Shadow of the Vampire

Originaltitel: Shadow of the Vampire
Alternativtitel: Burned to Light
Herstellungsland: USAUSA, GroßbritannienGroßbritannien, LuxemburgLuxemburg
Erscheinungsjahr:  2000
Regie: E. Elias Merhige
 

Darsteller

Figur

John Malkovich  F.W. Murnau
Willem Dafoe  Max Schreck
Cary Elwes  Fritz Arno Wagner
Udo Kier  Albin Grau
Eddie Izzard  Gustav von Wangenheim
Catherine McCormack  Greta Schröder
Aden Gillett  Henrik Galeen
Nicholas Elliott  Paul
Sophie Langevin  Elke
  
Genre: Vampire
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 Deutsches DVD-Cover, erschienen bei Splendid Film

Inhalt

Berlin Anfang der 1920’er Jahre: Der exzentrische Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau bereitet sein neuestes Werk vor, einen Film, wie ihn die Welt bis dahin noch nicht gesehen hat – den „Nosferatu“!
Um den Film so realistisch zu gestalten, wie es eben geht, lässt sich Murnau auf einen beinahe faustischen Pakt ein: er engagiert für die Titelrolle einen wahrhaftigen Untoten, dem er als Lohn für seine Darstellung den weißen Hals der Hauptdarstellerin Greta Schröder in Aussicht stellt, an dem der Nosferatu nach Drehende knabbern darf. Ein Blutzoll für die Kunst! Welcher Vampir könnte dazu schon nein sagen…
Dem Rest des Teams (und der Schröder erst recht) verschweigt Murnau allerdings, wer (oder was) der geheimnisvolle Max Schreck ist, der den Titelschurken spielt. Er lässt lediglich durchblicken, der Mann sei ein Schüler des legendären Theaterreformers Stanislawski, einem der frühen Vertreter des so genannten „Method Actings“, dem sich Schreck komplett verschrieben habe, was bedeutet, er werde ganz im Sinne der Rolle nur nach Sonnenuntergang am Set sein und ausschließlich in Maske und Kostüm erscheinen. Seltsam? Aber so steht es geschrieben…

Der schräge Herr Schreck fasziniert und erschreckt Team und Kollegen gleichermaßen, aber die Aufnahmen mit ihm geraten sensationell. Doch alsbald beginnt sich manch ein Crewmitglied seltsam kränklich zu fühlen, was natürlich daran liegt, dass Schreck seine Bedürfnisse nicht nach den Anweisungen Murnaus ausrichten kann/mag. Zwar kommen Drehbuchautor Henrik Galeen und Produzent Albin Grau dem Finstermann allmählich auf die Schliche, doch da ist es längst zu spät. Eingesperrt am Set dezimiert der Vampir das Filmteam bis der Morgen graut… und eben die letzte Klappe fällt!

Doch wer konnte dem übergroßen Schatten des Vampirs letztlich entkommen?

Kommentar

Nachdem der Rezensent an anderer Stelle auf eben diesen Seiten im verschlungenen www versucht hat, ihnen die Mutter aller Vampirfilme, nämlich Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens, gedreht von einem der großen Genies des deutschen Filmexpressionismus, eben Friedrich Wilhelm Murnau, ans Herz zu legen, und auch über das ein wenig enttäuschende, weil auf der einen Seite etwas zerrissen wirkende, auf der anderen Seite den megalomanischen Ansatz der Macher kaum verhehlende 1978’er Remake Nosferatu - Phantom der Nacht bereits berichtete, muss sich nun ein Kreis schließen und auch eben dieser Film hier unbedingt Erwähnung finden. Es handelt sich hierbei dennoch natürlich nicht um ein weiteres Remake des Originalstreifens, vielmehr um eine skurrile Hommage an den Film und das Filmschaffen im Allgemeinen, wobei hier auch ganz deutlich die Frage nach der Ethik im Kunstbetrieb gestellt wird, freilich nicht ohne Augenzwinkern. Genau dieses Augenzwinkern aber ist dem Film auch vielfach vorgeworfen worden, denn manch ein Kritiker empfand E. Elias Merhiges Aufarbeitung der, man muss ja schon sagen „Nosferatu-Legende“, als halbwegs unentschlossen. Diesem Ansatz aber möchte sich der Rezensent nicht, na ja, sagen wir mal größtenteils nicht anschließen. Hierzu dann aber später mehr, denn vorab kümmern wir uns um das Wesentliche!

