V wie Vendetta
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Inhalt
Großbritannien in nicht allzu ferner Zukunft: Während der Rest der Welt von Kriegen, Seuchen und Terrorismus erschüttert wird, hält die Insel das unbarmherzige autoritäre Regime des Großkanzlers Adam Sutler fest im eisernen Griff. Die Bevölkerung wird zu „ihrem eigenen Besten“ unterjocht und scheint damit gar nicht mal unglücklich zu sein. In dieser unspaßigen Welt lebt auch die junge Evey, die als Assistentin des Fernsehmoderatoren Gordon Deitrich arbeitet. Eines Abends verstößt Evey gegen die nächtliche Ausgangssperre um zu einem späten Meeting mit Deitrich aufzubrechen, da wird sie von den so genannten „Fingermen“ aufgegriffen, den Geheimpolizisten des Systems. Diese haben mit der jungen hübschen Frau ihre eigene Form der Bestrafung im Sinn, als plötzlich ein Maskierter erscheint, der den Finstermännern tüchtig auf die Finger gibt. Es ist der berüchtigte „V“, ein Widerstandskämpfer, der stets in der Maske des legendären Guy Fawkes auftritt, welcher im Jahre 1605 vorhatte, das englische Parlament in die Luft zu jagen (Gunpowder Treason, bitte googlen, ist nämlich interessant.) „V“ lädt Evey ein, ihm zu folgen, denn für die nämliche Nacht hat der Maskierte noch ein besonderes Feuerwerk geplant: einen Sprengsatz für Old Bailey, den Londoner Strafgerichtshof! Die Machthaber toben!
Am nächsten Tag erscheint „V“ bei dem Fernsehsender, für welchen Evey werktätig ist und erzwingt eine Ausstrahlung, in der er die Bevölkerung Großbritanniens dazu auffordert, am nächsten 5. November, dem „Guy Fawkes Day“, vor dem britischen Parlament zu demonstrieren. Das Volk dürfe seine Unterdrückung nicht länger hinnehmen! Mit einem Trick versucht „V“ den Sicherheitskräften hernach zu entgehen, gerät aber in arge Bedrängnis, aus der Evey ihn nun befreit. „V“ nimmt sie mit in sein unterirdisches Versteck um sie vor der Verfolgung durch den Staatsapparat zu schützen, denn schon haben sich die Detectives Finch und Stone an ihre Fährten geheftet. Der Maskierte versucht Evey von seinem Kreuzzug zu überzeugen, doch zunächst will diese nicht hinnehmen, dass ihr Leben, so wie sie es kannte, fortan nicht mehr zu führen ist. Als sie vorgibt „V“ unterstützen zu wollen nutzt sie die erstbeste Gelegenheit zur Flucht. Doch sie wird aufgegriffen und gefoltert. Im Gefängnis verliert Evey schließlich ihre Angst und erkennt, dass sie lieber stirbt als dem Regime weiterhin dienstbar zu sein. Doch so schnell wird nicht gestorben, denn „V“ hat andere Pläne mit Evey…
Während dessen erkennen auch die Ermittler Finch und Stone, dass die Wahrheit nicht immer das ist, was offiziell gilt, denn bei ihrer Jagd nach „V“ setzt sich nach und nach ein Mosaik zusammen, welches erkennen lässt, dass die gesamte Führungselite Britanias in eine gigantische Verschwörung gegen das eigene Volk verwickelt ist …
Kommentar
Alan Moore ist ein Genie. Allerdings eines der streitbaren Sorte, weswegen er jedes Mal, wenn sich wer anschickte eine seiner vielfach ausgezeichneten Graphic Novels für die große Leinwand zu adaptieren, seine Beteiligung am jeweiligen Film konsequent verweigerte, ja sogar ausdrücklich darum bat, seinen Namen aus dem Projekt herauszuhalten, wofür er sogar auf finanzielle Einkünfte aus den Filmerlösen verzichtete. Das galt für From Hell, das galt für die unsägliche Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen Verfilmung, das war nicht anders bei Zack Snyders "Watchmen" und ist schließlich genau so gewesen beim hier besprochenen Film, in dessen Vorspann zu lesen ist, er basiere auf dem Comic von David Lloyd, was so vollkommen verkehrt auch wieder nicht ist, da Lloyd als Zeichner gemeinsam mit Moore an den Vorlagen arbeitete. Moore sagte in einem Interview anlässlich des „Watchmen“ Filmstarts „Ich will mit diesem kommerziellen Mist nicht assoziiert werden. Was wir mit Papier und Tinte geschaffen haben, wird der Film nicht übertreffen – auch nicht mit einem Millionenbudget.