Supergirl
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Inhalt
Eine lebenswichtige Energiegugel kommt in der Dimension abhanden, in der die Cousine von Superman, Kara, lebt. Daher macht sie sich auf, um die Kugel wiederzufinden und landet wie Superman auf der Erde. Doch die Suche gestaltet sich alles andere als einfach, da die Kugel ausgerechnet einer Superschurkin in die Hände fällt, die dadurch an große Macht gelant. Ein Kampf um das Schicksal der Erde entbrennt...
Kommentar
Zuerst einmal einige Worte zum Film selbst. Supergirl entstand 1984, nach den ersten drei Superman Filmen mit Christopher Reeve, von denen zumindest die ersten beiden Teile große Erfolge waren. Das gleiche Produktionsteam versuchte sich dann auch an dieser Alternative, wobei man allerdings sieht, daß der Zenit bereits überschritten war, nachdem schon Teil 3 der Superman Serie nicht mehr an die vorigen Erfolge anknüpfen konnte. Und so backte man auch bei Supergirl kleinere Brötchen, was nicht heißen soll, daß es deshalb ein schlechter Film wurde. Nur ein paar Nummern kleiner. Wo in Superman noch große Bedrohungen wie Raketen und Erdbeben die Bedrohung waren, so ist es hier z. B. ein Amok fahrender, herrenloser Bagger, der aufgehalten werden muß. Und eine größenwahnsinnige Frau, die sich zur Herrscherin der Welt aufschwingen will, toll verkörpert von der großen Faye Dunaway.Helen Slater als Supergirl ist eine Augenweide. Leider hatte sie keinen großen Erfolg als Schauspielerin, obwohl sie in vielen Filmen mitwirkte. Supergirl war eine ihrer größten Rollen, und da wirkte sie einfach toll. Da hab ich mich damals schon beim ersten ansehen ein wenig in sie verknallt...
Die Effekte im Film sind meist gut gelungen, gerade auch die Flugszenen. Diese sind auf dem Niveau der Superman Filme, zwar nicht perfekt, was die damalige Tricktechnik einfach noch nicht vermochte, aber gut. Bei den Monstern stieß man dagegen scheinbar schon an Grenzen, der Endgegner kam zwar ganz gut rüber, das unsichtbare Monster dagegen hatte den Nachteil eben unsichtbar zu sein. Für mich kam das nicht sonderlich gut rüber - zumindest sparte man aber Geld hier etwas darstellen zu müssen.
Völlig daneben empfand ich die uninspirierte, um nicht zu sagen, kitschige, Liebesgeschichte. Das hätte man etwas plausibler gestalten können, aber der Liebeszauber, auf den Supergirl dann sofort eingeht bei der ersten Begegnung, wirkt einfach nur unecht und völlig unromantisch. Hier wurde leider nach meinem Empfinden Potential verschenkt.
Dennoch, der Film ist trotzdem lohnenswert. Für mich allein schon wegen der Frauenpower im sonstigen Männer-Heldengenre, wenn wir da an Superman, Batman und Co denken, wo die Männer wieder mal eindeutig dominieren. Bei Supergirl sind es jedoch die Frauen, sowohl, was die Heldin betrifft, als auch die Schurkin. Allein das macht einen großen Reiz aus, neben den ganzen Effekten. Ich habe das Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen jedenfalls sehr genossen.
Schön an diesem Film ist auch, wie er die Kontinuität zum Superman Universum wahrt. So findet Superman im Film immer wieder Erwähnung, am Anfang z. B. wird gesagt, in einer Radiomeldung, die man auch leicht überhören kann, daß er sich gerade auf einer Mission im Weltraum befindet, daher auch keine Begegnung zwischen den Superhelden. Schade, das wär’s gewesen.
Später sieht man Supergirl vor einem Poster von Superman stehen. Außerdem bezieht sie sich mehrmals auf ihn, und es gibt noch weitere schöne Bezüge. So ist ihre beste Freundin im Film mit Lois Lane verwandt, und Jimmy Olsen, der Reporter vom Daily Planet, taucht höchstpersönlich auf im Film - vom selben Schauspieler verkörpert wie in den vier älteren Superman Filmen damals.
