Der Name der Rose

Originaltitel: Der Name der Rose
Alternativtitel: The Name of the Rose
Herstellungsland: DeutschlandDeutschland, FrankreichFrankreich, ItalienItalien
Erscheinungsjahr:  1986
Regie: Jean-Jacques Annaud
 

Darsteller

Figur

Sean Connery  William von Baskerville
Christian Slater  Adson von Melk
Helmut Qualtinger  Remigio da Varagine
Michael Lonsdale  Abbo von Fossanova
F. Murray Abraham  Bernardo Gui
Valentina Vargas  Mädchen
Ron Perlman  Salvatore
Fjodor Schaljapin  Jorge de Burgos
Elya Baskin  Severinus von St. Emmeram
  
Genre: Okkult, Thriller
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 Deutsches DVD-Cover, erschienen bei Warner Home Video

Inhalt

Mal wieder neulich im Mittelalter... Genau genommen schreiben wir das Jahr des Herrn 1327, also allmählich ausgehendes Spätmittelalter. Wir befinden uns in den Bergen des Apennin, jenes italienischen Hauptgebirgszugs, welcher das Land von den Ligurischen Alpen bis runter an die Südküste durchzieht. In der Abgeschiedenheit der Bergwelt liegt eine entrückte Abtei, die Ziel des englischen Franziskanermönchs William von Baskerville und dessen jungen Novizen Adson von Melk ist. Hier soll ein kirchlich-politischer Disput ausgetragen werden, in welchem Franziskaner und Benediktiner, die beiden mächtigsten Orden ihrer Zeit, über den wahren Glauben, die wahre Kirche und das Verhältnis von Papst- und Kaisertum debattieren werden. William, ein aufgeklärter, fortschrittlicher Geist neuzeitlichen Denkens, reist als prominenter Vertreter seines Ordens an, doch kaum in der Abtei angekommen, wird er vom Klostervorsteher Abbo von Fossanova diskret darum gebeten, ihm bei der Aufklärung eines seltsamen Todesfalles zur Seite zu stehen. Man fand nämlich den entstellten Leichnam des Bruders Adelmo in der Abfallgrube außerhalb des Klosters. Hat er sich selber das Leben genommen indem er sich vom Glockenturm stürzte?

Und kurz darauf schlägt der Sensemann erneut zu. Der Mönch Venantius, Experte für Übersetzungen aus dem Griechischen, wird in der Klostermetzgerei aufgefunden, kopfüber getaucht in einen Bottich voller Schweineblut! William, der bei seinen Recherchen nicht nur Unterstützung aus den Reihen der frommen Brüder erfährt, erkennt baldig, dass sich Adelmo offenbar wirklich das Leben genommen hat, nicht so aber Venantius. Und er ermittelt, dass die Todesfälle augenscheinlich mit einem gestohlenen griechischen Manuskript zu tun haben. Inzwischen jedoch wird die Szenerie immer unheimlicher. Unter den Klosterbewohnern macht sich die Vermutung breit, das Ende aller Tage sei gekommen, weil die Todesfälle wie die Zeichen der göttlichen Apokalypse interpretiert werden können. Da muss doch der Leibhaftige selbst seine schwefeligen Finger im Spiel haben! Schließlich stirbt auch noch der kräuterkundige Severinus, der eine wichtige Entdeckung gemacht hat, die William auf die richtige Spur hätte bringen können. Doch als der Bibliothekar Remigio William und Adson Zugang zur verschlossenen Turmbibliothek verschafft, erkennen diese die Zusammenhänge. Itzo aber trifft schließlich auch noch der Inquisitor Bernardo Gui, ein klerikaler Finstermann und alter Widersacher Baskervilles, in der Abtei ein, und nun überstürzen sich die Ereignisse wahrlich. Bald lodern die Scheiterhaufen, auf denen kurzen Prozess mit den „Feinden des Herrn“ und vermeintlichen Mördern gemacht werden soll... Doch William hat den wahren Schuldigen und dessen Motive längst entlarvt. Können er und Adson das „Hexenfeuer“ also noch mit den Mitteln der Vernunft verhindern oder müssen unschuldige Menschen sterben?