Zunächst einmal ist es natürlich eine großartige Idee, der beängstigenden und vielfach beeindruckenden Darstellung Max Schrecks im Originalfilm Tribut zu zollen. Max Schreck, der ja tatsächlich so hieß und sich keinesfalls für diesen Film ein solches Pseudonym erdachte/verpasst bekam, ist wohl tatsächlich einer der großen Unbekannten der Filmhistorie. Der „Nosferatu“ sollte seine einzige Filmhauptrolle bleiben, aber er war seinerzeit beileibe kein unbeschriebenes Blatt. Tatsächlich arbeitete er mit Koryphäen seiner Ära zusammen wie Bertold Brecht oder Karl Valentin (was für seine absolute Vielseitigkeit spricht) und war auch nach dem „Nosferatu“ noch vielfach im Film beschäftigt, allerdings stets in Nebenrollen. Und seine eigentliche Liebe galt ohnehin den Theater. Somit blieb sein Gesicht im Prinzip dem großen Publikum unbekannt, und allmählich rankte sich manch eine Mär um den heute wieder berühmten „Nosferatu“, der aber beinahe jahrzehntelang unbekannt war. Erst ab den 1960’er Jahren fand der Film dann allmählich wieder die Würdigung, die ihm zusteht (warum das so war möge der Leser bitte dem Artikel zum Originalfilm entnehmen, andernfalls würde an dieser Stelle zu sehr abgeschweift werden), da aber entsann sich kaum noch jemand des großen Mimen Schreck. So kamen Gerüchte auf, der Darsteller des Vampirs sei tatsächlich ein solcher gewesen, anders ließe sich die intensive Darstellung des Untoten nicht erklären. Willem Dafoes Darstellung des Vampirs Max Schreck, der ja im Film tatsächlich einer ist, ist absolut großartig, zwar stets an der Grenze zur gnadenlosen Übertreibung, aber er bedient sich ja dabei zwangsläufig wie schlüssig des Ausdrucks der Stummfilmära, die dieses Stilmittel unbedingt einfordert. Seine Maske ist so genial, dass man sich gar nicht vorstellen mag, wie lange sich der arme Dafoe tatsächlich täglich dieser Prozedur unterzogen haben mag (was natürlich für den Originaldarsteller Max Schreck ebenso gelten muss.) Eine Anekdote vom Filmdreh besagt, Dafoe sei während einer Drehpause am Set einmal in Maske und Kostüm in der Garderobe eingeschlafen und habe sich beim Aufwachen so furchtbar über sein Spiegelbild erschreckt, dass er laut geschrieen haben soll. Natürlich weiß der Rezensent nichts über den Wahrheitsgehalt dieser kleinen, lustigen Geschichte, aber sie passt doch recht hübsch in das Gesamtkonzept, nicht wahr? Die größte Leistung in Dafoes Vampirdarstellung ist ohnehin, wie er es mit seinem Spiel immer wieder schafft, den Grusel ironisch zu brechen, aber keinesfalls lächerlich zu machen. Unvergessen bleibt die Szene, in der Albin Grau und Henrik Galeen sich über den „vermeintlichen“ Nosferatu lustig machen, während man gemeinsam eine Flasche Schnaps leert, der auch Schreck zuspricht. Während nun aber Grau und Galeen immer noch glauben, sie hätten es mit einem fanatischen Schauspiel-Maniac zu tun, der doch nun endlich mal seine Maske abnehmen könne um sein Inkognito preiszugeben, krallt sich Schreck eine vorbeiflatternde Fledermaus, beißt hinein und saugt das Tier aus. Herrlich!

Wie gesagt, manch einem Kritiker verhagelten Szenen wie diese den Film. Zu unentschlossen sei der Spagat zwischen halbdokumentarischen Regie-Porträt und ironischer Horrorkomödie (welch schreckliches Wort, das.) Dies aber läst sich recht einfach entkräften, denn so wie der Film angelegt ist, also seiner aberwitzigen Grundidee folgend, konnte der Film im Grunde kaum anders gestaltet werden. Vielleicht könnte man Merhige vorwerfen, dass sein Film manches Mal etwas gewollt artifiziell daher kommt, vielleicht sogar in manchen Szenen etwas schnöselig, und das war es auch was ich meinte, als ich schrieb, ich möchte mich der Kritik der Unentschlossenheit größtenteils nicht anschließen, aber insgesamt kann man eigentlich über fast jeden Film sagen, dass Licht und Schatten(spiele) in ihm zu finden sind. Das Zusammenspiel von Ironie und echtem Schrecken funktioniert allerdings in diesem Film hervorragend. Eigentlich findet es der Rezensent ziemlich furchtbar, wenn, wie im heutigen Horrorfilm beinahe Usus, die Schreckmomente auf Teufel komm raus ironisiert und somit oftmals banalisiert und völlig verniedlicht werden, denn das kann einem Film durchaus schon mal seine Seele rauben. Wenn aber ein Regisseur dieses Spiel beherrscht, wie beispielsweise Roman Polanski in seinem Meisterwerk Tanz der Vampire oder Tim Burton in fast all seinen Filmen, dann funktioniert dieser Kniff sehr wohl. Und apropos Tim Burton (mal wieder, ich weiß), „Shadow of the Vampire“ funktioniert im Prinzip gar nicht mal so anders wie Burtons liebevoll tragikomische Filmbiografie „Ed Wood“, die er dem vermeintlich und vielfach so bezeichneten „schlechtesten“ Regisseur aller Zeiten widmete und in der Johnny Depp eine herrliche Arbeit als Titelfigur ablieferte. Der Humor funktioniert in ganz ähnlicher Weise, und wer wollte bestreiten, dass Burtons Film ein Meisterwerk ist? Also, langer Rede kurzer Sinn, auch Merhige beherrscht das Spiel mit der Ironie durchaus.

