Dead Men Walk

Originaltitel: Dead Men Walk
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  1943
Regie: Sam Newfield

Darsteller

Figur

George Zucco  Dr. Lloyd Clayton / Dr. Elwyn Clayton
Dwight Frye  Zolarr
Mary Carlisle  Gayle Clayton
Nedrick Young  Dr. David Bentley
Fern Emmett  Kate
Hal Price  Sheriff
Al St. John  Zeuge
Forrest Taylor  Erzähler
  
Genre: Vampire, Okkult
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Inhalt

Nachdem eine Hand ein Buch über Vampire ins Kaminfeuer geworfen hat, erscheint in den Flammen ein Gesicht, welches uns darüber aufklärt, daß das Böse tatsächlich existiert, daß Kreaturen wie Hexen oder Vampire umso mehr Macht haben, je mehr wir das Wissen über sie zu zerstören versuchen.
Nach den Anfangscredits geht es dann in medias res. Wir sind bei der Beerdigung von Elwyn Clayton. Dessen Zwillingsbruder Lloyd, ein angesehener Arzt (den wir allerdings im ganzen Film nie praktizieren sehen), scheint gar nicht so unglücklich darüber zu sein, Elwyn im Sarg liegen zu sehen - mit Grund, wie sich herausstellt, denn offenbar war er nicht ganz unschuldig am Tod seines Bruders. Er selbst behauptet zwar, es sei reine Notwehr gewesen, Elwyns Diener Zolarr und Elwyn selbst sind da allerdings ganz andrer Ansicht und beschuldigen Lloyd des Mordes. Elwyn selbst? Nun, dazu kommen wir gleich. Dieser Elwyn war ein Anhänger irgendeiner indischen Satanisten-Religion, und während Lloyd versucht, das Böse unschädlich zu machen, indem er die okkulte Büchersammlung seines Bruders verbrennt, erhebt dieser sich, mit Hilfe seines Dieners, schon wieder aus dem Sarg. Sofort gibt er Zolarr präzise Anweisungen, was nun weiter zu geschehen hat, offenbar hat er sich schon seit langem minutiös auf sein neues Dasein als Vampir vorbereitet.
Sein erstes Ziel ist Rache, Rache an seinem Bruder. Allerdings will er Lloyd nicht töten - Mittel zum Zweck ist vielmehr Lloyds Nichte Gayle, die er nun langsam, Nacht für Nacht, aussaugen und schließlich zu seiner Adeptin machen will, ohne daß Lloyd, der rational denkende Naturwissenschaftler, dagegen etwas unternehmen kann. Der Plan geht auf. Zuerst zweifelt Lloyd an seinem Verstand - dann, nachdem er endlich akzeptiert hat, daß sein Zwillingsbruder tatsächlich als Vampir zurückgekehrt ist, findet er niemanden, der ihm glaubt. Sein eigner Schwiegersohn beginnt ihn sogar selbst zu verdächtigen, mittels Gift am langsamen Dahinsiechen von Gayle schuld zu sein. Und nachdem ein Zeuge einen Vampirmord beobachtet und Elwyn mit Lloyd verwechselt, macht sich ein aufgebrachter Mob auf, um den guten Doktor zu lynchen. Aber man kommt gerade noch zurecht, um die beiden Brüder im Schlußfight zu erleben. Damit ist zwar die Unschuld des Doktors endlich erwiesen, aber im nächsten Augenblick begraben die einstürzenden Trümmer des brennenden Hauses Lloyd, Elwyn und Zolarr unter sich. Happyend.

