Matrix

Originaltitel: The Matrix
Herstellungsland: USAUSA, AustralienAustralien
Erscheinungsjahr:  1999
Regie: Andy Wachowski
Larry Wachiwski
 

Darsteller

Figur

Keanu Reeves  Neo/Tomas Anderson
Laurence Fishburne:  Morpheus
Carrie-Anne Moss  Trinity
Hugo Weaving  Agent Smith
Paul Goddard  Agent Brown
Robert Taylor  Agent Jones
Joe Pantoliano  Cypher
Gloria Foster:  Orakel
  
Genre: Science-Fiction, Action
Film suchen bei: Amazon.de, eBay, OFDb, IMDb
 Deutsches DVD-Cover, erschienen bei Warner Home Video

Inhalt

Neulich in der Zukunft – oder vielleicht doch eher in einer anderen Gegenwart? Jedenfalls begibt sich dort das Folgende:
Thomas Anderson ist ein junger Softwareprogrammierer, der im Großraumbüro einer renommierten Firma arbeitet. So weit, so normal. Aber Anderson führt ein Doppelleben, denn nach Feierabend knackt er als Hacker Neo allerlei Codes und fremde Netzwerke. Neo ist der Allerbeste! Aber Neo ahnt auch, das irgendetwas nicht stimmt, das nichts ist, wie es scheint, das hinter allem eine andere Wahrheit steckt. Deshalb versucht er Kontakt zu Morpheus aufzunehmen, dem Anführer einer rätselhaften Untergrundbewegung, von dem er sich Antworten erhofft. Zunächst aber muss Neo erkennen, dass sich bereits der Geheimdienst für seine Aktivitäten interessiert. Als er in die Fänge des skrupellosen Agenten Smith gerät, wird er von Morpheus und seiner Gruppe befreit. Und endlich bekommt Neo die Antworten, nach denen er schon so lange sucht.

Was ist die Matrix? Dies ist die alles entscheidende Frage. Von Morpheus erfährt Neo die ganze Wahrheit. Tatsächlich lebt er gar nicht im Jahre 1999, sondern im 23. Jahrhundert. Die Maschinen haben seit rund 300 Jahren die Macht, Menschen vegetieren in riesigen Farmen als Energieträger für die künstliche Intelligenz, das Leben, wie es erscheint, ist nichts als eine manipulative Illusion, eben die Matrix. Neo muss sich nun entscheiden, ob er aus der Matrix ausbricht und sich in der Realität Morpheus Widerstandsgruppe anschließt, oder ob er als Thomas Anderson weiterleben will. Er entscheidet sich dafür Neo zu sein, den Morpheus für den Auserwählten hält, denjenigen, der laut einem Orakelspruch die Menschheit befreien wird. Neo nimmt den Kampf auf, aber Agent Smith, der Vollstrecker der Matrix, ist ihm dicht auf den Fersen. Als Morpheus bei einem Ausflug in die Matrix, die vermeintliche Realität, in die Gewalt von Agent Smith gerät, brechen Neo und die schöne Trinity zu einer lebensgefährlichen Rettungsaktion auf, die Neos Schicksal entscheiden wird… Ist er tatsächlich der Auserwählte, der Retter der Menschheit?

Kommentar

Was ist die Matrix? Was ist Wahrheit und was ist Illusion? Was hält unsere Welt im Innern zusammen und ist wirklich alles so, wie es den Anschein hat? Ist das Leben, so wie wir es kennen, vielleicht nichts anderes als ein Traum, den irgendein Überwesen träumt? Sieht ein Baum für jeden Menschen gleich aus, oder hat jedes Individuum seine eigene Wahrnehmung? Und ist diese Wahrnehmung vielleicht nichts anderes als eine Projektionsfläche für etwas Anderes, Größeres, und gar nicht von mir selbst zu bestimmen? Was aber wäre dann meine Individualität, was machte mich dann aus? Genau diesen Fragen widmet sich der wegweisende Megahit der Wachowski Brüder, der um den Jahrtausendwechsel den Nerv der Zeit traf wie kaum ein anderer Film. Das Internet war eben erst den Kinderschuhen entwachsen, eignete sich aber schon vortrefflich als Forum für Verschwörungstheoretiker jeglicher Couleur, eben auch solcher, die dem gesamten irgendwie nicht fassbaren Gebilde selber äußerst kritisch gegenüber standen, diesem kybernetischen Weltraum mit all seinen virtuellen Metaebenen und künstlichen Realitäten. All jenen war „Matrix“ Wasser auf die Mühlen. Man hatte es ja schon immer gewusst, das ganze Leben ist Beschiss! Und dann war da ja auch noch das Millennium! Wie wunderbar schmiegte der Film sich ein in die damalige Paranoia, den wohligen Grusel um einen vermeintlichen Weltuntergang und das legendäre Jahr 2000 Problem, demzufolge weltweit Computersyteme abstürzen würden und die Menschheit zurück in die Steinzeit beförderten.