Doch nun zu einer anderen wichtigen Sache. Leider ist dieser Film wieder einmal ein mehr als trauriges Beispiel dafür, wie man Filme wahrhaftig kaputtmachen kann, von Seiten außenstehender, sei es die FSK, die Synchronisation, die Kinos, das Fernsehen, oder alles zusammen. In diesem Fall machte der Film einen Leidensweg durch, der seinesgleichen sucht, eine Ähnlichkeit besteht zu Warners Der tödliche Schwarm, der auch so verstümmelt wurde, daß Warner letztlich von einer deutschen Veröffentlichung fürs deutsche Heimkino absah. Bei Supergirl stand man vor dem selben Dilemma, hat hier aber anders entschieden. Zum Glück, sonst wäre uns auch dieser Film vorenthalten geblieben.
Hier nun die Geschichte dieses Films. Da erschafft ein Regisseur mit seinem Team über einen längeren Zeitraum einen Film, immerhin opfern viele Leute (siehe Abspann) viel Zeit dafür, um eine Form der Kunst zu entwickeln - nichts anderes sind Filme - die dann von anderen begutachtet und nach Lust und Laune verändert werden. Bei anderen Künstlern, Musikern, Malern, Bildhauern, etc., würde niemand je auf so eine Idee kommen, aber bei Filmen. So legte der Regisseur also zu Beginn eine komplette Fassung von 150 (!!!) Minuten Länge vor, wie bei imdb nachzulesen, die jedoch nicht akzeptiert wurde und für die Kinoauswertung Federn lassen mußte. Diese Urfassung ist heute verloren und nicht wieder herstellbar.
Das Schnittverhalten nahm nun krasse Formen an. In den Kinos der USA wurde auf 105 Minuten heruntergekürzt, ansonsten auf 124 Minuten. Für die Kino- und Fernsehauswertung in Deutschland ging man noch weiter. Ganze 86 (!!!) Minuten blieben von diesem Film dabei noch übrig, mehr wurde nie synchronisiert. Das heißt, man entfernte hier aus dem Ursprungswerk ganze 64 (!!!) Minuten, das muß man sich wirklich mal bewußt machen.
Was tun also, da Warner nun inzwischen die Rechte an dem Film von Fox übernommen hatte? Die Fox VHS Auswertung war ein Trauerspiel, mit 86 Minuten Laufzeit, Vollbild und Mono-Ton, so etwas kann man in einer Zeit größeren Qualitätsbewußtsein heute zum Glück kaum noch jemandem vorsetzen. Also entschied sich Warner vom noch vorhandenen Originalmaterial (in PAL 120 Minuten) eine neue Fassung zu machen, das hieß, auch mit komplett neuer Synchronisation. Und nun erstrahlt der Film erstmals in (fast) ursprünglichem Glanz, dazu im original Kinoformat und Dolby Surround - so hat man diesen Film in Deutschland bisher nie gesehen. Und so wird einem auch das Treiben aller Zensur- und Schnitteinrichtungen bewußt, was man früher nicht mal ahnen konnte, ein Trauerspiel sondergleichen, das gerade heute die Firmen immer wieder vor große Probleme mit Veröffentlichungen stellt.
Supergirl hatte damals wenig Erfolg. Kein Wunder, bei diesen Verstümmelungen. Da wurden ganze Handlungsstränge entfernt, vieles schien völlig Logik- und Sinnfrei, daß das ganze wie ein komplett uninspirierter Kinderfilm rüberkam - erst heute wissen wir nun warum. Heute kann man den Film neu entdecken. Und in den USA wurde dazu noch ein Director's Cut veröffentlicht, der weitere Segmente wieder einfügt, so daß dort sogar eine Laufzeit von 138 Minuten erreicht wird. Diese Fassung hat uns Warner allerdings vorenthalten, ebenso wie einige Extras der US Version.
Fazit: Auch wenn die heutige Fassung des Films weiter nicht die ultimative ist, wir dürfen dennoch zufrieden sein. Endlich gibt es diesen Film in einer restaurierten Langfassung, dank Warner, und wer jetzt noch meckert über Neusynchronisation, da 34 Minuten wieder eingefügt und die Qualität verbessert wurde, dem ist nicht mehr zu helfen. Mir hat die neue Synchronisation gefallen, hier hat man sich mehr Mühe gegeben als in anderen Beispielen. Ich kann diesen Film nur empfehlen, zum wieder- oder neu entdecken, in einer Umsetzung, die endlich angemessen ist.
Filmreview von: Gandalf01 / Alle Reviews von Gandalf01
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Veröffentlichungen
Der Film ist bei Warner Home Video auf DVD erschienen.
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