Scoop - Der Knüller
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Inhalt
Die amerikanische College Studentin und Nachwuchsjournalistin Sondra Pransky verbringt einen Urlaub in London. Mit einer Freundin besucht sie dort eine Show des Zauberkünstlers Splendini, wo sie zur Unterstützung eines Tricks auf die Bühne gebeten wird. Als sie zwecks „Entmaterialisierung“ in eine chinesische Kiste gesteckt wird, erscheint ihr der Geist des kürzlich verstorbenen Enthüllungsjournalisten Joe Strombel und offenbart ihr, der adelige Bonvivant Peter Lyman sei der gefürchtete Tarotkartenkiller, ein Serienmörder, der kurzhaarige brünette Prostituierte meuchelt. Da Strombel dieser Knüllerstory aus den bekannten Gründen nicht mehr selber nachgehen kann, setzt er seine Hoffnungen nun auf Sondra, diesen seinen letzten „Scoop“ öffentlich zu machen.
Sondra bittet den linkischen Splendini alias Sid Waterman um Hilfe, doch dieser ist zunächst wenig begeistert davon, aufgrund einer absurd klingenden Geschichte zur Mörderhatz auf einen prominenten, reichen Zeitgenossen zu blasen. Doch als auch er einer weiteren Erscheinung Strombels beiwohnt, ändert er seine Meinung. Alsbald heftet sich das ungleiche Paar an die Fersen Lymans und macht mit einem Trick dessen Bekanntschaft. Fortan geben sich Waterman und Sondra als Vater und Tochter aus und werden von Lyman auf eine Party eingeladen. Es finden sich allerhand Indizien, die gegen den jungen Lord sprechen, doch Sondra verfällt dummerweise dem Charme des Prachtkerls und findet allerlei Gründe, warum dieser eben doch nicht der Tarotkartenkiller sein kann. Und tatsächlich verhaftet die Polizei zeitgleich einen geisteskranken Hilfsarbeiter, der die Morde gesteht.
Waterman aber stochert weiter und findet Ungereimtheiten bezüglich des letzten Mordes an einer Prostituierten namens Betty Gibson, die offenbar mit Lyman in Verbindung stand. Ist Lyman möglicherweise dennoch ein Mörder, ein Trittbrettfahrer, der die Tarotmorde ausnutzte um eine lästige Bekannte loszuwerden?
Er erhält einen letzten Tipp vom Geist Strombels und erkennt, dass Sondra in tödlicher Gefahr schwebt, verbringt diese doch ein Wochenende mit Lyman auf dessen abgeschiedenem Landsitz…
Kommentar
Ich glaube, ich habe es an anderer Stelle schon kundgetan, ich liebe Woody Allen! Besonders sein Spätwerk hat es mir angetan, weil sich der Meister des feinsinnigen, hintergründigen Humors hier manche Freiheit erlaubte, für die er früher scheinbar noch nicht bereit war. Die englische Zunge sagt gern, the world is your oyster, und meint damit sehr frei übersetzt, die Welt steht dir offen. Mit einiger Selbstverständlichkeit machte sich Allen in den letzten Jahren immer wieder aus New York auf, um seine zumeist aberwitzigen Geschichten auch an anderen Orten rund um das Erdenrund spielen zu lassen und bewies damit, dass sein nicht selten schwarzer Humor überall funktioniert. Was also sollte nicht näher liegen, als seine „geistreiche“ Komödie „Scoop“ im Mutterland der Gespenster und des tiefschwarzen Jokus anzusiedeln? Und genau deshalb inszenierte Allen den Film in England und konnte es sich natürlich auch nicht verkneifen, auch sogleich einige Spitzen aufzugreifen, die einem Amerikaner im Land ihrer Majestät zum Verhängnis geraten könn(t)en und sich entsprechend auf seine Art darüber lustig zu machen. Und auch wenn dies definitiv nicht sein bester Film ist, so macht der kleine große Mann doch mal wieder ganz lässig ein Fass auf, welches in der Form nur von ihm angestochen werden konnte. Er bedient sich dabei völlig offensichtlich an all den Ingredienzien, die einen typisch englischen (Grusel)Krimi ausmachen – einen Serienmörder, der Prostituierte dahinrafft (wer mag dabei nicht an Jack the Ripper denken?), einen Geist, der die entscheidenden Hinweise liefert, sogar den Sensemann, mit dem uns auch die Monty Pythons so dann und wann die Absurdität von Leben und Tod vorgeführt haben – und bleibt dabei dennoch stets er selbst und seinem doch so typischen Erzählstil treu.Nicht immer in seinen letzten Arbeiten hat Allen auch vor der Kamera gewirkt, hier allerdings tat er dies, und spielte natürlich einmal mehr sich selber. Und wer auch sonst wäre in der Lage gewesen, die Rolle des heruntergekommenen „Großen Splendinis“/Sid Watermans in gleicher Weise mit dem linkischen Wesen zu füllen wie eben der Meister in persona. Folglich ist dieser Umstand auch einer der großen Glücksfälle des Films, denn letztlich kann nur Allen Allen. Und überhaupt, die gesamte Besetzung ist im Prinzip ein einziger herrlicher Glücksfall, aber da macht Woody Allen ja sowieso niemand was vor, zumal die promintesten Gaukler regelmäßig Schlange stehen, wenn der Meister zum Casting lädt, so dass dieser ohnehin stets aus dem Vollen schöpfen kann, dabei aber auch ausnahmslos das Geschick beweist, genau die Menschen auszuwählen, die wie das berühmte Gesäß auf den Eimer passen um den Figuren Leben einzuhauchen. Und den Stars ist das Mitwirken in einem Allen Film eine Art künstlerischer Ritterschlag.