Kommentar

Sam Newfield und die PRC
Sam Newfields Ruhm gründet sich heute hauptsächlich auf der Tatsache, daß er als der produktivste Regisseur aller Zeiten angesehn wird. Über 300 Filme, von der Stummfilmzeit bis in die Fünfzigerjahre, gehen auf sein Konto, nicht gerechnet all die noch unentdeckten, die er unter einem seiner vielen Pseudonyme gedreht hat. Das bedeutet einen durchschnittlichen jährlichen Output von 10 bis 15 Filmen. Allzuviel Zeit zum Ausfeilen der einzelnen Werke blieb da jedenfalls nicht – und „Dead Men Walk“ ist keider keine Ausnahme.
Newfield war Hausregisseur der Produktionsfirma PRC (= „Producers Releasing Company“), die von seinem Bruder, Sigmund Neufeld, gegründet worden war. PRC war eins der ärmsten Studios in Hollywood, stellte ausschließlich B- und C-Produktionen her, in kürzester Zeit (durchschnittliche Drehdauer eine Woche), dafür aber mit einem immensen Ausstoß an Masse.
Die Hauptverkaufsschiene lag im Western-Bereich (hier inszenierte z.B. allein Newman mehrere Dutzend Streifen über „Billy the Kidd“), großes Augenmerk galt auch dem Horrorbereich.
Aber während RKO, auch eine der finanziell schwächeren Companies, in diesem Bereich aus der Not eine Tugend machte, und es speziell mit den psychologischen, kammerspielartigen Horrorfilmen, die Val Lewton betreute, fertigbrachte, das ganze Genre neu zu definieren (Beispiel „Cat People“), ging PRC den umgekehrten Weg. Man wollte in denselben Gewässern fischen, die eigentlich schon Universal abgschöpft hatte. Also genau die gleichen Filme im gleichen Stil nochmal drehen, am besten noch kruder, noch massentauglicher – nur halt mit weniger Budget, weniger Ausstattung, weniger Stars und weniger Effekten...
Ein paar wirklich interessante Filme sind dabei durchaus entstanden, etwa die Arbeiten von Edgar G. Ulmer, oder Frank Wisbars „Strangler of the Swamp“ – aber das Gros waren doch Fließbandproduktionen, und da war normalerweise wieder Sam Newfield der „Mann fürs Grobe“. Auf sein Konto gingen etwa „The Mad Monster“ oder „The Monster Maker“ – und natürlich „Dead Men Walk“. Ein kinematographisches Meisterwerk, soweit ist jetzt vielleicht schon klar geworden, sollte man sich hier jedenfalls erstmal lieber nicht erwarten.

Der Film
Ums gleich zu sagen: der Film zieht sich – und das ziemlich von Beginn an. Was man, aus Budgetgründen, an Action und Effekten nicht bieten konnte, wurde in die Dialoge gesteckt. Elendslange Gespräche füllen die Zeit, oder sogar Monologe, in teilweise hochgestochenen, aufgeblasenen Texten werden im Großen und Ganzen nur Dutzende Klischees durchgekäut, die man alle schon tausendmal (und meistens besser) gehört hat. Wieder einmal rätselt die halbe Belegschaft (als hätte hier noch niemand jemals einen Vampirfilm gesehn), was denn diese zwei kleinen Löcher am Hals bedeuten könnten, wieder einmal wird davor gewarnt, daß Vampire nur deshalb so große Macht haben, weil niemand an sie glaubt, und ausführlichst wird darüber reflektiert, daß es vielleicht doch, wieder alle Vernunft, Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, usw.... Zu den wiedergekäuten Standardsituationen zählen auch u.a.: Die Bluttransfusion – die abergläubische Alte, die dem Opfer ein Kruzifix aufdrängt - der Vampir, der seinen Diener schickt, um selbiges vom Hals des Opfers zu entfernen – die brennende Kerze, die unweigerlich beim Schlußkampf umgeworfen werden muß, um die Vorhänge in Brand zu stecken, damit die Bösen rechtzeitig in den Flammen umkommen können – usw. usw.

Newfields Auffassung von Dialogregie bestand anscheinend darin, beide Gesprächspartner so unbeweglich wie möglich einander frontal gegenüber aufzustellen und dann mit der Kamera so lange draufzuhalten (aus maximal zwei verschiedenen Positionen), bis der Text zuende ist. Wenn der Sheriff während eines dieser statischen Rededuelle einmal die Hände in die Hosentaschen steckt, wirkt das schon fast wie eine Actioneinlage!
Auch Kamera und Schnitt tragen nicht allzuviel dazu bei, den Eindruck von Schwerfälligkeit vergessen zu lassen – die Kamera zeigt, was man sehen muß, der Schnitt montiert, was hintereinander gehört, das muß genügen, von Atmosphäre oder Raffinesse keine Spur (von ein paar löblichen Ausnahmen abgesehn, etwa wenn in einer Szene der Vampir sich zum Hals seines Opfers herunterbeugt, und dann hart auf den nächsten Morgen geschnitten wird, wo der Doktor – derselbe Schauspieler! – sich eben vom Hals des Opfers erhebt, wo er soeben zwei ominöse Einstiche entdeckt hat. Hier wird die Identitätsverwirrung zwischen Vampir und Held einmal kurz auch optisch spürbar gemacht, aber solche Momente sind leider äußerst rar in diesem Streifen).