Zehn Jahre später ist nichts von dem geschehen; das Internet inzwischen beinahe jedem Menschen erfahrbar und begreiflich und hat für manchen längst das Fernsehen als wichtigstes Medium der Massenkommunikation ersetzt. Und „Matrix“ ist noch immer ein ziemlich genialer Film, was in der Hauptsache seiner ziemlich klug gestalteten Essenz geschuldet ist. Ich weiß schon, an anderer Stelle, nämlich meinem Review zu Alex Proyas gleichermaßen wegweisenden (auch auf den hier besprochenen Titel) SciFi-Streifen Dark City habe ich die „Matrix Trilogie“ als gänzlich überschätzt bezeichnet, diese Kritik aber bezog sich in der Hauptsache auf die beiden wenig gelungenen und bestenfalls halbgar geratenen Fortsetzungen „Matrix: Reloaded“ und „Matrix: Revolutions“, die qualitativ nicht das Original fortführen konnten und eher finanzielle Interessen widerspiegelten als künstlerischen Anspruch, denn schließlich hatte der erste Teil beinahe eine halbe Milliarde Dollar einspielen können.

Was dem Rezensenten an diesem Film so außerordentlich gefällt, ist der philosophische Ansatz seiner Macher, die zahlreichen existentiellen Fragen, die hier gestellt werden. Bin ich wirklich, weil ich denke? Existiert so etwas wie ein freier Wille und wenn ja, wie kriege ich es dann hin, diesen walten zu lassen? Muss ich hierfür erst irgendwelche Routinen ausblenden, die mein Leben fremdbestimmen, und wenn auch hier die Antwort ja heißt, wie zur Hölle gelingt mir das? Das genau ist des Pudels Kern, hierum geht’s! Die Geschichte, derer sich die Wachowskis bedienen um diese Fragen zu stellen, ist nicht immer bis in die letzte Konsequenz logisch und bietet zum Teil ähnliche Fehler wie Filme über das Paradoxon von Zeitreisen, spielt also ein ums andere Mal oft mit nicht zu Ende gedachten Eventualitäten, damit aber lässt sich hinreichend leben, zumal die optische Umsetzung den Brüdern geradezu furios gelungen ist. Der Film ist zum Beispiel dermaßen stylish geraten, dass er Legionen von anderen Filmen optisch befruchtet hat wie sonst kaum ein Streifen aus seinem Jahrzehnt. Ohne „Matrix“ wäre zum Beispiel die von mir wenig geschätzte Vampirfilmtrilogie „Underworld“ in der Form sicher nicht denkbar gewesen. Und auch effekttechnisch bot „Matrix“ aufregendes, man denke nur an den inzwischen legendär gewordenen „Bullett-Time-Effekt“. 60 Millionen Dollar hat die Produktion verschlungen, sicher gut investiert, zumal sie ja benahe das achtfache eingebracht hat.

