Der vierte Mann

Originaltitel: De vierde Man
Alternativtitel: Der 4. Mann
The Fourth Man
Herstellungsland: NiederlandeNiederlande
Erscheinungsjahr:  1983
Regie: Paul Verhoeven

Darsteller

Figur

Jeroen Krabbé  Gerard Reve
Renée Soutendijk  Christine Halsslag
Thom Hoffman  Herman
Dolf de Vries  Dr. de Vries
Geert de Jong  Ria
Hans Veerman  Begräbnisunternehmer
Hero Muller  Josefs
Caroline de Beus  Adrienne
Reinout Bussemaker  Erster Ehemann
Erik J. Meijer  Zweiter Ehemann
Ursul de Geer  Dritter Ehemann
Filip Bolluyt  Surfer
  
Genre: Thriller, Erotik, Okkult
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Inhalt

Der homosexuelle Schriftsteller Gerard reist zu einer Leseveranstaltung in ein kleines Küstenstädtchen, die der örtliche Literaturclub für ihn veranstaltet. Gerard neigt zu halluzinatorischen Tagträumen, was möglicherweise auf seinen übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen ist.
Bei der Lesung lernt er die attraktive Christine kennen; die junge Witwe ist die Schatzmeisterin des Clubs und somit für sein Honorar verantwortlich. Sie lädt ihn ein, in ihrem Haus zu übernachten, da ihm das Hotel in dem ein Zimmer für ihn gebucht wurde, nicht geheuer ist.
Gerard ist von Christines ungezwungener, offenherzigen Art angetan und verbringt die Nacht mit ihr, allerdings wird er von Alpträumen geplagt, in denen ihm Gefahr durch Christine droht.
Als er ein Foto von Christines Lebensgefährten Herman findet, der zur Zeit in Deutschland arbeitet, ist er von dem jungen Mann fasziniert und beschließt noch ein paar Tage bei ihr Urlaub zu machen. Mehr oder weniger unauffällig horcht er seine Gastgeberin über Herman aus und bringt sie dazu, ihren Freund mit dem Auto abzuholen.
In Christines Abwesenheit findet er heraus, dass sie nicht nur einen, sondern schon drei Ehemänner überlebt hat. Langsam wächst in ihm der Verdacht, dass sie eine männermordende Hexe ist. Wer soll das nächste Opfer der schwarzen Witwe werden, er selbst oder Herman?

Kommentar

Paul Verhoeven (Showgirls) hat mit diesem Film ein faszinierendes Werk geschaffen, das künstlerischen Anspruch mit exploitation Elementen verbindet. Eine, teils subtile, teils dreist offensichtliche, Symbolik durchzieht die Handlung, häufig in Verbindung mit christlich-religiösen Motiven. Dabei gibt es ein paar Sequenzen, die sich den Vorwurf der Provokation um der Provokation willen gefallen lassen müssen, z.B. wenn Gerard in der Kirche anstelle der Jesusfigur den begehrten Herman am Kreuz hängen sieht und ihm buchstäblich an die Wäsche geht. Für mich persönlich passen diese Szenen aber zum Gesamtbild des Films, spiegelt sich doch darin auch die Charakteristika des Protagonisten wieder, der zwar einerseits offensichtlich dem Katholizismus anhängt, seinen Lebenswandel (Alkohol, Sex etc.) aber nicht nach entsprechenden Vorgaben führt.
Gerards Visonen vermischen sich mit der Realität und lassen das Publikum im Unklaren, wo Phantasterei aufhört und Vorahnung anfängt. Auch das Ende lässt sich unterschiedlich interpretieren, denn ob Christine tatsächlich verantwortlich für die Todesfälle ist oder einfach nur unbeschreibliches Pech mit ihren Männern hat, muß der Zuschauer für sich selbst entscheiden.
Der Film wird häufig mit Verhoevens 1992er Erotikthriller Basic Instinct assoziiert, da hier wie dort die Hauptperson an eine verführerische blonde Frau gerät, die möglicherweise mörderische Absichten hegt. Der Vergleich hinkt etwas, da die beiden Filme sich (bis auf einzelne Elemente) stilistisch und inhaltlich stark unterscheiden. Es finden sich aber auch noch Hinweise auf andere, spätere Werke des Regisseurs, etwa wenn Gerard einen Raum betritt und Christine sich im Vordergrund die Fingernägel lackiert; diese Szene findet sich einstellungsgetreu in Die totale Erinnerung wieder.
Die Darsteller geben keinen Grund zum Klagen. Jeroen Krabbé (Der Hauch des Todes) schafft es, dass das Publikum mit seinem Charakter (der sich weder optisch noch in seinem Verhalten zum Sympathieträger eignet) mitfiebert.
Renée Soutendijk (Abwärts) gibt die geheimnisvolle Blondine recht gut und kann auch in den wenigen Szenen überzeugen, in denen sie verletzlich und unschuldig wirken soll.
Thom Hoffman (Black Book, Tod im kalten Morgenlicht) bekommt kaum Gelegenheit schauspielerisch zu punkten, da Herman eigentlich nur als Katalysator für die Handlung dient. Immerhin fällt er aber nicht negativ auf.
Alle drei Hauptdarsteller zeigen sich sehr freizügig und unbefangen in Bezug auf sexuelle Handlungen (auch homoerotischer Natur).

Ich habe den Film mit 18 oder 19 Jahren zum ersten Mal gesehen, angelockt durch den Trailer auf einem Video, der viel nackte Haut und herausquellende Augäpfel versprach. Seit damals hat der Streifen für mich nichts von seinem Reiz verloren, funktioniert er doch als durchgestyltes, symbolträchtiges Kunstwerk ebenso gut wie als Mystery-Thriller mit Erotikeinlagen.

Filmreview von: Bad Moon / Alle Reviews von Bad Moon

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Der Film erschien seinerzeit auf Video bei VCL in einer ungekürzten FSK 18 Fassung und einer geschnittenen FSK 16 Version. Auf DVD gibt es ihn von EuroVideo in einer Box mit drei weiteren Frühwerken von Paul Verhoeven, allerdings wieder nur gekürzt.

Filmbewertung

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