Tarzans Vergeltung

Originaltitel: Tarzan and his Mate
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  1934
Regie: Cedric Gibbons
Jack Conway
James C. McKay

Darsteller

Figur

Johnny Weissmuller  Tarzan
Maureen O'Sullivan  Jane Parker
Neil Hamilton  Harry Holt
Paul Cavanagh  Martin Arlington
Forrester Harvey  Beamish
Nathan Curry  Saidi
Doris Lloyd  Mrs. Cutten
  
Genre: Klassiker, Tierhorror
Sequels: Tarzan und die Nazis (1943)
Tarzan, Bezwinger der Wüste (1943)
Tarzans Vergeltung (1934)
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Inhalt

Der Abenteurer Harry Holt stand am Ende von „Tarzan, the Ape Man“ (1932) mit gleich doppelt leeren Händen da: Obwohl er den im tiefsten Urwald verborgenen Elefantenfriedhof entdeckt hatte, konnte er nicht einen Stoßzahn mit nach Hause nehmen, und seine geliebte Jane verlor er an den Lianenschwinger Tarzan. Zusammen mit seinem zwielichtigen Freund Arlington startet Holt eine neue Expedition, um sowohl das Elfenbein als auch Jane zu gewinnen. Auch Arlington wird schnell bezüglich des Elfenbeins, dessen Abtransport Tarzan untersagt, wie im Hinblick auf Jane zum Konkurrenten für den Dschungelmann – und anders als Holt ist ihm in diesem Kampf jedes Mittel recht ...

Kommentar

Mit dem ersten Tarzan-Tonfilm „Tarzan, the Ape Man“ hatte das Edel-Studio MGM einen der größten Hits des Jahres 1932 gelandet und den schauspielerisch eher unbeschlagenen Jahrhundertschwimmer Johnny Weissmuller zum Kinostar gemacht. Dennoch ließ sich die Studioleitung mit einem Sequel Zeit, schließlich war sie weder im Besitz der alleinigen Filmrechte noch sonst vor Nachahmern sicher. Bereits 1933 brachte Paramount den Abenteuerfilm „King of the Jungle“ heraus, in dem Buster Crabbe, ebenfalls ein Schwimm-Idol, den leichtbeschürzten „Löwenmann“ Kaspa spielte, und noch im gleichen Jahr produzierte Sol Lesser das Serial „Tarzan the Fearless“, wieder mit Crabbe in der Hauptrolle: eine kostengünstige Variation des MGM-Streifens, die aber von Publikum und Kritik nicht angenommen wurde, wie auch Paramounts Kaspa nicht in Serie ging. Mit Weissmuller unter Exklusivvertrag hatte MGM offenbar keine Konkurrenz zu fürchten, und so begann man just in dem Monat, in dem „Tarzan the Fearless“ Premiere feierte, mit den Dreharbeiten zu einer eigenen Fortsetzung. Man behielt das Erfolgsrezept bei, reaktivierte neben Weissmuller und „Jane“ Maureen O’Sullivan auch wieder Neil Hamilton als Tarzans Nebenbuhler Holt, und die Story ist weitgehend eine Reprise des ersten Teils – mit dem einzigen relevanten Unterschied, dass Jane nun von Anfang an im Dschungel lebt; ansonsten sind die persönlichen Konflikte ebenso etabliert wie das Ziel der Expedition. Folgte man inhaltlich den bewährten, allerdings noch nicht so abgenutzten Schablonen (diese Formelhaftigkeit wurde schnell zum Trend und ist wohl ein Hauptgrund für den schnellen Abstieg der Figur in B-Film-Gefilde), setzte man dagegen im Bereich der Umsetzung neue Maßstäbe. In nahezu jeder Szene versucht der Film augenscheinlich, seinen Vorgänger zu überbieten, und das gelingt ihm durchgehend (besonders bildgewaltig ist etwa die Szene, in der Tarzan eine riesige Elefantenherde zum Friedhof der Dickhäuter führt, um dessen Plünderung zu verhindern), ohne je überladen oder überambitioniert zu wirken, was vor allem der souveränen Inszenierung zu danken ist, die sich hier gleich drei Regisseure teilten: Der im Vorspann einzig genannte Cedric Gibbons, hauptberuflich MGMs zigfach Oscar-gekrönter Chefausstatter, wurde bereits nach kurzer Zeit durch Jack Conway ersetzt, zudem erinnerte sich Maureen O’Sullivan gut an James C. McKay auf dem Regiestuhl. So wurde „Tarzan and his Mate“ nach Meinung vieler zu Tarzans bestem Leinwandauftritt, tatsächlich ist er die Summe der vorherigen und ihm noch folgenden Streifen um den von Edgar Rice Burroughs erschaffenen Helden und vielleicht auch der letzte Film, in dem alles, was bald zur Routine, ja zum (selbst)parodistischen Klischee wurde, noch urwüchsig, frisch und authentisch wirkt, wiewohl natürlich auch hier keine einzige Szene in Afrika gedreht wurde.

