Meister des Grauens

Originaltitel: The Pit and the Pendulum
Alternativtitel: The Inquisitor
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  1991
Regie: Stuart Gordon

Darsteller

Figur

Lance Henriksen  Torquemada
Jonathan Fuller  Antonio
Rona De Ricci  Maria
Jeffrey Combs  Francisco
Frances Bay  Esmeralda
Stephen Lee  Gomez
William J. Norris  Dr. Huesos
Mark Margolis  Mendoza
Carolyn Purdy-Gordon  Contessa D'Alba Molina
Benito Stefanelli  Henker
Tom Towles  Don Carlos
Oliver Reed  Kardinal
  
Genre: Okkult
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Inhalt

Spanien im 15. Jahrhundert. Großinquisitor Torquemada hat ein Regiment des Schreckens errichtet. Frauen und Männer, Junge und Alte, arme Kleinbürger und reiche Adlige - niemand ist gefeit davor, aus nichtigsten Gründen von den Schergen der Inquisition eingekerkert, grausam gefoltert und getötet zu werden, alles zum Ruhme (und zur Vermehrung des Reichtums) der heiligen katholischen Kirche. Nicht einmal der Papst selbst kann dem Treiben des fanatischen Torquemada noch Einhalt gebieten.
Dabei scheint dieser sogar selbst an seine heilige Mission zu glauben. Stets barfuß, in ein schlichtes Mönchsgewand gekleidet, ist er immer bereit, für seine eigenen unfrommen Gelüste zu büßen - über seinem Bett hängt ein Schwert an einem dünnen Seil, falls es Gottes Wille wäre, ihm das Leben zu nehmen, und unter der Kutte trägt er einen stachelbesetzten Bußgürtel, um ihn beständig an die Schwäche des Fleisches zu gemahnen.
Nun ist ihm die hübsche Maria in die Fänge geraten und stellt seine Keuschheit auf eine harte Probe - umso mehr, als sie der Jungfrau Maria so verteufelt ähnlich sieht... Natürlich muß sie als Hexe verbrannt werden, aber immer wieder scheut Torquemada davor zurück, das Todesurteil auszusprechen. Und dann ist da auch noch ihr Mann, der Bäcker Antonio, der ständig Probleme macht, weil er sich vorgenommen hat, seine Frau um jeden Preis zu retten. Aber für ihn hat sich der Großinquisitor etwas ganz besonderes ausgedacht: Antonio wird der erste sein, an dem Torquemada seine neueste Erfindung erproben wird - das Pendel des Todes...

Kommentar

Ein Film wie eine Zeitreise - nicht nur ins 15. Jahrhundert, sondern auch in die 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, als die Hexenjäger- und Nunploitationwelle fröhliche Urständ feierte. "Meister des Grauens" kommt daher wie ein Stück buntes Popcorn-B-Kino von anno dazumal, unbeirrt naiv und irgendwie auf sympathische Weise altmodisch, wenn auch mit ein paar ironischen Brechungen versehen - aber sogar das gehört ja eigentlich in gewisser Weise dazu.

Stuart Gordon (Dagon), ausgewiesener Lovecraft-Experte, versucht sich diesmal an Edgar Allan Poe, und das gar nicht mal so übel. Wenn das Ergebnis mit Poe auch nicht mehr allzu viel zu tun hat - aber das läßt sich im Prinzip über fast alle Poe-Verfilmungen sagen. Auch andere Varianten des Stoffs - etwa "Der Rabe" mit Lugosi und Karloff, Harald Reinls "Die Schlangengrube und das Pendel" mit Christopher Lee und allen voran Cormans "Das Pendel des Todes" mit Vincent Price - hatten immer mit der Schwierigkeit zu kämpfen, daß Poes Originalstory "Grube und Pendel" für einen abendfüllenden Spielfilm einfach nicht lang genug ist. Also mußte immer, mit mehr oder weniger Geschick, eine möglichst interessante Rahmenhandlung gesponnen werden (Drehbuch: Dennis Paoli - The Dentist, Re-Animator), welcher dann Poes eigentliche Story erst gegen Ende als Höhepunkt eingefügt wird. Und da ist Gordon vielleicht sogar näher beim echten Poe als alle Konkurrenten, denn seine Rahmenhandlung spielt zumindest tatsächlich in der Zeit der spanischen Inquisition - wenngleich Poe seine Geschichte am Ende der Epoche der Inquisition ansiedelt, während Gordon uns an deren Anfänge zurückführt.

Die Hauptfigur, Tomás de Torquemada, hat wirklich gelebt, der Dominikanermönch war Beichtvater von Königin Isabella I. und wurde zu einem der Gründerväter der Inquisition überhaupt und zum ersten Großinquisitor von ganz Spanien. Daß seine Macht dem Einflußbereich des Papstes fast vollständig entzogen war, so wie im Film gezeigt, ist ebenfalls historisch, sein Ende war allerdings in Wirklichkeit weit weniger spektakulär.

