Das Haus an der Friedhofmauer
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Inhalt
Dr. Norman Boyle, ein junger Historiker, zieht mit seiner Familie von New York nach Neu England um, um dort Forschungen fortzuführen, die er in New York begonnen hatte. In dem Haus, das die Familie bezieht, hatte der voroge Besitzer Selbstmord begangen, seither stand das Haus leer und in schlechtem Ruf. Es wird erzählt, daß vor über hundert Jahren ein gewisser Dr. Freundenstein darin gelebt und furchtbare Experimente durchgeführt hat. Als die Ehefrau von Norman einen Sarg findet und unheimliche Geräusche aus dem Keller dringen nimmt das Grauen seinen Lauf...
Kommentar
Lucio Fulci ist in Fankreisen nun wirklich ein Begriff. Denn der Mann hat ein bestimmtes Horrorgenre mitgeprägt, nämlich jenes des derben Horrors mit explizitem Splatter, was uns seit den 80er Jahren immer wieder beschert wird. Tatsächlich ist dabei Fulcio mit George A. Romero und Dario Argento der meistgenannte Namen, diese drei Regisseure haben seit dem Ende der 70er Jahre das Horrorgenre praktisch revolutioniert und eine Härte hineingebracht, die es so vorher nicht zu sehen gab. Das führte allerdings auch zu einer gerade bei uns beispiellosen Welle von Indizierungen und Beschlagnahmungen, so daß eine ganze Reihe dieser Filme heute nur noch schwer oder gar nicht mehr zu bekommen sind. Eine mehr als traurige Tatsache.Das Haus an der Friedhofsmauer gehört glücklicherweise nicht dazu. Ich habe diesen Film, wie auch den Rest dieses Genres, erst jetzt für mich entdeckt und schreibe dieses Review daher nach dem erstmaligen Ansehen des Films. Da wirkt er natürlich um so intensiver, wobei die Handschrift von Fulcio bereits deutlich zu erkennen ist. Denn da, wo andere Filme aufhören und ausblenden, da fangen seine Filme erst an. Und das muß man wissen, wenn man sich auf solche Regisseure einläßt, sie halten mit der Kamera gnadenlos drauf, wenn es derb wird, gerade die Mord- bzw Splatterszenen fallen entsprechen intensiv aus. Und die Kamera ist meist ganz nah dabei.
Das kann man nun mögen oder nicht, aber wem es zu brutal ist, der schaut sich solche Filme auch nicht an. Die Effekte waren hier keinesfalls billig, oder wirkten unecht, gerade für dieses Alter. Im Gegenteil, die Mordszenen gehen wirklich an die Nieren - mir jedenfalls, bei diesem ersten Ansehen. Somit hat der Film gehalten, was ein Lucio versprochen hat, hier wird nichts beschönigt oder weggelassen, das, was passiert, sieht man in seiner ganzen Grausamkeit.
Die Geschichte ist zwar nicht innovativ, aber dennoch gut umgesetzt, mit dem unheimlichen Haus, in dem früher ein Arzt sein Unwesen getrieben hat mit grausamen Experimenten an Menschen. Was dann im Film daraus gemacht wird ist eine Art Zombiehorror, wobei dieser Zombie allerdings aus dem üblichen Rahmen herausfällt. Denn er ist kein hirnloses Monster, das nur fressen will, sondern er bringt seine Opfer um wie ein Mensch, wodurch die Morde nur um so schrecklicher rüberkommen. Und was auch bezeichnend ist, die üblichen Konventionen, wer Opfer ist und wer nicht, gelten hier nicht. Wenn man sonst schon am Anfang weiß, wer überleben wird - hier kann man das getrost vergessen mit dem Motto, niemand ist sicher, nicht einmal Kinder. Das macht den Horror nur noch um so derber.
Dennoch gibt es auch Mängel in diesem Film. Es sei denn, man kann Logik und Verstand völlig ausschalten. Doch bei mir tauchten Fragen auf, Fragen wie, warum vermißt niemand die Maklerin, die im Haus ermordet wird? Wie kann es sein, daß die Blutspuren von ihr einfach kommentarlos weggewischt werden und niemand alarmiert ist? Und als das Kindermädchen umgebracht wird, direkt hinter der Kellertür, warum ist kein Blut da, obwohl es nur so gespritzt hat? Oder hat es der Mörder noch schnell weggeputzt, bevor der Junge wenige Augenblicke später den Keller betrat? Seltsam ist auch, daß die Kellertür stets eingerostet und nicht zu öffnen ist, außer, wenn es gerade dramaturgisch in den Film paßt...
An solchen Gegebenheiten darf man sich nicht stören, auf Logik wurde offensichtlich keinen Wert gelegt. Macht auch nichts, der Film weiß auf seine Weise überzeugend zu "unterhalten". Wer auf harten Horror steht, der ist hier jedenfalls richtig, und erstaunlicherweise sogar in der deutschen Fassung ungekürzt. Zwar indiziert, aber nicht beschlagnahmt, obwohl auch dieser Film teils deutlich drastischer ist als beschlagnahmte Filme wie Halloween 2 - Das Grauen kehrt zurück oder Die Rückkehr der Zombies. Aber das verstehe alles wie immer wer will.
Die Schauspieler sind mir alle gänzlich unbekannt, es ist ja ein italienischer Film. Aber sie machen ihre Sache gut und bringen den Schrecken gut rüber. Auch das Monster ist recht gut dargestellt, wenn auch nicht vergleichbar mit den Zombies von Romero, der das Zombiegenre perfektioniert hat. Aber visuell und musikalisch paßt alles wunderbar zusammen. Zwar wurde der Film in Mono produziert, was tontechnisch nicht viel hergibt, aber im Breitwandformat, worauf zu achten ist, um das Gesamtbild des Films auf dem Schirm zu haben.
Ach ja, etwas muß ich auch noch erwähnen. Einen markanten Unterschied zwischen Fulcio und Romero. Denn egal wie hoch sie ihren Gewaltgrad auch schrauben, etwas unterschiedet sie doch. Denn während bei Romero überwiegend Männer abgeschlachtet werden, bringt Fulcio den Ausgleich mit Frauen. Zumindest in diesem Film überwiegen die weiblichen Opfer deutlich. Ebenso bezeichnend für Fulcio ist, daß seine Filme kaum Raum für Hoffnung lassen, so viel kann ich schon feststellen. Ob in Die Geisterstadt der Zombies
oder hier, auf kitschige Happy Ends braucht man nicht zu warten. Aber auch das macht gerade mit den Reiz dieser Filme aus, die sich weit weg von den üblichen Konventionen bewegen und nicht nur mit den blutigen Einlagen allein schocken.
Fazit: Für mich ein gelungener Einstand in die Welt des Lucio Fulci, die Logiklöcher verzeihe ich hier gerne aufgrund der guten Umsetzung und mehr als spannenden Geschichte. Für Fans auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man eben auf solch harten Horror steht.
Filmreview von: Gandalf01 / Alle Reviews von Gandalf01

Veröffentlichungen
Der Film ist bei verschiedenen Anbietern auf VHS und DVD erschienen, u.a. bei Laser Paradise, CMV-Laservision, Astro und '84 Entertainment.
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