„Tarzan and his Mate“ sollte aber nicht nur den ersten MGM-Film in den Schatten stellen; viel deutet darauf hin, dass sich seine Macher die Konkurrenzproduktionen genau angesehen und nicht nur ihre Fehler, sondern auch ihre Stärken erkannt und daraus ihre Schlüsse gezogen haben. Das große Thema des gar nicht mal schlechten „King of the Jungle“ ist das – für einen Abenteuerfilm der damaligen Zeit erstaunlich ernsthaft behandelte – Aufeinanderprallen des Naturburschen Kaspa mit der Zivilisation: Er wird nach Amerika entführt, wo mehr als die Hälfte des Films spielt, bevor er am Ende nach Afrika zurückkehrt. Es dauerte zwar noch einige Filme, bis MGM auch Tarzan über den Atlantik schickte, doch kommt es in „Tarzan and his Mate“ deutlicher, als dies in „Tarzan, the Ape Man“ der Fall gewesen war, zur Konfrontation des „edlen Wilden“ mit der Zivilisation und entsprechend wohlfeiler Kritik an letzterer – besonders in der Figur des ebenso glatten wie skrupellosen Arlington. Nicht nur, dass die Expedition einzig die ökonomische Ausbeutung der Natur im Sinn hat und sich um deren Würde herzlich wenig schert: Darüber hinaus versucht Holt, Jane mit Luxusgütern zu einer Rückkehr nach Europa zu bewegen, was natürlich umgehend Tarzans Missfallen erregt. In einem der atmosphärischsten Momente des Films nähert er sich einem im nächtlichen Urwald spielenden Grammophon wie einem bedrohlichen Tier – eine Szene, die sich ähnlich schon in „Tarzan the Fearless“ fand, in der Buster Crabbe allerdings noch erschrocken vor den fremden Klängen zurückgesprungen war. Wird dieses Motiv im MGM-Sequel wesentlich wirkungsvoller verarbeitet, gilt das auch für das später geradezu regelmäßige Krokodil-Kräftemessen. War Weissmuller bei seinem ersten Einsatz noch mit den Reptilien um die Wette geschwommen, hatte Crabbe schon mit einem kämpfen müssen, wobei die Kamera aber stets über Wasser geblieben war; nun zeigte MGM, wie man so etwas richtig umsetzt, und bot ausgiebige actionreiche Unterwasseraufnahmen. Was das Tier-Spektakel angeht, hatte „King of the Jungle“ wiederum eine Reihe aufwendiger Szenen vor allem mit Raubkatzen zu bieten, und so ist es sicher kein Zufall, dass sich Tarzan und Jane im Finale von „Tarzan and his Mate“ nicht nur des obligatorischen Urwaldstamms, sondern auch zahlreicher Löwen zu erwehren haben. Hier sollte der Konkurrenz wohl endgültig klargemacht werden, wer König im Dschungel ist, und tatsächlich scheiterten auch spätere Versuche Sol Lessers und selbst Edgar Rice Burroughs’, eigene Tarzan-Reihen zu etablieren, bis MGM die Serie nach sechs Filmen trotz anhaltenden Erfolgs aufgab und Lesser sie sozusagen samt Weissmuller übernahm.

