Stephen Kings Haus der Verdammnis
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Inhalt
Seit langer Zeit schon kursieren merkwürdige Geschichten und Gerüchte um das alte Haus "Rose Red", daß in seinen Mauern das leibhaftige Böse hausen soll. Unter Leitung von Professor Joyce Reardon findet sich eine Gruppe ausgewählter Menschen zusammen, die jeder für sich eine spezielle Begabung haben. So versucht man gemeinsam dem Geheimnis des Hauses auf den Grund zu gehen. Doch die Gruppe findet mehr, als sie erwartet hat und betritt eine dunkle Welt, deren Finsternis alles übersteigt, was man sich je hätte ausmalen können. Wird es für die Gruppe ein Entkommen aus der Finsternis geben, oder sind sie dem bösen auf Gedeih und Verderben ausgeliefert?
Kommentar
Tja, am Anfang gleich mal die große Preisfrage. Was soll man von einem Film, oder besser, von einer Miniserie mit einer Lauflänge von mehr als vier Stunden halten, die zum einen dem Horrorgenre entspringt, zum anderen aber eine Freigabe ab 12 Jahren hat? Überhaupt nichts? Das war, zugegeben, auch mein erster Gedanke. Denn wie soll man ab zwölf Jahren vier Stunden lang Spannung und Grusel aufrechterhalten, wenn das Ganze auch noch Kinderfreundlich sein soll? Das allein machte mich bei diesem Stephen King Film schon skeptisch und mißtrauisch, aber trotzdem wollte ich ihm natürlich erst einmal eine Chance geben. Auch hier kenne ich das Buch nicht und beurteile also ausschließlich das Ergebnis der Miniserie. Und was für mich letztlich dabei herausgekommen ist, das will ich nun hier wiedergeben. Denn etwas soll schon zu Anfang festgehalten sein, dieser Film hat mich wirklich sehr positiv überrascht.Und ja, es ist durchaus möglich auch über eine so lange Zeit einen guten, spannenden Horrorfilm zu kreieren, womit ich nicht meine, daß eine Schockszene die nächste jagt, denn das ist es nicht, was Spannung ausmacht. Sondern ganz einfach das Drumherum, die Szenen, die Ausstattung, die Musik, die Geräusche, viele kleine Dinge, die zusammen eine ganz klassische, aber wirkungsvolle Gruselatmosphäre schaffen - und gerade Spukhäuser sind dafür auch sehr gut geeignet, wie uns schon die Amityville Horror Serie gezeigt hat. Und hier gelingt das wieder ausgesprochen gut, viel besser, als ich es vorher zu hoffen gewagt hatte. Vor allem nach meinen ersten Enttäuschungen um Verfilmungen von Stephen King. Aber hier, zurück beim klassischen Spukhaus-Grusel, ist der Meister des Phantastischen wieder ganz in seinem Element - hinter der Kamera als Drehbuchautor zur Umsetzung des eigenen Romans, und als ausführender Produzent. Den obligatorischen Cameoauftritt im Film gibt es auch wieder, dieses mal allerdings nur mit einem Kurzauftritt als Pizzabote.
Was den Härtegrad betrifft, dies ist eines der wenigen Beispiele, wo ich denke, daß hier zu mild geurteilt wurde, was ich nicht verstehe. Oft genug wundere ich mich in die umgekehrte Richtung, aber diesen Film ab zwölf Jahren freizugeben, als Kinderfilm, ist schon arg daneben. Zwar gibt es hier nicht die ganz harten Splattereffekte, daß Körper in ihre Bestandteile zerlegt werden, aber was es zu sehen gibt, das ist für mich nicht unter sechzehn Jahren akzeptabel. Angefangen bei den ständigen Grusel- und Schockmomenten, bis hin zu derberen Einlagen, wenn einer der Charaktere sichtbar seine Finger verliert, oder Raben an einem Toten herumpicken. Auch sonst geht es teils deftig zu, ob in Worten oder Taten, und daher ist dieser Film für mich ganz klar nicht für Kinder bzw. Jugendliche unter sechzehn Jahren geeignet.
Was mir hier besonders gut gefällt ist die Komplexität der Handlung und Charaktere. Es geht nicht nur um ein paar herumspukende Geister und die simple Erforschung übernatürlicher Phänomene, ebensowenig wie die Charaktere einfach in gut und böse, schwarz oder weiß einzuteilen sind. Im Gegenteil, wenn man am Anfang nach dem Augenscheinlichen seine Sympathien verteilt kann man damit so manche, auch böse, Überraschung erleben. Und hier zeigt sich auch wieder ein Vorteil solch einer Miniserie, in der Entwicklung von Handlung und Charakteren, wo sich mehr Zeit genommen werden kann ohne je langweilig zu werden, und wo auch mehr Raum für Wendungen und Überraschungen bleibt. So spielt die Geschichte, deren Hintergrund angeblich auf wahren Ereignissen beruhen soll, auf zwei Zeitebenen, da nach und nach auch die Geschichte des Hauses aufgerollt wird, nicht nur in Worten, sondern auch als Zweithandlung, womit die Entwicklung am Ende eben immer komplexer wird. Und es dauert, um hier wirklich alle Hintergründe zu erfassen.
Zentral ist im Film die Rolle des autistischen Kindes, wo man auch lange nicht weiß, woran man wirklich ist, und dessen Entwicklung einem - auch in der Beziehung zu den anderen Charakteren - einiges abverlangt. Aber am Ende ist eh nichts mehr wie es war, und beim ersten Ansehen war ich über das Finale schon überrascht. Ebenso wie eigentlich über den ganzen Film, der alles richtig macht und selbst über so lange Zeit toll und spannend zu unterhalten weiß. Dazu tragen auch die Schauspieler bei, die nun zwar nicht zur A-Riege in Hollywood gehören, aber hier eine tolle Leistung abliefern und dem Film Tiefe geben, so daß letztlich einfach alles rundum stimmt, wenn man sich auf diese Spukhauserfahrung einlassen will. Und damit komme ich zu meinem Fazit.
Fazit: Eigentlich ist mir dieser Film nur mal so nebenbei aufgefallen, und nun gehört er ganz klar zu meinen besten Erfahrungen mit Stephen King Verfilmungen. Ich kenne keine andere Spukhausgeschichte, die mich über so lange Zeit so fesseln konnte, und bei der sowohl visuell, als auch akustisch alles stimmt. Die Mittel, um eine perfekte Gruselatmosphäre zu schaffen, sind auch ohne viel Blut gut gewählt und erschaffen einen Gruselfilm, den ich nur empfehlen kann. Und dazu stimmt auch die Umsetzung auf DVD, die für einen Warner Film aus dem Backprogramm toll ausfällt. In der Erstauflage als Digipack, sogar mit Extras, und dazu in 5.1 Ton in deutsch und englisch, da hat man nicht gekleckert, sondern geklotzt. Mehr kann man nicht verlangen - daher unbedingt anschauen...
Filmreview von: Gandalf01 / Alle Reviews von Gandalf01
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist bei Warner Home Video auf VHS und DVD erschienen.
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