“ Über den „Watchmen“ Film vermutete er, „der Film wird mit ziemlicher Sicherheit lächerlich“ sein. Dies kann der Rezensent jetzt nicht wirklich bestätigen da „Watchmen“ der einzige der vier Filme ist, den er bislang noch nicht gesehen hat, doch auf „From Hell“ trifft das mit der Lächerlichkeit zum Teil zu, auf „LXG“ ganz gewiss. Und wie sieht es mit „V wie Vendetta“ aus? Tja, schwierig, schwierig, das, denn viel von dem, was die Comicvorlage so außergewöhnlich macht, lässt sich im Film nicht finden. Der Film lässt also wenig Moore erkennen, dafür aber ziemlich viel Wachowski, denn von den Gebrüdern aus der Matrix stammten Drehbuch und Produktionskohle. Wie viel der von den Wachowskis angeheuerte Regisseur James McTeigue am Set tatsächlich zu sagen hatte, ist nicht überliefert, doch die Handschrift der Brüder ist kaum zu übersehen. Bereits in der ersten Szene, in welcher „V“ in Aktion tritt, hören wir die Matrix tapsen, furiose Kamerafahrten und SloMo Effekte gibt es bereits hier galore, zumal ja mit Hauptdarsteller Hugo Weaving noch ein alter Bekannter aus der berühmten Trilogie mit von der Partie ist. Zu ihm aber später mehr.
Wir wissen also nun schon, dass die Actionszenen spektakulär in Szene gesetzt worden sind, allerdings sind diese im gesamten Film, der ja immerhin eine Laufzeit von über zwei Stunden zu bieten hat, eher rar gesät. Jetzt könnte man als Argument ins Feld führen, dass es den Machern mehr um den Inhalt denn um die Aktion geht, aber leider ist es so einfach auch wieder nicht. Klar, die Wachowskis bedrohen uns hier mit dem kompletten Rundumpaket dessen, was der Gegenwartsmensch zu fürchten hat: Pandemien in den Tagen von Vogel- und Schweinegrippe oder AIDS, Terrorismus, Kriege, nukleare Bedrohung, das Ende aller Tage sozusagen, das über die Menschheit kommen wird, wenn sie sich nicht unter die vermeintliche Schutzmacht des faschistischen Staatsapparats stellt. Leider aber verbreiten die Brüder ihre Message mal wieder in ähnlich plumper Weise wie in den beiden „Matrix“ Sequels unter ihre Jünger. „V“ ist der maskierte Erlöser, der die geknechteten Massen anführt. Das ganze erinnert ein wenig an Batman, und tatsächlich ist auch das Dilemma des Helden hier ganz klar ein großes Thema, was allerdings nicht konsequent genug zu Ende gedacht worden ist. Der „V“ aus dem Buch hat letztlich nicht mehr viel Ähnlichkeit mit dem aus dem Film – wenngleich er auch hervorragend von Hugo Weaving gegeben wird. „Film V“ ist ein gesichtsloser Messias, der mit aller Selbstverständlichkeit für die gerechte Sache mordet und sich opfert, ein nahezu makelloser Held, der seinen ehemaligen Peinigern einen schmerzlosen Abgang bereitet, ein schwafelnder Schöngeist, der sich selbstredend auch noch verliebt. Der Original „V“ ist ein Anarchist mit psychopathischen Zügen, der das Töten billigend in Kauf nimmt und auch von Rache getrieben wird. Er bildet Evey, die im Buch eine von ihm gerettete Zwangsprostituierte ist, zu seiner Nachfolgerin aus und macht sich selber mit seiner von ihm angezettelten Revolution am Ende überflüssig, so besteigt er eine mit Sprengstoff bestückte U-Bahn um Downingstreet 10 zu atomisieren. Evey stülpt sich die Fawkes Maske über und führt nun den Widerstand gegen die Regierung an. Im Film endet der edle „V“ allerdings ganz anders, doch auch hier beerbt Evey den Helden. Allerdings ist das Ende des Films eher kitschig geraten, auch wenn es ganz hübsche Bilder von der Sprengung Big Bens und des