Das Fenster zum Hof

Originaltitel: Rear Window
Alternativtitel: Alfred Hitchcock's Rear Window
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  1954
Regie: Alfred Hitchcock
 

Darsteller

Figur

James Stewart  L. B. 'Jeff' Jefferies
Grace Kelly  Lisa Carol Fremont
Wendell Corey  Det. Lt. Thomas J. Doyle
Thelma Ritter  Stella
Raymond Burr  Lars Thorwald
Judith Evelyn  Miss Lonelyhearts
Ross Bagdasarian  Songwriter
Georgine Darcy  Miss Torso
Sara Berner  Frau, die über Thorwalds wohnt
Frank Cady  Mann, der über Thorwalds wohnt
  
Genre: Klassiker, Thriller
Sequels: Das Fenster zum Hof (1954)
Das Fenster zum Hof (1998)
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 Deutsches DVD-Cover, erschienen bei Universal

Inhalt

Als sich der Pressefotograf Jeff ein Bein bricht, muss er 7 Wochen einen Gips tragen und kann sich nicht sonderlich gut bewegen. Aus dem Grund hängt er nur noch zu Hause vor dem Fenster rum und spioniert aus Langeweile die Nachbarn mit seinem Teleobjektiv aus.
Jedem einzelnen gibt er einen speziellen Kosenamen wie etwa der einsamen Miss Lonely Hearts, dem Komponisten, der begehrten Balletttänzerin, dem frisch verliebten Paar, dem älteren Ehepaar mit Hund und dem Ehepaar mit der bettlägerigen, kranken Frau. Seine hübsche Freundin Lisa belächelt das Ganze genervt. Bis zu dem Tag als Jeff den Nachbarn mit der kranken Frau, mysteriöser Weise mitten in der Nacht bei strömenden Regen, mit einem Koffer ein und aus laufen sieht, ihn außerdem beobachtet wie er danach den Koffer auswäscht und ein Messer und eine Säge in Zeitungspapier einwickelt und den großen Schrankkoffer abtransportiert. Seit dem Tag sind die Jalousien im Schlafzimmer immer unten und die Frau ist plötzlich verschwunden.
Hat der Mann seine eigene Frau ermordet, sie zerstückelt und dann Stück für Stück aus dem Haus getragen??...

Kommentar

Dieser großartige Hitchcock Kriminal Klassiker nach der literarischen Vorlage von Cornell Woolrich, zählt für Fans sicherlich zu einem der besten Filme des großen Meisters und gehört ohne Zweifel in jede gute Filmsammlung. Das Drehbuch zu diesem Gesellschaftsdrama schrieb John Michael Hayes der nach diesem noch drei weitere Male für Hitchcock schrieb. Doch auch auf die Gefahr hin nun gesteinigt und mit vernichtenden unverständlichen Kommentaren bombardiert zu werden, kann ich für meinen Teil trotzdem nur 4 Punkte vergeben und das aus zwei Gründen.
Zuerst mal muss ich erklären dass ich sehr wohl ein ganz großer Fan von Hitchcock bin. Doch meine Lieblingsfilme von ihm sind allerdings die wo auch der Score dazu passt und einem unter die Haut geht und das ist meiner Meinung nach nur bei Psycho und bei Bei Anruf Mord der Fall.
Musik ist für mich extrem wichtig und eine noch so spannende Atmosphäre kann schnell verhauen und vernichtet werden wenn die Hintergrundmusik nicht dazu passt. Und das kann durchaus eine locker fröhliche Countrymusic wie bei Mörderspinnen sein wenn es dazu passt. Hier ist es die für mich total unpassende, schrecklich beschwingt fröhliche Musik von Franz Waxman der mit seinen fast 200 Filmmusiken ein bedeutender deutsch-amerikanischer Filmkomponist, Dirigent und Arrangeur war doch hier den Film vor allem anfangs wie eine romantisch nette Rock Hudson Komödie rüber bringt. Das ständige Klaviergeklimper fand ich total nervig. Sicher wenn es auch beabsichtigt war an das ganze völlig locker und fröhlich heran zu gehen, eben wie in einem komödiantischen Thriller der erst nach und nach wechselt, mich persönlich muss es von Anfang an schon mit reißen.
So verliert die super spannende Szene als die Frau in der Nachbarwohnung rum spioniert völlig seine Wirkung weil die Musik nicht dazu passt. Aber o.k.

