Malenka - The Vampire
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Inhalt
Die Römerin Sylvia erbt aus heiterem Himmel ein Schloß irgendwo in einem nicht benannten Land (das zwar sehr nach Spanien ausschaut, wo die meisten Leute aber deutsche oder slawische Namen haben – also sagen wir doch der Einfachheit halber: Transsylvanien). Natürlich wird sofort die Hochzeit mit dem jungen Arzt Pietro aufgeschoben, und Sylvia fliegt nach "Transsylvanien", um ihr Schloß in Augenschein zu nehmen. Dort wird sie von ihrem Onkel, dem Grafen Waldruck (der sein Zimmer nie vor zehn Uhr abends verläßt und eiskalte Wangen hat) in Empfang genommen. Er führt Sylvia in die Familiengruft, zeigt ihr ein Portrait ihrer Vorfahrin Malenka, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten erscheint, und klärt sie über die Familiengeschichte auf: diese Malenka war eine Art Hexe, die das Geheimnis der Unsterblichkeit zu ergründen versuchte und dafür von den Dörflern auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.
In der Nacht bekommt Sylvia Besuch von einer Schönheit namens Glinka, die behauptet, der Graf sei schon über 120 Jahre alt und ein Vampir – woraufhin sie selber versucht, Sylvia zu beißen. Daran wird sie aber vom Grafen gehindert, der sie zur Strafe ankettet und auspeitscht. Als Sylvia ihn zur Rede stellt, erzählt er ihr auch den zweiten Teil der Geschichte: Malenka hatte nämlich es geschafft, ihr Geheimnis vor ihrem Tod noch weiterzugeben – das ganze Geschlecht der Waldrucks erlangte tatsächlich die Unsterblichkeit, allerdings um den Preis, daß sie alle zu Untoten wurden. Und nun, befindet der Graf, sei es an der Zeit, auch seine Nichte zu einem echten Mitglied der Familie zu machen. Er schneidet sich die Pulsadern auf, läßt das Blut in einen Becher fließen und befiehlt Sylvia zu trinken.
Kann Pietro, der ihr inzwischen nachgereist ist, seine Verlobte noch rechtzeitig davor bewahren, ein Vampir werden zu müssen...?
Kommentar
Nach ein paar Fingerübungen im Western-Genre war "Malenka" Amando de Ossorios erster Horrorfilm. Kurz darauf drehte er dann seinen ersten Film über die "Reitenden Leichen", der ihn wegen seiner Originalität und unheimlichen Atmosphäre berühmt machte und einige Fortsetzungen nach sich zog."Malenka" dagegen verschwand ziemlich schnell wieder in der Versenkung. Nichts an diesem Film war sonderlich neu, das alles hatte man schon woanders gesehen, bei Hammer z.B. oder auch bei Polanski, der Glanz seines Stars Anita Ekberg war ebenfalls schon allmählich im Verblassen begriffen...
Die Dorfbewohner etwa, die im Wirtshaus beim Erwähnen des Schlosses vor Angst erstarren, der unheimliche Kutscher, der die Heldin abholen kommt, der Familienfluch, der skeptische Held, der als Naturwissenschaftler zuerst nicht an Vampire glauben will, Grüfte, Folterkammern, softlesbische Einlagen usw. – nichts Neues unter Sonne und Mond... Den versoffenen Dorfarzt und Vampirjäger (Dr. Hörbiger) gabs so ähnlich schon mal in Hammers "Kuß des Vampirs", den Grafen, der sich die Wirtstochter holt, und den Schlußgag kennen wir aus "Tanz der Vampire". (Allerdings funktioniert der Schluß hier ein wenig anders als bei Polanski – und ist eigentlich völlig sinnlos und unlogisch. In manchen Schnittversionen fehlt er auch komplett – ohne das dem Zuschauer etwas abgehen würde. Dennoch sei die Pointe hier nicht verraten. Überraschend ist sie jedenfalls allemal!)
Trotzdem, auch wenns das alles schon mal gab - aus heutiger Sicht, im Abstand von fast 40 Jahren, kann man doch feststellen: so völlig sang- und klanglos vergessen zu werden, hat "Malenka" nun auch wieder nicht verdient!
In erster Linie kann Regisseur de Ossorio auch hier schon beweisen, daß er Gespür für Bilder und Atmosphäre hat. Den ganzen Film durchzieht eine angenehm gruslige "gothische" Stimmung (altmodisch im besten Sinne des Wortes). Besonders aus seinen Hauptschauplätzen, Schloß und Wirtshaus, holt Ossorio mit Licht und Kameraeinstellungen das Maximum an Atmosphäre heraus. Der Erzählfluß ist sehr ruhig, fast märchenhaft, setzt mehr auf Stimmung als auf Schocks. Als Bonus gibts auch noch eine schöne Rückblende in die Zeit von Malenka, die farblich im Stummfilmstil gedreht wurde (wenn die Verbrennung dann doch auch etwas zu lang und zugleich unspektakulär geraten ist).
Noch dazu fehlen dem Film fast völlig die üblichen kleinen Peinlichkeiten und geschmacklichen Ausrutscher, die im spanischen Exploitationfilm dieser Zeit ansonsten an der Tagesordnung waren und von denen auch die "Reitende Leichen"-Serie nicht ganz frei ist (was „Malenka“ vielleicht für Trash-Fans sogar weniger attraktiv macht!). Wären nicht die eindeutig spanischen Schauplätze, die stellenweise sehr nervige Synthesizer-Musik, die eher platten Dialoge und die teilweise nicht allzu begabten Schauspieler, könnte man sich manchmal tatsächlich in einem klassischen Hammer-Film wähnen. (Auch wenns nur eine Kopie ist – aber immerhin gar keine so schlechte!)