Kommentar

Eines war von vorn herein klar: Eine Verfilmung des grandiosen, vielschichtigen, postmodernen Mittelalter-Bestsellers von Umberto Eco konnte nur polarisieren! Wie sollte der Spagat gelingen, aus einem Buch, das zugleich das Porträt einer Epoche, ein philosophischer Essay und natürlich ein verteufelt kluger, gruseliger Historienkrimi ist, der aber von Versatzen und Anspielungen auf die Gegenwart nur so durchdrungen ist, einen Film zu machen, der all dies in sein Medium, welches ja vollkommen anderen Gesetzmäßigkeiten unterlegen ist als das des geschriebenen Wortes, zu transportieren? Die Prämisse Ecos also visuell umzusetzen, und ihn gleichzeitig auch als veritablen Blockbuster in die Lichtspielhäuser zu bringen und an ein Publikum zu führen, das an und für sich eher nicht dem literarischen Schaffen eines Umberto Eco geneigt ist und im Kino schaut, was gerade hip ist? Denn bei allem Anspruch war dies unbedingt vonnöten, schließlich hatte der Film, der unter Federführung von Bernd Eichingers Neuer Constantin als deutsch/britisch/italienische Co-Produktion entstand, die für Mitte der 1980’er Jahre gemessen am europäischen Standard astronomische Produktionssumme von 17 Millionen US-$ verschlungen und war somit zum Erfolg verdammt. Zwar geriet die Vorlage Ecos vom hoch gehandelten Geheimtipp zu einem internationalen Megaseller, und das, oder vielleicht vielmehr eben weil es sich beim „Namen der Rose“ nicht gerade um so genannte „Pulp Fiction“, also leichte Muse, handelt. Doch dies hatte auch zur Folge, dass dem Eco eine beinharte, eingeschworene Fanbase folgte, die sich bestens im Werk des Meisters auskannte. Und natürlich wollte man auch diese Menschen aus der Bücherei in die Kinos holen, und selbstredend sollten sie „ihren“ Eco auch im Film wieder finden!
Eco selber hielt sich bei der Filmadaption gänzlich zurück. Er verweigerte seine Mitarbeit vehement und gab auch nach Fertigstellung kein wertendes Urteil ab. Das Buch sei eben das Buch, und der Film der Film. Beide Kunstformen seien nicht kongruent miteinander vergleichbar. Mancher war enttäuscht von Ecos (vermeintlicher?) Gleichgültigkeit und verwundert darüber, dass ausgerechnet dieser wortgewandte Gelehrte, Historiker, Philosoph und Symbolist, sich lediglich in Gemeinplätzen erging. War er etwa mit fürstlichen Tantiemen zum Schweigegelübde verpflichtet worden, oder war ihm die visuelle Umsetzung seines Geniestreichs, an dem er so lange Jahre gearbeitet hatte, einfach nicht wichtig genug?

Wichtig aber war sie definitiv dem Regisseur Jean-Jaques Annaud, dem es ohne wenn und aber nach Meinung des Rezensenten gelungen ist, aus Ecos Vorlage den bestmöglichen Film zu machen und dessen Geist und Prämisse in die filmische Umsetzung zu transponieren, sofern dies mit filmischen Mitteln überhaupt machbar war. In der Kritik wurde Annauds Adaption indes zwiespältig aufgenommen. Gerade die amerikanische Kritik warf dem Film vor, die Atmosphäre erdrücke die Handlung, die ohnehin unlogisch und undiszipliniert ausgearbeitet sei, so die Chicago Sun-Time, und man könne den Film nicht ernst nehmen weil die Mönche aussähen wie Marty Feldman, zudem wirkten die Charaktere wie Gespenster, wie die Washington Post meinte. Klassischer Fall von nix kapiert, möchte der Rezensent da meinen. Haben diese Kritiker das Buch überhaupt gelesen? Vermutlich nicht! In Europa wurde der Streifen wesentlich wohlwollender aufgenommen und die Kritiken fielen zumeist positiv aus, wenngleich – so gefällt sich die Gilde der Filmkritiker halt – auch immer wieder ein „Aber…“ in die jeweiligen Beurteilungen der Damen und Herren Feuilletonisten eingewoben werden musste. Der verdiente film-dienst beispielsweise beurteilte Annauds visuelle Umsetzung von Ecos Exkursen in die Gefilde von Philosophie, Theologie und Kunstgeschichte nur als teilweise gelungen, besonders das Motiv des Disputes zwischen Ratio und Aberglaube war dem Kritiker nicht hinlänglich beleuchtet worden, auch die Veränderung des Schlussteils empfand er gegenüber dem Buch als zu glatt. Dennoch sei der Film insgesamt ein ansprechender Unterhaltungsfilm, der die Welt des Mittelalters detailgetreu rekonstruiere. Wer möchte solch klugen Köpfen widersprechen?

