Der Fluch der grünen Augen

Originaltitel: Der Fluch der grünen Augen
Alternativtitel: Die Grotte der lebenden Toten
Cave of the Living Dead
Curse of the Green Eyes
Night of the Vampires
Blutrausch der Vampire
Herstellungsland: DeutschlandDeutschland, JugoslawienJugoslawien
Erscheinungsjahr:  1964
Regie: Ákos Ráthonyi

Darsteller

Figur

Adrian Hoven  Inspektor Frank Doren
Wolfgang Preiss  Professor von Adelsberg
Karin Field  Karin
Carl Möhner  Dorfarzt
John Kitzmiller  John
Erika Remberg  Maria
Emmerich Schrenk  Thomas
  
Genre: Vampire
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Inhalt

Inspektor Doren von Interpol wird extra aus Amerika in ein verschlafenes jugoslawisches Kaff beordert, um dort ein paar rätselhafte Morde aufzuklären. Jedesmal, wenn der Strom im Dorf ausfällt, stirbt ein Mädchen, später verschwinden die Leichen. Es kommt, wie es kommen muß: kaum ist der Inspektor im Dorf angelangt, gibt es schon wieder einen Stromausfall, nicht einmal sein Auto springt mehr an. Dorens raffinierte, im vorab verratene Tarnung ("Ich werde mich als Tourist ausgeben!") kann er leider nicht allzulange aufrechterhalten, am nächsten Morgen weiß schon das ganze Dorf, daß da ein Detektiv von Interpol im Wirtshaus abgestiegen ist. Und schon wird auch die nächste Leiche gefunden: Maria, die Wirtsköchin. Ein paar Figuren versuchen sich verdächtig zu benehmen, der Wirt hatte in der Nacht noch versucht, sich an das Mädchen heranzumachen, der Dorfarzt beharrt bei jedem Opfer trotz eindeutiger Einstiche an der Kehle auf der Diagnose "Herzversagen", der Dorftrottel Thomas (der zudem taub ist, aber nichtsdestotrotz liebend gern Akkordeon spielt) lurt nächtens durch Fenster und bricht manchmal auch ein, eine alte Wahrsagerin sagt wahr und warnt vor Vampiren, und alle fürchten sich vor einer ominösen Grotte. Dennoch weiß der geneigte Zuseher, der in seinem Leben auch nur einen einzigen Vampirfilm gesehen hat, natürlich sofort, daß hinter all dem nur der geheimnisvolle Professor Adelsberg stecken kann, der oben auf dem Schloß mit seiner Assistentin Karin angeblich an einer wissenschaftlichen Studie zum Thema "Blut" arbeitet. Er ist selbstverständlich der gesuchte Obervampir. Unser Mann von Interpol verliebt sich in Karin, findet mit Hilfe von Adelsbergs schwarzem Butler John den Sarg des Vampirs in der Tropfsteinhöhle unterhalb der Burg und pfählt ihn, woraufhin dessen zerfallender Körper mit einer kleinen Explosion in Flammen aufgeht. Ende der Geschichte.

Kommentar

Deutscher Vampirhorror aus den 60ern - geht das denn??
Naja - es geht...

Sehr spannend ist das Ganze jedenfalls einmal nicht, kaum aufregender als eine Folge von "Der Kommissar". Der Film strahlt etwas hoffnungslos veraltetes aus, besonders wenn man bedenkt, was in den Jahren zuvor schon von Hammer oder von Mario Bava vorgelegt worden war, auch die deutschen Wallace- und Mabuse-Filme waren damals bereits wesentlich rasanter.
Das Drehbuch ist geschwätzig und unbeholfen, die Regie träge und schwerfällig. Der gesamte Film wirkt etwas blutleer. Und leider wird auch viel zu viel geredet und viel zu wenig gezeigt. (Oh ja - aber immerhin gibts eine Nacktszene, man höre und staune!)
Viel Neues bietet "Der Fluch der grünen Augen" auch nicht. Im Gegenteil - kein einziges Vampirfilm-Klischee, das nicht irgendwann einmal vorkäme, inklusive einiger mehr oder weniger subtiler Anleihen beim Original-"Dracula". (Immerhin erfahren wir, daß die zerriebenen Dornen der Bergrose, auf die Bißmale gestreut, das Opfer vom Vampirismus heilen können, das ist neu.)