englischen Parlaments zu sehen gibt. Abermals wurde der Fehler begangen und aus einer ziemlich genialen, radikalen Vorlage Moores ein relativ glatt gebügelter Film gemacht, der zwar so tut, als habe er eine große politische Botschaft zu verkaufen, dies aber weit unter Wert macht, indem er die Aussage des Originals banalisiert und verfremdet, dem Mainstreampublikum in mundgerechten Häppchen verabreicht und immer wieder Bilder einstreut, die toll beeindruckend daherkommen sollen, manches Mal aber eher lächerlich wirken. Genau dieser Umstand macht den Rezensenten zornig. Mit anderen Worten: ich fühle mich als wie ich denke mündiger Zuschauer verschaukelt! Wozu überhaupt verfilmt Hollywood mit schöner Regelmäßigkeit die Werke Alan Moores, wenn man diese doch stets verbiegt, verfremdet, banalisiert, mir in einer Form vorsetzt, die mich nicht ernst nimmt? Wenn man Angst vor der radikalen Sprengkraft der Vorlage hat, dann lässt man es doch besser gleich bleiben, einen solchen Film zu inszenieren, andernfalls verärgert man sein Publikum letztlich nur. Statt sich was zu trauen, wird die ewig gleiche Pastete gereicht, die hier auch noch reichlich unentschlossen daherkommt. Zu Recht urteilte Alan Moore, dem die Wachowskis ihr Drehbuch schickten, so knapp wie treffend mit dem Ausspruch „Bullshit!“
Kommen wir nun zu den erfreulicheren Aspekten des Films: den Darstellern. Größtenteils haben wir es hier mit nicht viel weniger zu tun, als einem Großteil der englischen Schauspielelite. Okay, Hauptdarsteller Weaving ist Australier, zugegeben. Und auch wenn seine Figur nicht allzu viel mit der aus der Vorlage zu tun hat, so macht er doch einen fantastischen Job, und das obschon sein Gesicht im Film nicht einmal zu sehen ist, weil es ja stets hinter der Maske verborgen bleibt. Weaving muss die Figur also allein durch Gestik und Sprachausdruck zum Leben erwecken, und das gelingt ihm auch hervorragend. Ein jeder, der der englischen Sprache mächtig ist, sollte die deutsche Fassung meiden wieder Teufel das Weihwasser, denn auch wenn Oliver Stritzel einen ganz guten Job als Synchronstimmer von „V“ macht, so muss man Weaving und seine Sprechweise im Original doch gehört haben um in den vollen Genus seiner Darstellung zu kommen. Übrigens war für die Rolle des „V“ ursprünglich der aus der genialen HBO Fernsehserie „Rom“ bekannte britische Schauspieler James Purefoy vorgesehen, dieser überwarf sich jedoch mit der Regie und wurde kurzerhand von Weaving ersetzt, was keinesfalls ein schlechter Tausch war. Die zauberschöne Natalie Portman darf hier nach ihrem Ausflug in die enttäuschende zweite Star Wars Trilogie auch endlich wieder schauspielerisch glänzen, denn sie kann es ja! Ihre Darstellung der Evey geriet entsprechend intensiv. Anfangs ist sie hilflos, ein Mitläufer unter vielen, der es nicht wagt aufzubegehren, doch sie muss durch ein Fegefeuer waten, aus dem sie gestärkt und moralisch gefestigt hervorgeht. Das gelingt Portman überaus überzeugend, und ihr geschorener Schopf erregte seinerzeit viel Aufmerksamkeit. Auch Stephen Rea, der den zweifelnden Inspektor Finch gibt, dem im Buch eine weitaus größere Bedeutung zukommt als im Film, macht seinen Job ziemlich gut und weiß Akzente zu setzen. Der andere Stephen, Fry mit Nachnamen, der uns hier den Gordon Deitrich gibt, scheint einmal mehr sich selbst zu spielen, aber das geht in Ordnung. Dann wäre da ja noch John Hurt als Kanzler Sutler, der sozusagen männlichen Entsprechung einer noch „eiserneren“ Maggie Thatcher, der hier quasi den Gegenpart einer seiner berühmtesten Rollen gibt, nämlich die des John Smith in der George Orwell Verfilmung „1984“, an die uns „V wie Vendetta“ manchmal mit dem Holzhammer gemahnen will, wie es scheint.
