Hard Candy
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Inhalt
Jeff ist ein 32jähriger Fotograf, der ganz junge Frauen fotografiert. Als er im Internet die zwar erst 14-jährige, aber sehr reif und intelligent wirkende Hayley kennen lernt, treffen sich die zwei nach 3 Wochen Chat heraußen in einem Cafe. Unter dem Vorwand, sich bei ihm unbedingt eine bestimmte Musikband anzuhören, bringt sie ihn dazu, zu ihm heim nach Hause zu fahren.
Dort mixt sie ihnen beiden alkoholische Drinks, worauf Jeff ganz schwindlig und schläfrig wird. Als er wieder aufwacht, ist er an einen Stuhl gefesselt. Nun beginnt ein mörderisches Psychospiel weil die süße, unschuldig wirkende Kleine plötzlich gar nicht mehr so lieb und nett ist, geschweige denn mit dem Mann flirtet. Sie beschuldigt ihn knallhart, ein Pädophiler zu sein, der auf minderjährige Girlis steht. Außerdem soll er eine ihrer vermissten Freundinnen ermordet haben, besitzt sogar ein Foto von dem Mädchen in seinem Safe. Auch wenn er immer und immer wieder seine Unschuld beteuert, beschließt der Teenager auf dem Rachefeldzug, den vermeintlichen Kinderschänder zu kastrieren. Als er selbst nach der ungeheuerlichen OP nicht wirklich gesteht, lässt sie ihm noch eine, dramatische Möglichkeit für seine Schuld zu büßen…
Kommentar
Dieses packende Psycho- Selbstjustiz- Drama ist das bewegende Regiedebüt von Regisseur David Slade (Eclipse - Biss zum Abendrot, 30 Days of Night). Mehrfach für diverse Awards nominiert, schaffte es Slade, den Thriller mit ganz wenig Aufwand in nur 18 Tagen abzudrehen.Das auf zwei Hauptpersonen konzentrierte Kammerspiel ist sehr ähnlich aufgebaut wie Roman Polanskis „Der Tod und das Mädchen“. Mit absolut simplen Mitteln, frei von jeglichen Effekten, lebt auch dieser Film von seinen psychischen Katz- und Mausspiel- Dialogen, die dem einen oder anderen vielleicht etwas zu langweilig sein könnten. Der anspruchsvolle Film fängt nämlich langsam an, und baut sich langsam auf. Vermeintliche Längen sind aber keine, auch wenn die ersten 20 Minuten anscheinend nur belangloses Bla-bla gesprochen wird. Doch dieses scheinbar unwichtige Gespräch bekommt erst im späteren Verlauf eine Bedeutung, wenn die Kleine ihm jedes Wort im Mund umdreht, und ihm aus allem einen Strick drehen will. Jedes seiner Worte wird falsch gedeutet und klingt tatsächlich zweideutig wenn man es denn nur so sehen will.
Ellen Page (X-Men - Der letzte Widerstand, Inception) und Patrick Wilson (Das Phantom der Oper, Watchmen - Die Wächter) brillieren in ihren beiden Rollen und bieten sich ein intensives und nervenaufreibendes Psychoduell bei dem man gespannt mit fiebert von der ersten bis zur letzten Minute.
Ist der nette und sympathische Mann denn nun ein Pädophiler? Und hat er das verschwundene Mädchen nun getötet oder nicht? Oder ist er wirklich unschuldig wie er es die ganze Zeit über beteuert? Schafft er es die geistesgestörte Selbstjustiz-Rächerin um zu stimmen, und erst seine Hoden vor der Kastration, und nachher sogar sein Leben zu retten?
Anders als bei diversen Folterfilmen, sieht man hier keine wirklichen körperlichen Qualen da es sich ja nicht um einen Horrorfilm, sondern um einen Psychothriller handelt. Alles beschränkt sich auf die Fantasie des Zuschauers. Auch was den Inhalt der gefundenen Fotos betrifft. Man muss hier nicht wirklich alles wissen. Ob er nun schuldig oder unschuldig ist, ist im Prinzip bis zum Schluss nicht richtig klar, eigentlich aber auch egal. Viele kritisierten eben das überraschende und etwas irritierende Ende, doch wenn man wirklich darüber nachdenkt, hatte der Mann einfach keine andere Wahl. Im Gefängnis hat man als Kinderschänder die Hölle. Kein Polizist würde ihm, der seine Wohnung mit Fotos von blutjungen Models tapeziert hat, glauben, wenn sie sich ihnen wie gedroht, halbnackt in die Arme werfen würde. Sein Leben ist im Prinzip ohnehin zu Ende. Er erkennt seine auswegslose Lage dass er nie eine Chance gegen sie hätte. Sie will ihn fertig machen und vernichte. Egal ob so oder so.
Viele kritisierten auch, dass er sich gegen einen Teenager als erwachsener Mann nicht wehren kann, doch das fand ich durchaus glaubhaft weil er es ja ständig versuchte. Die wenige Musik ist wohl dosiert und passend. Nach der „Kastration“ wird’s richtig skurril. Als sie laut überlegt, wie sie denn nun die beiden Hoden entsorgen soll und sie dann letztendlich in den Müllschlucker wirft, was ihn damit fast um den Verstand bringt, musste ich fast schmunzeln. Die FSK 18 finde ich übertrieben, da hätte es eine 16ner Version auch getan. Wie bei „Der Tod und das Mädchen“ spielt das Ganze, bis auf die erste halbe Stunde im Cafe, im und um das Haus. Dennoch ist die gefährliche Atmosphäre nervenaufreibend, weil man nicht weiß, wie weit das Mädel wirklich geht, oder ihm nur einen Denkzettel verpassen will.
Fazit: Wer eindringliche Psychothriller mag, auf spannende und Dialog-lastige Kammerspiele steht, und auch mit dem heiklen Grund-Thema etwas anfangen kann, dem kann ich den Film bedenkenlos empfehlen. Wer sich allerdings einen Folter-Horrorthriller erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht sein. Ein aufwühlender Film indem es nicht nur um Selbstjustiz und Rache geht, sondern der einfach zum Nachdenken anregt. Nicht nur wegen dem mehr oder weniger überraschenden Ende, sondern auch um die Gefahren aus dem Internet denen unsere Kinder täglich ausgesetzt sind.
Filmreview von: Berti / Alle Reviews von Berti
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Veröffentlichungen
Der Film ist in mehreren Auflagen bei Universum Film auf DVD erschienen.
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Weitere Kommentare zum Film
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| Aeon, 20.01.12 |
| Von mir auch volle 5 Schädel, ich fand den Film sauspannend! Kann Berti auch nichts mehr hinzufügen, Ellen Page spielt einfach brilliant. Sehr gelungen wie man als Zuschauer mehrfach hin und her schwankt und nicht weiss zu welchem der beiden Protagonisten man halten soll. Denn beide haben Ihren Charme und sind vielschichtig, wie im echten Leben sozusagen, Gut und Böse lassen sich nicht einfach wie Schwarz und Weiss trennen. |
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