A Tale of two Sisters
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Inhalt
Nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, dessen Dauer dem Zuschauer verborgen bleibt, kehren die beiden Schwestern Su-mi und Su-yeon ins Elternhaus zurück. Der Grund für den Klinikverbleib hatte offenbar mit dem tragischen Tod ihrer Mutter zu tun, denn im Haus erwartet sie eine Stiefmutter, die die Mädchen scheinbar am Rande der Hysterie begrüßt, während der stoische Vater, gekennzeichnet von Schuldgefühlen und Überforderung, sich auffallend in die eigene Isolation zurückzieht. Seine Versuche, sich den Töchtern wieder anzunähern, bleiben halbherzig. Su-mi, die Ältere der Schwestern, reagiert mit offener Feindseligkeit, während Su-yeons Verhalten von Furcht und Verstörtheit gekennzeichnet ist. Außerhalb des Hauses sind die Tage sonnendurchflutet, die Mädchen bewegen sich in überbordender, grüner Natur, im Haus hingegen herrscht stets eine düstere, beklemmende Atmosphäre, die geprägt ist von der Antipathie der Stiefmutter gegenüber der Schwestern, und die immer mehr in offenen Hass, Drohungen und sogar gewalttätige Strafaktionen besonders gegen Su-yeon gipfelt. In den Nächten spielen sich beklemmende Dinge ab. Geht es in dem finsteren Haus tatsächlich um, oder brechen sich die dunklen Familiengeheimnisse nur in schrecklichen Visionen Bahn? Und was ist der Grund dafür, warum Su-yeon sich ausgerechnet vor diesem einen Schrank so schrecklich fürchtet?
Kommentar
Mehr als dieses blanke Gerüst der Handlung wieder zu geben hieße definitiv zu viel zu verraten, denn das würde den Zuschauer um eine Erfahrung bringen, die er nur sehender und selbstdenkender/selbstempfindender Weise machen kann. Diese Geschichte um die zwei Schwestern geht unter die Haut!
Und Regisseur/Drehbuchautor Kim Ji-Woon nimmt sich gut zwei Stunden Zeit, seine Geschichte zum grausamen Höhepunkt anzutreiben, der dann aber tatsächlich noch immer nicht alle offenen Fragen vollständig aufklärt. Zwangsläufig ist der Zuschauer auf die eigene Interpretationskraft angewiesen, um der Geschichte zu folgen, die immer verschachtelter erzählt wird. Glaubte man eben noch nun auf das Geheimnis gestoßen zu sein, stellt man nun fest, man befindet sich nur in einer größeren Kiste, in der die eben aufgelöste steckte. Zumal, Kim Ji-Woon geht in seinem Handlungsablauf nicht immer chronologisch linear zuwerke. Oft ergeht er sich in Rückblenden, die aber gar nicht immer als solche erkennbar sind. Leicht kann der Zuschauer den Faden verlieren, wenn er dem Film nicht die gesamte Aufmerksamkeit widmet, weshalb man ihn auch nicht unbedingt für den seligen Bierabend mit den Kumpels empfehlen möchte. Und immer wieder scheint David Lynch um die Ecke zu schauen, denn an eben diesen musste ich nicht selten beim Stimmungsbild des Films denken.
Klar um was für einen Streifen es sich hierbei handelt? Und immer noch dabei? Gut, dann gehe ich davon aus, dass gerade sie sich von Filmen dieser Art angesprochen fühlen. Vordergründig geht es zunächst um ein Familiendrama, um Schuld, Sühne und Verdrängung, um ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit, das alle, die davon Kenntnis haben, in einen unentrinnbaren Strudel von absolutem Psycho-Horror geraten lässt. Ji-Woon verknüpft dabei die Ereignisse so raffiniert miteinander, dass der Zuschauer immer wieder zu ahnen glaubt, was als nächstes passiert, nur um dann doch immer wieder in die Irre geleitet zu werden. Und der Ort, zu dem er auf diesem Wege gelangt, ist wahrhaft finster, fremd und traurig zugleich.
Seine volle Wirkung entfacht der Film aber erst rückwärts betrachtet nach Ji-Woons Auflösung, dann aber dafür auch umso nachhaltiger und mit einigem „Aha“! Doch anders als beispielsweise bei M. Night Shyamalan, der ja bekanntermaßen seine Filme stets nach dem gleichen Baukastensystem anfertigt und auf den finalen Schlusstwist hinarbeitet, der dann zumeist die toll originelle Lösungen bietet (ich sage es noch mal und stehe dazu, das hat genau anderthalbmal bei ihm funktioniert, nämlich in seinen ersten beiden Filmen), ist Ji-Woon nicht gleichermaßen finalfixiert. Die Auflösung deutet sich mehrfach an, wird in einer wirklich großartigen Szene auch schon beinahe vorbereitet, die dann allerdings immer noch nicht wirklich offen legt, was da noch kommen möge, dafür aber wahnsinnig an der Spannungsschraube zieht. Welche Szene das ist? Ich werde den Teufel tun und das verraten, das müssen sie schon selber herausfinden! Und selbst wenn uns die Lösung offenbar wird, die Gänsehaut sich zwangsläufig bildet und uns zwingt, das Gesehene Revue passieren zu lassen, die vielen kleinen „Aaah…jetzt!“ Momente sich offenbaren, dann entdeckt man, dass noch immer genug Freiraum zum Weiterdenken gelassen wurde. Eigentlich möchte man sich den Film dann umgehend ein zweites Mal anschauen, um all das in die richtige Richtung zu denken, und weil klar ist, dass einem bei erster Sichtung des Films so vieles entgangnen sein muss, von dem man ja gar nichts ahnte. Wie sagt Lynch immer so schön: Es geht viel mehr ums Erfahren denn um Lösungen. Recht hat er!