Insgesamt sehen wir also tolle Schauspieler in einer Filmhandlung, die mal wieder gänzlich verzerrt und weichgespült geraten ist gegenüber der bahnbrechenden Vorlage. Dies ist umso ärgerlicher, als das der Film ja eigentlich außerhalb des Hollywood-Wertesystems entstanden ist, handelt es sich doch eigentlich um eine deutsch britische Co-Produktion, in die letztlich über die Wachowski Brüder doch noch amerikanisches Geld floss. Der Film entstand komplett in Potsdam Babelsberg und in London. Seine Action-Szenen gerieten durchaus furios und gemessen an den anderen beiden Moore Verfilmungen, denen ich hab ansichtig werden dürfen/müssen, die „Watchmen“ muss ich wider besseren Wissens außen vor lassen, als dennoch nicht gänzlich – gerade wenn man „XLG“ betrachtet – gescheitert betrachten. Dennoch, man hat mehr erwarten dürfen, aber nicht bekommen. Wenn ich nun dennoch drei Skulls vergebe, so ist mindestens einer den tollen Akteuren geschuldet, ein weiterer den gelungenen Setdesigns und den rar gesäten, aber überzeugenden Actionsequenzen, die manches Mal eben doch über Wohl und Weh eines Films entscheiden können. Doof eigentlich, dass das so ist, denn sollte nicht eigentlich die Feder über das Schwert obsiegen? Aber manchmal, tja manchmal….
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
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Veröffentlichungen
Für die DVD - auch in entsprechenden Special Releases - Blu-ray und HD DVD hat man sich beim Warner Home Video Imperium umzutun. Gleiches gilt für nahezu sämtliche Releases in ausländischen Fassungen.
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Weitere Kommentare zum Film
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| Ruthven, 30.12.09 |
| Sicher ist auch „V wie Vendetta“ nicht der der Film geworden, der er aufgrund der Vorlage Alan Moores hätte werden können, vielleicht hätte werden müssen, dennoch wird der Streifen m.E. ein wenig zu streng beurteilt. So sehr sich Moore von dem Film distanziert hat, so sehr hat sich der Co-Schöpfer des Comics, der Zeichner David Lloyd, dem übrigens das geniale Design V’s zu danken ist, dazu bekannt. Alan Moore hat von den Filmversionen seiner Werke Abstand genommen, weil sie diesen nicht die absolute Treue hielten (insofern sollte er sich „Watchmen“ doch mal ansehen, denn keine Verfilmung ist seinen Ideen und seiner Ästhetik bislang so nahegekommen, was wiederum auch bedeutet, daß Moore recht hat: Je näher man seiner Arbeit bleibt, desto besser ist der Film: kommerziell scheint das allerdings nicht der beste Ratschlag zu sein, leider…), dafür aber auch keine überzeugende eigene Version des Stoffes lieferten. Das mag für die „Liga“ gelten und auch für den gleichwohl besseren „From Hell“, dennoch muß ich konstatieren, daß den Machern von „V“, wiewohl ich mir auch eine dem Original mehr verpflichtete Adaption gewünscht hätte, eine durchaus plausible Eigeninterpretation der Vorlage gelungen ist: mitreißend inszeniert, intelligent (nicht zuletzt in dem aktualisierenden Ansatz, auch wenn der gewiß mitunter recht plump transportiert wird), mit toller Musik (Dario Marianelli) und wirklich guten Darstellern, die Wollo ja mit vollem Recht gefeiert hat. Das alles ist sicher längst nicht so radikal, wie es bei Moore angelegt ist und man es sich wünschen würde (gerade über die Auslassung bzw. Verflachung vieler Figuren kann man sich mit Fug und Recht ärgern, aber innerhalb seiner Laufzeit leistet der Film schon viel; Terry Gilliam nahm ja seinerzeit bei „Watchmen“ seinen Hut, weil er den Stoff nicht fürs Kino, sondern allenfalls als Mini-Serie für realisierbar hielt), für einen Streifen dieser Größenordnung traut sich „V“, auch wenn die Verklärung des nach wie vor höchst ambivalenten Titelhelden zum hoffnungslos Liebenden bestimmt die überflüssigste Zugabe der Macher ist, mehr als die meisten Filme dieser Budget-Größenordnung. Also, oh meine Brüder und Schwestern: So Ihr Moores Comicroman kennt, erwartet keine buchstabengetreue Adaption, sondern eine im Vergleich weichgezeichnete, aber immer noch visuell wie inhaltlich lohnende Variation, so Ihr den Namen Moore an dieser Stelle erstmals vernommen habt oder immerhin keine literarische Offenbarung damit verbindet, freut Euch auf einen trotz aller berechtigten Einwände sehr lohnenden Film! |
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