Welt am Draht
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Inhalt
Im IKZ, dem Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung, wurde unter der Leitung von Professor Henry Vollmer Simulacron, eine virtuelle Computerwelt, entwickelt, wo fast 10.000 selbständig denkende und handelnde Identitäten einprogrammiert sind. Für diese Identitäten ist es die reale Welt, die Bewohner wissen nicht, dass sie künstlich geschaffen wurden und beobachtet werden. Doch Professor Vollmer hat ein grauenvolles Geheimnis entdeckt, mit dem er nicht mehr leben will. Nach seinem Tod wir seine Position von Fred Stiller besetzt. Günther Lause, der Sicherheitsbeauftragte des Instituts, der als letztes mit Professor Vollmer vor seinem Tod gesprochen hat, verschwindet während eines Gesprächs über Vollmers letzte Worte mit Stiller spurlos. Kurz darauf leugnen alle seine Existenz, nur Stiller weiß von ihm Bescheid. Bei einem virtuellen Ausflug in Simulacron, wo er seine Kontaktperson namens Einstein trifft, begegnet er Günther Lause. Doch dann häufen sich nicht erklärbare Vorkommnisse. Hinzu kommen Unstimmigkeiten mit Herbert Siskins, der die Forschungsergebnisse und Hochrechnungen, die sich in Simulacron anstellen lassen und auf die reale Welt übertragbar sind, gerne kommerziell nutzen möchte. Durch einen Computerfehler gelingt es der virtuellen Kontaktperson Einstein in der Gestalt eines IKZ-Mitarbeiters aus Simulacron zu entkommen. Er behauptet zu Stiller, auch diese Welt sei nicht real. Stiller geht dem nach und stößt bei seinen Recherchen und Überlegungen auf eine unfassbare Erkenntnis, doch dieses Wissen ist gefährlich, ein Netz von Intrigen baut sich gegen ihn auf und ...
Kommentar
Regisseur Rainer Werner Fassbinder (Angst vor der Angst) dreht diesen zweiteiligen WDR-Fernsehfilm 1973 nach dem gleichnamigen, 1964 veröffentlichten Roman von Daniel F. Galouye. Dies ist der erste Film, der sich mit virtuellen Realitäten beschäftigt, und war damals absolut visionär. Die Thematik wird mit philosophischer Tiefe vorgetragen. Wenn wir im Stande sind, virtuelle Welten zu erschaffen, in der die digitalen Personen nichts davon ahnen, wer sagt und dann, dass unsere Welt nicht ebenfalls ein digitales Trugbild ist. Der Film kommt ohne nennenswerte Effekte aus und nimmt sich die Zeit, die Geschichte wirken zu lassen. Auch werden bereits gesellschaftskritische Themen wie Videoüberwachung und Korruption angesprochen. Die Darsteller, die mit Klaus Löwitsch, Barbara Valentin, Mascha Rabben, Karl Heinz Vosgerau, Ulli Lommel und Adrian Hoven sehr gut besetzt sind, sind allesamt überzeugend und geben dem Film eine eigene Erzählweise. Besonders Klaus Löwitsch, der Stiller bis zum Rande des Wahnsinns spielt, ist herrlich anzusehen. Aber die Story schwelgt nicht nur in epischer Tiefe, besonders im zweiten Teil nimmt das Tempo zu, Stiller weiß zu viel und soll beseitigt werden. Die auf 16mm gedrehte Utopie ist eine Genremischung aus Science-Fiction und Thriller, die zum Nachdenken anregt und eine nachhaltende Wirkung auf den Zuschauer hat. Und was damals wohl noch eine unvorstellbare Vision war, ist heute im Zeitalter von Internet und Second Life gar nicht mehr so abwegig. Der Film erführ 1999 mit "The 13th Floor" ein effektmäßg aufpoliertes Remake, die Thematik wurde aber auch in anderen Filmen wie Matrix und eXistenZ aufgegriffen.
Fazit: Der Film ist einer der Höhepunkte deutscher Fernsehfilme, sollte er mal wieder gezeigt werden unbedingt ansehen.
Filmreview von: Marcus Littwin / Alle Reviews von Marcus Littwin
Veröffentlichungen
Der Film ist bei Kinowelt Home Entertainment / Arthaus auf DVD erschienen.
Filmbewertung
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Welt am Draht - Arthaus Premium (2 DVDs)
Stand: 12.03.2010 14:18:04
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