Roger Cormans Version von "Grube und Pendel" ist wohl atmosphärisch gesehen näher bei Poe als Gordons Variante, ist wesentlich düsterer und klaustrophobischer gehalten - dafür aber auch um einiges langatmiger. "Meister des Grauens" ist im Vergleich dazu abwechslungsreicher und rasanter, sogar mit ein paar Actionsequenzen angereichert und insgesamt wohl der unterhaltsamere Streifen. Der Fan erfreut sich zudem an etlichen integrierten Anspielungen auf andere Poe-Werke wie "Das Faß Amontillado" oder "Lebendig begraben".
Für einen Gordon-Film splattert es hier eher dezent, für kruden Humor ist aber jedenfalls ausreichend gesorgt. Die schönste Sequenz diesbezüglich ist gleich die Anfangsszene mit der genußvoll-pedantischen Auspeitschung einer Leiche, diese makaber-skurrile Episode setzt Maßstäbe, die der Film im Ganzen dann doch nicht immer halten kann.
Dennoch, für eine Charles Band-/Full-Moon-Produktion ist "Meister des Grauens" ein wirklich gediegenes Stück Kino. Das geringe Budget wird mit guten Kostümen und schönen Originalschauplätzen geschickt kaschiert (der Produzent hat für den Dreh sein eigenes Schloß in Umbrien zur Verfügung gestellt, das später auch wieder für Gordons "Castle Freak" als Drehort herhalten durfte). Der Score von Richard Band klaut schamlos, aber äußerst wirkungsvoll bei Carl Orffs "Carmina Burana". Die Kameraarbeit von Adolfo Bartoli (Shocking Fear) ist in Ordnung, manches ist allerdings vielleicht etwas zu hell ausgeleuchtet - man vergleiche etwa die Pendel-Szene mit der sehr ähnlichen Szene in Cormans Version, die doch um etliches dunkler und bedrohlicher wirkt.
Über einige Unwahrscheinlichkeiten in der Handlung möge sich der geneigte Zuschauer auch besser gnädig hinwegsetzen - wie kann etwa ein unbewaffneter und unerfahrener Bäckermeister gleich mehrmals im Nahkampf mit Dutzenden waffen- und rüstungsstarrenden Wachsoldaten siegreich bleiben? Auch die übernatürlichen Elemente scheinen eher ein bißchen zuviel des Guten, gelegentlich schrammt der Film da nur ganz knapp am Kitsch vorbei.

Die Darsteller sind gut in Form. Allen voran Lance Henriksen (der Obervampir aus "Near Dark"), er bietet eine genüßlich überzeichnete, charismatisch-getriebene, hart auf der Grenze zwischen Wahnsinn und Selbstparodie balancierende Darstellung des Torquemada, eine mimisch-gestische Tour de Force, die allein schon die halbe Miete wert ist (und für die er sich sicher einiges von den klassischen Horrorstars a la Vincent Price, Karloff oder Lugosi abgeschaut hat). Bei aller Outrage hat er doch auch etwas Sinistres, Fanatisches an sich, das beinahe schaudern läßt - und vielleicht auch etwas vom prinzipiellen schizophrenen Wahnwitz der Inquisition und der katholischen Kirche überhaupt, zumindest damals, vermittelt.
Daneben erfreuen den Genrefreund in Nebenrollen auch noch Gordon-Regulars wie Jeffrey Combs als immer für einen zynisch-trockenen Sager guter Inquisitionsschreiber oder Gordons Ehefrau Carolyn Purdy-Gordon als erstes Opfer (beide seit Re-Animator regelmäßig im Cast des Regisseurs). Rona de Ricci ist als Maria zwar ein außerordentlich attraktiver Blickfang, der uns die sexuellen Nöte des Inquisitors durchaus nachvollziehen läßt, schauspielerisch hingegen wirkt sie aber leider eher eindimensional, "Meister des Grauens" war deshalb auch einer von lediglich zwei Filmen, die sie in ihrer kurzen Karriere gedreht hat. In einem bedauerlicherweise sehr kurzen, aber gewichtigen Cameo dürfen wir außerdem noch Oliver Reed (Der Fluch von Siniestro) als Kardinal bewundern.

Fazit:
Dem wahren Poe-Afficionado mag vielleicht Cormans "Das Pendel des Todes" näherstehen - aber Stuart Gordon ist mit "Meister des Grauens" eine ganz eigenständige Version gelungen. Cormans Film vermittelt wohl mehr vom seelischen Grauen, von den Ängsten und Todessehnsüchten, die die Werke des Meisters heraufbeschwören - in Gordons Film ist dafür mehr von Poes grimmigem Humor und seinem scharfen Blick auf den menschlichen Hang zur Grausamkeit wiederzuerkennen. Ansehenswert ist der Streifen auf jeden Fall, nicht nur für Poe-Fans, ebenso für Freunde des Hexenjäger-Genres a la Michael Reeves' "Der Hexenjäger" - ein echtes B-Picture mit all den Stärken und Schwächen, die das Format eben so ausmacht. Wir verleihen deshalb gute 3 Schädel, die beinahe 4 geworden wären!
Unterhaltsames Exploitation-Kino ist das allemal, angereichert sogar mit so etwas wie einer humanistischen Botschaft - zumindest amnesty international dürften das so gesehen haben, immerhin haben sie den Streifen mitgesponsert. Na, wenn das kein Gütesiegel für einen Torture-Film ist...

Filmreview von: Seward / Alle Reviews von Seward

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Veröffentlichungen

Die deutschsprachige DVD ist bei Retrofilm / Full Moon erschienen.

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