Dark Town - Die Nacht der Vampire
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Inhalt
Zusammenfassung
Curtis Armstrong - nicht nur ein ziemlich widerlicher Zeitgenosse, sondern seit kurzem auch ein Vampir - hat Geburtstag. Er kommt heim und beißt nach und nach seine ganze Familie. Ein paar einbrechende Gangsta platzen in die blutige Party und werden ebenfalls infiziert. Langsam breitet sich die Vampirseuche über die ganze Nachbarschaft aus...
Ausführliche Synopsis
Beim Versuch, Obdachlose oder Immigranten aus einer leerstehenden Lagerhalle zu vertreiben, wird Immobilienmakler Curtis Armstrong von einem Mädchen mit einer Puppenmaske angefallen und vampirisiert. Er kehrt zurück zu seiner komplett zerrütteten Familie, die ein Geburtstagsfest für ihn arrangiert hat (obwohl sich manche der Familienmitglieder schon gewünscht haben, er würde besser nicht mehr zurückkommen), und infiziert sie alle nacheinander.
Gleichzeitig gibt es (aus undefinierbaren Gründen – sind da etwa auch die Vampire schuld?) Stromausfälle in der Stadt, die immerhin dem Film zu seinem Titel verhelfen, dann sind noch einige rivalisierende (meist schwarze) „Gangsta-in-da-Hood“-Gruppen auf den Straßen unterwegs und liefern sich Schießereien und alles, was sonst cool ist, und eine selbsternannte Bürgerwehr (bestehend aus zwei Mitgliedern!) will auch noch mitmischen.
Einer der Kleingangster hat noch eine Rechnung mit dem Immobilienhai offen, deswegen bricht er mit seiner Truppe in dessen Haus ein – und platzt mitten in die Vampir-Birthday-Party, und jetzt geht das Saugen und Schmatzen natürlich erst recht los. Langsam verwandelt sich die ganze Nachbarschaft (und nicht die ganze Stadt, wie der Titel suggeriert).
Nur Armstrongs lesbische Tochter Jen und Rakeem, einer der Gangster - obwohl beide ebenfalls angesteckt - kämpfen erfolgreich gegen ihre vampirischen Neigungen an (naja, zeitweise – dazwischen sieht man sie eh fröhlich mitschmausen – diese Vampire stehen übrigens nicht nur auf Blut, sondern langen auch bei der Fleischbeilage kräftig zu). Auch das Mädchen mit der Puppenmaske taucht wieder auf, irgendjemand erzählt, sie sei die Tochter eines alten bosnischen Vampirs, der nach den USA emigriert ist, weil es nach dem Ende des Balkankriegs dort drüben nicht mehr so lustig war.
Wird es noch rechtzeitig gelingen, die Vampirbrut zu vernichten, bevor die ganze Stadt infiziert ist?
Kommentar
Kurzkritik
Ambitionierter, aber zum Teil dilettantischer Vampirstreifen, billig gedreht mit mittelmäßigen Schauspielern. Schön blutig, mit teils gelungenen, teils stümperhaften Gore-Effekten. Interessante Ansätze in der Grundidee (Kritik an verlogenener Heile-Welt-Familienideologie), aber verwirrende Story mit zu viel logischen Schnitzern und klischeehaften Dialogen. Zum Einmal-Anschauen für Fans.
Hintergründe
Wenn man will, kann man den Streifen vielleicht als moderne Variation auf Alexej Tolstojs klassische Kurzgeschichte „Die Familie des Wurdalak“ ansehen (die mehrmals verfilmt wurde, u.a. von Mario Bava), vermischt mit ein paar Spritzern „Salem’s Lot“. Hier wie dort (bei Tolstoj) haben wir den heimgekehrten Vater – jeder spürt, daß etwas mit ihm nicht stimmt, aber trotzdem wagt es niemand, seine Rolle als Familienoberhaupt in Frage zu stellen. Die Herkunft der Vampirinfektion aus Ex-Jugoslawien (wo auch Tolstojs Geschichte spielte) unterstreicht noch den Zitatcharakter.
Das besondere am Wurdalak, im Gegensatz zum normalen Vampir, ist, daß er seine Opfer ausschließlich in der eigenen Familie sucht. Und falls dieser Film irgendeinen tieferen Sinn hat, dann wohl den, die heilige amerikanische Familienidylle zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie sehr diese klassische heile Welt unter der Oberfläche auf Inzest und Gewalt aufgebaut ist. Diese Familie ist von Beginn an zerstört, schon lange vor dem Auftauchen der Vampire - das Geburtstagsfest ist eine Farce, der Vater ist ein Säufer und scheint sich regelmäßig an seinen Töchtern vergangen zu haben (einmal wird angedeutet, daß die Mißbrauchserfahrungen Jen dazu gebracht haben, lesbisch zu werden – das ist vielleicht auch der Grund, daß sie sich als einzige bis zuletzt gegen die Attacken das Vaters zur Wehr setzen kann), der Sohn ist ein Junkie, die jüngste Tochter dealt mit Drogen...
Nach der Vampirwerdung steigt Daddy seinen Girls erst recht ganz offen hinterher, der dritten Tochter „hilft“ er bei der Geburt ihres Babys, indem er ihr persönlich den halbfertigen Fötus aus dem Bauch herauszerrt, und umgekehrt verspricht er jedem Nicht-Familienmitglied, nach erfolgter Ansteckung endlich „zur Familie“ gehören zu dürfen.