Gedreht wurde in Jugoslawien, im Gebiet des heutigen Slowenien, und zwar in der Gegend von Postojna (zu deutsch Adelsberg - daher wohl auch der Name des Professors). Hauptschauplatz war die Höhlenburg Predjamski Grad - halb in eine gigantische Karstgrotte hineingebaut und tatsächlich, so wie es auch im Film gezeigt wird, mit einem verzweigten natürlichen Tropfsteinlabyrinth unterhalb des Kellers. Leider schafft es der Streifen nicht, seine pittoresken Schauplätze optisch richtig zur Geltung zu bringen. Auch aus der Atmosphäre in dem heruntergekommen jugoslawischen Dorf wird zu wenig gemacht - die Chance, das zu einem Vampirfilm passende "Balkan-Feeling" herüberzubringen, nutzt der Film jedenfalls nur bedingt, dazu ist die Bildsprache zu einfallslos. Die Kamera bleibt auf Distanz, selten wagt sich der Kameramann näher als auf Halbtotale an die Schauspieler heran, der Eindruck des Statischen überwiegt.
Gelegentliche Versuche, Grusel-Atmosphäre mithilfe von bedrohlichen Schatten zu erzeugen, erinnern zwar an "Nosferatu", wirken aber schlampig ausgeführt und beweisen eigentlich nur, daß Murnau das schon vor 30 Jahren besser konnte.

Die Schauspieler outrieren nach Leibeskräften, besonders die Herren Möhner und Schrenk tun sich da rühmlich (oder eher unrühmlich - aber den Trashfan freuts) hervor, die vielen jugoslawischen Nebendarsteller halten wacker mit. Interessant übrigens, daß die jugoslawischen Dorfbewohner nicht nur mit dem Amerikaner, sondern auch untereinander Deutsch mit jugoslawischem Akzent sprechen - und noch interessanter, daß auch Dorens Interpol-Chef in den USA seine Dienstanweisungen mit jugoslawischem Akzent erteilt...
Unter den Damen ist vielleicht Karin Field hervorzuheben - nicht unbedingt wegen ihrer herausragenden schauspielerischen Leistung, sondern eher, weil sie noch an etlichen anderen Eurotrash-Horrorfilmen dieser Zeit beteiligt war (etwa "Der Killer von Wien" oder "Dracula im Schloß des Schreckens").
Als Hauptkontrahenten sind zwei Ikonen des deutschen Horrorfilms (falls es soetwas überhaupt gibt) zu sehen: Adrian Hoven ("Hexen bis aufs Blut gequält") und Wolfgang Preiss, der sich als Dr. Mabuse durchaus seine Meriten erworben hat.
Während Hoven zumindest gelegentlich mit einer gewissen schönen Aasigkeit punkten kann, schafft es Preiss nicht, seiner Vampirrolle sonderliches Charisma zu verleihen. Er bemüht sich zwar um eine Art Kinski-haften Tonfall, bleibt aber trotzdem von all den deutschen Vampir-Darstellern (wie Mayne, Kier, Kinski, Krumm) der farbloseste. Allerdings bekommt er von Drehbuch, Kamera und Regie auch so gut wie keine Unterstützung, im Gegenteil: Seine Mise-en-scene, besonders beim ersten Auftritt, ist wohl eine der schwächsten, mit der sich ein Vampir jemals abplagen mußte. (Preiss soll sich sogar selber für seine Mitwirkung in diesem Film geschämt haben...)
Für den Exoten-Bonus ist die Rolle des Butlers John zuständig - ein tumber, furchtsamer Klischeeschwarzer, der nicht lesen kann und von sich immer nur in der dritten Person spricht: ein Stereotyp, als wärs direkt einer US-Südstaatenkomödie aus den 30ern entsprungen. Der Darsteller, John Kitzmiller, war einmal in Italien ein Star des Neorealismo gewesen, hatte mit Fellini, Lattuada, Corbucci gearbeitet, war der erste Farbige gewesen, der jemals den Preis als bester Darsteller in Cannes gewonnen hatte (womit er in diesem Jahr, 1957, sogar Max von Sydow auf die Plätze verwies), war an der Seite von Sean Connery im Bond-Film "Dr. No" zu sehen - und hatte in seinen Rollen immer wieder versucht, rassistische Vorurteile zu überwinden. Nun war er wieder dort angelangt, wo er niemals hinwollte. "Der Fluch der grünen Augen" sollte einer seiner letzten Filme bleiben.

