Schneider's 2nd Stage
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Inhalt
Als Joe Barnett, ein Mann mittleren Alters, seinen Wagen irgendwo auf dem Lande parkt, klingelt plötzlich sein Handy, und eine ihm unbekannte Männerstimme trägt ihm auf, den Kofferraum zu öffnen. Dort findet der entsetzte Joe die Leiche eines zehnjährigen Mädchens. Diese Leiche, sagt der Fremde, sei voll von Joes DNA, und seine einzige Chance sei, sie verschwinden zu lassen. Joe läßt sich darauf ein. Doch damit liefert er sich dem Wahnsinn erst wirklich aus...
Kommentar
Als Charlie Chaplin 1921 seinen einstündigen Film „The Kid“ in die Kinos brachte, prophezeite ihm, so will es die Legende, der berühmte Lustspiel-Produzent Hal Roach einen unvermeidlichen Flop, schließlich, so dozierte Roach, könne eine Komödie nicht länger sein als maximal eine halbe Stunde, danach verflüchtige sich zwangsläufig das Interesse des Publikums. Nun, bekanntlich stellte sich rasch heraus, wie falsch Roach bei „The Kid“ lag, aber nichtsdestotrotz enthielt sein Irrtum einen wahren Kern, ist doch das Tempo das A und O einer Komödie, und nicht umsonst brauchen Komödien bis heute im Schnitt deutlich weniger Screen Time als z.B. Historienstreifen oder Melodramen. Anders und doch ähnlich verhält es sich mit dem Thriller. Ähnlich wie bei der Komödie sind beim Thriller Längen für die Gesamtwirkung besonders kontraproduktiv, doch anders als die Komödie benötigt ein Thriller in der Regel zumindest in seinem ersten Drittel Zeit, um die Handlung und vor allem die Figuren zu etablieren, denn ohne Anteilnahme für die Protagonisten ist ein wirklicher Spannungsaufbau kaum möglich. Während also eine kurze Laufzeit für Komödien kein Problem ist – im Gegenteil, denn bekanntlich lachen wir umso bereitwilliger über Personen, je weniger wir uns mit ihnen identifizieren –, gilt dies nicht für Thriller, und entsprechend hoch ist die Leistung von Regisseur und Drehbuchautor Phil Stoole einzuschätzen, dessen Debüt „Schneider’s 2nd Stage“ nur eine gute Viertelstunde lang ist und den Zuschauer trotzdem unmittelbar in ein Geschehen hineinzuziehen vermag, das für den Protagonisten Joe mit unerbittlicher Konsequenz zu einem immer umfassenderen und letztlich endgültigen Alptraum wird. Stoole zieht geschickt alle Register des Genres, die Kamera wird mit Joes zunehmender Verzweiflung und Panik immer hektischer, ähnlich effektiv unterstreicht die Tonspur seine immer blanker liegenden Nerven, und selbst wenn mitunter Klischees bemüht werden, folgen diese doch so Schlag auf Schlag, daß sie einen für die nun wieder zum Vorteil werdende kurze Spieldauer so gefangen nehmen wie in den Zeiten ihrer Etablierung.Am Ende ist die Sogwirkung des Films aber weniger der souveränen Regie geschuldet als seinem über weite Strecken einzigen Darsteller. Der Film liefert Kenneth Branagh, bekannt vor allem für seine Shakespeare-Inszenierungen und -Darstellungen, die Gelegenheit zu einer beeindruckenden Tour de Force, die den Zuschauer sofort mit Joe leiden läßt – bis zum bitteren Ende, das den Thrillerfreund im Nachhinein, gerade wenn er die Ohren zu spitzen versteht, nicht ganz so überraschend dünken möchte, wie es daherkommt, aber trotzdem seine Wirkung nicht verfehlt, zumal einem die übersichtliche Laufzeit ohnehin keine Gelegenheit gibt, über des Rätsels Lösung nachzudenken. Insofern ist es nicht allzu bedauerlich, daß das zeitweilige Internet-Gerücht, dem zufolge „Schneider’s 2nd Stage“ zu einem abendfüllenden Streifen ausgebaut werden sollte, wohl wirklich nur ein Gerücht war. Besser hätte Stoole es kaum machen können: Ohne Originalitätspreise zu verdienen, bietet sein Film in kürzester Zeit die Quintessenz eines gelungenen Psycho-Thrillers – und einen Triumph seines Hauptdarstellers Kenneth Branagh.
Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Kurzfilm ist in Deutschland bei Concorde Home Entertainment auf der Kurzfilmsammlung "Shocking Shorts 2 - 13 neue gefährlich gute Kurzfilme" auf englisch mit deutschen Untertiteln erschienen.
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Stand: 23.05.2012 03:10:59
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