwie immer geliebt hat. Über so einen Film schreibt man einfach nichts schlechtes, oder? Denn wie anders wäre es zu erklären, dass eigentlich in fast keinem Review jemals auf all die vergebenen Möglichkeiten hingewiesen wurde, die der Film bei allem Respekt auch zu bieten hat? Nehmen wir mal die Gilde der Nebendarsteller, die zum Teil echt prominent besetzt hier total absäuft, weil ihnen Carpenter gar nicht die Möglichkeit gibt, sich in irgendeiner Form hervortun zu können. Beispiel? Harry Dean Stanton, dieser großartige alte Haudegen des Independent Kinos, der hier des „Dukes“ Vordenker „Brain“ gibt und nicht einmal ein Bruchteil seines Könnens abrufen darf. Warum holt man sich denn jemanden wie ihn an Bord, wenn die Rolle auch von einer Stehlampe hätte geleistet werden können? Auch die charismatische und ansonsten durchaus aufregende Adrienne Barbeau, bei Carpenter zu jener Schaffensperiode sowieso Standard-Besetzung, fällt gar nicht weiter auf. Einzig dem guten alten Ernie Borgnine, der den Taxifahrer Cabbie gibt, wird etwas Glanz zugestanden. Eine weitere gute Gelegenheit, die versemmelt worden ist, ist die Darstellung der gesellschaftlichen Ordnung innerhalb des Riesenknasts, in welchem die Insassen sich selber überlassen bleiben abgesehen von den Lebensmittelrationen, die ihnen per Hubschrauber zugeworfen werden. Klar, da gibt es den Duke, der auf der Hackordnung ganz oben steht und Manhattan kontrolliert, von Isaac Hayes übrigens – gewollt oder auch nicht – eher als Parodie eines Oberpimps angelegt denn als eiskalter Superschurke. Wir kriegen noch mit, dass einige der abgewracktesten Typen offensichtliche Nahrungsengpässe zwischen den Regierungslieferungen mit Kannibalismus überbrücken und andere Gefangene ein Theater betreiben, aber so richtig prall ist das alles nicht, denn da hätte man einfach mehr draus machen können. Selbst bei den Kindern aus dem „Herrn der Fliegen“ geht es da schauriger zu als hier im Apokalypso-Knast, und da sollen die schlimmsten Verbrecher der Menschheit eingesperrt sein? Und apropos Knast, auch diese Idee war ja nun nicht mehr so ganz visionär, denn Strafkolonien hat es ja schon vor hunderten von Jahren gegeben, nur waren diese eben weiträumig outgesourcet und lagen nicht direkt an der Haustür des jeweiligen Machthabers. Auch das Finale ist etwas schlapp geraten, da hätte man sicher noch etwas mehr auf die Tube drücken können, denn irgendwie scheint hier Carpenters Timing gar nicht mehr zu stimmen. Wo vorher Rasanz und Spannung aufgebaut wird, geriet die letztendliche Flucht aus NY tatsächlich ein wenig schnarchig. Dennoch insgesamt ein durchaus guter Film, ein Klassiker des Genres, der seinen Ruf trotz einiger Schwächen verdient hat. Das meiste davon ist ohnehin Carpenters Regiestil geschuldet, der eben Licht und Schatten aufweist. Er zeigt ja zumeist seinem Publikum sowieso nur das Allernotwenidgste und hält sich gar nicht erst mit Nebensächlichkeiten auf, seine Figuren reden nur, wenn es nötig ist, und die Geschichten beschränken sich zumeist auch nur auf die Haupthandlung. Das ist sein Stil, und davon ist er niemals abgerückt. Er erschuf oftmals großartige Atmosphären und Stimmungen auf diese Art und Weise, dennoch hat man bei seinen Filmen aber auch immer das seltsame Gefühl, das irgendwo was fehlt, zu kurz kommt. So eben auch hier. Ach ja, übrigens, eine düstere Utopie gibt es nicht, denn dieses Wort ist nur im positiven Sinne zu verwenden. Das was hier gezeigt wird, ist eine Anti-Utopie, oder eben eine Dystopie. Nur so am Rande das…
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Mircalla (DeutschlandDeutschland, 2008)
OT: Mircalla, Regie: Christian Jürs
Mit: Hanna Zehm, Neele Kurt, Daniela Schönecker, Elisabeth Jürs, ...

Autor:Wollo
Datum:10.08.09
Kommentar:Nein, Wollo ist weder verwandt, verschwägert noch in irgendeiner Form persönlich bekannt mit dem Filmemacher oder irgendjemandem sonst, der in den Prozess des Films eingebunden war. Ich empfand den Film halt so, wie ich es hier geschildert habe.
