Die Flut - Wenn das Meer die Städte verschlingt
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Inhalt
Der Zufall spielt manchmal im Leben eine mehr als gewichtige Rolle, wenn ein Sturm, vom Atlantischen Ozean heranziehend, ausgerechnet auf solche Wetterbedingungen trifft, die eine gewaltige Flutwelle auslösen. Und diese wälzt sich unaufhaltsam vorwärts, über Schottland hinweg und auf London zu. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in einem verzweifelten Versuch, die Stadt vor dem Untergang zu bewahren...
Kommentar
Auf diesen Film bin ich wieder mal zufällig beim Stöbern gestoßen, was ich gerne mache, gerade wenn ich in Kaufhäusern unterwegs bin. Da fiel mir dieser Titel in die Hände und erweckte auch sogleich mein Interesse. Zugegeben, das Covermotiv ist auch ziemlich reißerisch, eine Stadt, die in den Fluten versinkt. Und das ist kein großes Blockbusterkino, sondern eine zweiteilige TV-Produktion, an der RTL beteiligt war, wobei das nicht bedeutet, daß die Effekte deshalb billig sein müssen. Ich habe schon einige aufwendige TV-Produktionen gesehen, die sich gerade im Katastrophenbereich nicht hinter Kinofilmen verstecken müssen, im Gegenteil, arbeiten sie gerade neben den Effekten oft auch die menschlichen Schicksale und Dramen besser und detaillierter heraus. Was also bietet dieser Film?
Auf jeden Fall Katastrophenkino vom Feinsten. Abgesehen von der Länge merkt man hier nicht, daß es sich "nur" um ein TV-Produkt handelt, die Flutwelle und die Konsequenzen der Wassermassen sind gut umgesetzt, auf hohem Niveau, was zu keiner Zeit billig oder unecht wirkt. Ebenso beeindruckend der Kampf der Protagonisten gegen das Wasser, im Wettlauf gegen die Zeit, was nicht nur spektakulär effektreich, sondern auch sehr spannend umgesetzt wurde.
Auch die Charaktere bleiben nicht blaß in diesem Film. Man findet hier zwar nicht die A-Riege der Schauspielzunft, aber die Charaktere sind glaubhaft und gut gespielt, so daß man durchaus mit ihnen fühlen kann. Natürlich bleibt auch das fast schon gängige Klischee nicht aus, der Held und seine Ex-Frau, die durch die Katastrophe wieder zusammen finden. Entweder das, oder es kommt zu einer Trennung für die Geliebte - ein normales, glückliches Ehepaar scheint ein Hollywood und darüber hinaus einfach nicht Publikumwirksam zu sein. Jedenfalls ist doch auffallend, wie oft gerade dieses Klischee kaputter Ehen in Katastrophenfilmen bemüht wird, zu den großen auch noch die kleinen Katastrophen.
Wie auch immer, das tut der Spannung hier jedenfalls keinen Abbruch. Und gleichfalls empfinde ich den Film auch nicht künstlich aufgebläht, die Handlung von 186 Minuten (in einigen Ländern erschien nur eine gekürzte Fassung, bei uns zum Glück jedoch nicht) wird zu keiner Zeit langweilig. Die Katastrophe wird langsam aufgebaut und kommt dann um so wuchtiger, die Handlung bleibt aber plausibel, ein "was wäre, wenn..." Szenario, das nicht ganz unrealistisch ist. Küstenüberschwemmungen hat es schon öfter gegeben, auch bei uns in Deutschland.
Der Film spielt auf mehreren Ebenen. Von den Einzelschicksalen, stellvertretend für Tausende anderer in der Katastrophe, bis hin in die höchsten politischen Kreise wird gezeigt, was die Katastrophe bewirkt, vom Überlebenskampf der Einzelnen bis hin zur Hilflosigkeit der Politiker und Verantwortlichen. Letzteres kommt hier auch ohne die üblichen Klischees aus, sture, verantwortungslose Köpfe hat man sich hier geschenkt, wenn auch unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen. Verantwortungen und Fehler mit tragischen Konsequenzen, aber auch Schuldeingeständnisse. Und der Kampf mit allen Mitteln, was auch tragische Entscheidungen mit einschließt, wenn viele Menschen aufgegeben werden müssen, um noch mehr zu retten.
Bei den Einzelpersonen werden verschiedene Schicksale ausführlich dargestellt, mit einer Dramatik, die bis an die Grenzen geht und mich beim ersten ansehen beinahe Fingernägel gekostet hätte. Ein Beispiel dafür will ich benennen, welches ganz deutlich zeigt, daß hier wenig mit Happy End gearbeitet wird - Opfer gibt es in allen Kreisen, bis zum konsequenten, tragischen Ende. Aber an dieser Stelle ist es ein Vater mit seiner Tochter, die versuchen einer Tiefgarage zu entkommen, die langsam mit Wasser volläuft. Auf dem Weg sehen sie eine in einem Auto eingeklemmte junge Frau, die zu ertrinken droht. Während das Mädchen den Kopf der Frau über Wasser hält, versucht der Vater sie zu befreien. Doch das mißlingt, die Frau ertrinkt in den Armen des Mädchens.
Dabei muß ich an Horrorfilme denken. Weil nichts so furchtbar ist wie etwas so Realistisches, egal wie in Horrorfilmen gemeuchelt wird. So etwas berührt und schockt mich tausend Mal mehr, man hofft und bangt, daß die Frau gerettet wird, und dann das. Selten habe ich so konsequent tragische Szenen in Katastrophenfilmen gesehen wie hier, und das in Kombination mit tollen Effekten, wenn man dem langsamen Untergang von London zusieht, der sehr realistisch umgesetzt wurde.
Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch noch die Musik, welche die Atmosphäre wunderbar unterstützt. Zu jeder Zeit. Und am Ende gibt es noch richtig Gänsehaut, wenn zu den tragischen Bildern von Elend und Tod die Stimme von Hayley Westenra ertönt, die der Tragik noch eine tiefere Dimension verleiht. Dieser Song paßt da einfach so wunderbar und ist so schön wie traurig, daß ich ihn einfach erwähnen muß. Absolut ergreifend - ohne jeden negativen Herz-Schmerz-Schmalz.
Fazit: Für mich ist das hier einer der besten und vor allem intensivsten Katastrophenfilme überhaupt. Wirklich selten hat mich ein Film dieses Genres so mitgerissen und bewegt, das ist gefühltes Katastrophenkino - obwohl "nur" als TV-Produktion - pur. Eine ganz klare Empfehlung an jeden Fan dieses Genres, unbedingt anschauen!
Filmreview von: Gandalf01 / Alle Reviews von Gandalf01
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist bei Concorde Home Video auf DVD erschienen.
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Stand: 30.07.2010 13:18:41
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