Die wohl größte Stärke des Films ist bislang noch ungenannt geblieben, und auch sein nichtssagender deutscher Name „Tarzans Vergeltung“ unterschlägt sie, anders als der Originaltitel „Tarzan and his Mate“; allerdings wäre der einfachste und beste Titel schlicht „Tarzan & Jane“ gewesen, denn der Film ist mit wenigstens ebenso großem Recht ein Jane- als wie Tarzan-Film. Zwar überzeugt Weissmuller – dank geschickter Inszenierung und durchaus vorhandener Leinwandpräsenz auch ohne bemerkenswertes schauspielerisches Potential – völlig als Herr der Wildnis, doch der Star des Streifens ist eindeutig Maureen O’Sullivan (übrigens die Mutter von Mia Farrow) als seine Gefährtin: Ihre Jane ist das Zentrum der Handlung, stets glaubwürdig und stark in ihrer Entscheidung für ein Leben jenseits der gesellschaftlichen Bande, dabei überaus charmant und wunderschön anzusehen. Zudem zeigt kein Film so explizit wie dieser, dass ihre Beziehung zu Tarzan nicht zuletzt eine sexuelle ist; Jane ist meist so knapp bekleidet, wie es die Zensur danach nie mehr zuließ, es gibt eine eindeutige „Am Morgen danach“-Szene zwischen Tarzan und Jane, an deren Ende Tarzan ihr ein von Holt verehrtes Abendkleid vom Leib reißt, woran sich eine berühmte – und damals herausgeschnittene – Nacktbadeszene anschließt (in der allerdings nicht Maureen O’Sullivan, sondern ihr Unterwasser-Double Josephine McKim zu sehen ist). Das verursachte selbstredend einigen Ärger von Seiten der selbsternannten Tugendwächter, deren wachsender Einfluss sich in den Folgefilmen nicht nur an Janes züchtiger werdender Bekleidung manifestierte: Bereits wenige Jahre später durfte Boy nicht Tarzans und Janes leiblicher Sohn sein, weil sie nie geheiratet hatten, und Tarzan wurde zum bieder-gesetzten Familienmenschen. Dazu ist „Tarzan and his Mate“ noch um einiges brutaler als seine zunehmend domestizierten Nachfolger, diverse Szenen erreichen schon Tierhorrorqualitäten, und selbst ein großer Sympathieträger des Publikums muss dran glauben. Einziger Störfaktor ist die Jane-Version des berühmten Tarzan-Schreis, die – wie auch Weissmullers eigenes Jodeln – arg inflationär zu Gehör gebracht wird, wie Jane generell allzu häufig wilden Tieren vor die Fänge gerät – aber schließlich braucht Tarzan ja auch angemessene Gegner …

Gewiss haben andere Filmfiguren die Zeiten besser überdauert als Tarzan; nichtsdestotrotz ist er aus der Geschichte des Abenteuerfilms nicht wegzudenken. In ihren besten Momenten haben die Tarzan-Streifen die Maßstäbe des Genres gesetzt, die es daraufhin zu überbieten galt, und zumindest die besseren Dschungelheuler sind in Würde gealtert und gestatten uns kurzweilige Zeitreisen in eine Popkultur, in der die Zuschauerträume noch schwarzweiß waren. Für keinen Film der langlebigen Reihe gilt dies in so hohem Maße wie für „Tarzan and his Mate“.

Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Der Film ist bei Warner Home Video zusammen mit „Tarzan und sein Sohn“ auf DVD erschienen. Er ist außerdem Bestandteil von Warners „Tarzan Collection“, die alle sechs MGM-Tarzanfilme enthält.

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