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L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn (USAUSA, 1985)
OT: Weird Science, Regie: John Hughes
Mit: Anthony Michael Hall, Kelly LeBrock, Ilan Mitchell-Smith, Bill Paxton, ...

Autor:Wollo
Datum:09.08.09
Kommentar:Ehrlich gesagt finde ich diesen Film ziemlich bescheiden, dennoch möchte ich ihn kurz zum Anlass nehmen daran zu erinnern, dass der Regisseur dieses Films, John Hughes, am 6. August im Alter von nur 59 an den Folgen eines Herzinfarktes verstorben ist. Hughes war als Regisseur, Drehbuchutor und Produzent irgendwie ein Teil der Jugend all derer, die ihre Teenagezeit in den 1980'ern durchlebt haben. Klar, der Mann hat definitiv eine Menge Müll fabriziert, aber auch einige Filme, die man damals einfach gesehen haben musste wenn man 15 oder 16 war, Filme wie "Breakfast Club", "Pretty In Pink" (beide mit der zauberhaften Molly Ringwald, in die ich damals echt verknallt war, hihi) "Ferris Bueler's Day Off", "Some Kind of Wonderful" oder "She’s having a Baby", die ich mir auch heute noch ganz gern mal anschaue, wenn sie mal wieder irgendwo im Fernsehen gezeigt werden, schon allein deshalb, weil man sich gern an die alten Zeiten erinnert (Oh Gott, ist das ein Signal dafür, dass man langsam alt wird?), als diese Filme liefen und man noch ziemlich unbeholfen durch das Leben tappste und irgendwie immer ein wenig darauf hoffte, dass einem Filme exakt dieser Art ein wenig beim Erwachsen werden helfen würden. Allerdings gehört der hier vorliegende Film ganz ausdrücklich nicht in diese Kategorie. Egal, auch das Hughes nach "She's having a Baby" nichts mehr von irgendeiner Bedeutung für mich gemacht hat und eigentlich fast nur noch an ganz und gar hygienischen und weichgespülten, gebügelten und mit Sprühstärke in Form gebrachten belanglosen Familienkomödien der sehr amerikanischen Art beteiligt war, aber für diese Momente, da er irgendwie meine Jugend bereichert hat, dafür hat er für immer einen klitzekleinen Platz in meinem Herzen. R.I.P. John Hughes.
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Pet Shop Boys - Der Film (GroßbritannienGroßbritannien, 1987)
OT: It couldn't happen here, Regie: Jack Bond
Mit: Neil Tennant, Chris Lowe, Joss Ackland, Neil Dickson, ...

Autor:Wollo
Datum:08.08.09
Kommentar:Dies ist ein beachtliches Review und ganz sicher Dein bestes, welches Du bislang für diesen schönen Platz im www geleistet hast. Man merkt ihm Deine offensichtliche Hingabe an die Band genau so an wie Deinen missionarischen Eifer, uns die Petshop Boys (nicht nur) mit diesem Film ans Herz legen zu wollen. Ein echter Fan des Duos war ich persönlich nie, wenngleich ich z.B. "Westend Girls", "Rent" oder auch andere Nummern von ihnen immer recht knorke fand und finde. Ihre letzte Platte war nett, leider nicht mehr. Aber darum soll es jetzt und hier nicht gehen. Mach weiter so und vermittel uns Deine Begeisterung für den jeweiligen Film, denn das sind die Reviews, die ich lesen will. Chapeau! Jetzt habe ich allerdings wieder das Problem, dass ich eine Bewertung zu eine Film abzugeben habe, den ich nicht kenne. Aufgrund Deiner Beschreibung vergebe ich vier Schädel, denn zum einen vertraue ich Dir, zum anderen kann ich mir schon vorstellen, dass der Film durchaus gelungen ist. Ich versuche mal, mir den Film demnächst zu besorgen, eventuell korrigiere ich dann das Rewarding.
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I Am Legend (USAUSA, 2007)
OT: I Am Legend, Regie: Francis Lawrence
Mit: Will Smith, Dash Mihok, Alice Braga, Charlie Tahan, ...