Deutsches DVD-Cover, erschienen bei Kinowelt Home EntertainmentAnnaud war natürlich völlig klar, wie weit er sich mit seiner Verfilmung aus dem Fenster lehnen würde. Und das ein Buch von solchem Ruf, Format und Inhalt nicht mal eben aus dem Ärmel geschüttelt werden konnte sowieso. Aber er machte das einzig Richtige: er ließ sich nicht irritieren und arbeitete sorgfältig seine Vision des Buches aus. Das fängt schon bei der superben Besetzung an. Selten hat man einen Film gesehen, der bis in die kleinsten Nebenrollen so grandios gecastet wurde wie diesen hier. Wenn der amerikanische Filmkritiker motzt, die frommen Brüder glichen Witzfiguren, so muss man ihn mit Verlaub fragen, was für eine Vorstellung er wohl vom klerikalen Spätmittelalter hat. Die teilweise bizarr wirkenden Figuren tun ohne wenn und aber unbedingt einen Großteil zur apokalyptisch anmutenden Atmosphäre bei. Und die Stars des Films sind ebenfalls hervorragend ausgewählt und wirken nicht nur als Publikumsfänger. Für den William möchte man sich gar niemanden anders vorstellen als den großen Sean Connery, der hier mit köstlich lässiger Ironie agiert, dennoch aber Respekt vor der Aufgabe erkennen lässt. Den Adson gab der damals noch weitgehend unbekannte Christian Slater, der hiernach zum Mädchenschwarm und bald in die Topriege Hollywoods aufstieg, der er allerdings heuer nicht mehr angehört, weil er seine Karriere mit nicht nachvollziehbarer Rollenpolitik, allerhand Exzessen und dem Outing durch die Presse als privater Unsympath mit Hang zu Gewaltausbrüchen versemmelte. Der österreichische Alleskönner Helmut Qualtinger war hier in seiner letzten Rolle als Remigio zu sehen, der William und Adson Zutritt zur geheimen Bibliothek verschafft, und auf keinen Fall sollte der immer grandiose Ron Perlman vergessen werden, der hier als brabbelnder, buckliger Salvatore glänzen darf, der von den meisten Brüdern gemieden wird, aber dennoch stets genau beobachtet, was sich zuträgt im unheimlichen Klostergemäuer. Und das unheimliche Gemäuer selber ist schon eine Sensation. Die meisten Innenaufnahmen fanden seinerzeit im deutschen Kloster Eberbach statt, die verschachtelte Bibliothek wurde allerdings in den Cinecitta Studios in Rom nachgebaut, ebenso wie die Außensets, die man auf einem Hügel außerhalb der Stadt errichtete. Die Landschaftsaufnahmen wurden übrigens in den Abruzzen gefilmt, ziemlich genau in der Gegend, die unlängst von dem schlimmen Erdbeben heimgesucht wurde. In diese tollen Kulissen zauberte Annaud eine Atmosphäre, die dem im Buch absolut gleichkommt, was man ja ansonsten wohl über nicht allzu viele Literaturverfilmungen behaupten kann. Die Stimmung ist der Inbegriff des finsteren Mittelalters, geprägt von der Furcht vor Gott, der ewigen Verdammnis, dem Glauben an Dämonen und dem baldigen Weltende, das mit dem jüngsten Tag kommen wird. Einzig William und Adson bringen aufklärerisches Licht in diese Finsternis. William – irgendwie eine Mischung aus Sherlock Holmes, griechischem Philosophen und Qui-Gon Jinn aus Star Wars – versucht seinen Schüler Adson auf den richtigen Weg zu geleiten, den aber nur er ganz allein zu finden in der Lage sein wird. Der Ältere zeigt dem Jüngeren seine Möglichkeiten auf, ohne ihm dabei ein gestrenger Meister zu sein.

