Rebecca

Originaltitel: Rebecca
Alternativtitel: Rebekka
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  1940
Regie: Alfred Hitchcock

Darsteller

Figur

Joan Fontaine  Die zweite Mrs. de Winter
Laurence Olivier  Maxim de Winter
Judith Anderson  Mrs. Danvers
George Sanders  Jack Favell
Reginald Denny  Frank Crawley
Nigel Bruce  Giles Lacy
Gladys Cooper  Beatrice Lacy
Florence Bates  Mrs. van Hopper
C. Aubrey Smith  Colonel Julyan
  
Genre: Klassiker, Thriller
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Inhalt

Eine junge Gesellschafterin verliebt sich in Monte Carlo in den britischen Aristokraten Maxim de Winter, dessen Frau Rebecca ein Jahr zuvor bei einem Bootsunfall ertrunken ist. Das ungleiche Paar heiratet schnell, doch auf Maxims Anwesen Manderley ist der Schatten der Verstorbenen übermächtig, deren Andenken zudem von der ihrer toten Herrin völlig verfallenen Wirtschafterin Mrs Danvers am Leben gehalten wird. Die junge Frau droht zunehmend an ihrer Rolle als zweite Mrs de Winter zu verzweifeln, gleichzeitig entzieht sich ihr Maxim, der seinerseits noch von Rebecca beherrscht zu sein scheint, immer mehr. Als die Situation zu eskalieren droht, schleudert ein Sturm Rebeccas versunkene Yacht an die Küste. Unter Deck liegt Rebeccas Leiche, es stellt sich allerdings heraus, dass das Boot zum Kentern gebracht wurde. Wie kam Rebecca wirklich zu Tode? Und werden sich die de Winters doch noch von ihr befreien können?

Kommentar

„Rebecca“ ist ein Film zweier Alphamännchen. Wie die Handlung über weite Strecken einen ungleichen Machtkampf thematisiert, so ist der Film das Resultat eines Duells zweier Ausnahmekönner auf ihrem Gebiet. Nachdem Alfred Hitchcock von Großbritannien aus mit einer ganzen Reihe brillanter, ja innovativer Thriller auch in Amerika für Furore gesorgt hatte, holte der Produzent David O. Selznick, während er gerade mit „Vom Winde verweht“ den inflationsbereinigt bis heute (sorry, Herr Cameron) erfolgreichsten Film aller Zeiten in Arbeit hatte, den Engländer nach Hollywood, und bald einigten sich die beiden auf ihr erstes gemeinsames Projekt: die Leinwandadaption von Daphne du Mauriers Bestseller „Rebecca“. Harmonisch verlief ihre Zusammenarbeit allerdings nicht. Selznick betrachtete Regisseure – wie alle sonstigen Beteiligten – vor allem als Erfüllungsgehilfen des allmächtigen Produzenten, also seiner selbst; Hitchcock wiederum, obwohl innerhalb der Studiohierarchie in der eindeutig schlechteren Position, dachte gar nicht daran, sich zum Vollstrecker der zahllosen Memos – mal kürzere, meist längere Denkschriften mit Kritik, Vorgaben etc. – zu machen, mit denen Selznick seine Angestellten zu terrorisieren pflegte.

Häufig führt so ein unausgesprochener Machtkampf dazu, dass alle Beteiligten unter ihren Möglichkeiten bleiben und die gemeinsame Arbeit eine Enttäuschung wird. Das Wunder von „Rebecca“ ist aber, dass hier die Spannungen zwischen Hitchcock und Selznick eine Bündelung ihrer Talente und Stärken bewirkten, wiewohl Hitchcock die Hochglanzproduktion immer fremd blieb. „Rebecca“ ist Melodram und Thriller, Liebesgeschichte und Gerichtsfilm, zu Beginn fast eine Gesellschaftskomödie, am Ende ein Krimi, über weite Strecken sogar gotisch angehauchter Grusel: ein Gespensterfilm, der des Übernatürlichen nicht bedarf. Rebeccas Geist ist allgegenwärtig aufgrund ihrer noch post mortem wirksamen Herrschaft über die Vorstellungswelt der Charaktere (glücklicherweise verzichtet Hitchcock darauf, Rebecca – sei es in einem Rückblick, sei es auf einem Bild – zu zeigen: So bleibt sie als Leerstelle die perfekte Projektionsfläche); dazu erscheint die stets schwarzgekleidete Mrs Danvers, meisterhaft gespielt von Judith Anderson, als unheimliche, nahezu omnipräsente Sachwalterin ihrer toten Herrin (der lesbische Subtext ist unübersehbar), zumal man sie kaum gehen sieht: Plötzlich steht sie im Raum, und ebenso plötzlich ist sie wieder verschwunden. Diese psychologische Ebene ist Selznicks Einfluss zu danken, der auf Werktreue gegenüber dem – gleichwohl geschickt gestrafften – Roman bestand, während Hitchcocks erster Drehbuchentwurf sich eher frei an der Vorlage orientiert und (wie oft gerade in seinem frühen Schaffen) die Figuren dem Plot untergeordnet hatte. Hitchcock wiederum dämpfte Selznick dort, wo dieser, etwa bei der Gestaltung des Endes, allzu tief in die Kitschkiste greifen wollte. Außerdem bestimmte Hitchcock weitgehend Tempo und Rhythmus der Handlung, da er dank genauer Szenenplanung kaum mehr Material drehte als nötig und Selznick so nicht viele Möglichkeiten ließ, den Streifen im Schneideraum zu verändern.