Wie gut kann ein Film, sei er noch so gut durchdacht und konzipiert, letztlich ohne seine Schauspieler sein, die dem Film Herz und Gesicht leihen? Also ein Blick auf die, die hier den Film repräsentieren. Da wäre zunächst natürlich der Star des Films, Keanu Reeves. Er ist gewiss nicht der größte Mime unserer Tage. Mehrfach hat der Rezensent ihn schon verrissen, auf seine Betonmimik verwiesen, auf seine Art zu spielen, eben nur das Nötigste abzurufen. Hier, in diesem Film (Noir) passt seine unterkühlte Art zu agieren perfekt. Kaum könnte ich mir einen anderen Darsteller für den Neo vorstellen, wobei Keanu tatsächlich nur zweite Wahl war, denn ursprünglich war Will Smith angedacht, der sich aber stattdessen für das Projekt „Wild, Wild West“ entschied! Sicher wäre es nicht ohne Reiz gewesen, Will Smith in der Rolle des Neo zu sehen, zumal er klar der bessere Schauspieler ist, doch wie gesagt, „Eisblock“ Keanu passt hier perfekt, er definiert den Ausdruck „cool“ hier beinahe neu. Dennoch gehört der Film zu nicht unwesentlichen Teilen auch der grandiosen und mindestens gleichermaßen obercoolen Carrie-Anne Moss, die stets aussieht, wie man sich eine antike Schönheit vorstellt, und doch zuschlagen kann wie dereinst Emma Peel bei den „Avengers“, arte hab sie selig! Nie wieder sah man sie in einer gleichermaßen brillanten Rolle, warum eigentlich nicht? Das ist doch ’ne tolle Frau! Laurence Fishburne, ein Akteur von Shakespeares Gnaden (er gab gefeiert den Othello zum Besten) weiß als charismatischer Morpheus ebenfalls zu glänzen, besonders in den Szenen, in welchen er Gefangener des zwielichtigen Agents Smith ist. Keine Ahnung, warum ihm nie wirklich höhere Holywood-Weihen zuteil wurden. Und dann wäre da ja auch noch der famose Australier Hugo Weaving, der mit seiner Darstellung des Agent Smith quasi den Glanzpunkt überhaupt setzt. Formidabel ist seine Leistung zu nennen, denn wie er den Feind allen menschliches verkörpert, den Hass, den ein lernfähiges Computerprogramm, mithin ein künstliches Wesen auf die wahrhaft Lebendigen darstellt, das ist beinahe satanisch und steht in großer Tradition zu den Filmbösewichten der Kinophantastik. Und was man den Darstellern noch zugute halten muss, sie betrieben gemeinsam monatelang ein Kung-Fu Trainig in Hong Kong bei wahren Meistern, was man ihnen letztendlich auch überaus ansieht. Die Damen und Herren wissen, was sie da machen, und die Kampfszenen, sowie sämtliche Actionszenen generell, sind dermaßen grandios choreographiert, dass der Film auch all jenen Spaß macht, die prinzipiell eher nicht die Lust verspüren, sich auf die tiefer liegenden Bedeutungsebenen des Werks einzulassen.
Einen leichten Abzug in der B-Note der Handlung muss es dennoch geben, denn die verquaste Erlöser-Symbolik des Films wäre nicht unbedingt vonnöten gewesen und nervt sogar ein wenig, denn eigentlich hat man sich doch bereits hinlänglich und klug mit den grundlegenden Fragen der Weltanschauung und den Problemen des Seins beschäftigt, dies sogar auf extrem lässige Weise und derart formuliert, dass auch Leute, die dieser Denke zuvor eher nicht zugetan waren es für nötig befanden, sich hierzu Gedanken zu machen. Man sollte meinen, besser geht’s ja eigentlich nicht. Leider erweiterte man dann den Kontext auch noch um eine schwurbelige Messias-Botschaft und erklärte die Figur Neo zum wundertätigen Heiland im Cy-Land. Hier adaptierte man kurzerhand und unkritisch schlicht die schon im Vorbildfilm Dark City eher ungelungene Idee, eine Art Christusfigur aus dem Protagonisten zu machen. Man hätte dies spannender und verwegener lösen können, hätte man den Helden schlicht nur einen klassischen solchen sein lassen, eine Figur, die die Lage erkennt, in der sie steckt und über sich hinauswächst um ihre Aufgabe zu lösen. Stattdessen aber gibt es pathosbesetzte religiöse Verweise allerorten. Wozu das, fragt man sich, zu was soll das gut sein, denn eigentlich bringt es weder die Geschichte voran, noch taugt es dazu, die Prämisse, wie der Rezensent sie verstanden hat, zu biegen. Doch vielleicht sieht das ja manch ein Leser anders, da freue ich mich auf ihre Kommentare!
Machen wir es also noch mal, sie und ich? Gut, dann ziehen wir ein Fazit: Wir sehen a) tolle Darsteller, die perfekt gecastet sind, b) in edle, endcoole Outfits gesteckt worden sind und sich in herrlichen Zerstörungsorgien so richtig austoben und hierbei die erworbenen Martial Arts Skills gekonnt abrufen dürfen, klarer Punkt in Sachen Style! c) sehen wir einen Actionfilm, der Standards gesetzt hat wie kaum ein anderer Vertreter seiner Zunft in den letzten Jahren, wahnsinnig gut gemacht ist, verschwenderisch alles in die Luft bläst, was nur so geht und wegweisende Effekte nicht nur dem eigenen Genre bescherte. Und d) sehen wir ein kluges philosophisches Gleichnis, das uns erschreckt, weil es uns die grundlegenden Fragen unserer Existenz stellt und uns dabei eine mögliche Alternative vor Augen hält, die schrecklich, aber mal ganz weit aus dem Fenster gelehnt auch nicht völlig undenkbar wäre. So weit, so erfreulich. Leider präsentiert sie uns aber auch e) noch eine völlig unerfreuliche, angestaubte und unnötige Heilsbotschaft, auf die meiner einer gern hätte verzichten können und ein paar Logikfehler, die aber verschmerzbar sind. Was bleibt unterm Strich, Na, ’ne gute 4 würde ich meinen, denn insgesamt gab es selten einen Film, der so sehr den alten Kameraden Zeitgeist herzte wie diesen hier, so schlau, elegant, revolutionär und eben cool daher kam, und sich eben doch so verhob in seinem pseudoreligiösen Ansatz. Letzteres trifft noch in viel größerem Maße auf die beiden ungeratenen Fortsetzungen zu, die man nicht braucht und eher meiden sollte. Bleibt letztlich die Frage – die alles entscheidende – was ist die Matrix? Wissen sie es? Ehrlich…?

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Wer sich nach der "Matrix" umtun möchte, der wird ganz sicher nicht an der Firma Warner Home Video vorbei kommen, wo nämlicher Film in vielerlei Editionen erhältlich ist, und zwar sowohl auf DVD wie auch auf HD DVD, Blu-ray oder Video. Selbst das Sony-Format UMD ist hier erhältlich. Lediglich die leidgeprüften Laserdisc-Freunde müssen mal wieder auf den ausländischen Makt zurückgreifen, werden dann aber fündig bei den US amerikanischen Spezialisten von Image Entertainment Inc. Im Prinzip darf Sammler also aus dem Vollen schöpfen, was sich ja nicht über jeden Titel behaupten lässt.

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