Sex Mission
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Inhalt
Zu wissenschaftlichen Zwecken lassen sich 1985 Albert Starski und Maksymilian Paradys für 3 Jahre einfrieren. Leider kam jedoch ein Krieg dazwischen, wodurch alle Männer auf der Erde gestorben sind und die beiden geraten in Vergessenheit. Im Jahre 2044 werden dann wiedergefunden und aufgetaut und erst einmal unter Quarantäne gehalten. Das Leben als einzige Männer in einem Frauenstatt hätte für die beiden so schön sein können, doch leider hassen die meisten Frauen das männliche Geschlecht. Sie haben erkannt, dass es ohne Männer sehr viel besser ist. Die Fortpflanzung läuft über künstliche Parthenogenese (Jungfernzeugung) , daher sind die Freuden des Fleisches unbekannt. So beschließt man, die beiden in Frauen zu transformieren oder zu töten. Da den Männern beides nicht gefällt fliehen sie und ...
Kommentar
Phantastische Geschichten und Filme hatten in kommunistischen Ländern wie
in Osteuropa und der Sowjetunion eine besondere Tradition. Sie boten die Möglichkeit
der Gesellschaftskritik, indem sie Missstände einer zukünftigen
Gesellschaft aufzeigten, die mit der aktuellen Regierung nicht in direktem
Zusammenhang stand und somit rein fiktiv war. So konnte z.B. 1976 bei
Krsto Papic's "Der Rattengott" die Regierung in Rattenmenschen
verwandelt werden. Polen stand bis 1989 unter dem Einfluss der
Sowjetunion und 1983, als dieser Film gedreht wurde, war noch nicht
abzusehen, dass der eiserne Vorhang einst fallen würde.
Für den polnischen Regisseur Juliusz Machulski (Die Retourkutsche, Alles
auf eine Karte), der zumeist auf Komödien abonniert war, war dies die
dritte Regiearbeit. Gemeinsam mit Pavel Hajný und Jolanta Hartwig
arbeitete er das Drehbuch aus. Produziert wurde das ganze vom Filmstudio
Kadr (polnisch: Studio Filmowe Kadr), eine namhafte Produktionsfirma,
die seit 1955 bis heute aktiv ist und bereits über 150 Filme realisierte.
Allein der Titel "Seksmisja" (Sex Mission) ist für einen polnischen Film
schon ungewöhnlich und reichlich freizügig. Im Film werden im Jahr 1991 zwei
Wissenschaftler für drei Jahre durch Hibernation (=Winterschlaf)
konserviert. Doch leider kam ein Krieg dazwischen und die beiden
gerieten in Vergessenheit, so dass sie erst im Jahre 2044 wieder aufgetaut
werden. Inzwischen sind alle Männer durch biologische Kriegsführung
ausgerottet worden, die Welt ist verstrahlt und unbewohnbar. Die letzten
Frauen haben sich in einem modernen, unterirdischen Komplex
zurückgezogen und dort eine neue Kultur aufgebaut. Die Fortpflanzung
läuft über künstliche Parthenogenese (Jungfernzeugung), daher sind die
Freuden des Fleisches unbekannt. Etwaige Gelüste werden mit Pillen
unterdrückt. Die Frauen sind allesamt gehorsam und führen ihre
Anweisungen ohne zu hinterfragen aus. Die Menschheitsgeschichte wurde
umgeschrieben, alle Errungenschaften vergangener Tage werden nun Frauen
zugeschrieben, so wurde aus Albert Einstein eine Alberta und im Paradies
hat Adam die Frau verführt. Männer stehen für das Schlechte und werden
als Feind der Frau und des Friedens betrachtet.
