Der Templer
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Inhalt
A. D. 1204: Desillusioniert durch die Greuel, die er bei einem Kreuzzug ins gelobte Land erleben und mitansehen mußte, kehrt ein Tempelritter in die Heimat zurück. Nicht nur ein Auge hat er in der Fremde verloren, auch sein Glaube ist ihm abhanden gekommen. Geblieben sind ihm Einsamkeit, Verbitterung - und ein brennender Haß gegen jede Form von Bigotterie, Aberglauben und Menschenverachtung.
In einem kleinen Dorf kommt er gerade zurecht, um eine junge Frau, die als Hexe verbrannt werden soll, vor dem Scheiterhaufen zu retten. Beim Kampf werden beide schwer verwundet. Sie können zwar in die Wälder flüchten, drohen dort aber zu verbluten - doch das heilkundige Mädchen scheint einen Ausweg zu kennen. Und der Templer muß sich fragen, ob er wirklich das Richtige getan hat...
Kommentar
Auch Oscargewinner haben klein angefangen. Das gilt nicht nur für Oskar Matzerath, den kleinwüchsigen Helden aus der "Blechtrommel" von Günther Grass, deren Verfilmung 1980 als erster deutschsprachiger Film überhaupt einen Oscar einstreifen konnte - das gilt genauso auch für Florian Henckel von Donnersmarck, der 2007 für "Das Leben der Anderen" (als dritter deutscher Vertreter in der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film") die Trophäe in Empfang nehmen durfte.Das Stasi-Drama, das ihn so plötzlich in den Film-Olymp katapultieren sollte, war nämlich sein erster abendfüllender Langfilm überhaupt - davor hatte er lediglich als Filmstudent mit etlichen (meistens gemeinsam mit seinem Bruder Sebastian realisierten) Horror-Kurzfilmen auf sich aufmerksam gemacht: "Mitternacht", "Dobermann", dann eine Episode zu der französischen Horror-Mysterie-Serie "Großstadt-Schocker" - sowie, als letzte Fingerübung vor dem "Leben der Anderen", eben "Der Templer".
Und dieser "Templer" hat es wahrlich in sich. Da will jemand mit aller Deutlichkeit aufzeigen, daß er filmisch zu Höherem berufen ist. Daß wir es hier eigentlich nach wie vor mit einem Studentenfilm zu tun haben, der in Zusammenarbeit mit den Filmhochschulen München und Potsdam-Babelsberg realisiert worden ist, sieht man dem Streifen in keiner Sekunde an. Hier wurde nicht an Aufwand gespart (auch wenn der Film bei genauer Betrachtung teurer wirkt, als er wohl war - aber mit den Mitteln, die man zur Verfügung hat, effektiv und effektvoll umzugehen, ist sicher die größere Kunst, als bombastische Budgets möglichst bombastisch zu verpulvern...). Ausstattung, Kamera, Atmosphäre, Special Effects, Action und Musik, das alles braucht sich hinter so manchem Hollywood-Blockbuster oder auch hinter dem deutschen "Krabat" nicht zu verstecken - und sprengt den Rahmen dessen, was man sich unter "Kurzfilm" gemeinhin so vorstellt, denn die reine Laufzeit der Geschichte, ohne Abspann, beträgt gerade einmal 13 Minuten. Aber 13 Minuten großes Kino!
Ein gelungenes Mittelalter-Fantasy-Epos, das eigentlich nur zwei Fehler hat: erstens, daß es für ein Epos halt leider viel zu kurz ist (und eigentlich nach einer Fortsetzung schreien würde), und zweitens der dem Kurzfilm-Genre geschuldete "überraschende" Twist am Schluß - den der gewiefte Horror-Fan natürlich schon meilenweit gegen den Wind riecht... (und der hier natürlich trotzdem nicht verraten wird!)
Allerdings, bei genauerer Betrachtung ist das Ende gar nicht einmal so banal, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint - weil es nämlich alle philosophisch-moralisch-theologischen Gewißheiten, die im Film geäußert werden (und die man sich als aufgeklärter Zuschauer des 21. Jahrhunderts bereitwillig zu eigen macht) noch einmal massiv in Frage und auf den Kopf stellt.
Wie kann ich sicher sein, selber immer das richtige zu tun, nur weil ich sehe, was die anderen alles falsch machen (eine Fragestellung, die im "Leben der Anderen" dann wieder aufscheinen wird)? Auch moralische Überlegenheit kann, genauso wie Engstirnigkeit und Intoleranz, unter Umständen "auf einem Auge blind" sein - was der Film schon zu Beginn deutlich ins Bild setzt, wenn sich in dem einen verbliebenen Auge des verwundeten Ritters die brennende Stadt spiegelt.
Man sieht nur mit dem Herzen gut, wie es bei Saint-Exupery heißt. Aber: Soll man immer seinem Herzen folgen - auch wenn man sein Herz verloren hat? (Was für einen Templer, nebenbei gesagt, sowieso eigentlich gegen die Ordensregel verstößt - geht es hier also wirklich um Nächstenliebe, oder doch nur um die Lust an Tabubruch und Grenzübertretung?)
Und: läßt sich aus der Erkenntnis, daß Gott nicht existiert, tatsächlich die Schlußfolgerung ziehen, daß es auch keinen Satan gibt? Ein Dilemma, das der Templerorden - eine Kombination von Ritter- und Mönchstum, in der die Macht des Adels in Verbindung mit dem Einfluß der Klöster doppelt nutzbar gemacht werden sollte - am eigenen Leib erfahren sollte. Ursprünglich als Kämpfer für den Glauben und vor allem zur tatkräftigen Unterstützung der Kreuzzüge gegründet, gerieten die Templer hundert Jahre nach der Zeit, in der der Film spielt, selber in den Ruf der Ketzerei, woraufhin viele von ihnen ihr Leben auf dem Scheiterhaufen beendeten.
Besonders hier scheint auch einiges an privaten Anliegen des Regisseurs (der selber aus einer alten Adelsfamilie stammt, aber im Unterschied zu anderen Familienmitgliedern den Weg des Künstlers gewählt hat) in den Film eingeflossen zu sein. Sein Onkel ist Abt des noch heute in Österreich ziemlich mächtigen und einflußreichen Zisterzienserstifts Heiligenkreuz bei Wien (dessen Mönche nebenbei kürzlich mit der CD "Chant" die Popcharts gestürmt haben). Die Zisterzienser unter Bernhard von Clairvaux wiederum waren damals federführend, als die Ordensregeln des Templerordens ausformuliert und niedergeschrieben wurden. Und hier ins Kloster zog sich Donnersmarck dann auch zurück, um in der Klausur das Drehbuch zum "Leben der Anderen" zu schreiben.
Mag sein, daß Donnersmarck sich also im "Templer" auch mit seinem eigenen biographischen Background, im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Auflehnung, Macht und Askese, Gewißheit und Zweifel, auseinandergesetzt hat. Genau dieselbe Thematik also, die seinen ersten Langfilm dann bekanntermaßen zu Oskar-Ehren geführt hat...
Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward
Veröffentlichungen
Auf DVD veröffentlicht als Teil der Kurzfilm-Kompilation "Shocking Shorts - Die 13 gefährlichsten Kurzfilme", erschienen bei Concorde Home Entertainment. (Die DVD enthält übrigens auch den Donnersmarck-Kurzfilm Dobermann)
Filmbewertung
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