Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn
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Inhalt
Wer kennt ihn nicht, den mutigen Reporter und seinen pfiffigen Terrier Struppi. Als Tim auf dem Flohmarkt ein altes Segelschiffmodell ersteht, ahnt er nicht, wer noch alles hinter diesem Schmuckstück her ist... Schon bald ist Tim in eine rasante Schatzsuche um die halbe Welt verwickelt, um dem Geheimnis der "Einhorn" auf die Spur zu kommen und seine Widersacher abzuschütteln. Zum Glück stehen ihm der nur äußerst selten nüchterne Kapitän Haddock, zwei nicht wirklich scharfsinnige Detektive und natürlich sein treuer Begleiter Struppi zur Seite, um alle Abenteuer unbeschadet zu überstehen!
Kommentar
Nachdem in den letzten Jahren Comikverfilmungen wie X-Men, Spider-Man oder The Dark Knight die Kinokassen klingeln ließen, wagt man sich nun an eine Adaption der etwas anderen Art. Diesmal stehen keine Mutanten oder Incognito-Helden auf dem Programm, sondern eines der bekanntesten und beliebtesten Abenteuer-Duos der Comikwelt: Der mutige Reporter Tim und sein treuer Kläffer Struppi, in ihrer belgischen Heimat bekannt als "Tintin et Milou".Diese Ehre gibt sich kein geringerer als Steven Spielberg (Jurassic Park, E.T. - Der Außerirdische, Der weiße Hai) mit Peter Jackson (Der Herr der Ringe, King Kong) als ausführendem Produzenten. Trotz der Star-Regie waren die Bedenken der besonders in Europa - in den USA eher weniger - riesigen Fangemeinde groß. Schließlich ist der Stil dieser 3D-Animation ein gänzlich anderer als der der Zeichnungen, die man aus Georges Remis (bekannter unter seinem aus den umgedrehten Anfangsbuchstaben erstellten Pseudonym "Hergé") Feder kennt. Die Klassiker zersetzt durch zuviel Action und Effekte, das war wohl die Hauptbefürchtung. Und nun, haben sich die Befürchtungen bewahrheitet...?
Beeindruckt war ich von der wirklich nahezu fotorealistischen Graphik des Films. Mittels Performance Capture - Verfahren (wie es auch beispielsweise in Planet der Affen: Prevolution und Avatar - Aufbruch nach Pandora zum Einsatz kam, um die Bewegungen echter Schauspieler auf die computergenerierten Charaktere zu übertragen) wurden aus Tim, Kapitän Haddock und Co animierte Figuren mit einer verblüffend beweglichen Mimik. Zwar ist es gewöhnungsbedürftig, die nur in 2D und dazu noch sehr flächig gezeichneten Protagonisten nun in so völlig neuer Optik zu sehen, doch meiner Meinung nach sind die Figuren gut getroffen und man gewöhnt sich schnell an den neuen Look. Obwohl die Personen überzeugend realitätsnah wirken, erkennt man dennoch die typischen Züge der Comikvorbilder.
Mindestens genauso faszinierend finde ich die perfekte Umgebungsanimiation. Ob orientalischer Basar, tosende See oder blitzende Gewitterwolken, in vielen Szenen fällt es schwer zu erkennen, dass hier tatsächlich animiert und nicht gefilmt wurde; auch die Objekte und sogar tierische Akteure sehen teilweise so echt aus, dass ich zweimal hinsehen musste. Richtig süß fand ich auch die vielen fantasievollen Szenenmontagen, bei denen sich schonmal ein Handrücken fließend in eine Wüstenlandschaft verwandelt...
Kritisiert wird vor allem eine gewisse Seelenlosigkeit der Filmadaption im Vergleich zum Comik. Ich muss gestehen, dass die gezeichneten Figuren tatsächlich irgendwie mehr Charme - oder zumindest einen ganz anderen Charme - besitzen als ihre dreidimensionalen Kopien. Als "seelenlos" kann ich den Film und seine Akteure trotzdem nicht bezeichnen, denn die Liebe zum Detail und die Bewunderung für Hergés Werke sind überall spürbar. Es wimmelt nur so von mehr oder weniger versteckten Anspielungen auf andere Abenteuer Tims und auch eine Hommage an den Schöpfer persönlich fehlt nicht. Außerdem wurden nicht nur die Grundidee, sondern auch viele konkrete Szenen aus der Comikvorlage eins zu eins übernommen. Der Humor der ursprünglichen Geschichten ist an vielen Stellen präsent und die Charaktere glänzen in ihrer wohlbekannten Schrulligkeit. Die vertrottelten Detektive Schultze und Schulze, der stoische Butler Nestor und natürlich der versoffene Kapitän kommen genauso wenig zu kurz wie der wackere Tim und sein frecher, aber stets cleverer und zuverlässiger vierbeiniger Begleiter und ihre skrupellosen Widersacher. Auch wenn es manche anders sehen mögen: Für mein Empfinden ist es durchaus gelungen, den Geist der Comikreihe auf die Leinwand zu bannen.