Autor:Wollo
Datum:03.08.09
Kommentar:So, jetzt habe ich es denn auch endlich mal geschafft, mir den Film anzusehen, und was soll ich sagen, im Prinzip gestaltete er sich genau so, wie ich ihn mir auch vorgestellt hatte, was mir einer der Gründe war, weswegen es überhaupt so lange dauerte, bis ich mich da rantraute. Das Buch "I am Legend" von Richard Matheson ist ein wegweisender Klassiker der literarischen Phantastik des 20. Jahrhunderts. Auf nur rund 200 Seiten erzählt Matheson die Geschichte des letzten Menschen auf der Erde. Der Rest der Menschheit fiel einer Pandemie zum Opfer und mutierte zu blutgierigen Vampirwesen, derer sich Neville Nacht für Nacht zu erwehren versucht. Nebenher fahndet er verzweifelt nach einem Gegenmittel, was ihm aber nicht gelingt. Allmählich dämmert es ihm, dass er nun der andere ist, das Monster, der Anachronismus, und nicht die Vampire. Neville ist der Irrtum der Evolution, der beglichen werden muss... Von all dem ist nichts in diesem Film zu finden. Die gesellschafts- und wissenschaftskritischen Ansätze des Buches wurden einfach glatt gebügelt, der ganze Film total auf seinen superprominenten Hauptdarsteller zurecht geschnitten, der dann allerdings auch einen absolut fantastischen Job macht und dessen Leistung ich nur als allerehrenwert bezeichnen kann. Wenn sein Robert Neville dennoch nicht recht überzeugen kann, so liegt das am allerwenigsten an Smith, vielmehr daran, wie man ihm die Figur ins Drehbuch geschrieben hat. Aus dem ambivalenten Trinker und verrohenden Zyniker aus dem Buch hat Francis Lawrence eine zweidimensionale Erlöserfigur gemacht, einen Konsens-Superhelden der Hollywood-Traumfabrik, einen echten "amerikanischen Helden" halt. Das Ende der Geschichte wurde gar schlimm zum kitschigen Happy End gebogen und somit ihrer klugen und schockierenden Prämisse beraubt. Außerdem wirken die Vampirzombies aus dem CGI-Baukasten billig, mitunter fast unfreiwillig komisch, weswegen der Film auch auf dieser Ebene nicht überzeugen kann. Wenn ich ihm am Ende aber dennoch drei Skulls zugestehe, dann liegt das in der Hauptsache an Smith, der mit seiner Präsenz und einem schauspielerischen Können, das ich ihm gar nicht zugetraut habe, nahezu den ganzen Film locker im Alleingang stemmt. Der zweite Grund ist die erschlagende Bildgewalt gerade in der Anfangsphase des Films. Wir sehen ein postapokalyptisches New York, das angesichts seiner drei Jahre währenden Entvölkerung allmählich dem Verfall anheim fällt, menschenleere Straßen in der einst wuseligen Metropole, der Asphalt platzt auf weil sich das Unkraut seine Bahn bricht, überall streifen wilde Tiere aus den verwaisten zoologischen Gärten herum, im Central Park züchtet Neville Mais, und während er an der Seaside Golfbälle ins Nirvana schlägt, sehen wir im Hintergrund die gesprengten Brücken Manhattans, die nun wie Mahnmale erscheinen. Und die Rotwildjagd aus dem Sportwagen, die ist wirklich rasant und faszinierend geraten. Hier überzeugt der Film und kann für sich einnehmen, ja, eben fast zu modernen Apokalypso-Klassikern wie "Children of Men", "28 Days later" oder "12 Monkeys" aufzuschließen, doch leider wird diese Qualität nicht über den Film gehalten. Außerdem fand ich die Erzählweise des Films richtiggehend ungelungen. Am Anfang staunt man ja noch so über die tollen Bilder, dass einem gar nicht wirklich auffällt, dass das bißchen Story eigentlich in 20 Minuten hätte erzählt werden können. Das ist dann wohl auch den Verantwortlichen aufgefallen, weswegen nun nervige Rückblenden eingebaut werden, die einem a) nur vermitteln, was der aufmerksame Zuschauer sich bei klügerer Erzählweise auch so hätte erarbeiten können (und ja auch zu einem nicht unwesentlichen Teil bereits getan hat), und b) immer wieder das eh schon bedenklich undynamische Tempo aus dem Film nehmen. Als es zum Schluss aber dann doch noch schnell wird, gewinnt man den Eindruck, als hätte man sich die gesamte erste Stunde komplett sparen können, einfach weil die Geschichte nun in eine ganz andere, eigentlich unwürdige Richtung geht (unnötig zu erwähnen, dass spätestens ab hier gar nichts mehr aus Mathesons Buch zu finden ist) und mit verquaster Pseudophilosophie nervt. Vielleicht hätte man hier dann doch mal jemanden fragen sollen, der sich mit sowas auskennt, aber egal, da ab hier sowieso das Kind in den Brunnen gefallen war. Also, im Prinzip hat man nun die Möglichkeit den Film nach etwa 60 Minuten abzuschalten, etwa an der Stelle, wo Anna und Ethan einsteigen, dann hat man zumindest tolle Bilder und einen verflucht guten Star auf dem Höhepunkt seiner Kunst gesehen, oder aber man schaut sich die restlichen etwa 40 Minuten an, den dramatischen Höhepunkt, der aber nicht recht funktioniert weil er an ähnlichen Kritikpunkten krankt wie Spielbergs "Krieg der Welten" Variante. Die gute Möglichkeit, aus der richtig guten Vorlage einen ebensolchen Film zu machen, ist leider vergeben worden. Für 2011 ist übrigens eine Fortsetzung angekündigt worden, die dann aber wohl gar nichts mehr mit Matheson zu tun haben wird, und in der man wohl auch Will Smith nicht mehr sehen wird, da dieser ja hier den Heldentod starb. Ich mahne arge Zweifel an, dass das in irgendeiner Form Sinn machen dürfte....