Hier arbeitete er zum zweiten Mal (nach seinem 2005’er Film „Match Point“, welcher ebenfalls in London angesiedelt ist) mit der eigentlich immer grandios aufspielenden Scarlett Johansson zusammen, die alleweil dann besonders hinreißend ist, wenn sie nicht, wie manches Mal in der letzten Zeit, irgendwelche Femme Fatales verkörpert, sondern eher bodenständigere Charaktere. In „Lost in Translations“ habe ich mich ein wenig in dieses Zauberwesen verliebt, hier hat sie eine ganz ähnliche Aura und bezaubert wiederum wie selten zuvor. Tolle Frau, grandiose Schauspielerin! Auch Hugh Jackman Superstar, möglicherweise die Entsprechung Johanssons aus weiblicher Sicht, macht seinen Job famos und weiß nicht nur seine Fans zu begeistern als undurchsichtiger Peter Lyman. Ich möchte ihn viel lieber häufiger in Rollen wie dieser hier sehen als als Plastiksuperheld a la Van Helsing oder Wolverine, denn dort kann er zwar seine sportiven Skills abrufen, dafür aber auch leider nur einen Bruchteil seiner Schauspielkunst. Vielleicht würde ich ihn sogar mal gern in einer richtig lustigen Rolle sehen, denn auch das liegt ihm, wie sich beispielsweise zeigte, als er den Host (und in seiner anfänglichen Gesangseinlage sogar irgendwie den Horst) der letzten Oscar-Show gab. In Nebenrollen darf man sich über Auftritte von Ian McShane (als untoter Strombel), Charles Dance und der süßen Romola Garai freuen, den Großteil des Films aber stemmen Allen, Johansson und Jackman.
Vieles in diesem Film ist absolut typisches Ausdrucksmittel Allens, auf das man ja auch nicht verzichten möchte wenn man sich einen Film von ihm anschaut. Dennoch ist es absolut erstaunlich, wie auch dem inzwischen über 70jährigen noch immer wieder originelles und in der Form bei ihm nie da gewesenes einfällt. Untypisch ist hier zum Beispiel die musikalische Untermalung des Films. Üblicherweise bedient sich Allen ja gern aus dem riesigen Fundus der Swing- und Jazzmusik, da er ja auch ein bekennender Fan dieses Stils ist. Hier gibt er uns hauptsächlich den Komponisten Tschaikowsky auf die Ohren, vornehmlich Musik aus dessen „Nussknackersuite“ und dem „Schwanensee“, was man vielleicht auch ein wenig als Hommage an die großen Horrorklassiker aus der guten alten Universalära verstehen darf, denn auch damals griff man gern auf Tschaikowsky zurück um den Filmen ein Leitmotiv zu geben („Dracula“, Die Mumie).
Fazit: Auch wenn dieser Film nicht unbedingt den Höhepunkt seines Oeuvres darstellt, so zeigt er doch einmal mehr einen fantastisch aufgelegten Woody Allen als Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion und ein ebenso fantastisch aufspielendes Ensemble, aus dem besonders Scarlett Johansson und Hugh Jackman hervorstechen, da diese überaus gekonnt gegen ihr Image anspielen und offenkundig einen Heidenspaß bei der Sache haben. Die Story ist originell, die Schauplätze hervorragend ausgesucht, das Hinzutun der fantastischen Elemente, die hier wie selbstverständlich erscheinen, bildet das I-Tüpfelchen. „Scoop“ ist ein leichter, erfrischender und sehr vergnüglicher Film mit viel Dialogwitz, der hervorragend und klug unterhält, mitunter aberwitzig daherkommt, jedoch niemals in albernen Klamauk abdriftet. Ein typischer Allen, auch ohne Swing und diesmal nicht in New York gedreht oder spielend, dennoch unverkennbar. Und sowieso, auch wenn dieser Film nicht gar so grandios ist wie vielleicht Schatten und Nebel, „Schmalspurganoven“ oder „Im Bann des Jade Skorpions“, so ist er noch immer locker besser als 95% aller anderen Komödien der letzten Jahre. Ein echter „Scoop“ halt!
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Die DVD kauft man bei Concorde Home Entertainment oder EuroVideo.
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