Tarzan und die Nazis
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Inhalt
Während Jane ihre Mutter in England besucht, erreicht der Zweite Weltkrieg Tarzans Dschungelidylle. Eine deutsche Kompanie überfällt die verborgene Stadt Palandria, versklavt die Bevölkerung und beutet das rohstoffreiche Umland aus. Trotz der Bitten Prinzessin Zandras will Tarzan nichts mit dem Krieg zu tun haben. Doch als die Nazi-Schergen seinen Sohn Boy entführen, reicht es dem Herrn des Urwalds: „Now Tarzan make War!“
Kommentar
Es gibt Filme, die liebt man, weil sie innovativ sind, geistreich, weil sie eine wendungsreiche Handlung aufweisen oder große schauspielerische Leistungen, weil sie zeigen, was man noch nie zuvor gesehen hat, ein visuelles Feuerwerk entfachen oder mitunter gar wirkliche Einsichten vermitteln. Und dann gibt es Filme, die dergleichen nicht zu bieten haben und die man trotzdem einfach nicht missen möchte, weil sie einfach nur Spaß machen und mit einem entwaffnend naiven Charme daherkommen. Zu letzteren gehört „Tarzan triumphs“.Nach dem sechsten Tarzan-Film mit Johnny Weissmuller, „Tarzan’s New York Adventure“ (1942), kam die Studioleitung der MGM zum dem Schluß, daß das erzählerische Potential der Figur ausgereizt war, und stellte seine gleichwohl immer noch erfolgreiche Serie ein; das war aber nicht etwa das Ende des Dschungelmanns – nun schlug die Stunde des Produzenten Sol Lesser, der bereits in den Jahren zuvor zweimal erfolglos versucht hatte, den MGM-Filmen Konkurrenz zu machen. Lesser übernahm die Rechte an der Serie und konnte nun endlich auch Weissmuller sowie dessen Filmsohn Johnny Sheffield engagieren, mußte allerdings auf „Jane“ Maureen O’Sullivan verzichten, die ihrer Rolle schon lange überdrüssig war und zudem weiter bei MGM unter Vertrag stand.
Doch nicht nur Tarzans Welt änderte sich. Inzwischen waren die USA in den Zweiten Weltkrieg eingetreten; die populären Film-Helden sollten – so wünschten es Politik und Publikum – ihren Beitrag zum Sieg leisten, und das galt natürlich nicht zuletzt für Tarzan. Gefragt war also ein Propagandafilm, und ein solcher ist „Tarzan triumphs“ auch geworden; das stört aber nicht im geringsten, im Gegenteil, schließlich stehen der Streifen und sein Protagonist auf der richtigen Seite, und gerade das, was man dem Film aus feuilletonistischer Perspektive vorhalten kann – seine klischeehaften Figuren, seine Überdeutlichkeit, sein oft plumper Witz –, erweist sich bis heute, wenn man nicht den Fehler begeht, den Film als ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Grauen des Krieges und des Naziterrors zu mißdeuten, als seine Stärke. Denn wiewohl „Tarzan triumphs“ für sein Budget mehr als respektabel aussieht, mit gutem Timing inszeniert ist und auch ein actionreiches Finale aufzuweisen hat, funktioniert er vor allem über seinen Humor; nicht umsonst hatte sich der aus Österreich stammende Regisseur Wilhelm Thiele, der in Europa über den deutschsprachigen Raum hinaus erfolgreich gewesen war, aufgrund seiner jüdischen Herkunft aber 1933 emigrieren mußte, vor allem mit Komödien und Musikfilmen einen Namen gemacht (sein bekanntestes Werk dürfte bis heute der Heinz-Rühmann-Klassiker „Die Drei von der Tankstelle“ sein). Sich dessen bewußt, daß Tarzan nicht zum Star eines seriösen Kriegsdramas taugte, wählten die Macher, wie schon MGM in ihrem letzten Film bei Tarzans Ausflug in die Zivilisation, einen betont komödiantischen Ansatz: Die deutschen Besatzer sind zwar allesamt skrupellose Sozialdarwinisten der übelsten Sorte, doch in Schrecken versetzt haben sie mit Sicherheit noch keinen Zuschauer, agieren sie doch mit der Intelligenz von Keystone Cops. Wie schon in Chaplins „The Great Dictator“ ist es – wenngleich auf einem anderen Niveau, keine Frage – die beste inszenatorische Waffe Thieles, die selbsternannten „Herrenmenschen“ ihrer ihnen eigenen Lächerlichkeit preiszugeben; insofern steht „Tarzan triumphs“ als Abenteuerfilm am Anfang einer Darstellungstradition, die sich bis heute im Genre behauptet – man denke nur an Indiana Jones. Übrigens sollte man sich den Film unbedingt im Original ansehen, denn gerade die Komik geht in der deutschen Fassung fast gänzlich verloren, muß diese doch auf die scharfen deutschen Akzente und eingestreuten Sprachfetzen ebenso verzichten wie auf Weissmullers Dialog, und gerade Tarzans martialische One-Liner wirken im O-Ton wesentlich pointierter (seine zunächst passive Haltung spiegelt wiederum die bis Pearl Harbour in Amerika vorherrschende isolationistische Haltung gegenüber dem Krieg): Hier offenbart Weissmuller, der auch privat kein Kind von Traurigkeit gewesen sein soll, tatsächlich komisches Talent, etwa wenn er den Oberschurken am Ende mit einem Katz-und-Maus-Spiel in eine tödliche Falle lockt. So anachronistisch die Tarzan-Abenteuer längst geworden sind, lachen wir doch hier stets mit dem Film, nicht über ihn, bis hin zu dem Schlußgag, bei dem Cheeta in ein Funkgerät schnattert und die Paladine in Berlin strammstehen, weil sie den „Führer“ zu hören meinen.
„Tarzan triumphs“ traf den Nerv seiner Zeit, er wurde und blieb der erfolgreichste Tarzan-Film Sol Lessers; in Deutschland allerdings ist er ziemlich unbekannt, war er doch aufgrund seines Sujets der einzige Weissmuller-Film, der nach dem Krieg nicht den Weg in die hiesigen Lichtspielhäuser fand. (Anfang der 1970er Jahre schaffte er es dann immerhin ins Fernsehen.) Aus heutiger Sicht ist der Film ein ebenso interessantes wie kurioses Zeitdokument, vor allem aber ein ungemein unterhaltsamer kleiner Film und eine klare Empfehlung für einen Video- bzw. DVD-Abend in geselliger Runde und vorzugsweise auch mit einem gewissen Vorrat an alkoholischen Getränken. In einem solchen Rahmen macht der Film seinem Originaltitel noch immer alle Ehre.
Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist unter dem Titel „Tarzans Triumph“ im Doppelpack mit seinem Nachfolger „Tarzan, Bezwinger der Wüste“ bei Warner Home Video auf DVD erschienen.
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