Schatten und Nebel

Originaltitel: Shadows and Fog
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  1991
Regie: Woody Allen

Darsteller

Figur

Woody Allen  Max Kleinman
Mia Farrow  Irmy
John Cusack  Jack
John Malkovich  Der Clown
Madonna  Marie
Jodie Foster  Prostituierte
Lily Tomlin  Prostituierte
Kathy Bates  Prostituierte
Donald Pleasence  Arzt
William H. Macy  Polizist
Kate Nelligan  Eve
  
Genre: Komödie
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Inhalt

Ein Mörder geht um! In jeder nebeligen Nacht sucht er in den labyrinthischen Straßen einer unbekannten Stadt neue Opfer heim und erdrosselt sie mit einer Klavierseite. Die Polizei scheint machtlos, weshalb die "braven" Bewohner sich selber organisieren um den Unhold zur Strecke zu bringen. Eines Nachts wird auch der nervöse Buchhalter Max Kleinman eher unfreiwillig für die obskure Bürgerwehr rekrutiert. Während er seine ihm zugedachte Aufgabe bei der Verbrecherjagd weder durchschauen noch nachvollziehen kann, stolpert er reichlich ziellos durch den Nebel und versucht schließlich das Schlimmste zu verhindern, als eine ihm sympathische Familie in den Fokus der Regulatoren gerät. Schließlich sucht er die Behörden auf, um sich für die Familie auszusprechen, doch dieses Unterfangen gerät eher beklemmend für ihn, denn sogleich sieht er sich ebenfalls allerlei verfänglicher Anschuldigungen ausgesetzt. Doch hier begegnet er auch der Artistin Irmy, die aus dem im Ort gastierenden Wanderzirkus ausgebüchst ist weil sie sich mit ihrem Freund, dem Clown, überworfen hat. Sie fand ein Obdach im Freudenhaus und erlag schließlich dem Angebot eines Studenten, der ihr eine grotesk hohe Summe für Liebesdienste offerierte (die er zuvor beim Glücksspiel einsackte.)

Doch während Kleinman – nun mit Irmy – seine nächtliche Odyssee fortsetzt und noch manch bizarre Begegnung hat, steigert sich der Lynchmob in immer abstrusere Paranoiavorstellungen, weshalb schließlich Kleinman selber in den Generalverdacht der "Miliz", die inzwischen in verschiedene Fraktionen zersplittert ist, gerät. Der aber kann sich trickreich seinen Häschern entziehen und findet nun im besagten Zirkus Unterschlupf. Doch auch der Klaviersaitenmörder ist nicht weit...