Von Anfang an zieht Annaud den Zuschauer mit seinem Film in den Bann und fasziniert ihn. „Der Name der Rose“ ist ein Glücksfall, wie ihn die Filmgeschichte nicht oft kennt: ein Film, der gleichermaßen als Literaturverfilmung funktioniert, und dies sogar so außerordentlich nah am geschriebenen Wort, dass sogar von den beinharten Eco-Fans Lob gezollt wurde, wie eben auch als Unterhaltungsfilm mit Aussage, die übrigens weitaus pessimistischer ausgelegt werden kann/muss, als es zunächst den Anschein hat. Denn auch wenn am Ende William und Adson siegen, so stehen sie doch lange noch nicht als strahlende Helden da, die den Unwissenden die Augen der Vernunft geöffnet haben. Und die Bibliothek, eben der Hort der Wissenschaft, der Aufklärung, der Ratio, steht am Ende in Flammen, mithin werden all die großen Werke vernichtet, die in ihr aufbewahrt waren. Das spricht doch für sich selbst, oder? Eben. Amen!

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Die DVD erschien bei Kinowelt Home Entartainment (diese Auflage wurde kurz nach dem Erscheinen per Gerichtsbeschluss zurückgezogen) und bei Warner Home Video, bei letzteren auch als Special Edition Doppel DVD. VHS gab es seinerzeit bei Taurus Video, erschien aber auch bei Kinowelt Home Entertainment, Constantin Video und in der Bild am Sonntag Edition. Taurus Video gab weiland auch eine Laserdisc heraus, falls da noch jemand spitz drauf sein sollte. Blu-ray oder andere Formate sind bislang nicht erhältlich.

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Weitere Kommentare zum Film

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Berti, 18.04.09
Bei diesem absolut großartigen Werk muss ich Wollo auf jeden Fall bei pflichten! Der hat wirklich jeden einzelnen seiner 5 Schädel redlich verdient! Fantastische Besetzung- vor allem wie schon erwähnt, bis in die letzte Nebenrolle. (Dass so manch einer von den Möchen ein bisserl "komisch" und suspekt aussieht, ist mit Sicherheit beabsichtigt und verfehlt seine Wirkung nicht!) Ron Perlman in einer echt ekligen und bemitleidenswerten Rolle. Als riesen großer Sean Connery Fan ist der Film für mich sowieso Pflicht und es gibt kaum einen Streifen mit dem charismatischen Star der mir nicht gefällt. Da ich das Buch hier ausnahmsweise mal nicht kenne, kann ich nur den Film beurteilen und der ist wie gesagt hervorragend. Hier stimmt für mich alles. Von den Kulissen, zu den Stars, vom Soundtrack bis zu der Story... Alles super spannend und mehr als interessant vorgetragen. Teilweise fast schon gruselig spannend. Als großer Bücherfreund tut mir zum Schluss natürlich jedes einzlene Buch leid dass hier in dem gewaltigen Feuer zerstört wird...Jedem Krimifan ist dieser (schein)"heilige" Mysteriekrimi nur ans Herz zu legen.
 
Staudenmaier007, 26.01.10
Wahnsinns Film. Perfekte Kulisse und eine unglaublich stimmungsvolle Umsetzung des Themas. Dazu kommt die Glanzleistung der Schauspieler ohne einen besonders hervorheben zu wollen. 5/5 Skulls - in jedem Falle.
 
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