Three... Extremes

Originaltitel: Saam Gaang 2
Alternativtitel: Three... Monster
Three, Monster
3 Extremes
Herstellungsland: HongkongHongkong, SüdkoreaSüdkorea, JapanJapan
Erscheinungsjahr:  2004
Regie: Fruit Chan
Park Chan-wook
Takashi Miike

Darsteller

Figur

Bai Ling  Mei
Miriam Yeung  Ching
Tony Leung  Li
Miki Yeung  Kate
Lee Byung-hun  Ryu
Kang Hye-jeong  Die Pianistin
Lim Won-hee  Der Statist
Lee Jun-goo  Das Kind
Kyoko Hasegawa  Kyoko
Atsuro Watabe  Yoshii / Higata
Mai Suzuki  Kyoko als Kind
Yū Suzuki:  Shoko als Kind
  
Genre: Grusel
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Inhalt

Bei „Three…Extremes“ handelt es sich um einen multinationalen Episodenfilm, für welchen sich drei der talentiertesten Regisseure des heutigen Asia-Kinos zusammenfanden. Wir wollen zunächst einmal einen Blick auf die (sehr unterschiedlichen) Inhalte der drei Zwischenspiele werfen, als da wäre zunächst

Episode 1: Dumplings (Regie Fruit Chan)
Eine Gesellschaft im Jugendwahn: Für die zwar immer noch attraktive, aber dennoch langsam in die Jahre kommende Schauspielerin Ching läuft es derzeit nicht besonders, sie bekommt keine Rollen mehr und fühlt sich unbeachtet. Als sie dahinter kommt, dass ihr Mann sie regelmäßig mit jüngeren Frauen betrügt, beschließt sie die berüchtigte Mei aufzusuchen, die Dumplings – kleine Fleischpasteten – herstellt, welche angeblich eine verjüngende Wirkung auf die haben sollen, die davon kosten. Zwar schmecken Ching die Dumplings etwas merkwürdig, aber die Wirkung ist nicht zu verhehlen, und auch der Göttergatte interessiert sich wieder für Ching. Als sie mit dem grausamen Geheimnis der geheimen Zutat konfrontiert wird, fährt Ching dennoch mit dem Verzehr der Dumplings fort – bleibt dies ohne Folgen?

Episode 2: Cut (Regie Park Chan-wook)
Ryu hat, was sich wohl ein jeder wünscht: Erfolg, ein Leben im Überfluss, eine schöne Frau, einen interessanten Job. Als er eines Abends vom Dreh – er ist ein äußerst erfolgreicher Regisseur – in sein Heim zurückkehrt, wird er von einem Unbekannten überwältigt. Als er wieder zu sich kommt, findet er sich mit Gummibändern gefesselt in der Kulisse seines aktuellen Films wieder. Doch er ist nicht allein dort, auch seine Frau, eine erfolgreiche Konzertpianistin, ist eine Gefangene. Sie ist mit Drähten und extrem starken Leim am Flügel fixiert. Da stellt sich Ryu sein Peiniger vor: ein von ihm wenig beachteter Statist, der Ryu zwingen will, ihm den Beweis für sein Weltbild zu liefern, das da lautet, alle reichen und erfolgreichen Menschen sind aus dem tiefsten Innern böse. Der Entführer verlangt von Ryu mit bloßen Händen ein Kind zu erwürgen, andernfalls werde er seiner Frau alle fünf Minuten einen Finger abhacken…

Episode 3: Box (Regie Takashi Miike)
Die junge Kyoko ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, die sehr abgeschieden und zurückgezogen lebt. Sie wird seit Jahren von dem schrecklichen Alptraum lebendig begraben zu werden heimgesucht. Früher trat sie als Artistin im Zirkus ihres Vaters auf. Gemeinsam mit ihrer Schwester Shoko zwängte sie sich damals stets in eine kleine Kiste – der Höhepunkt einer jeden Show. Eines Tages kam Shoko, die von ihrem Vater stets mehr Aufmerksamkeit bekam als Kyoko, bei einem Feuer ums Leben. Was hatte Kyoko damit zu tun? Sucht Shokos ruheloser Geist nach Rache?

