Der talentierte Mr. Ripley
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Inhalt
Amerika mitten in den 1950’ern: Aufgrund eines geliehenen Jacketts wird der junge, mittellose Pianist Tom Ripley vom reichen Reeder Herbert Greenleaf für einen vermeintlichen Studienfreund seines Sohnes Dickie gehalten. Ripley schmeichelt es, dass er für einen Princeton Studenten gehalten wird und gibt vor, Dickie zu kennen. Greenleaf ist begeistert von den untadeligen Umgangsformen Ripleys, so macht er ihm ein Angebot: er zahlt ihm 1000 Dollar plus Spesen, wenn Ripley dafür nach Italien reist und Dickie überredet, zu seiner Familie in die Vereinigten Staaten zurück zu kehren. Dickie praktiziert in Neapel nämlich ganz unstandesgemäß das, was man gern als „Dolce Vita“ bezeichnet, er ist liiert mit einer angehenden Schriftstellerin, treibt sich in Jazzclubs herum und gibt ansonsten das Geld des Herrn Papa aus.
Also reist der eben noch arme Schlucker Tom Ripley nun mit praller Geldbörse gen Italien.
Dort angekommen öffnet sich Ripley trickreich unter Vorspiegelung allerlei falscher Tatsachen eine Tür in das Leben von Dickie und dessen Verlobter Marge – ein Leben, das er alsbald als äußerst faszinierend empfindet. Dickie erweist sich als charmanter Tunichtgut und Lebemann, aber auch als gnadenloser Egoist mit dunkler Seite. Bald werden Dickie und Tom Freunde, und Tom beginnt sich einzurichten. Er genießt die Jazzclubs Neapels, ausgedehnte Segeltörns und Ausflüge in die Kulturmetropolen Italiens. Doch allmählich wird Dickie Ripleys überdrüssig. Er wendet sich vermehrt seinem Kumpan Freddie Miles zu, einem äußerst lasterhaften Bonvivant, der Ripley misstrauisch beäugt. Als sich schließlich eine junge Italienerin, die von Dickie schwanger war und hernach von ihm verschmäht wurde weil der seine Beziehung zu Marge nicht gefährden will, sich das Leben nimmt, sieht Dickie den Punkt gekommen, sich von Ripley zu trennen. Doch Ripley hat keinesfalls vor, sich dieses neue – Dickies – Leben wieder wegnehmen zu lassen. Auf einem Bootsausflug von San Remo aus erschlägt Ripley Dickie im Affekt, nachdem dieser ihn verspottete. Marge gaukelt er vor, Dickie habe sie verlassen und wolle in Rom ein neues Leben beginnen.
Nun geht Ripley selber nach Rom und nimmt dort die Identität Dickie Greenleafs an, um mit dessen Namen und dessen Geld ein schönes Leben zu führen. Doch eines Tages steht der äußerst misstrauische Miles vor seiner Tür und beginnt unangenehme Fragen zu stellen, was auch dieser mit seinem Leben bezahlen muss. Als dessen Leiche gefunden wird, beginnt die Polizei zu ermitteln, und der Hauptverdächtige ist… Dickie Greenleaf. Man hat schließlich lange auch nichts mehr von Tom Ripley gehört, seit einem verhängnisvollen Bootstörn in San Remo scheint der verschwunden…
Zu allem Überfluss taucht alsbald auch noch Marge in Rom auf um Dickie zur Rede zu stellen. Als die Luft zu heiß wird, inszeniert Ripley Dickies „Selbstmord“ und tritt fortan wieder unter der eigenen Identität auf. Doch nun bekommt er es mit einem cleveren Detektiv zu tun, den Dickies Vater engagiert hat. Schließlich macht Marge eine verhängnisvolle Entdeckung, die das Lügengebilde Toms einstürzen lässt, doch der talentierte Mr. Ripley fällt immer wieder auf die Füße, auch wenn er dafür immer wieder morden muss…
Kommentar
Diese Filmversion des berühmten Buches „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith, dem ersten eines insgesamt fünfbändigen Zyklus um die Romanfigur Tom Ripley, ist nach „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clément aus dem Jahre 1960 (in welcher Alain Delon den Tom Ripley gab) die zweite, und sie ist mit großem Abstand auch die beste aller Verfilmungen um den manipulativen Ripley. Zwar hat der leider im Jahre 2008 verstorbene Regisseur und Drehbuchautor Anthony Minghella (er verstarb an den Folgen einer Krebsoperation mit nur 54 Jahren) der Originalgeschichte einige entscheidende Änderungen verpasst, diese aber kamen dem Gelingen des Films außerordentlich zugute. Die größte Kunst aber ist es wohl, den Film dennoch ganz im Geiste des Hochspannungsromans erscheinen zu lassen.„Der talentierte Mr. Ripley“ ist ein in jeglicher Hinsicht meisterhaft inszenierter Suspense-Thriller, wie ihn selbst der gute alte Alfred Hitchcock nicht besser hätte hinbekommen können. Tatsächlich sieht der Film über weite Strecken sogar so aus, als sei er zu besten Hitchcockzeiten entstanden, und nicht an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Die Illusion des Italiens Mitte der 1950’er Jahre (als das Buch auch erschien) ist perfekt. Kameramann John Seale arbeitete offensichtlich mit allerlei Filtern und Weichzeichnern, die dem Film diese grandiosen Stimmungen und eben einen Look verpassten, der ihn wesentlich älter wirken lässt, als er ist. Außerdem haben Minghella und Seales tatsächlich einen unglaublichen Blick fürs Detail, somit erstrahlt der Film tatsächlich in der Eleganz eines Films aus den 1950’er Jahren, in welchem schöne reiche Menschen sich dem süßen Müßiggang am Mittelmeer hingeben. Unwillkürlich hält man nach Grace Kelly und Cary Grant Ausschau, aber für den Glamour sorgen hier tatsächlich andere, gegenwärtige Stars.
