S. Darko - Eine Donnie Darko Saga
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Inhalt
Wir schreiben das Jahr 1995: sieben Jahre ist es nun her, dass der Teenager Donnie Darko von einer vom Himmel fallenden Flugzeugturbine erschlagen wurde. Es hat sich nie klären lassen können, woher das Triebwerk kam, und niemand ahnt auch nur im Ansatz, dass Donnie Darkos Tod die Apokalypse verhinderte...
Für Samantha, Donnies jüngere Schwester, geriet der Tod des geliebten Bruders zu einem nie verarbeiteten Trauma. Auch sie wird geplagt von Schlafwandelattacken, Luzidträumen und unguten Visionen. Da ihre Eltern für ihren Zustand offenbar genau so wenig Verständnis aufbrachten wie seinerzeit für den Donnies, riss Samantha von zuhause aus und reist nun mit ihrer Freundin Corey kreuz und quer durch das Land um irgendwo im Westen ein neues Leben zu beginnen. Eine Autopanne am Rande eines trostlosen Wüstenkaffs zwingt die beiden jungen Damen zum Verweilen, da die Reparatur aufgrund eines fehlenden Ersatzteils einige Tage in Anspruch nehmen wird. Die Bilderbuchödnis wird bevölkert von allerlei Bizarro-Gestalten vom Klischee-Reißbrett: dem desillusionierten Kleinstadtschönling mit gefährlicher Neigung zu bewusstseinsverdrehenden Mittelchen, religiösen Fanatikern inklusive einem sündigen Krähwinkelguru, dem obligatorischen, Hornbrille tragenden Nerd, der Kellnerin mit dem Herz am rechten Fleck und dem typisch patriotischen und stets mit sorgenvoller Miene aus der Wäsche schauenden Sheriff. Und dann haben wir da noch den Iraq Jack, einen schwachhirnigen Kriegsheimkehrer aus dem „Desert Storm“, der für das Verschwinden mehrerer Jugendlicher aus dem Ort verantwortlich gemacht wird, sich aber auf freiem Fuß befindet weil sich ihm nichts nachweisen lässt.
Eben diesem Iraq Jack erscheint eine tote Samantha, die scheinbar aus der Zukunft kommt. Sie offenbart dem wirren Veteranen das kommende Ende der Welt in nur vier Tagen, rettet aber auch sein Leben indem sie verhindert, dass er von einem Meteoriten erschlagen wird. Kurze Zeit später ist Samantha tatsächlich tot, einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen, der einem aus dem Nichts kommenden Fahrzeug und dem schnöseligen Drogisten geschuldet ist. Nun plagen Corey düstere Visionen. In einer davon begegnet ihr der junge Billy, eines der vermissten Kinder. Corey erkennt, dass sie Samantha zurückbringen kann, indem sie sich an ihrer statt opfert. Also tritt sie eine Zeitreise an und tut genau dies.
Nun knüpft die Handlung abermals nach dem Unfall an, und nun ist Samantha allein, weiterhin heimgesucht von Visionen des kommenden Untergangs. Und es wird stetig offenbarer, dass nur einer die Apokalypse verhindern kann: der irre Iraq Jack nämlich…
Kommentar
Sakrileg!!!
