Man-Eater (Der Menschenfresser)
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Inhalt
Daniel, Carol, Arnold und seine schwangere Frau Mary wollen sich in Athen mit Carols Bruder Andy treffen, um von dort zu einem Segeltörn aufzubrechen. Unterwegs treffen sie auf Julie, die eine Mitfahrgelegenheit braucht um Bekannte zu besuchen, die auf einer abgelegenen Insel leben. Die Freunde haben nichts gegen einen kleinen Abstecher und gehen im Hafen der Insel vor Anker.
Sie finden die Ortschaft verlassen vor, können aber, da ein Sturm aufzieht, nicht wieder auslaufen.
Nun sind sie einer tödlichen Bedrohung ausgeliefert, denn auf der Insel geht ein wahnsinniger Killer um, der jeden abschlachtet, der ihm über den Weg läuft. Der Mann war nach einem Schiffbruch gezwungen, die Körper seiner Frau und des Sohnes zu essen um zu überleben und verlor darüber den Verstand.
Kommentar
Man-Eater, der berühmt-berüchtigte Italo-Schund-Schocker von Joe D'Amato (Ator 1 & 2); 30 Jahre hat er schon auf dem Buckel und wurde bereits bis zum Erbrechen* rezensiert, dennoch soll er, der Vollständigkeit halber, auch hier vorgestellt werden.*es soll ja Leute geben, bei denen hat der Film allein für selbiges gereicht!
Der Ruf als Blutorgie, der dem Streifen vorauseilt, liegt zum einen im Verbot der deutschen Kinofassung (als Video eingezogen zu werden war ja keine Kunst, aber nur eine Handvoll Kinofilme haben das geschafft) und zum anderen an zwei der Effektsequenzen, die immer wieder für Gesprächsstoff sorgen. Hier ist dann auch gleich erstmals Vorsicht geboten, denn die Nacherzählung weckt eine Erwartungshaltung, die der Film im Gesamtbild nicht einhalten wird.
Allein die Idee, den Kannibalen der Schwangeren den Fetus herausziehen zu lassen um dann hineinzubeißen, ist geschmacklos und offensichtlich nur auf den Ekeleffekt ausgerichtet; das Finale mit den Eingeweiden kaum mehr als unappetitlich. Zwar gibt es es noch 3-4 weitere Gewaltsequenzen, doch ein 90minütiges Non-Stop Massaker wird definitiv nicht geboten. Zahlreiche Gorehounds haben das Werk deshalb schon als schlicht "langweilig" verdammt (ein Problem, dass auch bei neueren Produktionen wie z.B. Hostel gelegentlich auftritt).
Positiv kann man vermerken, dass D'Amato zeitweilig eine unheimliche Atmosphäre erzeugt. Tatsächlich zeigt er hier & da sogar ein Gespür für die Regeln des Genres, etwa in der Szene, als Julie und Daniel nachts durch das Haus schleichen: erstmal wird die Spannung aufgebaut, durch die Katze auf dem Klavier ein schreckhaftes Zusammenzucken, erleichtertes Gelächter bei Protagonisten & Publikum und dann einen richtigen Schock, wenn das blinde Mädchen wie ein Kastenteufel aus dem Weinfass auftaucht.
Einschräkend muß ich aber festhalten, dass es auch einige zähe Momente gibt, was die ohnehin nicht gerade steile Spannungskurve immer wieder ausbremst.
Die Spezialeffekte sind, infolge des geringen Budgets, unterer Durchschnitt. Als Beispiel sei hier die Nahaufnahme erwähnt, in der ein Stück Fleisch aus dem Hals von Mark Bodin (Alien - Die Saat des Grauens kehrt zurück) gebissen wird: direkt neben der Wunde bleibt ein Abdruck der Nase des Man-Eaters zurück.
George Eastman (In der Gewalt der Zombies) überzeugt mit seiner beeindruckenden Statur und wirkt durchgehend bedrohlich; auch wenn er vielleicht kein außergewöhnlich talentierter Schauspieler ist, den Blick aus dem purer Irrsinn spricht kann er aus dem Effeff.
Tisa Farrow (Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies) spielt ganz ordentlich, setzt aber keine besonderen Akzente. Sie hat nach diesem Werk nur noch einen Film gedreht und sich dann ins Privatleben zurückgezogen.
Serena Grandi wird im Vorspann unter dem Pseudonym Vanessa Steiger geführt; sie ist vor allem für ihre späteren Erotikfilme bekannt (Miranda). Diesesmal bleibt die Bluse zugeknöpft und somit kann Serena nicht aus der Besetzung hervorstechen. 1987 traf sie in dem Giallo "Das unheimliche Auge" noch einmal auf George Eastman, dort allerdings mit sehr viel angenehmeren Folgen.
Zora Kerova (Die Rache der Kannibalen) zeigt immerhin etwas Motivation; leider ist ihr Charakter stellenweise ziemlich nervig. Ihre ursprüngliche Todesszene, in der ihr der Killer von hinten mit einem riesigen Messer den Hals durchschneidet, kam wegen technischer Mängel nicht in den Film, es gibt aber ein Aushangfoto davon und der Ausschnitt ihres schreienden Gesichtes wurde auf einigen internationalen Plakatmotiven verwendet.
Die übrigen Darsteller (ganz besonders die Herren der Schöpfung) beiben blass, und das ist noch sehr diplomatisch ausgedrückt.
In der deutschen Fassung wurden, aus unerfindlichen Gründen, einige Namen der handelnden Personen verändert.
Joe D'Amato & George Eastman widmeten sich schon ein Jahr später mit Absurd erneut dem Thema des durchgedrehten Massenmörders.
Zu seiner Zeit war der Film ein wahrer Schocker. Ich habe mittlerweile drei Personen im Bekanntenkreis, die (getrennt voneinander) berichten, nach dem Besuch des Streifens keine Horrorfilme mehr ansehen zu können. Aus heutiger Sicht scheint so eine Reaktion kaum mehr nachvollziehbar, aber vielleicht sind wir auch einfach nur abgestumpft.
Nun habe ich wieder das Problem mit der Bewertung. Zweifellos ein billiges, effekthascherisches, technisch minderbemitteltes Exploitationfilmchen, dass einerseits zwar versucht Spannung aufzubauen, andererseits aber mit dreist-ekelhaften Einfällen punkten will. Die gelungenen Momente plus 80er Jahre-Bonus summieren sich für mich auf knappe drei Schädel.
Filmreview von: Bad Moon / Alle Reviews von Bad Moon
Veröffentlichungen
Der Film erschien seinerzeit bei EuroVideo und ist (wie schon die Kinofassung) in einigen Handlungs- & Dialogsequenzen geschnitten, zusätzlich wurde die Fetusszene gekürzt. Im Laufe der Jahre gab es bei verschiedenen Labels Neuauflagen (häufig Bootlegs) die zum Teil die fehlenden Szenen beinhalten.
Auf DVD ist er von verschiedenen Anbietern auf den Markt gebracht worden, auch hier sind einige Bootlegs vertreten. Die FSK 16 Version von VZ-Medien ist in den Gewaltszenen sehr stark gekürzt, teilweise fehlen sie komplett.
Die Super 8 Fassung Piccolo Film ist bei manchen DVDs als Bonus enthalten.
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