Aber es ist ja nicht nur die prächtige, verschwenderische Optik des Films, die ihn so besonders macht, und sie ist vor allem nicht der Grund, weswegen der Film auf eben dieser Internetpräsenz hier unbedingt seine Erwähnung finden muss. Der liegt ganz woanders verortet, nämlich in der beklemmenden Dramatik, die Minghella erschafft, indem er den Konflikt, um den sich die ganze mörderische Geschichte dreht, so dermaßen perfekt auf den Punkt bringt, dass es einen wahrhaftig schaudert. Nehmen wir Toms ersten Mord, den an Dickie! Die Ausgangssituationen in Buch und Film sind zunächst gleich. Doch anders als bei Highsmiths Vorlage ist bei Minghella das Mordmotiv ein ganz anderes, besser gesagt, es handelt sich um einen Affektmord, den Ripley begeht weil Dickie ihn verspottet und zurückweist. Hier kommt nun nämlich noch das Motiv der Eifersucht hinzu. Während im Roman Toms sexuelles Interesse an Dickie nur latent angedeutet wird, spielt der Film ganz unverhohlen diesen Punkt an und bringt so ein zusätzliches, explosives Element in die Sache, welches die Affekttat aus Sicht Ripleys nachvollziehbarer macht. Im Buch (wie auch im ersten Film) mordet Ripley aus kalter Berechnung mit Vorsatz, und er ist ein ehrgeiziger, charismatischer Schuft, Dickie nicht unähnlich. Minghella hingegen legt den Tom Ripley ganz anders an. Bei ihm ist Ripley eine beinahe tragische Figur, der das Talent hat, der eigenen empfundenen Minderwertigkeit dadurch zu entkommen, die ideale Projektionsfläche für die Bedürfnisse seiner „Opfer“ zu bieten. So verschafft er sich den Auftrag Herbert Grenleafs nach Europa zu reisen um Dickie zur Rückkehr zu bewegen, so dringt er in Dickies und Marges Leben ein, so zieht er später den homosexuellen Peter Smith-Kingsley auf seine Seite. Tom Ripley verbiegt seinen Charakter und passt sich an um der eigenen Bedeutungslosigkeit zu entkommen. Dafür nimmt er auch manche Leiche im Keller in Kauf, schließlich fällt das Töten von Mal zu Mal leichter! In einem Gespräch mit Peter offenbart er einmal beinahe seine Tragik. Wenn man den richtigen Menschen finden würde, sagt er, dann möchte man dem ja eigentlich am liebsten den Schlüssel zum eigenen dunklen Keller überreichen, wo all die persönlichen Dämonen lauern, die man dort eingesperrt hat. Das ist der Wunsch einer Beichte, die doch so nicht funktionieren kann, denn wer in Toms Keller vorbei schaut, der muss sterben!