Die Geschichte selbst ist natürlich großartig. Die Schauspieler ebenso. Absolut fantastisch, da gibt’s gar nix.
Filmlegende James Stewart, der in insgesamt vier von Hitchcocks Filmen die Hauptrolle spielte, und die wunderschöne Grace Kelly die später Fürst Rainier von Monaco heiratete und dadurch Fürstin Gracia Patricia wurde, spielte als Hitchcocks Lieblingsschauspielerin ebenfalls noch in zwei anderen Filmen (Bei Anruf Mord, Über den Dächern von Nizza) von ihm mit.
Die Pflegerin Stella gibt Charakterdarstellerin Thelma Ritter (Bettgeflüster, Eine zuviel im Bett beide mit Doris Day), deren Markenzeichen ihr schnoddriger Humor ist.

Typisch für Hitchcock spielt auch diese Geschichte fast nur in einem einzigen Raum und eben den Wohnungen die man etwas einsehen kann im Hof gegenüber. Völlig ohne Schockeffekte oder sonstigem aufwendigen Schnick Schnack erzeugt der Film dadurch trotzdem seine besondere Spannung wenn man es schafft, sich geduldig komplett auf die Handlung ein zu lassen.
Die scheinbar belanglosen Dialoge zwischen dem coolen James Stewart und der niedlichen Grace Kelly oder den kleinen Problemchen des Alltags wie etwa der Juckreiz unter dem Gips (eine der nettesten Szenen als er sich mit seinem Stecken kratzt und dabei wohlig stöhnt…) oder der einsamen alten Frau gegenüber die sich mit sich selbst unterhält und so tut als hätte sie Besuch, sind hier ebenso wichtig wie der Hauptakt des vermeintlichen Mordes später selbst.
Äußerst spannende Situation als Stewart meint dass sein Nachbar seine Frau umgebracht haben soll und von nun an beobachtet wie dieser versucht es zu vertuschen. Er ist derart davon besessen seinem Nachbarn auf die Schliche zu kommen, dass es direkt enttäuschen würde wenn es schussendlich dann doch nicht so wäre. Bedenklich dabei ist die Tatsache dass der Beobachter hier alles andere aus dem Blickwinkel verliert und sich wirklich nur noch auf diesen einen Mann konzentriert so dass es ihm sogar völlig gleichgültig wird dass die einsame Frau sich derweil das Leben nehmen möchte und alles offensichtlich für ihren Selbstmord arrangiert.

Was mir hier leider neben dem Score als zweiter Punkt nicht so gefiel ist der ziemlich kurze, „harmlose“ und langweilige Schluss. Da hat mir einfach was gefehlt. Nachdem sich der ganze Film um nichts anderes dreht als die Frage, ob die Frau denn nun ermordet wurde oder nicht, ist es dann so schnell abgeschlossen als es dann wirklich aufgeklärt ist. Die Tatsache, dass der Typ seine Frau mit einer Säge zerstückelt hat und einzeln in Teilen im Koffer raus getragen hat.... mein Gott, allein bei dem Gedanken fröstelt es einen, aber ich hätte es gerne ein bisschen dramatischer gehabt in etwas mehr perversen Details. Aber gut, man kann nicht alles haben das hätte vielleicht nicht zu dem Film dazu gepasst. So darf man stattdessen über so manche Szenen schmunzeln, wie etwa den farbig-fröhlich total unecht wirkenden Kulissen, den ständigen gleichen Fußgängern und dem Straßenlärm, den man unten im Hof bei dem Durchgang mitkriegt und der praktischen Art den Hund Gassi zu führen, indem man ihn einfach im Korb runter lässt damit er unten sein Geschäft alleine verrichten kann...

Fazit: Uralter, äußerst dialoglastiger Klassiker, auf den man sich einlassen muss, da er evtl. schnell langweilig werden könnte.
Für Fans der Story gibt’s auch ein modernes Remake von Jeff Bleckner mit Christopher Reeve in der Hauptrolle, der statt einem Gipsbein gleich komplett vom Hals an gelähmt ist und diese Rolle leider nicht nur spielt sondern auch im wirklichen Leben nach einem Unfall so dramatisch behindert war. Unterschied zum Remake ist außerdem die Tatsache, dass die Leiche hier nicht zersägt und im Koffer raus transportiert, sondern offensichtlich in eine Skulptur eingemauert wird...

Filmreview von: Berti / Alle Reviews von Berti

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Der Film ist in etlichen Auflagen bei Universal auf DVD und VHS erschienen.

