Bei Vollmond Mord

Originaltitel: Lycanthropus
Alternativtitel: Werewolf in a Girls' Dormitory
The Ghoul in School
I Married a Werewolf
Monster among the Girls
Ghoul in a Girl's Dormitory
Herstellungsland: ItalienItalien, ÖsterreichÖsterreich
Erscheinungsjahr:  1961
Regie: Paolo Heusch

Darsteller

Figur

Barbara Lass  Priscilla
Carl Schell  Dr. Julian Olcott
Curt Lowens  Direktor Swift
Luciano Pigozzi  Walter
Maureen O'Connor  Leonor MacDonald
Maurice Marsac  Sir Alfred Whiteman
Anni Steinert  Sheena Whiteman
Mary McNeeran  Mary
Grace Neame  Sandy
Joseph Mercer  Tommy
Herbert Diamonds  Inspektor
  
Genre: Werwölfe
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Inhalt

Der Arzt Dr. Olcott wird an eine Besserungsanstalt für schwererziehbare und kriminelle Mädchen strafversetzt. Dort soll er als fortan als Biologielehrer arbeiten. Das Internat ist kein Gefängnis, Mauern gibt es nicht, dafür ist es rundherum von dichten Wäldern voll heulender Wölfe umgeben. Dennoch gehen die Girls gerne dort draußen spazieren, vorzugsweise nachts und alleine. Es kommt, wie es kommen muß: kurz nach Olcotts Ankunft stirbt ein Mädchen. Ein Wolf? Ein menschlicher Mörder? Der Doktor hat eine andere Theorie: es muß ein Werwolf gewesen sein! Wie sich herausstellt, hat er Erfahrung damit: eine seiner Patientinnen war an "Lykanthropie" erkrankt, er hatte versucht, sie mit Hilfe eines aus Wolfshirn gewonnenen Serums zu heilen, diese Kur hatte sie nicht überlebt - das war auch der Grund für seine Zwangsversetzung. Damit gehört Olcott natürlich sofort zu den Hauptverdächtigen - aber er ist beileibe nicht der einzige, fast jeder scheint hier Dreck am Stecken zu haben: ein Pädagoge, der gern den Mädchen hinterhersteigt, Walter, der hinkende Schulwart, Tommy, der Portier, der immer so komisch schaut, der Herr Direktor selbst scheint ebenfalls mehr zu wissen, als er zugibt, und auch manche der Mädchen und Frauen sind wohl nicht so unschuldig, wie sie tun...
Und nicht genug damit, daß fast jeder der Werwolf sein könnte, geht auch noch ein menschlicher Mörder um...

Kommentar

Ein Whodunit im Werwolfpelz, ein passender Titel wäre auch gewesen "Wer ist der Wolf?"
Über weite Strecken bietet der Film mehr Krimi- als Horrorfeeling. Da sich die Handlung lange auf das Ausforschen des Verdächtigen konzentriert, bleiben die Werwolf-Attacken am Anfang eher spärlich. Im letzten Drittel, nachdem endlich die Identität der Bestie geklärt ist (die Lösung wollen wir natürlich nicht verraten!), gibts dann aber doch noch ein paar schöne Horrorszenen, inklusive angekettetem Wolfsmenschen und Blubber-Labor.
Eigentlich ist der Werwolf sogar eher harmlos, denn genaugenommen geht nur ein einziger der Morde tatsächlich direkt auf sein Konto, etliches übernehmen die menschlichen Schurken, und einige der für die roten Heringe zuständigen Nebenpersonen räumen sich selbst via Suizid von der Bildfläche. Der Film versucht Verständnis für den Werwolf zu wecken - er ist hier kein Monster, sondern Lykanthropie wird als Krankheit definiert (eine Über- oder Unter- oder Fehlfunktion der Hypophyse oder so), für die sich vielleicht sogar ein Heilmittel finden läßt. Da die Identität des Wolfsmenschen aber erst so spät enthüllt wird, hält sich die Tragik dennoch in Grenzen.

