Das Experiment
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Inhalt
Als der Taxifahrer und ehemalige Journalist Tarek eine Anzeige in der Zeitung findet, bei dem Freiwillige für ein Experiment an der Uni gesucht werden, bewirbt er sich, ohne zu wissen worauf er sich da wirklich einlässt. Nicht nur das Preisgeld reizt ihn, sondern vor allen Dingen die Chance mit dieser ganz besonderen Story wieder in seiner alten Branche einzusteigen.
Zunächst müssen sich die Kandidaten allen möglichen Tests unterziehen um heraus zu finden, wer sich psychologisch als Gefängniswärter oder besser als Gefangener eignet. Dann werden die 20 Kandidaten in zwei Gruppen eingeteilt und erklärt, was von ihnen erwartet wird. Jeder einzelne soll seine Aufgabe ernst nehmen, seine ihm zugeteilte Rolle realistisch spielen, um zu sehen was sich in 14 Tagen daraus entwickelt. Kontrolliert von einem technisch hochwertigen Überwachungssystem und ein paar Wissenschaftlern, beginnen die Männer nun, sich in ihrer Gefängnissituation ein zu leben. Um seine Story etwas brisanter zu machen, provoziert Tarek die Wärter bewusst, findet seinen Ungehorsam witzig und denkt ihm könne bei dem „Spiel“ ja ohnehin nichts passieren. Bald jedoch wird aus dem Spaß bitterer Ernst, weil die Wärter unter dem enormen psychischen Druck immer mehr anfangen, ihre Machtsituation zu genießen und immer mehr die Kontrolle über sich verlieren.
Bereits nach nur zwei Tagen möchte Dr. Jutta Grimm das Experiment abbrechen weil sie die Zustände nicht mehr verantworten kann, da es immer mehr eskaliert. Nachdem sie sich aber nicht durchsetzen kann, beginnt für die Probanden ein Kampf um Leben und Tod…
Kommentar
Puh was für ein Film. Dieser knallharte, teils brutale und super spannende deutsche Psycho-Thriller von Oliver Hirschbiegel (Invasion), basiert zum einen Teil auf dem Roman „Black Box“ von Mario Giordano, auf dem anderen auf ein reales Experiment der Stanford Universität in den 70iger Jahren.Im Gegensatz zu dem echten Experiment das damals nach nur sechs von vierzehn geplanten Tagen abgebrochen wurde, wird hier auf dramatische Weise gezeigt wie es evt. hätte weiter gehen können. Der interessante Grundkern und die Grundfrage bleibt, in dem mehrfach mit diversen Filmpreisen nominiert und ausgezeichnetem Knastfilm der etwas anderen Art, aber gleich: Was passiert, wenn man mit einer Gruppe unbescholtener Menschen Schicksal spielt, und ihnen Macht zukommen lässt? Wie verhalten sie sich wenn sie erst mal „dürfen“ und in einer entsprechenden Position sind? Wie weit würden sie gehen wenn man sie ständig provoziert?
Erschreckend und doch faszinierend zugleich wird hier gezeigt, wie scheinbar „normale“ Menschen zu sadistischen Schweinen werden, die plötzlich Spaß und Gefallen daran finden, andere zu quälen und zu erniedrigen. Ich bin ja der Meinung dass so ein „Zug“, so eine „Anwandlung“ nicht plötzlich hervor tritt, sondern immer schon in so einem Menschen schlummert. Entweder man ist ein Psycho, oder nicht. Wobei sich ja die Frage stellt, inwiefern einen so etwas selbst treffen könnte. Viele von denen haben mit Sicherheit schon als Kinder kleine Tiere gequält wie man aus Statistiken so kennt. Andere aber würden immer in der Rolle des Unterdrückten bleiben, der nicht aufmuckt und sich alles gefallen lässt.
Manchen von den Bewerbern zu Beginn (Timo Dierkes als Elvis-Verschnitt) sieht man ja vorher optisch schon an, dass sie definitiv Wärter werden. Bei anderen, wie dem scheinbar ruhigen Berus (Justus von Dohnányi) sieht man es nicht offensichtlich auf den ersten Blick, weil sie sich verstellen oder der Psycho innerlich steckt und sie vielleicht noch nicht mal selbst wissen wie gefährlich sie eigentlich sind.
Interessant zu beobachten sind auch die Wissenschaftler, die für den Verlauf des Geschehens verantwortlich sind, weil sie in ihrer Sensationsgeilheit nur untätig vor ihren Monitoren stehen und die Ungerechtigkeiten gebannt mit ansehen statt es zu beenden.
Wegen dem moralischen Standpunkt regt der verstörende, beunruhigende Film auch nachher noch zum Nachdenken an. Gut, ich meine man fragt sich halt dann schon auch wie glaubwürdig es wirklich ist, dass sogar die Wissenschaftler gefangen genommen werden können, ob das „In Wirklichkeit“ auch so ablaufen könnte. Da es letztendlich aber dann doch nur ein Film ist, lasse ich die Logikfragen mal dahin gestellt.
Für den TV-Film Regisseur Hirschbiegel war der „Deutsche Kinofilm des Jahres“ wie er unter anderem ausgezeichnet wurde, auf jeden Fall sein erstes Kinodebut.
Die Schauspieler sind alle zusammen absolut überzeugend. Vor allem Moritz Bleibtreu (Knockin' on Heaven's Door) und Zellenkollege Christian Berkel (Der Untergang) haben mir besonders gut gefallen. Die Szene als alle auf Tareks Kopf pissen fand ich schockierend, als er in die grauenhafte Black Box gesteckt wurde, beklemmend. Wie bei "Das Schweigen der Lämmer" oder „Quarantäne“ wird durch die Nachtsichtkamera gezeigt wie hilflos und orientierungslos man da in völliger Dunkelheit ist. Allein durch die Enge da drin würde ich schon verrückt werden.
Was mich peinlich berührt hat, sind die Nacktszenen wenn die Gefangenen dadurch gedemütigt und erniedrigt werden. Auch wenn man des Öfteren einen Pimmel sieht, hat das hier nichts mit Erotik zu tun und man leidet mit den Häftlingen mit.
Wer und was mir überhaupt nicht gefallen hat, ist Maren Eggert als Dora weil sie irgendwie immer dasselbe Gesicht zieht. Völlig ausdruckslos und eigentlich richtig überflüssig, ist ihre Rolle im Prinzip nur nervig. In Rückblenden denkt Tarek öfter an sie, was ihm wohl, wie Frank in „Lock Up - Überleben ist alles“, Kraft geben soll.
Eine der nervenaufreibendsten Szenen für mich ist die, als der fette Wärter zu Andrea Sawatzki (Die Apothekerin) in die Zelle geht um sie zu vergewaltigen. Auch das starke Finale hat es in sich. Positiv zu erwähnen ist auch die packende Musik von Alexander Bubenheim (Hisss, In Hell) die ebenfalls an den Nerven zerrt.
Fazit: Wer auf deutsche Filme und deren Stars darin seht, mit dem Thema Psychologie, Rollenverhalten und auch Gefängnis was anfangen kann, sollte unbedingt auch hier mal einen Blick rein werfen.
Das 2010 entstandene US-Remake „The Experiment“ von Paul Scheuring kenne ich noch nicht, deshalb kann ich nur die deutsche Version beurteilen und die gefällt mir ausgesprochen gut!
Filmreview von: Berti / Alle Reviews von Berti
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist bei EuroVideo auf DVD und bei Universum Film / Senator auf DVD und Blu-ray erschienen.
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Das Experiment- Black Box. Versuch mit tödlichem Ausgang. Roman zum Film.
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