Live!
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Inhalt
Der Filmemacher Rex dreht einen Dokumentarfilm über die ehrgeizige Katy. Sie wurde als Programmchefin bei dem TV-Sender ABN eingestellt, um die sinkenden Einschaltquoten zu bekämpfen.
Auf der Suche nach einer aufsehenerregenden, spektakulären Livesendung, wird sie durch die scherzhafte Bemerkung einer Kollegin auf die Idee zu einer Gameshow gebracht, bei der die Kandidaten 'Russisches Roulette' spielen sollen.
Katys Wunsch, die Geschichte des Fernsehens zu verändern muß mit den finanziellen Anforderungen und Imagevorstellungen der Chefetage unter einen Hut gebracht werden, vom Wiederstand der Zensurbehörde ganz zu schweigen. Nach und nach kann sie ihre Mitarbeiter, ihre Vorgesetzten, die Werbekunden und den Anwalt des Senders von ihrer Idee überzeugen. Katy schafft es sogar Rex in die Entwicklung der Sendung einzubinden. Die, durchaus kritische, Berichterstattung in den Medien fängt an das Interesse der Öffentlichkeit auf die Show zu lenken, nun gilt es geeignete Kandidaten zu finden.
Byron, Sohn aus reichem Haus mit schriftstellerischen Ambitionen, der seine fehlende Lebenserfahrung durch die Show aufholen will.
Jewel, ein Mädchen aus der Provinz das eine Karriere als Schauspielerin anstrebt und sich als Stripperin über Wasser hält.
Pablo, Sohn mexikanischer Einwanderer der seinen Traum Profitänzer zu werden aufgeben musste, nachdem er bei einem auf Schwulenhass begründeten Überfall schwer verletzt wurde.
Brad, Extremsportler, will nicht sein Leben mit einem Schreibtischjob verbringen.
Abalone, Performancekünstlerin und ehemaliges Topmodel, sieht ihre Mitwirkung als Ausdruck einer neuen ultimativen Kunstform.
Rick, hat seine vom Urgroßvater erschlossene Farm verschuldet, als sein Sohn eine teure, lebensnotwendige medizinische Behandlung brauchte.
Fünf von ihnen werden Millionäre sein; einer wird sein Leben verlieren.
Kommentar
"Komm ich jetz in Fernsehn?", an diesen Satz aus der Comedy-Sendung 'Die Wochenshow', die in den späten 90ern Erfolge feierte, denke ich oft wenn ich heute das TV-Gerät einschalte. Nichts ist zu absurd, um es vor der Öffentlichkeit auszubreiten, sobald die Kamera läuft wird das Gehirn (insbesondere das Peinlichkeits-Zentrum) ausgeschaltet. Getauschte Frauen, uneheliche Kinder, Wettbewerbe im Singen oder Kirschkernweitspucken, Schweinefarm oder Dschungelcamp, gestellte Gerichtsverhandlungen oder Schuldenberatungen; es findet sich für (fast) alles ein Publikum, und sei es nur um zu sehen, dass man selber noch nicht so tief gesunken ist.Live! zeigt uns nun einen leicht satirischen Blick auf den nächsten Schritt, sozusagen das fehlende Stück zwischen 'D.s.d.S.' und Running Man.
Aufgezogen ist der Film als Mockumentary, also eine vorgetäuschte Dokumentation. Die Kamera bleibt bewusst ein Beobachter, während Rex selber immer mehr in das Geschehen eingreift. Ausschnitte aus Talk-Sendungen und die Clips mit denen die Kandidaten vorgestellt werden sind dabei die einzigen Szenen, die die Perspektive wechseln, wir sehen das, was auch die Charaktere ansehen. Dieser Teil der Handlung ist sehr dialoglastig und unspektakulär. Katy überzeugt alle, hat für jeden die richtigen Argumente und lässt sich nie lange aus dem Konzept bringen. Einerseits wird sie damit zwar als eine Frau dargestellt, die ihr Geschäft bis ins kleinste Detail versteht und beherrscht und weiß welche Knöpfe sie drücken muß um an ihr Ziel zu kommen, andererseits wird es irgendwann langweilig, wenn sie in jeder Situation die richtigen Worte findet.
Der Blick hinter die Kulissen des quotengesteuerten TV-Geschäftes zeigt wenig Überraschendes, ist aber mit einer kräftigen Prise Ironie gewürzt.
Dann erleben wir die Premiere der Show und obwohl immer wieder kurze Zwischenschnitte hinter die Kulissen, in den Regieraum und ins Pulikum daran erinnern, dass wir ja eigentlich neutrale Beobachter sein sollen, beginnt man doch dem Verlauf des Spiels mitzufiebern. Eben hatten wir noch gedacht, gäbe es diese Sendung wirklich, würden wir uns das niemals ansehen, und jetzt haben wir plötzlich einen Favoriten dem wir die Daumen drücken (oder auch einen Underdog dem wir keine Träne nachweinen würden). Im wahren Leben wären die Spielregeln allerdings nicht wirklich praktikabel: was macht man mit der verbleibenden Sendezeit, wenn es gleich den ersten Kandidaten erwischt? Wenn die ersten 5 überleben, muß der letzte dann trotzdem noch abdrücken, und wer soll ihn dazu zwingen?
Das Ende bemüht mal wieder das alte Sprichwort "Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen!"
Keinen Grund zur Klage geben die Darsteller. Eva Mendes (Ghost Rider, The Spirit) spielt die eifrige Katy und lässt in einigen Szenen kurz das enthusiastische kleine Mädchen durchblicken, dass in dem Charakter versteckt ist. Leider wurden im Drehbuch zwar Katys Beweggründe erklärt, eine wirklich glaubwürdige Motivation ist aber nicht zu sehen, da sie beinahe immer für ihr jeweiliges Gegenüber agiert und es manipuliert.
Bei den Kandidaten wurde auf die ganz großen Namen verzichtet, ein paar bekannte Gesichter sind aber vertreten.
Jay Hernandez (Hostel 1 & 2) hat mich mit seiner Darstellung angenehm überrascht.
Katie Cassidy (96 Hours) kann ebenfalls überzeugen, besonders währen der Livesendung spielt sie sehr nuanciert.
Eric Lively (The Breed) gibt zunächst den Sonnyboy, schlägt aber später auch ruhigere Töne an.
Jeffrey Dean Morgan (Watchmen - Die Wächter) ist sowieso immer gut.
Aufgrund der unspektakulären Inszenierung ohne Spezialeffekte und der eher leisen satirischen Töne dürfte der Film es schwer haben, ein größeres Publikum anzusprechen, was ein wenig schade ist, denn: gäbe es "Live!" wirklich, wäre es ein Straßenfeger. Das ist die wahre Ironie.
Filmreview von: Bad Moon / Alle Reviews von Bad Moon
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist bei Kinowelt Home Entertainment auf DVD erschienen.
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