The Baby's Room

Originaltitel: Películas para no dormir: La habitación del niño
Alternativtitel: Films to Keep You Awake: The Baby's Room
Herstellungsland: SpanienSpanien
Erscheinungsjahr:  2006
Regie: Álex de la Iglesia

Darsteller

Figur

Javier Gutiérrez  Juan
Leonor Watling  Sonia
Sancho Gracia  Domingo
Antonio Dechent  Fernández
Terele Pávez  Mujer de Domingo
Ramón Barea  Marcos
María Asquerino  Anciana 1
Asunción Balaguer  Anciana 2
  
Genre: Grusel, Thriller
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Inhalt

Beim Spielen in einem verlassenen alten Herrenhaus entdeckt ein Junge ein Radio, das merkwürdige, unheimliche Geräusche absondert und stößt auf ein mysteriöses schwarzes Loch im Boden, aus dem ihn sein eigenes Gesicht anstarrt. Das Kind erschrickt beinahe zu Tode – und wird in das Loch (Dimensionsverschiebung? Riss im Raum/Zeit-Kontinuum? Mini-Einstein/Rosen-Brücke in ein Paralleluniversum?) hineingezogen. Schließlich entdeckt die Spielkameradin den Kleinen, doch der scheint nicht mehr der Selbe zu sein und zieht wortlos ab. Das Radio bleibt zurück. Seltsam? Aber so steht es geschrieben…!
Jahrzehnte später sitzt eine alte Frau mit dem Radio vis a vis des Hauses, welches gerade der junge, erfolgverwöhnte Sportreporter Juan nebst frischgebackener Gattin Sonia und Baby bezieht. Man empfindet das gemeinsame Glück als beinahe unverschämt, doch schon bald soll sich das Blatt wenden und die Familie sich sonderbaren und unerklärlichen Phänomenen ausgesetzt sehen. Alles beginnt damit, dass im Babyfon nicht nur die Geräusche des Kindes zu hören sind, sondern auch fremde Stimmen, die aber im Kinderzimmer nicht vernommen werden können. Dann wird das Ding wohl irgendeinen Fehler haben, oder? Also wird flugs am nächsten Tag eine moderne Variante samt Infrarot Videoüberwachung erworben. Das Gerät fördert Unheimliches zutage: zunächst erstrahlen nur die Augen des Babys dämonisch rot, was aber nur dem Umstand geschuldet ist, dass es zu Brechungen im Spektralbereich zwischen sichtbarem Licht und den langwelligeren Mikrowellen… aber das wisst ihr ja alle selber, nicht? Ungleich bedrohlicher aber ist die Gestalt, die auf dem Videoschirm neben der Babywiege steht. Doch das Zimmer gestürmt ist dort außer dem schlafenden Säugling niemand zu entdecken. Juan verständigt die Polizei, geht er doch von einem Einbruch aus, aber selbst penibelste Untersuchungen lassen keine Rückschlüsse auf gewaltsames Eindringen durch Diebesgesindel erkennen. Die Situation führt zur Krise, und die scheint an der Substanz Juans zu nagen. So entdeckt Sonia ihren Gatten eines Augenblicks mit einem Messer in der Hand neben der Wiege stehen, und schlussfolgert daraus zwar nahe liegendes, erkennt aber nicht, das Juan sein Kind nur schützen will. Sie flüchtet schließlich samt Nachwuchs zu ihren Eltern.
Der geschasste Juan stellt Nachforschungen über das Haus an und stößt auf allerlei Schauerliches. Sein Verhalten beginnt schizophrene Züge anzunehmen, Freunde und Kollegen beginnen sich um ihn zu sorgen. Als er das Geheimnis des finsteren Hauses enträtselt zu haben glaubt, erwirbt er weitere Videoschirme und begibt sich nun im Haus auf Gespensterjagd. Schließlich hält er sein Haus für „gereinigt“ und holt seine Familie zurück. Sonia ist überaus erleichtert, scheint es doch, als habe Juan offenbar seine Krise überwunden. Alles wieder gut, das Leben bestens, ach ja, bis – tja, bis das dicke Ende schließlich doch noch kommt….

