The Wicker Man

Originaltitel: The Wicker Man
Alternativtitel: Anthony Shaffer's The Wicker Man
Herstellungsland: GroßbritannienGroßbritannien
Erscheinungsjahr:  1973
Regie: Robin Hardy

Darsteller

Figur

Edward Woodward  Sergeant Neil Howie
Christopher Lee  Lord Summerisle
Diane Cilento  Miss Rose
Britt Ekland  Willow
Ingrid Pitt  Bibliothekarin
Lindsay Kemp  Alder MacGreagor
Russell Waters  Hafenmeister
Aubrey Morris  Alter Gärtner / Totengräber
Irene Sunters  May Morrison
Walter Carr  Schulleiter
Gerry Cowper  Rowan Morrison
  
Genre: Grusel, Thriller
Sequels: The Wicker Man (1973)
Wicker Man - Ritual des Bösen (2006)
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Inhalt

Einem anonymen Hinweis nach ist die junge Rowan Morrison spurlos verschwunden. Für die Ermittlungen reist Sergeant Howie, ein aufrechter Christ, der für seine Prinzipien einsteht, mit einem Wasserflugzeug auf die schottische Insel Summerisle. Doch die Ermittlungen gestalten sich schwieriger als erwartet, die Dorfbewohner sind wenig gesprächsbereit, sie scheinen irgendetwas zu verheimlichen. Auch ihre freizügigen, heidnischen Gebräuche wirken auf den jungen Polizisten mehr als befremdlich. Nachdem die Bewohner erst die Existenz des gesuchten Mädchens verleugneten, behaupten sie nun, sie sei gestorben, doch im Grab liegt nur ein toter Hase. Nach Recherchen über keltische Riten glaubt Sergeant Howie, sie soll am 1. Mai wegen einer Missernte als Opfer dienen, doch ...

Kommentar

"The Wicker Man" ist eine echte Filmperle, die dem deutschen Kinopublikum leider vorenthalten wurde und hierzulande daher zu Unrecht eher unbekannt ist. Inspiriert von keltischen Ritualen wie dem namensgebenden Wicker Man, einem menschenähnlichen Weidengeflecht, worin Menschenopfer verbrannt wurden, schrieb Anthony Shaffer, der zuvor für Hitchcock das Drehbuch zu Frenzy verfasste, die Vorlage, wo ein Polizist auf eine schottische Insel kommt, wo heidnische Rituale praktiziert werden. Für Christopher Lee (Return of Captain Invincible oder Wer fürchtet sich vor Amerika?, Dracula - Nächte des Entsetzens), der hier als Lord den Anführer spielt, war dies dies beste Drehbuch, welches er bis dato gelesen hatte. Er war von dem Film so überzeugt, dass er und einige andere unentgeltlich mitwirkten, um den Film trotz des geringen Budgets realisieren zu können. Noch heute ist dies für ihn mit die beste Rolle seines Leben.

In der Hauptrolle glänzt Edward Woodward (Merlin und das Schwert) als jungen und sehr christlicher Polizist, der auf die befremdlichen Sitten der Insel fast schon verstört reagiert. Er versucht dem Geheimnis des verschwundenen Mädchens auf der Spur zu kommen, wobei sich die gesamten Inselbewohner gegen ihn verschworen haben. Schnell merkt er (und der Zuschauer), dass hier einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Lord offeriert ihm dann sogar offen, wie es dazu kam, dass das Christentum auf der Insel abgeschafft wurde und jetzt fast vergessene Gottheiten angebetet werden.

