Sherlock Holmes - Der Seidenstrumpfmörder
|
Werbung ![]() |
||||||||||||||||||||||||||||||||
Inhalt
London zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts: Vom Alltag gelangweilt, widmet sich Meisterdetektiv Sherlock Holmes inzwischen verstärkt seinem Drogenkonsum, als sein früherer Weggefährte Dr. Watson einen neuen Fall an ihn heranträgt: Eine junge Frau wurde brutal mit einem Seidenstrumpf erdrosselt. Holmes findet schnell heraus, dass die Tote aus höchsten Kreisen stammt. Deren Vater beauftragt ihn, den Mörder zu finden, da wird ein weiteres Edelfräulein auf die gleiche Weise umgebracht. Holmes weiß nun, dass er es mit einem Serientäter zu tun hat. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...
Kommentar
Sherlock Holmes auf Serienmörderjagd zu schicken, ist kein besonders neuer Gedanke, allein mit Jack the Ripper hat es die sprichwörtliche Spürnase in Adaptionen, die sich frei an Conan Doyles klassischen Kanon anschlossen, wiederholt zu tun gehabt. In „Der Seidenstrumpfmörder“, 2004 für die BBC produziert und wie Holmes’ frühere Ripper-Konfrontationen nicht auf einer Doyle-Erzählung beruhend, versetzt der unbekannte Mörder nicht die Bevölkerung von Whitechapel, sondern die Aristokratie in Angst und Schrecken, was dem Regisseur Simon Cellan-Jones natürlich auch Gelegenheit zu einigen naheliegenden gesellschaftskritischen Spitzen bietet – selbst der Fetisch des Mörders erklärt sich am Ende nicht zuletzt aus sozialer Herabsetzung. Glücklicherweise wird dieser inzwischen doch ziemlich abgegriffene Aspekt nicht über Gebühr ausgewalzt, vielmehr dient er der Story, auch wenn es am Ende etwas kummerkastenpsychologisch rumpelt. Insgesamt leistet Cellan-Jones sehr gute Arbeit: Er schafft, unterstützt von der gelungenen musikalischen Untermalung Adrian Johnstons, eine düstere, fast an Gothic-Horrorfilme gemahnende Atmosphäre, die London in ständigen Nebel taucht, die Kulissen und Kostüme sehen gut aus, ohne für einen Holmes-Film zu überladen zu sein (hier war das TV-Budget also eher Vor- als Nachteil), vor allem aber hat der Streifen ein hervorragendes Timing, kombiniert gekonnt die Ermittlungen und die privaten Scharmützel zwischen Holmes und Watson.Gerade die Besetzung der Hauptrollen – in einem durchweg gut aufspielenden Ensemble – hebt den Film über den Großteil der zahllosen Kino- und TV-Adaptionen um Conan Doyles Meisterdetektiv hinaus. Ian Hart spielt hier zum zweiten Mal nach „Der Hund der Baskervilles“ (2002) den Watson, und war er schon das Highlight dieser eher belanglosen BBC-Bearbeitung der bekanntesten Holmes-Story, überzeugt er auch hier ohne jede Einschränkung. Ist es seit Nigel Bruces Auftritten in den Basil-Rathbone-Klassikern oft Usus, Watson als eher dümmlichen Zeitgenossen darzustellen, zeigt Hart Watson mit angenehm leisen Gesten als intelligenten, humorvollen Mann, als kompetenten Mediziner und besorgten Freund, der trotz aller Spitzen des im zwischenmenschlichen Umgang leicht gestörten Holmes stets zu ihm hält, ohne freilich dessen Tun immer gutzuheißen – und steht damit aufs Schönste in der Tradition von David Burke und Edward Hardwicke, den beiden Watsons an der Seite des unerreichten Über-Holmes Jeremy Brett. Die Schau des Films ist allerdings Rupert Everett, der den farblosen Richard Roxburgh aus dem 2002er-Baskerville-Film ablöst – ein seinerseits wirklich fulminanter Holmes, der trotz seines schillernden Charakters jederzeit glaubwürdig ist: arrogant, an seinen Mitmenschen weit weniger interessiert als an der intellektuellen Herausforderung, schlagfertig, bis zur Unmenschlichkeit kaltblütig, wenn es seinen Zielen dient, brodelnd unter dem selbst auferlegten Korsett des reinen Verstandes, in seinem Gebaren dandyhaft, vielleicht etwas zu gutaussehend für die Rolle, aber gleichzeitig physiognomisch markant und ausgemergelt genug, um von der ersten Einstellung an, noch bevor er schauspielerisch loslegt, unmittelbar zu überzeugen. Seiner Darstellung kommt dabei zugute, dass die Regie sich einigen der hartnäckigsten Holmes-Klischees