So schallt’s von allen Orten, und nicht einmal zu Unrecht, denn um nicht lange zu salbadern und gleich zum Klartext zu kommen: kein Mensch in diesem Universum (und sei es auch dem Untergang geweiht, höhö) braucht wirklich eine Fortsetzung des 2001’er Kultklassikers Donnie Darko. Die subtile Zeitreisegeschichte um den Jungen, der das Weltende verhinderte, war erzählt, und dem war auch nichts mehr hinzuzufügen, zumal sich die Geschichte theoretisch ohnehin im Kreis dreht und sich endlos wiederholen könnte. Wieder und wieder! Das Paradoxon der Zeitreise eben. Die Ausnahmestellung von Richard Kellys Originalfilm ist ohnehin unbestritten. Ihm gelang weiland das Kunststück, eine Coming of Age Geschichte in einem paradoxen Parallelkosmos anzusiedeln, dessen Eckpfeiler scheinbar von David Lynch, Chris Marker, Luis Buñuel, aber auch dem unlängst verstorbenen John Hughes gesetzt worden sind. Das Ergebnis stand für sich selbst, war meisterlich inszeniert, schauspielerisch wunderbar dargebracht, ließ allerlei Deutungen zu, und wird von den Fans (denen auch der Rezensent angehört) heiß und innig geliebt. Einen gewissen Anteil an der Legendenbildung hatte freilich auch der für seine Zeit noch nicht so übliche, nur allmählich voranschreitende Siegeszug über die Internetgemeinde, denn zunächst war „Donnie Darko“ ja an den Kinokassen gehörig baden gegangen. Als der Film im Oktober 2001 in die Kinos kam, hatte in den US von A im Nachgang zu 9/11 niemand ein Interesse daran, sich einen Film anzuschauen, in welchem Heranwachsende von Flugzeugtriebwerken gekillt werden und das Ende aller Zeiten winkt. Erst als der Film in europäischen Lichtspielhäusern zum Geheimtipp avancierte und via DVD erhältlich war, begannen man ihn in den virtuellen Foren zu diskutieren. Der Rest ist, wie man immer so schön sagt, (Film)Geschichte…
Leider aber ließ Richard Kelly weniger Sorgfalt bei der Rechteverwaltung des Stoffes walten als an seinem grandiosen künstlerischen Umgang damit, und so entdeckten findige wie windige Geschäftemacher irgendwo ein Hintertürchen, aus dem nun offenbar zum Franchise verkommenen Garn auch noch den letzten Cent herauszupressen. Und ganz offenbar geht die Kalkulation auch noch auf, denn man entschied sich ohne große Umschweife dafür, direkt für den DVD-Markt zu produzieren, ohne den kostspieligen Werbeumweg für eine Kinoproduktion zu gehen. Allein der zugkräftige Name „Darko“ zieht, Twitter und Co. und die Tatsache, dass auch negative Präsenz letztlich Werbung ist, tun ihr übriges.
Schändlich ist dieser Ansatz zum Umgang mit Filmkunst allemal, da das Ergebnis aber nun aus heiterem Himmel aus demselben fiel, muss sich zwangsläufig die Frage gestellt werden, ist „S. Darko“ wirklich so schlecht wie von allen W-LAN Routern geunkt wird oder ist es nur das Unverständnis ob der Dreistigkeit, mit der mal wieder fix und rücksichtslos abgesahnt werden sollte?
Tja, ehrlich gesagt, man machte es sich zu einfach, wenn man nun mit einem hasserfüllten „JA!“ darauf antworten würde, denn lässt man mal das Original nur für einen Augenblick außer Acht und tut so, als handele es sich um einen eigenständigen Film, dann funktioniert so manches hier ziemlich ordentlich. Aber kann man das denn überhaupt? Gewiss nicht, wenn man dem Original gewogen ist, denn dann kann es ja nur einen geben, um eine Tagline aus einem anderen Film, für den das in gleicher Weise gilt, noch einmal auszugraben, und dies bezieht sich nicht nur auf den Streifen als solchen, sondern auch auf seinen Macher. Will sagen, wenn schon in irgendeiner Weise Fortsetzung Not tut, so darf man damit auch bitte nur einen betrauen, selbstredend Herrn Kelly nämlich! Der aber hatte kein Interesse daran, seine Geschichte weiterzuspinnen, ja er war geradezu erbost darüber, dass man es dennoch tat und er es nicht verhindern konnte. Dem eigenen Vernehmen nach weigert er sich sogar beharrlich, dieses Streifens ansichtig zu werden, vermutlich im Interesse der eigenen Gesundheit (Magengeschwüre, Herzinfarkte…)