Kommentar

Sehr wohl, meine Damen und Herren, sie haben ganz recht gelesen, tatsächlich hat sich ein Film des kreativsten Neurotikers der Welt, nämlich Woody Allen, auf diese unsere aller Lieblingspräsenz (das nehme ich doch zumindest an, nicht wahr?) in den Untiefen des weltweiten Schattenreiches called Internet „eingeschlichen“ – zu recht, wie der Rezensent aber sogleich hinzufügen möchte, auch wenn sich mancher nur schwer vorstellen kann, wie das zusammengehen mag.
Um dies zu erklären muss ich zunächst einmal eine Lanze für Allen brechen, der fürwahr nicht nur noch immer einer der fleißigsten Autorenfilmer überhaupt ist – immerhin dreht er pro Jahr mindestens einen Film und bereitet einen weiteren vor (ganz abgesehen von unzähligen Theaterstücken und wahrscheinlich noch mehr Kurzgeschichten, die aus seiner Feder stammen) obschon inzwischen bereits Mitte 70, ein Alter, in welchem die meisten Zeitgenossen längst den verdienten Ruhestand genießen – sondern auch einer der vielseitigsten, wiewohl dennoch jeder seiner vielen Filme unbedingt Allens unverkennbare Handschrift erkennen lässt. Selbstredend hat dies eine Menge mit dem ihm eigenen Humor zu tun, der nicht eben Wenigen mitunter als ziemlich geschwätzig erscheint. So kann man auch mit Fug und Recht behaupten, Woody Allens Filmschaffen polarisiert: entweder man fühlt sich prächtig unterhalten vom New Yorker Grandseigneur, oder eben gar nicht! Doch auch die Leute, die eher zu letzterem tendieren, erkennen zumeist an, dass man Allen zu den bedeutendsten Regisseuren der letzten 40 Jahre zählen muss. Ganze einundzwanzigmal ist er für den Oscar nominiert worden, dreimal bekam er ihn schließlich verliehen, allerdings nahm er die Auszeichnung nie persönlich entgegen. Die Kritik nahm die meisten seiner Filme meist begeistert, mitunter gar euphorisch, zumindest aber stets wohlwollend auf. Und auch wenn seine Filme heute bei weitem nicht mehr so hohe Wellen schlagen wie zu seinen populärsten Tagen in den 1970’ern und 1980’ern, so steht das Who ist Who des internationalen Schauspiel Jet Sets noch immer Schlange, um in seinen Filmen mitzuwirken, was wohl einiges über die Qualität und den Ruf von Allens Werk aussagen dürfte.
Doch im Gegensatz zu den meisten Die Hard Fans Woody Allens hat der Rezensent den Mann eigentlich erst mit dessen „reiferem“ Schaffen (ab etwa 1990) so richtig für sich entdeckt und lieb gewonnen, weswegen er auch das ‚Spätwerk’ des großen kleinen Mannes mit der Brille besonders schätzt.

In diese Phase der Allen’schen Arbeiten muss man auch den hier zugrunde liegenden Titel „Schatten und Nebel“ datieren, von dem sie ja noch immer nicht wissen, wieso der Streifen eine Gutheißung auf diesen Seiten unbedingt erfahren muss. Ich will es ihnen verraten: selten sah man im gegenwärtigen Film eine derart liebevolle wie gleichermaßen gelungene und spitzbübische Hommage an den europäischen Filmexpressionismus der 1920’er/1930’er Jahre wie eben auch der US amerikanischen Entsprechung hiervon, den Universal und Paramount Gothics jener Ära. So! Was auch immer selbst die Leute, die mit Allen und seinen Filmen überhaupt nichts anzufangen wissen, an ihm auszusetzen haben mögen; eines wird niemand bestreiten, nämlich dessen unbedingte Hingabe an das Medium. Und von eben dieser ist auch „Schatten und Nebel“ überaus durchdrungen und tut diesen Umstand auch mit jedem Nebelfetzen kund. Allen ließ ganz der ursprünglichen expressionistischen Idee folgend sämtliche Sets im Studio (Kaufman-Astoria, selbstverständlich in New York City) nachbauen und seinen Film in schwarzweiß Material vom ausgezeichneten Kameramann Carlo di Palma fotografieren, was dem Werk einen unglaublich authentischen Look verleiht. Würde man nicht wissen, dass es sich hierbei um eine Produktion des Jahres 1991 handelt, so könnte man glatt der Illusion erliegen, der Film sei tatsächlich „anno-schieß-mich-tot“ entstanden. Und auch die beklemmende, kafkaeske Atmosphäre, die Filmvorbilder wie Robert Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari, Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ oder eben dessen Das Testament des Dr. Mabuseverbreiten, trifft Allen auf den Punkt. Woody Allen wäre aber nicht er selbst, wenn er seiner Inszenierung nicht dennoch seine ihm typische Leichtigkeit verpassen würde. Er lässt seinen Helden Kleinman, den er natürlich selber spielt, durch die labyrinthischen Straßen der unbekannten Stadt irren und immer haarsträubendere Abenteuer um den Würger und das fragwürdige Bollwerk der Vigilanten, deren Mitgliedschaft sich aus allerlei Käuzen rekrutiert, die an Jeunet und Caros Delicatessen oder Terry Gilliams Brazil gemahnen, bestehen, während er nervös, aber dennoch in gewisser Weise auch kindlich unschuldig, darüber plaudert und „allenesk“ philosophiert, wie er seine ehemalige Verlobte vorm Altar stehen ließ alldieweil er mit deren Schwester im Schrank das tat, was man kaum tun sollte, wenn die Auserwählte in der Kirche auf den Bräutigam wartet. Und am Ende verschwindet der Mörder einfach und Kleinman schließt sich dem Zirkus an und wird zum Assistenten des Zauberkünstlers. Herrlich skurill und liebenswert ist das, anders kann ich es kaum bezeichnen.