Konsequenterweise (passend zum Motiv der „Blutschande“) spielt auch der Blutaustausch hier eine besonders große Rolle – nicht der Biß ist es, der den andern zum Vampir (und Familienmitglied) macht, sondern erst, wenn der Gebissene auch wieder vom Blut des Vampirs getrunken hat - deswegen werden hier Fütterungs- und Tränkungsrituale so häufig gezeigt wie in kaum einem andern Vampirfilm.
Pro & Contra
Es wäre interessant gewesen, wenn der Film sich auf diese Inzestebene konzentriert hätte – aber erstens konterkariert er den kritischen Ansatz gleich wieder selbst, indem er am Ende darüber aufklärt, daß der Ursprung des Bösen eben doch von außen kommt, aus Bosnien, und nicht in der Familienstruktur selbst wurzelt – und zweitens ist da diese ganze künstlich hochgepushte, klischeeüberhäufte Gangstergeschichte, die überhaupt nicht dazupaßt und nur zeigt, daß der Regisseur oder der Autor im Grunde doch nicht so genau wußten, wo sie mit diesem Film eigentlich hinwollten.
Die „psychologischen“ Dialoge sind hölzern, der Humor unbeholfen bis dumm (der blöde Schwarze, der einen Computerbildschirm nicht von einem Fernseher unterscheiden kann). Eine gelungene Pointe (naja, geht so): Mama ist grad beim Saugen (Blut-, nicht Boden- ) und meint „Ich fühl mich echt gut jetzt – das ist besser als Pilates!“
Die Kamera versucht ihr bestes (besonders durch Ausnutzen der Bildtiefe), Stimmung zu erzeugen, dafür ist die Lichtsetzung zum Teil erbärmlich schlecht, durch das billige Material (der Film wurde auf Video gedreht) wirken die Farben oft unecht, ebenso die meisten Special Effects (die aufgeschlitzte Brust etwa ist eindeutig aus Plastik).
Die Schauspieler agieren an der Grenze zur Outrage, Joel Kings Performance kann man entweder mögen oder gräßlich übertrieben finden (er war immerhin schon mal in einer Nebenrolle in „A Visit from the Incubus“ dabei), Janet Martin sieht ziemlich gut aus, ob sie auch schauspielen kann, werden wir nie erfahren, denn „Dark Town“ war ihre erste und einzige Filmrolle, die „Gangsta“ bemühen sich redlich, zu posen, was das Zeug hält, und liegen manchmal sogar nur ganz knapp daneben. Die Synchro tut ihr übriges.
Von den logischen Schnitzern wollen wir gar nicht reden – was haben die Stromausfälle mit den Vampiren zu tun? Saugen Vampire etwa auch Strom (ach, deswegen meine hohe Stromrechnung diesen Monat!), oder können sie sich besser fortpflanzen, wenn die Straßenlampen ausfallen? Und warum trägt das bosnische Vampirmädchen eine Puppenmaske (oder soll das etwa ein „Symbol für die zerstörte Unschuld sein“ oder sowas?)? Warum sterben manche Vampire, wenn man ihnen des Genick umdreht, während Kopfabschlagen offenbar nichts hilft?
Und wie praktisch, daß sich in der Wohnzimmerdecke zufällig ein mit einem Teppich vernageltes Loch befindet! Einfach Teppich wegziehen und Sonne reinzulassen - sowas sollte eigentlich jeder bei sich zuhause haben, falls mal zufällig ein paar Vampire zu vernichten sind...
Der Film ist aber im Ganzen doch gar nicht mal so schlecht, wie sich das jetzt anhören mag. Es gibt durchaus Phasen, wo man als Zuschauer fürchtet, sich in „Midnight Mass“ oder ein ähnliches Kaliber verirrt zu haben, aber zwischendrin gelingen doch immer wieder mal ein paar starke Bilder und halbwegs funktionierende Schockeffekte. Im Ganzen ists halt einfach zu viel von allem, zu viele Handlungsstränge, zu unruhige Schnitte, zu wirre Dialoge, zuviel angerissene und nicht zuende geführte Themen – es gibt zwar reichlich Blut und Action und nackte Haut, aber sowas wie echte Spannung oder Atmosphäre will sich kaum einstellen. Und letztlich funktioniert auch keine der Figuren so wirklich als Sympathieträger, deshalb ists einem im Grunde mit der Zeit relativ wurscht, wer da gebissen wird und wer überlebt.
Bewertung
Trotz aller Kritik vergebe ich – für die sichtbare, wenn auch fruchtlose Bemühung des Teams, trotz Minibudgets sowas wie einen halbwegs guten Streifen herzustellen, für die nicht uninteressante Grundidee, und weil anderthalb Schädel leider nicht vergeben werden können - 2 Schädel.
Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
"Dark Town" ist auf deutsch bei e-ms-s erschienen. Nur deutsche Tonspur (dafür unsinnigerweise in zwei Tonformaten). Laut Cover anamorph, in Wirklichkeit 4:3. Bildqualität dem Original entsprechend, also eher mäßig.
Filmbewertung
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Vampire Party - Freiblut für alle!
Stand: 30.07.2010 13:08:19
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