Die neun Pforten
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Inhalt
Der windige New Yorker Antiquar Dean Corso wird von dem zwielichtigen Büchersammler Boris Balkan beauftragt, ein altes Buch auf seine Echtheit zu überprüfen, mit dem man angeblich den Teufel heraufbeschwören kann: „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“. Corso reist nach Europa, um Balkans Buch mit den zwei einzigen sonst noch existierenden Exemplaren zu vergleichen. Von Anfang an fühlt er dabei aber nicht nur Balkans Schatten, auch eine Satanistengruppe zeigt sich auf sehr handgreifliche Art daran interessiert, der „Neun Pforten“ habhaft zu werden. Und wer ist das seltsame Mädchen, auf das Corso immer wieder trifft und das ihn mehr als einmal rettet? Corso stolpert auf seinem Weg über mehr als eine Leiche, und als des Rätsels Lösung gefunden scheint, ist das noch lange nicht das Ziel seiner Reise…
Kommentar
In seiner wohl bedeutendsten Schaffensphase, vom frühen „Ekel“ (1965) bis zu dessen thematischer Quasi-Fortsetzung „Der Mieter“ (1976), inszenierte Roman Polanski geradezu in Serie Meisterstücke, egal in welchem Genre er sich versuchte. Dieser Zeit entstammt nicht zuletzt sein Teufelsthriller „Rosemarys Baby“ (1968), dessen phänomenaler Erfolg bei Publikum und Kritik wohl auch ein (Mit-)Auslöser für die Okkult-Filme der 1970er Jahre war, namentlich für „Der Exorzist“ (1973), „Das Omen“ (1976) sowie deren im Laufe der Jahre zahlreichen Fortsetzungen, die sich des Antichrist-Motivs allerdings wesentlich effektheischender annahmen als Polanskis Paranoia-Klassiker. Nachdem die 1980er und 1990er Jahre trotz einiger sehenswerter Filme für Polanski eher eine Zeit der Orientierungslosigkeit bedeuteten, gelang ihm auch mit "Die neun Pforten" (1999), seiner Rückkehr zur Okkultismus-Thematik nach über dreißig Jahren, einmal mehr nicht der große Befreiungsschlag: Der Film wurde überwiegend verrissen, gerade der Vergleich mit „Rosemarys Baby“ tat dem Film nicht gut, und nicht einmal die Kinokassen füllten sich so recht.Tatsächlich ist „Die neun Pforten“, die Adaption lediglich eines Handlungsstrangs des anspielungsreichen, aber recht flachen Romans „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte, alles andere als ein Meilenstein, dazu präsentiert sich der Film einfach zu unentschlossen. Zunächst baut er, untermalt von Wojciech Kilars unheilvoll-schöner Musik, gekonnt eine Atmosphäre der Unsicherheit auf, doch allzu schnell legt Polanski seine Karten auf den Tisch: Daß Corso sich seine Beschattung nicht nur einbildet, ist nach der frühen Ermordung eines Freundes von ihm klar; auch wer seine Jäger sind und welchen Plan sein Auftraggeber Boris Balkan (was für ein Name!) verfolgt, kann man sich denken, bevor der Film es „offenbart“. Was es schließlich mit dem „mysteriösen“ Mädchen auf sich hat, bleibt dem Zuschauer ebenfalls nicht lange verborgen, zumal hier weder auf Spezialeffekte verzichtet noch aus Corsos Sicht gefilmt wird.