In dieser Welt haben es die beiden letzten Männer, die von Olgierd
Lukaszewicz (Die Wölfin, Das Verhör) und Jerzy Stuhr (Der Filmamateur,
O-bi, O-ba - Das Ende der Zivilisation) sehr gut gespielt werden,
natürlich nicht leicht. Gerne würden sie die alten Zustände
wiederherstellen und bieten sich mehrmals zur Fortpflanzung an, werden
jedoch von der feministischen Gesellschaft als ernste Bedrohung
angesehen. Bei einer Anhörung der beiden Männer vor einem Tribunal
wird ihren Argumenten keinerlei Beachtung zugedacht, es werden lediglich die Alternativen Geschlechtsumwandlung oder Tod ins Auge gefasst. Mithilfe einer Wissenschaftlerin gelingt ihnen schließlich die Flucht. Der einzige Ausweg ist die kontaminierte Außenwelt, die sich dann allerdings als Paradies entpuppt. Die Frauen werden mit einer Lüge in den
unterirdischen Gewölben gehalten. An der Oberfläche kommen sie dann auch dem
Geheimnis der Herrscherin auf den Grund: „Sie“ ist in Wahrheit ein Mann
und hat ein herrliches Haus im Grünen, von wo aus er seine Befehle
erteilt. Nur für wichtige Auftritte kommt er als Frau verkleidet mit
einem Aufzug in die unterirdische Frauenwelt.
Hier werden Parallelen zu totalitären Systemen kenntlich gemacht und
angeprangert, die alles Fremde ablehnen, ja verdammen, Nachrichten manipulieren,
blinden Gehorsam verlangen und alles überwachen, um ihre Bürger hinter
ihrem eisernen Vorhang einzusperren und im Elend leben zu lassen, obwohl ihre Despoten
selbst wie absolutistische Machthaber hausen und herrschen.
Doch die ganze Gesellschaftskritik ist nicht nur als politische, sondern
auch als soziale Satire gegen fehlgeleiteten Feminismus und Prüderie in
eine erotische Science-Fiction-Komödie verpackt. Die Erotik ist für
seine Herkunft erstaunlich freizügig und dominant. Unzählige hübsche, junge
Damen präsentieren ihre Reize (und mehr!) oder sind in sexy Uniformen zu sehen.
Das Leben hätte für die beiden letzten Männer so schön sein können, ein
wahres Paradies der körperlichen Freuden, doch die Welt hat gelernt ohne
Männer auszukommen. Die feministische Gesellschaft ist absolut
männerfeindlich, wodurch die Geschlechterrollen mit viel bissig schwarzem
Humor neu durchleuchtet werden. Eine Satire mit Hieben unter die
Gürtellinie.
Gedreht wurde fast ausschließlich in aufwendig gestalteten,
futuristischen Studiobauten. Die Kulissen erinnerten mich von Aufbau und
Beleuchtung an den mexikanischen Science-Fiction-Fledermaus-Film
Chosen Survivors aus dem Jahr 1974, vermitteln dabei aber einen eigenen Look, der eine durchaus stimmungsvolle, klaustrophobisch-depressive Atmosphäre heraufbeschwört.
Das wirklich Gelungene an dem Film ist seine Vielschichtigkeit, wie er gleichzeitig auf mehreren Ebenen funktioniert. Das anspruchvollere Publikum wird an den gesellschaftskritischen Aspekten Gefallen finden. Der Stoff funktioniert aber auch als Science-Fiction Endzeitfilm, als Erotikfilm und als Komödie. Eine Mischung, die bei
Publikum wie Kritik gleichermaßen gut ankam und der auch Würdigung von offizieller Seite zuteil wurde, indem er beim polnischen Filmfestival Gdynia mit zwei Awards (Silver Lion und Best Production Design) ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2005 wurde er bei einer Leserwahl von drei populären Filmmagazinen zum besten polnischen Film der letzten
30 Jahre gewählt.
Seine Kinopremiere feierte "Sex Mission" am 14. Mai 1984 in Polen. In der DDR
startete er am 12. Juli 1985, in der BRD erst am 8. Mai 1986. Auf Video
ist der Film im September 1986 bei UFA mit einer FSK 16 Freigabe
erschienen. In seiner Heimat genießt der Streifen längst den Status eines Kultklassikers, wohingegen er in Deutschland noch immer so etwas wie einen Insider-Tipp darstellt.
Filmreview von: Marcus Littwin / Alle Reviews von Marcus Littwin
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist bei Ostalgica auf DVD erschienen. Auf VHS wurde er von UFA angeboten.
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Weitere Kommentare zum Film
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| Darko, 10.01.08 |
| Einfach genial, was die aus deren damaligen Möglichkeiten gemacht haben. Dies zeigt einmal mehr, dass nicht immer nur special Effects notwendig sind, sondern eine gute Story und eine gute Kulisse oftmals völlig ausreichend sind. |
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