Diese Zerrissenheit wird von Matt Damon als Protagonisten genial hinreißend dargeboten und bietet neben dem Profikiller mit Gedächtnisverlust aus den Nerven zerfetzenden „Bourne“ Filmen seine bislang beste Rolle. Unglaublich, mit welcher Intensität Damon den Ripley spielt. Er macht das so genial, dass er tatsächlich das gesamte Ensemble komplett an die Wand spielt. Nicht dass die anderen Darsteller nicht allesamt genial gecastet worden wären. Jude Law spielt den flatterhaften, charismatischen Dickie mit Hang zu Größenwahn und Cholerik ebenfalls sensationell, vielleicht ein wenig so, wie der junge Jean-Paul Belmondo die Rolle angelegt hätte. Gwyneth Paltrows Entsprechung ihrer Figur ist tatsächlich Grace Kelley, die man sich einzig in ihrer Rolle in einer früheren Verfilmung hätte vorstellen können, und auch sie macht das wirklich gut, auch wenn sie ihre wirklich großen Momente erst relativ spät hat. Und bei Philip Seymour Hoffman als wunderbarem Schweinehund Freddie Miles, da denkt man an Kirk Douglas oder Robert Mitchum in ähnlichen Rollen. Ein grandioses Ensemble also insgesamt, über dem Matt Damon mit seiner Leistung dennoch haushoch heraus ragt.
So, dieser Film ist also ein Film, der Hitchcocks Thrillern gleich kommt, wenn er sie nicht sogar übertrifft, der den Weg eines jungen Mannes nachzeichnet, der den eigenen Minderwertigkeitskomplexen zunächst zaghaft, dann aber immer skrupelloser zu entkommen versucht, der zum Serienmörder wird, um sich nicht mehr nehmen zu lassen, was er nun erreicht hat, der trickreich und talentiert zu improvisieren in der Lage ist und zu einem Verbrecher wird, weil es für ihn nicht anders geht. Das alles ist ganz schön beklemmend und Furcht einflößend, denn steckt nicht ein klein wenig Tom Ripley in jedem von uns? Die Schauspieler sind aber so was von allererster Sahne, die Regie ist einfach nur genial, die Stimmung des Films, die Atmosphäre, ist schlichtweg toll, die Unterschiede zur Buchvorlage tragen nur zum bestmöglichen Gelingen der Geschichte in ihrer Entsprechung als Film bei, wiewohl der Geist des Buches dennoch ziemlich originalgetreu in die Verfilmung gerettet wurde. Ach ja, und ich habe noch gar nicht auf die edle Filmmusik von Gabriel Yared hingewiesen, der beachtliche Jazz-Kenntnisse offenbart. Für den Rezensenten ist „Der talentierte Mr. Ripley“ einer der besten Filme des 1990’er Jahrzehnts. Ein Film zum schwelgen und zum Gruseln in subtiler Weise. Nah dran am perfekten Film, kann ich da nur sagen!
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
DVD und VHS sind bei Kinowelt Home Entertainment erschienen. Den Film gab es auch mal als DVD-Beilage in der "TV-Movie". Blu-ray, HD-DVD und all der andere Schnickschnack sind derzeit nicht zu haben, vermutlich muss man sagen, noch nicht.
Filmbewertung
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The Good Shepherd - Der gute Hirte
Stand: 18.05.2012 02:50:17
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Weitere Kommentare zum Film
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| Berti, 01.06.09 |
| Großartiger Film!! Einer meiner besonderen Thriller weil hier eine ganze Reihe Superstars mit spielen die ich besonders gern sehe. Allen voran Sunnyboy Jud Law den ich hinreißend finde, der aber tatsächlich von der genialen Leistung Matt Damon`s an die Wand gespielt wird. Alles fängt langsam an und man lässt sich einfach treiben, was Stück für Stück gesteigert wird bis man mit fiebert und den Irren trotzdem immer noch sympathisch findet. Besonders arg ist der Schluss wie der Film wirklich endet nach dem Ganzen Hin und Her. Siegt das Gute, oder das Böse, was ist Gut und was ist wirklich Böse? Man muss sich auf jeden Fall der Geschichte hingeben und einfach nur zuschauen können ohne sich Action, Blut oder sonstigen Schnick Schnack vor zu stellen sonst wirds dem einen oder anderen langweilig. Tolle Schauspieler, tolle Story und vor allen Dingen ein excellenter Soundtrack. Viiiiel geile Jazzmusik und wunderschöne italienische Kulissen. |
| EnQelchen, 25.07.09 |
| Schön inzeniert,die Rollen der Personen werden von den allesamt bekannten Schauspielern sehr gut verkörpert.Der Film baut die Geschichte langsam auf,jedoch ist man gleich von Anfang an mitdrin.Man versetzt sich immer mehr in die Lage des Tom Ripley,weil man sich denkt,es könnte einem vllt. irgendwann doch auch einmal so ergehen.Die Morde fand ich ganz schön brutal für einen,am Anfang,so schüchternen Kerl.Den Schluss fand ich auch sehr unerwartet,hat jedoch gut gepasst. |
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