Der Film ist aber nicht nur hervorragend erzählt und dramaturgisch durchkomponiert, er ist auch wunderschön und elegant fotografiert. Außerhalb des Hauses sehen wir klare helle Farben, die Natur zeigt ihre Pracht und selbst dunkle Waldwege zeigen sich voller Licht. Im Haus hingegen herrschen dunkle, matte Farben vor, die sofort ein ungutes Gefühl der Beklemmung hervorrufen und die Atmosphäre auf den Punkt bringen. Die langen Kamerafahrten durch die unheimlichen Korridore erinnern uns an die Klassiker des Horrorkinos, die wohldosierten Schockmomente sind gut gesetzt und sehr asiatisch gehalten, ganz im Stil der angesagten Ghoststories aus dem fernen Osten a la „Ringu“/Grudge“. Aber mitunter kann es eben viel gruseliger sein, die Mädchen durch das Dunkel des Hauses zu begleiten, immer wissend, dass irgendetwas dort lauert. Hervorragend abgerundet wird die Atmosphäre vom wirklich schönen und gelungenen Soundtrack von Byung-woo Lee und vom grandiosen Sounddesign des Films, der in diesem Fall schon ängstigt, ohne das man den dazugehörigen Bildern ansichtig werden muss.
Außerdem darf in keinem Fall vergessen werden, die Leistung des Ensembles zu würdigen, denn einen Großteil dieser ja beinahe kammerspielartig angelegten Schauermär stemmen ja nur die vier Protagonisten. Umso intensiver geriet ihr Spiel. Besonders hervorzuheben ist hierbei Jung-ah Yum, die mit der Rolle der bösen, herrischen, einstweilen aber auch völlig überdrehten Stiefmutter eine grandiose schauspielerische Leistung abliefert. Doch auch die beiden Jungdarstellerinnen Su-jeong Lim als aufbegehrende Su-mi und Geun-yeong Mun als die jüngere, verängstigte Su-yeon begeistern. Der undankbarste Part fiel sicherlich Kap-su Kim mit der Rolle des stoischen Vaters zu, doch auch der meistert seine Aufgabe mit Bravour, bleibt stets undurchsichtig und seine sparsamen Gefühlsausbrüche werden mit präziser Halbherzigkeit dargebracht. Man glaubt ohne wenn und aber jeder Figur im Spiel, dass sie einen psychischen Knacks hat.
Fazit: Filme wie dieser sind ein ganz seltener Glücksfall. Sicherlich surft der Film ein wenig auf der Asia-Horrorwelle und gesteht dem geneigten Fan auch einige der ihm wohligen Schockmomente zu, aber im Prinzip ist es völlig ohne Belang, ob die Geschichte sich letztlich in Südkorea, in der Provence, im Stephen King’schen Neu-England oder in Glückstadt abspielt. Vergleichbare Ansätze boten Shyamalans „The Sixth Sense“ oder Amenábars „The Others“, durchaus auch Nakatas „Dark Water“ oder in noch größerem Maße das US-Remake von Walter Salles, aber „A Tale of two Sisters“ übertrifft diese Filme locker. David Lynchs Werk ist mehr als nur in Ansätzen erkennbar, auch französische Avantgardisten wie Ozon und Denis lassen grüßen und ab und an musste ich sogar an Peter Weirs „Picknick am Valentinstag“ denken, was aber nicht bedeuten soll, dass Kim Ji-Woon irgendwas abgekupfert hätte, vielmehr wird ihm das Genannte Inspiration gewesen sein. Sein Film ist ebenso schauriger wie trauriger Psycho-Horror und tragisches Familiendrama in einem, ungemein fesselnd vorgetragen und stets die gesamte Aufmerksamkeit des Zuschauers einfordernd. Ein grandioser Film eines vielfach talentierten Regisseurs, dessen Schaffen der Rezensent von nun an im Auge behalten will. Auf sein nächstes Werk „The Good, The Bad and The Weird“ freut er sich auch schon ganz besonders, wenngleich dies ein Film von ganz anderer Art ist. Ahnen sie bei Dem Titel, was sie da erwarten wird?
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
Trailer zum Film
Veröffentlichungen
Die DVD gibt es bei den Asia-Experten von der e-m-s in der Cine Magic Asia Reihe, auch als schöne Doppel DVD Special Edition. Andre Formate scheinen nicht erhältlich zu sein.
Filmbewertung
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Stand: 09.02.2010 13:13:04
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