Kommentar

Anno 2002 entstand ein ungewöhnliches Projekt, nämlich die chinesisch/thailändisch/südkoreanische Co-Produktion „Three…Nightmares“, deren simple wie geniale Idee darin bestand, eine jeweils für dieses Land ziemlich typische Geistergeschichte von einem Regisseur ebendieses Landes inszenieren zu lassen. Das Projekt schlug hohe Wellen und erzielte auch mehrere Auszeichnungen auf internationalen Filmfestivals. 2004 führte Peter Chan, der als Regisseur am ersten Film beteiligt war, das Projekt als Produzent in eine zweite Runde und versammelte mit dem Hongkong-Chinesen Fruit Chan, dem umstrittenen Japaner Takashi Miike und dem Südkoreaner Park Chan-wook drei der angesagtesten Vertreter der asiatischen Kinophantastik (im weiteren wie weitesten Sinne.) Was dabei herauskommt, wenn man diese vier illustren Herrschaften zusammen ein Fass aufmachen lässt, zeigt „Three…Extremes“! Wie der Name schon andeutet, geht es hier etwas anders zur Sache als im viel gelobten ersten Film, der ja im Prinzip sein Publikum mit eher konventionellen Ghost Stories asiatischer Prägung ängstigte, und erzählt drei eher abseitige, ja mitunter ganz schön kranke „Tales of Terror“, wie sie in der Form derzeit wohl nur aus Asien dem Publikum kredenzt werden. Doch hippes Asien, fähige Regisseure, die zum Teil auch immer mal wieder für einen ordentlichen Skandal gut sind, extreme Twists, das alles hin oder her, letztlich haben wir es hier mit einem Episodenfilm zu tun, was zumeist Schatten und Licht bedeutet, auch und gerade im Horrorfilmfach, wo der Episodenfilm von je her ein gewisses, traditionelles Nischendasein führt - man denke nur an die britischen Amicus-Studios und ihre großen Tage in den 1960’er/1970’er Jahren! Und was bedeutet das für diesen Film?

Nun, zunächst einmal, dass hier nicht alles so gelungen ist, wie man es bei all den großen Namen, die hier am Werk sind, zu vermuten gewillt ist. Vielleicht fangen wir einfach mal bei Fruit Chans „Dumplings“ an. Tatsächlich handelt es sich bei dieser Episode um die Kurzfassung von einem Film, den Chan eigentlich als abendfüllenden Spielfilm inszeniert hat. Etwa 90 % des in „Three…Extremes“ gezeigten Materials soll der Langfilmfassung entsprechen (was der Rezensent nicht bestätigen möchte, da er diese nicht kennt), nur der Schluss soll letztlich vom Original abweichen und die Gelehrten streiten noch darüber, welche Version das originellere Ende bietet. Nun, meine Wenigkeit war mit dem Schluss der hier gezeigten Version durchaus zufrieden. Auch am überaus prominent besetzten Cast (Bai Ling, Tony Leung, Myriam Yeung) gibt es überhaupt nichts auszusetzen, und erst recht nicht an den tollen Aufnahmen des Kameramannes Christopher Doyle, das alles passt, und will sich dennoch nicht so recht zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Als ich des Films ansichtig wurde, hatte ich keine Ahnung davon, dass es von diesem Garn noch eine Langfassung gibt, doch ich hatte schon den Eindruck, da wurden immer mal wieder größere, nicht recht nachvollziehbare Sprünge im Ablauf der Geschichte gemacht, und die Charaktetre kamen mir auch irgendwie alle samt und sonders zu knapp weg, zu wenig ausgearbeitet. Und so wollte die ganze - obschon genial eklige Geschichte – nicht so recht aus dem Quark kommen. Somit handelt es sich hierbei, gewollt oder auch nicht, im Fluss des Films auch im Prinzip um so was wie einen Appetizer - eine Vorspeise – zu den Dingen, die da noch kommen werden, wenngleich ich hinzufügen muss, schlecht gelungen ist Chans Beitrag nicht. Deutlich schwächer als der Rest des Films hingegen geriet er in der Gesamtauswertung schon.