Die meisten Schauspieler machen zudem den Eindruck, unter Drogen zu stehen.
Nedrick Young verkörpert einen der steifsten, langweiligsten Horrorfilmhelden überhaupt (als Drehbuchautor - etwa für Elvis Presleys „Jailhouse Rock“, Drehbuch-Oscar für „Flucht in Ketten“ - dürfte er etwas begabter gewesen sein). Für Mary Carlisle war dies der letzte Film ihrer Karriere – wenn man sie hier sieht, hat man nicht den Eindruck, daß dies ein großer Verlust für die Filmkunst gewesen sein dürfte. Außer dekorativ auszusehn und dahinzusiechen bekommt sie allerdings auch nicht viel zu tun.
Interessanter Fern Emmett als Kate, eine alte Jungfer, die von allen als verrückt angesehen wird, weil sie dauernd von Hexen und Vampiren redet, und die doch zur einzigen Verbündeten von Lloyd wird. Eigentlich übernimmt sie in „Dead Men Walk“ fast soetwas wie die Van-Helsing-Funktion – sie kann immerhin das Grab des Vampirs aufstöbern, wird aber dann von Dwight Frye umgebracht. Emmett war in Hunderten von Filmen dabei, meistens in so kleinen Rollen, daß sie im Abspann gar nicht erwähnt wurde, auch etliche Horrorfilme waren darunter, mit George Zucco spielte sie in „The Monster and the Girl“ und „The Mummys Tomb“, mit Dwight Frye in „The Vampire Bat“.
Sie bringt zumindest ein Fünkchen Humor in den sich ansonsten bierernst gebärdenden Streifen, so wie auch der Cameo-Auftritt von Al „Fuzzy“ St. John (als Mordzeuge) – ehemaliger Stummfilmkomiker und dann Dauerpartner als lustiger Sidekick von Larry Buster Crabbe („Flash Gordon“) in Dutzenden Western, überwiegend von Sam Newfield inszeniert.

Dwight Frye und George Zucco
Kommen wir zu den beiden Horrorstars an Bord. Zunächst einmal Dwight Frye – unvergessen als Renfield im Lugosi-Dracula und als buckliger Assistent in den ersten beiden Frankenstein-Filmen. Zwei Rollentypen, die er dann noch öfter wiederholte. Hier, als buckliger Assistent eines Vampirs, darf er sie nun beide kombinieren. Er wirkt müde und ausgelaugt in „Dead Men Walk“, wesentlich weniger energiegeladen, als mans von ihm gewohnt ist – in den Großaufnahmen schaut er im Gesicht, mit 44 Jahren, älter aus als Zucco, der zu der Zeit 57 war. Ein bißchen schade, daß er in „Dead Men Walk“ so wenig Szenen hat, aber manche sind sehr berührend, gerade weil er weniger outriert als sonst, besonders die Sterbeszene. Der Zolarr war Fryes letzte größere Horrorrolle, danach hatte er noch einen kleinen Part in Frankenstein Meets the Wolf Man, und ein paar Monate später starb er an Herzversagen (weil er vom Drehen allein nicht mehr leben konnte, arbeitete er nachts zusätzlich in einer Rüstungsfabrik, diese doppelte Belastung forderte zuletzt ihren Tribut).