Am stärksten ist sicher der Mittelteil des Films zwischen dem Eintreffen der de Winters auf Manderley und dem Beginn der gerichtlichen Untersuchung. Hier inszeniert Hitchcock, unterstützt von der Oscar-gekrönten Schwarz-Weiß-Fotografie George Barnes’, der immerhin nominierten Musik Franz Waxmans und dem verschwenderischen Produktionsdesign, Manderley mit subtil eingesetzten Mitteln des Genrefilms als Gespensterschloss (so auch schon in der Traumszene gleich zu Beginn), in dem sich die zweite Mrs de Winter, der nicht einmal ein Vorname gegönnt wird, in ihrer neuen, sie überfordernden Rolle immer verlorener fühlt und auch von ihrem Mann, der mit eigenen Dämonen zu kämpfen hat, keine Unterstützung erfährt, bis sie nach dem Auftauchen von Rebeccas Boot und der Enthüllung der wahren Vorgeschichte zu einer wirklichen Partnerschaft mit Maxim findet. Als junge Heroine lieferte die damalige Newcomerin Joan Fontaine, übrigens die kleine Schwester von Olivia de Havilland, eine ebenso charmante wie eindrucksvolle Vorstellung ab. Dabei wurde sie freilich ein frühes Regieopfer Hitchcocks, der seine Hauptdarstellerinnen (wovon Tippi Hedren ein besonders lautes Lied zu singen weiß) oft mit sadistischer Raffinesse zu quälen pflegte – nicht zuletzt zum Besten des jeweiligen Films, wenn dies den Meister denn entschuldigt. Joan Fontaine klagte gegenüber Hitchcock, dass ihr Co-Star Laurence Olivier sie ablehnte – was stimmte, zumal er lieber seine Frau Vivien Leigh in der Hauptrolle gesehen hätte –, woraufhin Hitchcock ihr erklärte, dass, mit Ausnahme von ihm selbst, jeder am Set sie hassen würde. Ihre Unsicherheit nahm entsprechend zu und passte hervorragend zum Zustand der von ihr gespielten Figur. Den Oscar erhielt sie zwar zur damaligen allgemeinen Überraschung nicht, dafür bekam sie – wohl nicht zuletzt als Entschuldigung – ein Jahr später die Goldstatue für ihren Auftritt in Hitchcocks „Verdacht“. Geradezu unverständlich ist, dass Judith Anderson ebenfalls mit einer Nominierung abgespeist wurde, und auch Laurence Olivier ging leer aus, sollte mit seinen Shakespeare-Verfilmungen in den Folgejahren aber noch abräumen. Sein nervös-cholerischer Maxim harmoniert bei allen persönlichen Differenzen sehr gut mit Joan Fontaine und ist auch für sich eine überzeugende Charakterstudie (leider verliert er ziemlich in der Synchronfassung), wiewohl aufgrund damaliger Moralvorstellungen die Vorgeschichte seiner Figur einigermaßen verfälscht wurde. Oliviers Spiel in der Offenbarungsszene lässt aber kaum einen Zweifel daran, dass zwischen dem Wollen der Film- und dem Handeln der Romanfigur nur ein schmaler Spalt besteht. Generell ist „Rebecca“ bis in die kleinste Nebenrolle hinein hervorragendes Schauspieler-Kino! Dass der Film ab der Gerichtssitzung an Atmosphäre einbüßt, kann man denn auch nachsehen, immerhin ist auch dieses letzte Drittel spannend und flott in Szene gesetzt, bietet George Sanders als Rebeccas schmierigem Cousin Gelegenheit zu einigen amüsanten Szenen, die deutlich Hitchcocks Handschrift tragen, und steigert am Ende noch einmal unverhofft – und gegen die Vorlage – die Spannung.

„Rebecca“ wurde unmittelbar nach seiner Premiere ein triumphaler Erfolg bei Publikum und Kritik, gekrönt mit dem Oscar für den besten Film des Jahres, den Selznick nach „Vom Winde verweht“ zum zweiten Mal in Folge entgegennehmen konnte. Für Hitchcock blieb es bei der Nominierung, und daran sollte sich bis zu seinem Tod nichts ändern – einen Regie-Oscar hat er nie gewonnen. Dies wirft gewiss ein bezeichnendes Licht auf die Urteilskraft der Academy, in diesem Fall jedoch ist die Entscheidung vielleicht sogar in gewissem Sinne nachvollziehbar, auch wenn es nicht die eigene gewesen wäre: Offensichtlich sah man in Hollywood „Rebecca“ eher als Selznick- denn als Hitchcock-Streifen. Tatsächlich ist „Rebecca“ ein eher ungewöhnlicher Film Hitchcocks, sein Ausflug ins große Hollywood-Melodram, und er kehrte rasch zu Sujets und Produktionsbedingungen zurück, in denen er sich heimischer und freier fühlte. Spricht das nun gegen „Rebecca“? Keinesfalls. Auf den Favoritenlisten der Hitchcock-Fans mag „Rebecca“ eher selten weit oben platziert sein, doch ist der Film schlicht ein Klassiker anderer Art: nämlich Hollywood at its best!

Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Der Film ist bei EuroVideo und bei FAM - Falcon Neue Medien auf DVD erschenen.

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