Und dann wäre da auch noch das geniale, erstklassig aufspielende Ensemble, das bis in die kleinste Nebenrolle derart hochkarätig besetzt ist, dass man schon allein über diesen Umstand nur staunen kann. Allens damalige Lebensgefährtin Mia Farrow, die bei den Dreharbeiten schon 46 Jahre alt war, aber noch locker als Dreißigjährige durchgehen könnte, ist als Schwertschluckerin Irmy zu sehen, der große John Malkovich als Clown, Madonna, Lily Tomlin und Jodie Foster spielen winzige Rollen und John Cusack brilliert geradezu in seiner kleinen Nebenrolle als Student Jack, der in Irmy vernarrt ist. In weiteren kleinen und kleinsten Rollen geistern auch noch so illustre Herrschaften wie Donald Pleasence, Kate Nelligan oder William H. Macy über die Leinwand. Sensationell!

„Shadows and Fog“ ist ganz zweifelsohne eine herausragende Besonderheit unter den Arbeiten Woody Allens. Eine Liebeserklärung an die phantastischen Filme des frühen Kinos, stilistisch perfekt in Szene gesetzt und von einer Eleganz, wie man sie heute leider nur noch selten findet. Allen trifft die Atmosphäre der Vorbilder perfekt, streut hier ein wenig Lang’scher Paranoia ein, dort den guten alten Gohicgrusel um unheimliche Gestalten und wabernde Nebel, und über allem hängt dennoch stets ein listiges Augenzwinkern. Als hätten Franz Kafka und Ernst Lubitsch beschlossen, zusammen einen drauf zu machen! Und wie immer hat Woody Allen auch einen ganz hervorragenden Soundtrack für den Film zusammengestellt, auf welchem in der Hauptsache Material von Kurt Weill, dem musikalischen Partner Bert Brechts, zu hören ist und der die Atmosphäre des Films einfach wunderbar unterstreicht. Und wunderbar ist überhaupt das Wort, welches dieses kleine Filmjuwel am treffendsten umschreibt. Woody Allen hat mit „Schatten und Nebel“ einfach einen ganz wunderbaren Film vollbracht, bei dem alles passt. Eine Wundertüte, die ganz schön voll ist, von der man sich aber dennoch nicht den Magen verdirbt, weil zu viel des Guten ja manchmal auch Übelkeit verursachen kann. Hier passiert es nicht. Man hat am Ende nicht einmal das Gefühl, jetzt einen wirklich spektakulären Film gesehen zu haben, erst wenn man im Nachgang darüber sinniert, dann entfährt einem doch glatt ein „Donnerwetter!“ oder „Sapperlot!“ und man erkennt, was alles in dem Film steckte, den der große kleine Woody Allen mit so lockerer Hand inszeniert hat. Die „Höchststrafe“ ihm dafür: fünf Schädel!!!

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Die DVD gibt's hierzulande bei MGM, auch als Teil der "Woody Allen Collection". Weitere Formate sind im Prinzip leider nicht zu erwerben, lediglich eine britische VHS Fassung ist via Columbia Tristar Home Video noch erhältilich

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