Meisterlich leitete er auch sein Cast an, das kann man nicht anders sagen. Willem Dafoe habe ich ja bereits hinlänglich gelobt. Dann haben wir da natürlich auch noch den immer wieder genialen John Malkovich als Murnau himself. Bestimmt interpretiert Malkovich den Murnau insgesamt reichlich arrogant, geltungssüchtig und mitunter sogar ein wenig tuntig, aber da er selber durchaus eine Art Method Actor ist, wird er sich vermutlich sehr genau mit dem wahren Murnau, der ja tatsächlich eine recht schillernde Figur war, auseinander gesetzt haben. Wie viel Murnau in Malkovichs Darstellung steckt, kann der Rezensent nicht nachvollziehen, aber die Darstellung ist vom rein mimischen Standpunkt betrachtet einwandfrei. Dann wäre da natürlich auch noch unser kölscher Hollywoodstar Udo Kier, der ja bereits in zahlreichen Vampirfilmen mitgewirkt hat, die zumeist nicht immer eine Zier in seiner Vita bedeuten. Endlich sieht man diesen großartigen Schauspieler, den ich mal kurz hab treffen dürfen und der echt ein netter Kerl ist, auch in einer Genre-Rolle, die sympathisch ist und seinem Können entspricht. Eddie Izzard, Catherine McComack, Cary Elwes und Aden Gillett runden die gute Besetzung ab, ein jeder macht einen guten Job. Bleiben noch das tolle Set Design und das hervorragende Score von Dan Jones, die jeweils zum Gelingen des Films beitragen.

Insgesamt möchte ich mich gern der SPIEGEL Kritik anschließen, die verlautete, Merhige sei ein kleines … Meisterwerk gelungen. „Akribisch hat er die Licht- und Schattenspiele von "Nosferatu" eingefangen, indem er während Murnaus Dreharbeiten mit dem Blick durch die Kamera immer wieder vom eigentlichen Farbfilm ins Schwarzweiß der nachgestellten Originalszenen wechselt.“ So ist es! Und PRISMA schrieb, „Mit beeindruckenden Bildern lässt der Regisseur die damalige Zeit noch einmal aufleben und rekonstruiert sozusagen die möglichen Zustände der Dreharbeiten zu dem Horrorklassiker "Nosferatu". Dabei werden aber auch humoristische Momente nicht ausgelassen. Willem Dafoe gibt als Blutsauger Max Schreck eine wunderbare Vorstellung und wurde für seine Leistung für einen Oscar nominiert. Für Filmfreaks ist dies ein wahres Festmahl!“ Die CHICAGO SUN –TIMES urteilte sogar, „Willem Dafoe ist Max Schreck!“ Dies sei so offensichtlich, dass man bei den nachgestellten Aufnahmen des Films überhaupt keinen Unterschied zu Max Schreck bemerke.

Strich drunter: Geniale Idee, teils geniale Mimen, ein fähiger Regisseur, eine unterhaltsame Geschichte, die dem eingeweihten Fan definitiv mehr bringt als jenen, die nix mit dem Original anzufangen wissen, ein grimmiger Humor, der genau so gewollt ist und funktioniert. „Shadow of the Vampire“ ist ein kleiner Klassiker, der nicht alles, aber eben das Meiste richtig gemacht hat. Vor allem aber ist der Film eine originelle, genialische Huldigung an die Mutter aller Dracula-, ja aller Vampirfilme schlechthin. Genialisch aber heißt wiederum nicht genial, sofern bleibt Mehiges Film die Höchstwertung knapp verwert.

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

DVD, Blu-ray sowie VHS sind bei Splendid Film erschienen.

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