Deshalb ließ man den Autor Nathan Atkins die letztendliche Drehbuchversion verfassen (vermutlich waren zuvor bereits mehrere derer verschlissen worden, zumindest macht das doch etwas holprige Geschichtchen den Eindruck) und setzte einen jungen Mann namens Chris Fisher auf den Regiestuhl, einen TV Regisseur (u. a. für die Serie „Eureka“ tätig), der sich wohl hauptsächlich dadurch hervortat, dass er mit übersichtlichen Budgets ganz gut umgehen kann. Was dann das Team um Atkins und Fisher zuwege brachte, wirkt verglichen mit dem Original letztlich mehr wie eine Art Remake mit reichlich Sacharin und Aspartam denn wie eine reguläre Fortsetzung, man hat nämlich ausgiebig in Kellys Gründen gefischt, gewildert und geplündert. Nahezu sämtliche Ideen des Erstlings wurden auf irgendeine Art recycled, oftmals weit über das Ziel hinaus. Ständig versucht Fisher, Kellys Original zu übertrumpfen, schnellerlauterbunter zu machen, schließlich standen ihm ja dem Vernehmen nach mit gut 10 Millionen Dollar mehr als das doppelte Budget zur Verfügung als seinerzeit Kelly, und dennoch ist dessen Film Traumfabrik, der von Fisher am Ende nur DVD…
Und schon wieder lässt auch der Verfasser dieser Zeilen sich dazu hinreißen, alles in ein negatives Licht zu stellen. Doch ich muss bei meiner Aussage bleiben, im Grunde ist der Film nicht wirklich so schlecht, wie man nach all dem meinen würde. Noch einmal der Ansatz also: all jene, die das Original nicht kennen und lieben, könnten mit „S. Darko“ vielleicht sogar eine kleine Überraschung erleben, einen Film von durchaus gelungener atmosphärischer Stimmung, der aus dem Meer der üblichen Teenagestreifen, der er ja zweifellos einer ist, heraus sticht, der durchaus von einer gewissen Wucht durchdrungen ist, der uns eine sorg- und ahnungslose, ignorante und dekadente Gesellschaft kurz vor dem Untergang zeigt und sich metaphorisch dafür des Mikrokosmos der amerikanischen Kleinstadt und ihrer Hackordnung bedient (leider nicht ohne manch Klischeefettnäpfchen auszulassen), eine Gesellschaft, die von einem von ihr verachteten „Freak“ gerettet wird. Ein Film mithin, der sich durchaus auch der Motive des Surrealismus bedient (wenngleich auch zu reinem Selbstzweck und nicht aus künstlerischer Überzeugung) und der musikalisch fast perfekt unterlegt ist und einmal, die Szene als Dead Can Dances’ „The Carnival is Over“ gespielt wird, beinahe einen echten Moment von nahezu magischer Größe zu bieten hat.
All das hat der Film auf seiner Habenseite zu verbuchen, all das gefällt durchaus, aber all das funktioniert auch nur wirklich, wenn man den Originalfilm ausblendet, der freilich all das zuvor schon größer, besser, gekonnter, origineller, witziger und dramatischer gezeigt hat.
Es bleibt festzuhalten, dass der Film an und für sich so nötig war wie die Schweinegrippe und von seinen Produzenten als reine Geldmaschine betrachtet wurde. Der Regisseur aber hatte wenigstens die Ambition, seinem Film auch ein wenig künstlerische Größe mitzugeben, was ihm zumindest in Ansätzen gelungen ist. Leider hat er sich dabei ein wenig zu sehr am Vorbild messen wollen, aber wahrscheinlich war das auch die Vorgabe der Produzenten. Hinzugefügt hat dieser Film der „Darko Saga“, die nun hoffentlich nicht um noch mehr Kapitel erweitert werden wird (ich fürchte aber fast, das wird passieren), nichts weiter. Über durchschnittliche Schauspielleistungen (das betrifft auch Daveigh Chase, die als einzige Darstellerin aus dem Original hier wieder mit von der Partie ist), zum Teil kreuzdämliche Dialoge und manchen Logikfehler in der Handling wollen wir einfach mal hinwegsehen, die Optik und die Atmosphäre entschädigen für manches. Und Dead Can Dance! Und außerdem habe ich den Film an einem sehr schönen Abend gesehen! Deshalb gibt’s drei ziemlich wohlwollende Skulls und den geäußerten Wunsch, bitte keine weiteren Fortsetzungen mehr auf die Fangemeinde loszulassen.
Bitte!
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Bilder zum Film
Veröffentlichungen
Der Film ist bei Sunfilm Entertainment auf DVD und Blu-ray erschienen.
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