Generell scheint sich die Regie nicht entscheiden zu können, ob und inwieweit sie sie ihre Geschichte überhaupt ernstnehmen soll: Von Anfang an durchweht den Film eine ironische Note, und Johnny Depps beinahe unbeteiligter, gerade in den Actionszenen betont linkischer Darstellungsstil macht Corso zu einem untypischen „Helden“ – ein Ansatz, den Depp seitdem in einer Reihe von Filmen bis zum Manierismus ausgewalzt hat, zuletzt in Florian Henckel von Donnersmarcks enttäuschendem Hollywood-Debüt „The Tourist“ (2010), der damals aber noch durchaus frisch war. Je länger der Film läuft, desto öfter meint man, eine Satire auf das Subgenre des Okkult-Thrillers zu sehen. Immer grotesker werden Corsos Begegnungen mit den zunehmend (im Falle von Lena Olins Figur: von Anfang an) karikaturhaften Bewunderern der „Neun Pforten“. Auf die Spitze treibt dies sein letztes Aufeinandertreffen mit der im Rollstuhl sitzenden Baronesse Kessler in deren brennendem Büro: eine Szene, die – sicher nicht unbeabsichtigt – weniger die Nerven als die Lachmuskeln strapaziert. Und vielleicht wäre das der Ansatz gewesen, der, konsequent verfolgt, „Die neun Pforten“ zu einem richtig guten Streifen in der Tradition von „Tanz der Vampire“ hätte machen können: ein Film, der gerade in der parodistischen Hommage die Grenzen des gewählten Genres (neu) absteckt. Als diesbezüglicher Höhepunkt hätte sich die zu Beginn des letzten Drittels gezeigte Messe der Satanisten geradezu angeboten, die nun wirklich jedes nur denkbare Okkultistenklischee bedient: In einem abgelegenen Landhaus versammeln sich zahlreiche Leute in dunklen Kutten, schwenken Kerzen, brabbeln Beschwörungen in erloschenen Sprachen, bis Boris Balkan, gespielt vom immer souveränen Frank Langella, mit einem hinreißenden Auftritt die Versammlung sprengt, den Kuttenträgern verächtlich vorhält, Luzifer hätte es wohl kaum nötig, auf so einem Kindergeburtstag zu erscheinen, und die Möchtegern-Teufelsjünger mit einem schlichten „Boo!“ in die Flucht schlägt. Wäre Balkan dann gelassen mit seinem Buch nach Hause gegangen – was für ein herrlicher (und immer noch potentiell doppelbödiger) Schluß wäre das gewesen! Doch noch ist der Film nicht zu Ende: Die typische Symbolik wird nun weiter nach oben gefahren, Balkan bekommt seinerseits einen skurrilen Abgang spendiert, und der Film schippert in ein ebenso effektreiches wie genretypisches Finale voller Höllenfeuer-Brimborium. Anstatt sich für einen Ansatz zu entscheiden oder gar beiden gerecht zu werden, ist „Die neun Pforten“ leider weder ein richtig spannender Horrorfilm noch eine konsequente Persiflage.
Das Comeback, das Roman Polanski mit „Die neun Pforten“ versagt blieb, gelang ihm dann mit seinem nächsten Film „Der Pianist“ (2002), der zu Recht mit Preisen überschüttet wurde, und auch seine bisher letzte Produktion „Der Ghostwriter“ (2010) konnte sich sehen lassen. „Die neun Pforten“ markiert also eher das Ende von Polanskis Formtief als den Wiederaufstieg, doch selbst ein mauer Polanski ist nicht automatisch ein schlechter Film, und deshalb reicht es an dieser Stelle immerhin noch für drei Schädel: Auf der Habenseite bleiben die stimmige Atmosphäre der ersten Hälfte, die vielversprechenden, wenngleich leider nicht konsequent verknüpften grotesken Kabinettstückchen und nicht zuletzt der trotz aller Kritikpunkte durchgehend hohe Unterhaltungswert, den „Die neun Pforten“ auch nach mehrmaligem Sehen nicht einbüßt. Und das ist fraglos mehr, als das Gros thematisch verwandter Streifen zu bieten hat.
Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven
Veröffentlichungen
Der Film ist bei 20th Century Fox Home Entertainment und bei Kinowelt Home Entertainment in mehreren Auflagen auf DVD erschienen.
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Weitere Kommentare zum Film
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| Gruselmonster, 22.05.11 |
| Ich finde diesen Film ziemlich gut gemacht, die Handlung wird sehr spannend aufgebaut, sodass man ein bisschen miträtseln kann. Die filmischen Änderungen haben meiner Meinung nach die Romanvorlage verbessert. Die Ironie ist unübersehbar, was manchmal sehr erheiternd ist, aber wie der Autor der Kritik richtig feststellt, nicht ganz konsequent ist. Das einzige, was mich befremdet und ein wenig genervt hat, ist wie mit den jahrhundertealten Büchern umgegangen wird... gut, in manchen Szenen hätte man es als Persiflage werten können, aber wenn jeder (!) in diesem Film die kostbaren Wälzer auf den Kopierer quetscht, während der Literatur raucht und trinkt und mit schmutzigen Händen darin herumtatscht, dann fragt man sich schon, ob das gewollt oder schlecht recherchiert ist. Insgesamt ein guter Mysterythriller mit humoristischen Anklängen. Ich hätte mir diese Geschichte übrigens perfekt als Computer-Rollenspiel vorstellen können... |
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