bewusst verweigert, gerade denen, die weniger auf Doyle zurückgehen als auf die mediale Umsetzung seiner Figur: Nicht einmal sieht man Holmes im Inverness-Mantel, mit einer Pfeife im Mundwinkel und einem Deerstalker auf der hohen Denkerstirn – Everetts Holmes trägt dunkle Anzüge und raucht ausschließlich Zigaretten. Damit wird aber nicht eine etablierte Figur gewaltsam gegen den Strich gebürstet, was inzwischen ja weniger subversiv ist als vielmehr guter Ton, sondern Ballast abgeworfen, den man in den Klassikern nicht missen möchte, der es aber bei neuen Adaptionen schwer macht, die Figur noch wirklich ernst zu nehmen (beispielhaft seien hier die TV-Filme mit Matt Frewer genannt). Denn bewährte Doyle-Motive gibt es hier noch genug: Holmes präsentiert sich uns als Violinist, als eifriger Drogenkonsument, als anstrengender Mieter, als Verkleidungskünstler und selbstredend als Frauenfeind. Als solcher stößt er bei Watsons Verlobter, einer von Helen McCrory amüsant gespielten zupackend-sympathischen Psychoanalytikerin (Doyle-Puristen mögen dem Drehbuchautor diese Freiheit verzeihen), fast an seine Grenzen.
Also, bilanzieren wir: Hinter dem etwas sensationsheischenden deutschen Titel verbirgt sich eine spannende Mörderjagd im klassischen Dekor, die trotz kleinerer Ungereimtheiten und eines vielleicht auch etwas vorhersehbaren Endes als wendungsreicher Thriller zu gefallen weiß und gleichzeitig rundum als moderne und in den Dialogen häufig auch witzige Holmes-Interpretation überzeugt, die sich von der Tradition befreit, ohne mit ihr zu brechen, und deren Glanzlicht Rupert Everetts und Ian Harts (Zusammen-)Spiel ist. Gerne würde man die beiden in weiteren Fällen ermitteln sehen. Bisher ist es aber leider bei diesem einen gemeinsamen Film geblieben.
Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven
Veröffentlichungen
Der Film ist bei NewKSM als Doppel-DVD und bei KSM als Einsel-DVD erschienen.
Filmbewertung
| Unser Gesamteindruck: | |
| Durchschnittliche Besucherwertung: | Noch nicht bewertet |
| Eigene Bewertung zum Film abgeben: | |
BBC's Sherlock Holmes - Der Hund der Baskerville / Der Seidenstrumpfmörder (2 Disc Set)
Stand: 21.05.2012 13:12:24
Das Geheimnis des verborgenen Tempels
Stand: 21.05.2012 13:04:11
Sherlock Holmes und die Jagd nach dem Vampir von London
Stand: 21.05.2012 14:32:10
Sherlock Holmes - Der Hund der Baskervilles
Stand: 21.05.2012 13:07:00
Unsere Filmbörse
Empfehlungen
Wenn dir dieser Film gefallen hat, empfehlen wir auch:
From Hell ( USA, 2001) ![]() OT: From Hell, Regie: Albert Hughes, Allen Hughes Mit: Johnny Depp, Heather Graham, Ian Holm, Robbie Coltrane, ... |
Der Hund von Baskerville ( Großbritannien, 1983) OT: The Hound of the Baskervilles, Regie: Douglas Hickox Mit: Ian Richardson, Donald Churchill, Denholm Elliott, Glynis Barber, ... |
Der Hund der Baskervilles ( Großbritannien, 2002) OT: The Hound of the Baskervilles, Regie: David Attwood Mit: Richard Roxburgh, Ian Hart, Matt Day, Richard E. Grant, ... |
Eigene Filmempfehlung hinzufügen.
Weitere Filmtipps aus dem Bereich Thriller
Princess Aurora - Eine Frau sieht rot (
Südkorea, 2005) 
Bermuda-Dreieck Nordsee (
Deutschland, 2011) Sherlock Holmes - Spiel im Schatten (
USA, 2011) 
Spider Labyrinth (
Italien, 1988) 
In Time - Deine Zeit läuft ab (
USA, 2011) 
Legion (
USA, 2010) 
Eine verhängnisvolle Affäre (
USA, 1987) 
Silent Hill - Willkommen in der Hölle (
USA, 2006) 
The Beach (
Großbritannien,
USA, 2000) 
Burke & Hare - Wir finden immer eine Leiche (
Großbritannien, 2010) 
Weitere Kommentare zum Film
| Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Film abgegeben. |
| Eigenen Kommentar zum Film schreiben. |

Arlington Road - DVD - wie neu
Preis: 5,00 €

An jedem verdammten Sonntag - DVD - wie neu
Preis: 6,00 €

American Pie - Jetzt wird geheiratet - DVD - Wie neu
Preis: 5,00 €

American Pie - Die nächste Generation - DVD - wie neu
Preis: 5,00 €

Ace Ventura - Ein tierischer Detektiv & Ace Ventura 2 - Jetzt wird's wild - DVD
Preis: 10,00 €

Eigene Filme
Druckansicht


Sherlock