Und nun also zum Star des Films - zu George Zucco (Tusch!)!
Die PRC, wie gesagt, war eine arme Produktionsfirma, echte Stars konnte man sich äußerst selten leisten, also mußten eigene Stars systematisch aufgebaut werden. Im Western-Genre war dies z.B. Larry Crabbe (als Billy the Kidd), im Horrorgenre George Zucco oder Rondo Hatton (den man von Universal „geerbt“ hatte – ein Schauspieler mit einer Behinderung, ein bißchen vergleichbar mit der des „Elefantenmenschen“, der aber starb, bevor man ihn wegen seiner äußeren Gestalt als Gruselfigur weiter ausbeuten konnte).
Zucco wurde auch gelegentlich von Universal eingesetzt – in Nebenrollen im „Glöckner von Notre Dame“ oder in „Frankensteins Haus“, als durchgängige Figur – ein ägyptischer Schurke – in einigen der „Mumien“-Sequels, als deutscher Schurke in "Sherlock Holmes in Washington" aus der Serie mit Basil Rathbone (und für die Twentieth Century Fox durfte er den Moriarty in „The Adventures of Sherlock Holmes“ geben, ebenfalls als Partner von Basil Rathbone).
Aber da war er doch hinter Karloff, Lugosi, Chaney etc. immer nur vierte oder fünfte Geige. PRC dagegen konnte sich nur ein einziges Mal Lugosi himself leisten (für „The Devil Bat“), ansonsten mußte Zucco für das Studio Karloff und Lugosi in einer Person ersetzen.
Normalerweise (etwa in „The Flying Serpent“, „The Black Raven“, „The Mad Monster“ oder dem Fox-Film „Dr. Renault’s Secret“) war Zucco auf die Rolle des sinistren Mad Scientist abonniert. Zweimal (allerdings nicht für PRC) trat er auch gemeinsam mit Bela Lugosi auf , nämlich in „Voodoo Man“ und „Scared to Death“ (letzterer Lugosis einziger Farbfilm, leider zugleich auch sein wohl langweiligster...).
Zuccos Rollen in „Dead Men Walk“ sind deshalb ungewöhnlich. Zum einen ist es seine einzige Doppelrolle – Zucco ist an sich nicht sonderlich wandlungsfähig, aber er zieht sich hier ganz gut aus der Affäre und setzt die beiden unterschiedlichen Charaktere deutlich genug voneinander ab. Zum andern ist der Lloyd wohl seine einzige „positive“ Rolle und der Elwyn seine einzige Vampirrolle. (Im Vampirgenre war er ansonsten noch als Prof. Lampini, der Eigentümer von Draculas Skelett, in „Frankensteins Haus“ zu sehen, aber da stirbt er schon nach wenigen Minuten.)
Als guter Bruder ist Zucco im Prinzip recht glaubhaft, wenn auch manchmal ein bißchen zu trocken und gelegentlich unangenehm pathetisch, was aber auch den aufgeblähten Dialogen anzulasten ist.
Als Vampir versucht er, einen eigenen Zugang zu finden, kann sich aber doch nicht wirklich vom Vorbild Lugosi lösen. Er outriert weniger als Lugosi, hat aber auch weniger Ausstrahlung als Vampir – und leider outriert er eben immer noch viel zu viel, als daß er der Rolle echtes Understatement verleihen könnte. Äußerlich ist sein Vampir ja eine willkommene Abwechslung – kein Cape, kein dämonisches Makeup etc., sondern ein älterer Herr im Anzug mit Halbglatze, der halt zufällig untot und blutdurstig ist, aber genausogut auch als Volksschullehrer durchgehen könnte. Aber das leichte Overacting, das Zucco immer wieder unterkommt, bewirkt, daß Elwyn oft nicht sublim beunruhigend, sondern eher sogar fast lachhaft wirkt. Den satanistischen Herrn der Finsternis nimmt man ihm leider nicht so sehr ab, das geht mehr in Richtung schmieriger Onkel mit päderastischen Neigungen.