Mindestens zwei offensichtliche Textversprecher im Film (Beckmesser dürfen gern zählen helfen) legen den Schluß nahe, daß hier äußerst - sagen wir mal - "rationell" gearbeitet wurde (um nicht das Wort "Schnellschuß" in den Mund zu nehmen), offenbar mußte von jeder Aufnahme gleich der erste Take genommen werden.
Auch sonst verdient die Tonspur Beachtung:
Da ist einmal die merkwürdige, unpassende Jazzmusik - die dann obendrein irgendwann nach dem ersten Drittel aufhört, ab da gibts dann so gut wie keine Musik mehr, mal abgesehen von den slawischen Volksweisen des tauben Akkordeonspielers.
Und immer wenn die Vampire in Aktion treten, ertönt a) Wolfsgeheul, vermischt mit b) dem elektronischen Sound, der in SF-Filmen aus den 50ern für UFO-Landungen eingesetzt wurde.
Das bringt uns zu einer weiteren Frage: Wieso fällt immer dann, wenn ein Vampir-Angriff bevorsteht, der Strom im Dorf aus? Und wieso funktionieren in solchen Augenblicken nicht einmal mehr Autobatterien und Taschenlampen? Seit wann haben Vampire Macht über die Elektrizität? Das wußten wir jedenfalls bisher nicht! Im Film wird dieses Rätsel auch niemals aufgeklärt - aber, im Zusammenhang mit den merkwürdigen UFO-Geräuschen bei Vampir-Attacken, kann es eigentlich nur eine Lösung geben: Diese Vampire sind in Wirklichkeit Aliens! (Und wahrscheinlich ernähren sie sich auch von Strom und nicht von Blut...)
Ach ja, und noch eine Frage: was hat es eigentlich mit dem "Fluch" auf sich, und wem gehören die "grünen Augen"? Tja, Fehlanzeige...

Fazit: Sonderlich gut ist der Film nicht, eher etwas fad, und weit davon entfernt, ein Klassiker zu sein - aber wir wollen ja nicht so sein, eine Rarität ist "Der Fluch der grünen Augen" allemal, seien wir also dankbar, daß es überhaupt einen ernstgemeinten deutschen Vampirfilm aus dieser Zeit gibt. Drum reichts in der Bewertung immer noch für 2 Schädel!

Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward

Veröffentlichungen

Die deutschsprachige Originalversion wurde in den 80ern von Procusa-Video als VHS veröffentlicht - unter dem neuen Titel "Blutrausch der Vampire" und mit der Behauptung, die Story beruhe auf Edgar Allan Poe, was natürlich erstunken und erlogen ist. Aus unerfindlichen Gründen wurde der Film, im Original Schwarzweiß, für diese Veröffentlichung viragiert - also alle Szenen, so wie früher einmal bei Stummfilmen üblich, in unterschiedlichen Farbtönen eincoloriert. Diese Fassung dürfte die einzige deutsche Veröffentlichung sein und ist nur noch schwer aufzutreiben.
Noch erhältlich ist die englischsprachige DVD von Image Entertainment - unter dem Titel "Cave of the Living Dead", nur leider ohne deutsche Tonspur.

Filmbewertung

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