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Das Fenster zum Hof (USAUSA, 1954)
OT: Rear Window, Regie: Alfred Hitchcock
Mit: James Stewart, Grace Kelly, Wendell Corey, Thelma Ritter, ...

Autor:Wollo
Datum:30.07.09
Kommentar:"Rear Window" ist für mich neben "Vertigo" der wohl beste Hitchcock Film überhaupt, viel besser noch als der im allgemeinen leicht überschätzte (weil doch ein wenig nach Reissbrett anmutendem) "Psycho", der aber ohne jede Frage dennoch ein guter Film ist, oder eben dem wegweisenden Tierhorrorfilm "Die Vögel", der eben auch alles andere als schlecht ist, nur sind das eben Filme ganz anderer Art als dieser hier. Am "Fenster zum Hof" gefällt mir eben besonders die leichte Hand, mit der Hitchcock hier auf den ersten Blick inszeniert hat. Der Film wirkt leicht, sommerlich beschwingt, das Paar kabbelt sich nach guter alter Screwball-Manier, die toughe Schwester mit dem guten Herzen ist mit von der Partie, beim Musiker gegenüber wird jeden Abend Party gemacht, die Hochsommerhitze Manhattans ist förmlich spürbar, doch auch kleine Dramen spielen sich am Rande ab, während die brutale Mordgeschichte um den finsteren Vertreter, der seiner Frau den Garaus gemacht und deren sterbliche Überreste offensichtlich Stück für Stück über NYC verteilt hat (was zur damaligen Zeit übrigens schon in der bloßen Andeutung starker Tobak gewesen ist), sich allmählich dem Zuschauer (sowohl "Jeff" im Film wie auch uns) offenbart. Hier konnte der Meister gar nicht anders als in dieser Weise subtil zuwerke zu gehen, andernfalls hätte es Ärger mit der Zensur gegeben. Zudem ist Hitchcock ja bekanntlich Brite gewesen, und als solcher liebte er den richtig bitterbösen schwarzen Humor, von dem dieser Film nur so durchdrungen ist. So, und schaut man nun mal genau hin, dann erkennt man auch, wie bestechend präzise "Hitch" den Film als Regisseur inszeniert hat, wie brillant er sein Ensemble, das ausnahmslos aus absoluten Könnern bestand, instruiert und angeleitet haben muss. Immer wieder sieht man komplette Szenen, die aus einer einzigen Einstellung ohne sichtbare Schnitte gefilmt worden sind, und die dem Film seinen besonderen, eben fast kammerspielartigen Charakter verleihen, und das sind solche Szenen, in denen alles stimmt, was für das außergewöhnliche Können aller Beteiligten spricht. Ein ebenfalls offensichtliches Stilmittel ist das charakteristische "Fade to Black", also das Ausblenden einer Szene ins Schwarze. Hitchcock setzt diesen Kniff ausnahmslos an den richigen Stellen ein, so als ob in einem Buch ein neues Kapitel beginnen würde oder eben bei einem Theaterstück der Vorhang fällt um einen neuerlichen Aufzug einzuläuten, was, wie ich finde, auch ein sehr elegantes Ausdrucksmittel ist, das im heutigen Filmgeschäft leider nur noch sehr selten zum Ausdruck kommt. Klar, aus heutiger Sicht wirkt manches - wenngleich auch erstaunlich wenig - etwas bieder, aber dieser Eindruck ist letztlich natürlich dem Zeitgeist geschuldet und dafür kann keiner was, der damals an dem Streifen mitgewirkt hat. Man sollte sich den Film übrigens unbedingt in der englischen Originalfassung anschauen, denn im deutschen gehen viele der klugen Spitzen um den aus purer Langeweile entstandenen Voyeurismus "Jeffs" verloren. Der Film ist zurecht einer der ganz großen Genreklassiker und meines Erachtens nach Filmkunst pur, so wie sie eben sein muss. Klug, unterhaltsam, elegant, handwerklich perfekt, aber auch ungemein mitreißend und dramatisch. Wow! Volle Punktzahl!
Bewertung:
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