Motive: Inzest und Doppelgängertum
Ok, ganz falsch ist der Eindruck ja nicht mal, denn wann man genau mitdenkt, kommt man drauf, daß das Hauptopfer des Vampirs, Lloyds Nichte, ja gleichzeitig auch Elwyns eigne Tochter ist. Da ist also eigentlich ein massives Inzestmotiv in die Story eingebaut, das aber dann in der Ausführung ziemlich unter den Teppich gekehrt wird. Höchstwahrscheinlich aus Zensurgründen, aus genau den gleichen Gründen wurde ja auch die inzestuöse Vater-Tochter-Beziehung zwischen Bela Lugosi und Carol Borland alias Mora und Luna in „Das Zeichen des Vampirs“ vollständig aus der endgültigen Drehbuchversion getilgt (nur die Schußwunde in Moras Kopf, von seinem Selbstmord herrührend, blieb noch drin, wird aber im Film nicht mehr erklärt).
In diesem Punkt ist „Dead Men Walk“ ja sogar recht originell. Es bleibt auch die Frage, wie, zu Elwyns Lebzeiten, das Verhältnis der beiden Brüder ausgesehen haben mag. Das Motiv der gegensätzlichen Zwillingsbrüder wird ja im Horrorfilm oft als Surrogat für Doppelgängertum á la „Jekyll & Hyde“ eingesetzt - d.h., zwei Facetten einer Persönlichkeit, aufgespalten auf zwei Figuren. (Am exzessivsten und verstörendsten hat das vielleicht später David Cronenberg in „Dead Ringers“ ausgelotet.) So gesehn, also aus psychoanalytischer Sicht, wäre Elwyn nur so etwas wie eine Manifestation unterdrückter, sündiger Wünsche des braven, angesehenen (und angepaßten) Bürgers Lloyd in Gestalt eines bösen Alter Ego – das dieser töten mußte, um seine Familie zu schützen, das aber aus dem Grab zurückkommt und von ihm Besitz ergreift. Das sind vielleicht inzestuöse Wünsche, die hier aufkommen, und unbewußte Eifersucht auf den Schwiegersohn – und so wäre auch der Verdacht des Schwiegersohns (nämlich daß Lloyd selber Gayle vergiften wolle und die Schuld nur auf einen imaginären Vampir schöbe), der eigentlich recht unvermittelt und unmotiviert auftaucht, verständlicher. Das alles ist vielleicht Spekulation, oder war den Filmemachern selber eventuell gar nicht so bewußt – aber es würde zumindest eine Frage klären, die mich beschäftigt hat: Wieso muß am Ende - konträr zur genreüblichen moralischen Gerechtigkeit - , gemeinsam mit dem bösen, auch der gute Bruder sterben, der doch eigentlich, den ganzen Film über, komplett unschuldig war?
Im Grunde ist „Dead Men Walk“ die Vampir-Variante von „Among the Living“ („Zum Leben verdammt“), einer kleinen unbekannten Perle des Mystery-Horror-Noir-Thrillers von 1941 (Regie: Stuart Heisler, mit Albert Dekker, Frances Farmer und Susan Hayward). Schon die Titel deuten auf Parallelen hin. Hier wie dort taucht im Leben eines angesehenen Bürgers plötzlich ein mißratener Zwillingsbruder auf und begeht einige Morde – und nachdem alle Welt diesen Bruder für tot hält, glaubt niemand den Unschuldsbeteuerungen des „guten“ Bruders, und ein zorniger Mob macht sich auf, um ihn an den nächsten Baum zu knüpfen. Allerdings wird in „Among the Living“ das Wiederauftauchen des Toten realistisch geklärt – der Arzt hatte den Totenschein gefälscht und ein Fake-Begräbnis veranlaßt, in Wirklichkeit war der geisteskranke Bruder 25 Jahre lang in einem Zimmer im Schloß eingesperrt gewesen. Auch hier wird die prinzipielle Austauschbarkeit der beiden Schicksale suggeriert – es ist reiner Zufall, welches von den beiden Kindern damals ins Internat geschickt wurde, während das andere zuhause bleiben, Mißhandlungen durch den Vater über sich ergehen und Mißhandlungen der Mutter mitansehn mußte und dabei schließlich wahnsinnig wurde. Und bei genauerem Hinsehen zeigt ja auch der „gute“ Bruder ein paar recht fragwürdige Charakterzüge...
Das Motiv des vampirischen Doppelgängers ist jedenfalls, soweit ich weiß, in „Dead Men Walk“ zum ersten Mal eingesetzt worden. (Hammer hat dann 1971 die Idee, in einer weiblichen – und deutlicher sexualisierten – Variante, in dem unterschätzten „Twins of Evil“ / „Draculas Hexenjagd“ wieder aufgegriffen. Auch hier ein Zwillingspärchen, dessen eine Hälfte freiwillig zum Vampir wird, um die sexuelle Freiheit ausleben zu können, die die andere Schwester sich schamhaft verbietet – aber genau diese „gute“ Schwester ist es dann, die zunächst von den religiös-fanatischen Moralaposteln als unzüchtige Vampirin identifiziert wird.)
Was „Dead Men Walk“ auch zum ersten Mal in einem Vampirfilm so deutlich fokussiert, ist das Motiv der Rache – was der Vampirgestalt ein paar neue Facetten verleiht. (Auch das hat Hammer später neu interpretiert, in „Taste the Blood of Dracula“ / „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“.)
Es gibt noch ein paar andre originelle Ideen in „Dead Men Walk“ (Drehbuch: Fred Myton). Etwa, daß Vampirismus hier nicht automatisch nur durch Bisse übetragen werden kann, sondern daß es auch möglich ist, freiwillig, durch satanistische Rituale, die Verwandlung zum Vampir zu vollziehen. (Ebenfalls in späteren Jahren oftmals von Hammer variiert.) Auch, wie schon erwähnt, bringt die ungewöhnliche Interpretation der Vampirjäger-Gestalt durch eine halbverrückte alte Jungfer etwas Abwechslung ins Genretypische.

Das alles kann nur leider, leider nicht darüber hinwegtäuschen, daß „Dead Men Walk“ letztendlich doch ein plumper, schwerfälliger und - alles in allem - ziemlich langweiliger Streifen ist...

Bewertung:
Trotz seiner offenkundigen Mängel - wegen einiger origineller Ideen, wegen Zucco und Frye und zuletzt auch wegen eines gewissen Nostalgie-Effekts vergebe ich letztlich doch 2 Schädel.

Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward

Veröffentlichungen

Der Film ist auf deutsch noch nicht erschienen. Auf englisch gibts ihn als DVD von mehreren Anbietern, etwa von Alpha Video.

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