Aber auch die weiblichen Rollen sind interessant und namhaft besetzt. Die Schwedin Britt Ekland (Jack rechnet ab, Asylum) spielt die Tochter des Gastwirts. Sie war damals sehr populär und wurde engagiert, um auch in Amerika auf den Film aufmerksam zu machen. Sie wurde in der Originalfassung von Annie Ross synchronisiert. Besonders gelungen ist ihr Liebesgesang. Ich würde dies als sexuellen Akt mit dem Polizisten bezeichnen, wobei beide in verschiedenen Räumen sind. Sie singt sich nackt in Ekstase, wobei sie bei den nackten Tanzszenen ohne ihr Wissen teilweise gedoubelt wurde. Ingrid Pitt (Gruft der Vampire) ist leider nur in einer kleinen Nebenrolle als Bibliothekarin zu bewunden. Diane Cilento (Man nannte ihn Hombre), die damalige Ehefrau von Sean Connery und spätere Ehefrau von Anthony Shaffer, dem Autor dieses Films, ist als Lehrerin zu sehen.

Die Dreharbeiten fanden im Oktober und November 1972 in Dumfries und Galloway an der schottischen Küste statt (auch wenn die Handlung auf einer Insel spielt, wurde nur am Festland gedreht), wo es schon sehr kalt war. Die Handlung ist aber im Frühling angesiedelt, so dass die Darsteller bei den Außenaufnahmen in sommerlicher Bekleidung sehr frieren mussten. Damit der neblige Atem der Darsteller nicht zu sehen war, mussten diese Eiswürfel im Mund haben.

Der Film überzeugt von Anfang an durch seine dichte Atmosphäre und dem ständigen Gefühl, dass auf der Insel etwas Mysteriöses vor sich geht. Die befremdlichen Riten und Gebräuche sind durchwegs interessant und sind von Paul Giovanni musikalisch sehr gut untermalt, oftmals mit Kinderreimen, die eine tiefere Bedeutung haben. Generell ist die Musik hier ein wesentlicher Bestandteil, so dass stellenweise sogar Musical-Passagen vorkommen. Auch Christopher Lee, der eine Gesangsausbildung hat, darf seine Gesangsstimme zum Besten geben. Wirklich infernalisch ist dann aber das Ende, wo etliche Wahrheiten, die der Zuschauer zu wissen glaubt, umgekehrt werden.

Der Film hat mich von Anfang bis Ende fasziniert, er ist eine stimmige Mischung aus Horror, Grusel, Thriller, Drama und Musical, ein Film, der irgendwie anders ist und sich nicht in eine Schublade stecken lässt.

Und obwohl der Film heute als Meisterwerk des britischen Horrorkinos gilt und internationalen Kultstatus genießt, hatte er einen schweren Start. Der Film wurde von der British Lion Film Corporation produziert, die kurz nach Abschluss der Dreharbeiten an EMI verkauft wurden. Hier kam der Film nicht wirklich gut an und wurde seinerzeit nur gekürzt und ohne Marketing veröffentlicht, wodurch der kommerzielle Erfolg ausblieb. Hinzu kommt noch, dass sämtliche Negative vernichtet wurden, lediglich Roger Cormen hatte noch eine Langfassung des Films, da ihm der Film vor der Kürzung zur Vermarktung angeboten wurde, er letztendlich aber nicht genug geboten hat. Doch damit konnte zumindest der Director's Cut fast wieder hergestellt werden, lediglich eine Szene fehlt noch, in der Lord Summerisle über Äpfel spricht. Qualitativ unterscheiden sich jedoch die von der Fassung eingefügten Szenen, aber immerhin sind sie nicht verloren. In Deutschland wurde der Film 2009 erstmals veröffentlicht, und auch nur auf Englisch mit deutschen Untertiteln. Die DVD ist dennoch eine absolute Kaufempfehlung.

Fazit: Eine kleine Filmperle, die sich ihre verdiente Anerkennung erst mit den Jahren erkämpft hat und 2006 ein Remake mit Nicolas Cage erfuhr.

Für 2010 ist übrigens eine Fortsetzung unter dem Titel "The Wicker Tree" geplant, wo Robin Hardy erneut Regie führt und Christopher Lee wieder als Lord Summerisle zu sehen ist.

Filmreview von: Marcus Littwin / Alle Reviews von Marcus Littwin

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Der Film ist bei Kinowelt Home Entertainment als 2 Disc Special Edition in der Kinofassung und als Director's Cut auf Englisch mit deutschen Untertiteln erschienen.

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