Da würde ich Spielberg und Jackson schon eher vorwerfen, dass man ein bisschen zu viel Blockbuster-Action hineingepackt hat. Während manche Szenen noch durch und durch eindrucksvoll und abenteuerlich daher kommen, sind andere Sequenzen einfach schon zu viel des Guten: Weniger wäre hier mehr gewesen und hätte der Geschichte besser zu Gesicht gestanden. Mir wäre lieber gewesen, wenn man den Fokus noch mehr auf die aus gleich drei "Tim und Struppi"-Abenteuern zusammengewobene Schatzsuche gelegt hätte, denn die tollen Ideen, die in den aufwändigen Geschichten stecken, hätten auch ohne ein Übermaß an Actionchoreographie für genug Spannung gesorgt.
An dieser Stelle sei auch davor gewarnt, dass man sich bei der Umsetzung eindeutig mit den Freiheiten einer beliebig beweglichen Kamera ausgetobt hat: Ich hatte zwar auch in 3D keinerlei Probleme, aber wem schon bei weniger wildem Toben in der dritten Kinodimension übel wird, beschränke sich lieber auf 2D, um den Filmgenuss nicht mit Kopfschwirren zu bezahlen.
Ein Fazit zu ziehen finde ich schwieriger als bei vielen anderen Filmen. Natürlich muss sich der Kinofilm mit der extrem hohen Messlatte der Comiks messen, was aber zugleich ein unfairer Vergleich ist: Computeranimiert ist eben nicht gezeichnet, und ein Kinoblockbuster ist nicht das gleiche wie ein Comikbuch. Ich kann daher auch gut verstehen, dass manch eingefleischter Fan diesen Film als eine Verunglimpflichung seiner Lieblingshelden empfindet. Man sollte dabei aber fair bleiben: Es war ein schwieriger Spagat, Tims Abenteuer mit so moderner Technik und heutigen Leinwandansprüchen gerecht umzusetzen und dabei dennoch Hergés Stil zu bewahren. Zweifellos ist dabei solch ein animierter Film auch ein Spagat zwischen Zeichentrick (welcher technisch dem Comik natürlich am nächsten kommt) und Realspielfilm: realistischer eben als handgezeichnet, aber comikhafter als die Realität. Für mein Empfinden ist der Spagat größtenteils gelungen und ich kann den Film auf jeden Fall weiterempfehlen. Wer sich zuvor nicht sonderlich für Tim und seine Abenteuer interessiert hat, hat sowieso nichts zu verlieren und kann sich ungetrübt ins Filmerlebnis stürzen, ebenso dürften junge Zuschauer uneingeschränkt begeistert sein. Skeptische Comikfans sollten sich einfach ihr eigenes Urteil bilden: "Das Geheimnis der Einhorn" ist zweifellos vollkommen anders als Hergés Werke, aber anders heißt ja nicht unbedingt schlechter!
Da die Verfilmung von Anfang an als Trilogie geplant war und es an den Finanzen vermutlich nicht scheitern wird, dürfen wir wohl darauf vertrauen, dass uns Tim, Struppi und Co nochmal mit auf die Suche nach neuen Abenteuern nehmen werden. Aus diesem Grund halte ich es wie in der Schule, wenn man zum Halbjahreswechsel zwischen zwei Noten steht: Da es keine viereinhalb Punkte gibt, vergebe ich zur Motivation jetzt die bessere Note - in der Hoffnung, dass in Teil 2 die Kritikpunkte ausgemerzt werden und ein noch gelungenerer Film entsteht.
Wenn es dann so weit ist, bin ich dabei und bis dahin habe ich auf jeden Fall große Lust bekommen, die guten alten Comiks nochmal alle durchzulesen!
Filmreview von: Gruselmonster / Alle Reviews von Gruselmonster
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist ab dem 31. März 2012 bei Sony Pictures Home Entertainment auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.
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