Der südkoreanische Beitrag „Cut“ ist den meisten Leuten das Highlight dieses Films. Und unbedingt ist hier rein filmisch schon mal alles stimmig; die Schauspieler, die Kameraarbeit, die Ausleuchtung, hier wird fürwahr eine Atmosphäre fortschreitenden Wahnsinns entworfen, die in der Form ihresgleichen sucht und selten finden wird. Wenn man so will ist „Cut“ die Blaupause des Metzel-/Folterfilms a la „Saw“ mit viel subtileren Mitteln. Mir hat diese Filmgattung nie gefallen, denn ich will mich wirklich nicht davon unterhalten lassen, wie junge Menschen zur perversen Freude sadistischer Irrer (oder eines schaumäßig sadistisch veranlagten Publikums?) ausgeweidet werden. In „Cut“ aber funktionieren die Dinge ein wenig anders. Der irre Entführer weidet sich nicht am Thrill brutalster Gewalt, er beabsichtigt den Willen des vermeintlich nicht ausreichend bösen „Machers“ zu brechen, auf das dieser in sein Schema passt. Selbstredend kommt erstens alles anders als man meistens zweitens denkt, und so twistet auch diese Episode einem unguten Ende entgegen. Park Chan-wook, den meisten wohl von dessen Hit Old Boy bekannt, hat hier ein wahres „Sicko-Kammerspiel“ inszeniert, das mit dem Nervenkostüm seiner Zuschauer spielt.

Dennoch hinterließ meines Empfindens nach Takashi Miikes „Box“ den nachhaltigsten Eindruck, wenngleich seine Episode auch gemessen an den beiden Vorgängern eher ruhig, auf eine gewisse Weise beinahe meditativ vorgetragen wird. Dennoch entfernt sich Miike verglichen mit dem Output seiner beiden Kollegen am weitesten von einer konventionellen Erzählform und bedient sich surrealer Elemente um die verschachtelte Geschichte von Schuld, Verdrängung und den psychischen Folgen davon an den Zuschauer zu bringen. Der Japaner, bei dem man vorher nie weiß, was man bekommt, hat er doch in seiner Karriere schon unglaublich viele Filme gemacht, manche davon sind einfach nur grottenschlecht, andere geniale Filmkunstwerke, springt willkürlich von Vergangenheit zu Gegenwart und wieder zurück, bis er allmählich beide Ebenen zusammenführt und am Schluss noch einen rätselhaften und verstörenden Twist einbaut, der den Zuschauer frösteln lässt. Überhaupt, Miike erzählt die Geschichte so kühl wie die Schneelandschaft aussieht, in welcher sie spielt. Und auch wenn der Film vordergründig auf der Ebene des Geisterfilms spielt, so bedient er sich letztlich nur dieses Ausdrucks, denn eigentlich geht es hier um etwas ganz anderes, nämlich um eine zerrüttete junge Frau, die nicht mit den Narben auf der Seele klar kommt. Somit ist auch Miikes Beitrag zu dieser Kompilation ein echtes „Extreme“.

Sehenswert sind ganz sicher alle drei Episoden. Dass der Rezensent den Reigeneröffner „Dumplings“ für eindeutig schwächer befand als die beiden anderen Kurzwaren, tat er ja schon kund. Doch auch hierbei handelt es sich keinesfalls um einen wirklich schlechten Film, worauf noch einmal ausdrücklich hingewiesen werden soll. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass er eigenständig als Langfilm einfach in einem besseren Licht dasteht als eben als Drittel dieser Anthologie. Miikes und Chan-wooks Episoden sind beide auf einem künstlerisch hohen Level, inhaltlich verstörend, ungewöhnlich erzählt, mitunter fast schon experimentell, und habe auch noch eine Botschaft. Herrschaften, so muss phantastisches Kino sein! Derzeit bekommt man das tatsächlich kaum irgendwo besser geboten als in Asien, und wer nun gern in diesen faszinierenden Abgrund eintauchen möchte, dem sei diese Filmanthologie wärmstens als Einstieg ans Herz gelegt.

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

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Veröffentlichungen

Die DVD besorgt man sich bei den Asia Spezialisten von der e-m-s, wo sie - auch als Doppel DVD Special Edition - in der Cine Magic Asia Reihe erschien.

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