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Weitere Kommentare zum Film

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Preytor, 30.07.09
Tolle Filmkritik Berti ! Kann dir im großen und ganzen auch nur zustimmen; das Ende war einfach zu lahm. Vom Score hätte man auch mehr erwarten können. Habe den Film letztens wieder gesehen und finde auch, dass Hitchcock schon bessere Werke hatte. Zumal man auch das Alter beachten muss. Dennoch ein sehr guter Film. Neben den ganzen (Riesen)monsterverfilmungen (Yeti, Formicula, Tarantula) die in den 50er Jahren sehr beliebt waren, setzte Hithccock mit seinen Thrillern neue Maßstäbe. Unterhaltsam, spannend und auch heute noch ein gern gesehener Film von mir.
 
Wollo, 30.07.09
"Rear Window" ist für mich neben "Vertigo" der wohl beste Hitchcock Film überhaupt, viel besser noch als der im allgemeinen leicht überschätzte (weil doch ein wenig nach Reissbrett anmutendem) "Psycho", der aber ohne jede Frage dennoch ein guter Film ist, oder eben dem wegweisenden Tierhorrorfilm "Die Vögel", der eben auch alles andere als schlecht ist, nur sind das eben Filme ganz anderer Art als dieser hier. Am "Fenster zum Hof" gefällt mir eben besonders die leichte Hand, mit der Hitchcock hier auf den ersten Blick inszeniert hat. Der Film wirkt leicht, sommerlich beschwingt, das Paar kabbelt sich nach guter alter Screwball-Manier, die toughe Schwester mit dem guten Herzen ist mit von der Partie, beim Musiker gegenüber wird jeden Abend Party gemacht, die Hochsommerhitze Manhattans ist förmlich spürbar, doch auch kleine Dramen spielen sich am Rande ab, während die brutale Mordgeschichte um den finsteren Vertreter, der seiner Frau den Garaus gemacht und deren sterbliche Überreste offensichtlich Stück für Stück über NYC verteilt hat (was zur damaligen Zeit übrigens schon in der bloßen Andeutung starker Tobak gewesen ist), sich allmählich dem Zuschauer (sowohl "Jeff" im Film wie auch uns) offenbart. Hier konnte der Meister gar nicht anders als in dieser Weise subtil zuwerke zu gehen, andernfalls hätte es Ärger mit der Zensur gegeben. Zudem ist Hitchcock ja bekanntlich Brite gewesen, und als solcher liebte er den richtig bitterbösen schwarzen Humor, von dem dieser Film nur so durchdrungen ist. So, und schaut man nun mal genau hin, dann erkennt man auch, wie bestechend präzise "Hitch" den Film als Regisseur inszeniert hat, wie brillant er sein Ensemble, das ausnahmslos aus absoluten Könnern bestand, instruiert und angeleitet haben muss. Immer wieder sieht man komplette Szenen, die aus einer einzigen Einstellung ohne sichtbare Schnitte gefilmt worden sind, und die dem Film seinen besonderen, eben fast kammerspielartigen Charakter verleihen, und das sind solche Szenen, in denen alles stimmt, was für das außergewöhnliche Können aller Beteiligten spricht. Ein ebenfalls offensichtliches Stilmittel ist das charakteristische "Fade to Black", also das Ausblenden einer Szene ins Schwarze. Hitchcock setzt diesen Kniff ausnahmslos an den richigen Stellen ein, so als ob in einem Buch ein neues Kapitel beginnen würde oder eben bei einem Theaterstück der Vorhang fällt um einen neuerlichen Aufzug einzuläuten, was, wie ich finde, auch ein sehr elegantes Ausdrucksmittel ist, das im heutigen Filmgeschäft leider nur noch sehr selten zum Ausdruck kommt. Klar, aus heutiger Sicht wirkt manches - wenngleich auch erstaunlich wenig - etwas bieder, aber dieser Eindruck ist letztlich natürlich dem Zeitgeist geschuldet und dafür kann keiner was, der damals an dem Streifen mitgewirkt hat. Man sollte sich den Film übrigens unbedingt in der englischen Originalfassung anschauen, denn im deutschen gehen viele der klugen Spitzen um den aus purer Langeweile entstandenen Voyeurismus "Jeffs" verloren. Der Film ist zurecht einer der ganz großen Genreklassiker und meines Erachtens nach Filmkunst pur, so wie sie eben sein muss. Klug, unterhaltsam, elegant, handwerklich perfekt, aber auch ungemein mitreißend und dramatisch. Wow! Volle Punktzahl!
 
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