Der Streifen ist ein eigenartiges Crossover-Produkt. In manchem nimmt "Lykanthropus" schon Elemente des Giallo vorweg, der erst ein paar Jahre später "erfunden" wurde - ein Haus voll hübscher Girls, viele Verdächtige, sexuelle Untertöne, und natürlich die schwarzen Handschuhe des Killers... Drehbuchautor Ernesto Gastaldi war späterhin noch für Dutzende italienische Gialli und Horrorfilme verantwortlich, war aber genauso im Sandalenfilm und Spaghettiwestern zuhause.
Trotz einiger origineller Neuerungen ist das Drehbuch dennoch nicht so wirklich der große Wurf. Leider sind auch Regisseur und Kameramann eher Handwerker als Künstler, so rollt das Ganze also recht behäbig dahin.
"Bei Vollmond Mord" lautet der deutsche Titel des Films, und wie in Streifen dieser Art üblich, ist in dieser Gegend natürlich fast jede Nacht Vollmond. Die "schwererziehbaren kriminellen Mädchen" sind allesamt schon über 25, wohlerzogen, züchtig - und eine attraktiver als die andere (man glaubt sich eher in einer Modelschule als in einer Besserungsanstalt). Wer sich nach dem US-Titel "Werwolf im Mädchenschlafsaal" ein Fest der Sinne erwartet, wird allerdings enttäuscht sein - wir schreiben das Jahr 1961, das höchste der Gefühle sind ein paar nackte Kniee und eine Mordszene, in der wir nichts zu sehen kriegen, aber subjektive Kamera und Geräuschkulisse sowas wie eine Vergewaltigung suggerieren. Auch der Gore-Faktor hält sich in Grenzen - wers härter will, muß wohl auf den neueren "Werewolf in a Women's Prison" (2006) umsteigen.
Das Happy-End zwischen Pädagoge und Schülerin wäre im heutigen Mainstream aus Gründen der Political Correctness allerdings wohl kaum mehr drin...

Zumindest ist das Ding handwerklich solide gemacht, mit passabler Schwarzweißfotografie, dem vergleichbaren Der Fluch der grünen Augen (der ebenfalls versucht, klassische Horrormotive mit "moderner" Krimihandlung zu kombinieren) doch ein Stückchen überlegen. Viel Budget stand nicht zur Verfügung, intelligenterweise macht man aber aus der Not eine Tugend - besser keine Special Effects, dürften sich die Macher gesagt haben, als schlechte. Deswegen werden die Verwandlungen nur mit Schnitt und Gegenschnitt gelöst, was in diesem Rahmen sicher die überzeugendere Lösung ist. Auch der Werwolf hat nichts sonderlich Wölfisches an sich, das Makeup ist sehr einfach, erinnert eher an Mr. Hyde oder an Henry Hulls Maske in Der Werwolf von London als an Lon Chaneys Ganzkörperbehaarung. Nachdem hier allerdings Lykanthropie als Hormonstörung und nicht als Folge eines Fluchs oder dergleichen definiert wird, wäre von der Logik her die komplette Verwandlung in einen Wolf auch gar nicht so sinnvoll gewesen. (Warum bei einer hormongesteuerten Übersteigerung des Sextriebes erst einmal die Zähne länger werden, ist aber trotzdem nicht so ganz klar...)
Die (internationale) Besetzung ist nicht sonderlich bemerkenswert - herausheben kann man vielleicht die ursprünglich aus Polen stammende Barbara Lass (die ist wirklich eine ganz eine Süße - der Meinung dürften auch Roman Polanski und Karheinz Böhm gewesen sein, mit denen sie nacheinander verheiratet war) oder Carl Schell (den weniger begabten Bruder von Maximilian und Maria, der dafür irgendwie an William Shatner erinnert). Spannendste Figur ist der Schulwart, gespielt von Luciano Pigozzi (hier unter dem Pseudonym Alan Collins). Pigozzi gilt als "italienischer Peter Lorre", eine gewisse Ähnlichkeit in Aussehen und Spielweise ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Er war vielbeschäftigter Nebendarsteller im italienischer Horror- und Giallofilm, meistens in suspekten Dienstbotenrollen, besonders häufig arbeitete er mit Antonio Margheriti und Mario Bava zusammen.

Wie gesagt - vom Grusel- und Erotikfaktor her wird der "Lykanthropus" heute keinen Werwolf mehr hinter dem Ofen hervorlocken, für Genrefans ist er aber doch wegen einiger innovativer Einfälle einen Blick wert - umso mehr, als es sich dabei um den ersten italienischen Werwolffilm überhaupt handelt.
Und die Moral von der Geschicht? Als Werwolf halte keine Hunde nicht...

Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Auf deutsch ist der Film meines Wissens bisher nur im Kino gelaufen. Auf Englisch gibts ihn als DVD z.B. von Alpha Video.

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