Apropos Schauspieler. Julián Ugarte als Vampirgraf macht durchaus keine üble Figur, ebenso Diana Lorys und Audrey Ambert (eigentlich Adriana Ambesi) als Vampirbräute. (Die Damen Ambert und Yanni fungierten zudem nebenbei als Produktionsleiterinnen!) Auch Carlos Casaravilla als Vampirjäger sorgt für ein paar kleinere Highlights. Gleich drei der Darsteller (Ugarte, Casaravilla und Yanni) waren übrigens kurz zuvor in Paul Naschys Daninsky-Werwolf-Debüt Die Vampire des Dr. Dracula mit von der Partie gewesen, während der Wirt, Paul Muller, ansonsten regelmäßiger Jess-Franco-Mitstreiter war, etwa in "Nachts wenn Dracula erwacht" oder "Vampyros lesbos". Extrem hölzern dagegen die Darbietungskünste der männlichen "Helden", aber das erwartet man ja fast nicht anders.
Absoluter Tiefpunkt vom schaupielerischen Standpunkt her allerdings leider ausgerechnet der Star des Films, Anita Ekberg. "La Dolce" erweist sich ihrer Rolle in keinem einzigen Augenblick auch nur annähernd gewachsen – besonders ihre diversen Anfälle von "Wut" oder "Angst" oder „Erschrecken“ sind nur lachhaft und unglaubwürdig. Am absurdesten die Szene, in der sie als Malenka auf dem Scheiterhaufen steht – hier schafft sie es, den Eindruck zu erwecken, als würde sie nicht gerade verbrannt, sondern wäre lediglich dabei, ein Sonnenbad zu nehmen... Wahrscheinlich gibt es kaum einen anderen Film, an dem so deutlich sichtbar wird, daß es niemals schauspielerische Qualitäten waren, durch die La Ekberg zum Star geworden ist. (Zugleich wird hier natürlich ebenfalls sichtbar, daß auch de Ossorios Qualitäten als Regisseur hauptsächlich im Umgang mit Bildern und Atmosphäre und nicht in der Schauspielerführung lagen!)
Wie gesagt – der Film ist weder sonderlich spannend noch sonderlich originell, aber schön zum Anschauen auf jeden Fall. Wer auf nostalgischen, gothischen Grusel steht, wird hier auf seine Kosten kommen.
Nicht verschwiegen werden soll aber die noch die "Auflösung" kurz vor Schluß, die leider fast den ganzen Film ruiniert. Plötzlich war man sich offenbar nicht mehr sicher, ob man nun tatsächlich einen echten Vampirfilm oder nicht doch lieber einen Krimi mit Vampirelementen drehen sollte. Und anstatt sich konsequent für eine der beiden Varianten zu entscheiden, entschloß man sich anscheinend, einfach beides gleichzeitig zu machen – das Resultat: komplette Verwirrung. (Wesentlich besser hat etwas ähnliches dann ein paar Jahre später Antonio Margheriti mit "Sieben Tote in den Augen der Katze" gemeistert – er hatte natürlich mit Jane Birkin auch die wesentlich bessere Hauptdarstellerin!)
Und bei der letzendlichen Vernichtung des Vampirs kommen auch Trashfans dann noch einmal so richtig auf ihre Kosten – bei diesem brennenden Pappmascheeschädel handelt es sich wahrscheinlich, abgesehen vielleicht von Christopher Lees Tod in "Nachts wenn Dracula erwacht" um den schlechtesten Vampir-Verwesungs-Gore-Effekt, der jemals produziert wurde...
Nachdem de Ossorio kurz danach mit den "Reitenden Leichen" seinen ganz eigenen Mythos um blutlüsterne Untote kreiert hatte, hatte er später wohl keinen Grund mehr, nocheinmal zum klassischen Vampir-Genre zurückzukehren (auch wenn "Woodoo – Orgie des Grauens" und "Las Garras de Lorelei" zumindest mit verwandten Motiven arbeiten). "Malenka" bleibt sein einziger "richtiger" Vampirstreifen. Eigentlich schade, da hätte vielleicht noch was Interessantes nachkommen können...
Bewertung:
"Malenka" ist kein Meisterwerk, vielleicht nicht mal eine unentdeckte "Perle" – aber wer sich nicht allzu viel erwartet, wird mit einem unaufgeregten, klassischen, atmosphärischen Euro-Vampirfilm belohnt, in dem alles drin ist, was in einem Vampirfilm drin sein muß, außer Splatter und übermäßiger Spannung... Ja, ich gebs zu – mir hat das Ding ganz einfach irgendwie gefallen, und deshalb verleihe ich ihm 3 Schädel.
Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Eine deutschsprachige Version gibt es noch nicht. In englisch ist der Film von verschiedenen Anbietern zu haben. Die Texte sind einfach und die Artikulation der Sprecher deutlich genug, daß es eigentlich keine gröberen Verständnisschwierigkeiten geben sollte, auch bei bei weniger perfekten Englischkenntnissen. Die Lauflänge variiert allerdings stark - unter anderm weil so viele Schnittfassungen von dem Film existieren. Zu bekommen ist "Fangs of the Living Dead" unter anderem von St. Clair Vision - angebliche Lauflänge 80, in Wirklichkeit 74 Min. (Diese Fassung liegt der Review zugrunde.) Westlake Budget bietet den Film mit (angeblich) 88 Min. an - die vollständigste Fassung dürfte die von Family Value (im Double mit "Night of the Living Dead") sein - nach Herstellerangaben dauert der Film hier 94 Min. (und käme damit der längsten Original-Schnitt-Version, der italienischen mit 98 Min., am nächsten).
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