Kommentar

Huch, was ist das denn? Ein richtige Überraschung aus dem schönen Spanien habe ich da mitten im tiefsten Nachtprogramm deutschen Farbfernsehens total zufällig entdeckt, arte sei Dank! Und dann wird es nicht nur über die Braunsche Röhre ausgestrahlt, es handelt sich dabei auch noch um eine TV-Produktion, wie ich beim Recherchieren feststellen durfte, denn ich gebe zu, ich hatte nicht die geringste Kenntnis von dem Film. Nun aber bin ich wieder ein klein wenig schlauer, weiß ich doch jetzt, dass es sich hierbei um Teil 1 einer ambitionierten spanischen TV-Gruselserie handelt, welche unter dem Titel „Películas para no dormir“(gibt’s bei uns als „The Horror Anthology“ zu kaufen, doch dazu später mehr) von sechs namhaften Granden des spanischen Kinos nach dem Vorbild der amerikanischen „Masters of Horror“ in Spielfilmlänge und mit vergleichbarem Aufwand inszeniert worden sind. Für die vorliegende Episode zeichnet sich der in letzter Zeit eher für schräge Komödien bekannte Álex de la Iglesia (in unseren Breiten geläufigstes Werk des Mannes dürfte „Perdita Durango“ sein) verantwortlich, und ohne lang ums qualmende Püree zu salbadern, ihm gebührt Lob für diese kleine feine Perle.
Klar, de la Iglesia hat die Banane nicht neu gebogen. Filme um Spukhäuser gibt es wie Sand am Meer und wenn man ein wenig genauer hinschaut, erkennt man, dass er, der er zusammen mit Herrn Jorge Guerricaechevarría, seinem altgedienten Kreativpartner, das Drehbuch verfasst hat, seinerseits selber einen ziemlich genauen Blick auf ein anderes Werk der Phantastik geworfen hat, nämlich auf Stephen Kings „Shinig“, bei dem er sich ziemlich schmerzfrei so manche Idee geborgt hat, aber das ist ja völlig legitim, zumal mir persönlich die iberische Variante wesentlich mehr Spaß macht als die etwas überambitionierte und aus dem Ruder gelaufene King-Verfilmung von Stanley Kubrick, die, auch wenn ich den Mann ansonsten durchaus schätze, nicht zu seinen Großtaten gehört.
Das Beste am Film ist eindeutig die Atmosphäre, die er vermittelt. Wenn Juan mit dem Videoschirm in der Hand seinem ätherischen Doppel durch das geräumige Treppenhaus nachjagt und Zeuge davon wird, wie dieses in einer anderen Realität seine Frau meuchelt, dann ist das mit Verlaub wirklich hübsch gruselig, und zwar eben auf eine Art, die man im zeitgemäßen Horrorfilm kaum noch findet, der ja leider dieser Tage zu einer Großzahl von Erzeugnissen dominiert wird, in denen hauptsächlich kreischende Teenies zerfetzt und gefoltert werden. Hoffentlich ist diese unangenehme Welle mal irgendwann wieder vorbei, aber gut, das soll jetzt nicht unser Thema sein. De la Iglesia erreichte die stimmige Atmosphäre mit einfachsten Mitteln und beinahe dem Standardrepertoire aus dem Gruselbaukasten: hier ein schauriges Kinderlachen aus dem Nirgendwo, dort ein Spiegelbild, das sich nicht so verhält, wie es das eigentlich sollte oder eben eine Kamera, die immer wieder in langsamen Fahrten durch das Haus streicht. Das ist zwar eher solides Handwerk denn reife Kunst, andererseits macht Iglesia auch keine falschen Versprechungen. Und außerdem ist mir das am Ende so allemal lieber, als hätte der Mann plötzlich die Eingebung gehabt, selber der nächste Kubrick zu sein, wenn ihr versteht.
Die Darsteller gehen ähnlich gut gelaunt zuwerke wie die Macher. Gerade Hauptdarsteller Javier Gutiérrez, der den Juan gibt, legt eine enorme Spielfreude an den Tag und erinnert manches Mal tatsächlich ein wenig an den jungen Jack Nicholson in seiner Darstellung. Die nicht unbekannte Leonor Watling ist eine Augenweide und eine tolle Schauspielerin, die hier aber leicht unter ihren Möglichkeiten bleiben muss, weil a) das Skript im Prinzip sowieso komplett auf Gutiérrez zurecht geschnitten ist, und b) ihre Rolle leider auch jetzt nicht sooo viel anspruchsvolles hergibt.
Was bleibt unterm Strich: Zunächst einmal eine gelungene Auftragsarbeit eines soliden und gutgelaunten Regisseurs, der einen etwas anderen, stimmigen, bisweilen sogar richtig unheimlichen Haunted House Film mit gut eingesetzten Schockmomenten bietet. Das halbwegs offene Ende ist schlüssig, aber nicht völlig unerwartet, bietet aber dennoch eine Lösung an, die sich vom allzu genretypischen abhebt. Ausstattung, Darsteller, Musik, das alles bewegt sich locker auf Kinoniveau und macht wirklich Lust auf die anderen Folgen dieser wohl insgesamt recht außergewöhnlich geratenen TV Serie des spanischen Fernsehens. Nach einem ähnlich qualitativ hochwertigen Film kann man in der hiesigen TV-Landschaft lange suchen, und wird schließlich dennoch kaum fündig werden. Auch wenn nicht allen Klischees aus dem Weg gegangen worden ist und man bei großen berühmten Vorbildern stibizt hat, das Ergebnis ist echt einen Blick wert. Gehet selbst hin und schauet, ihr werdet es nicht bereuen.

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

Veröffentlichungen

DVD: e-m-s (The Horror Anthology Vol. 1)

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