Draculas Blutnacht
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Inhalt
Graf Dracula flieht aus seiner Heimat Transsylvanien nach Amerika. Im Zug tötet er einen Maler, der ebenfalls auswandert, um bei seiner Familie in einer kleinen Stadt in Kalifornien zu wohnen. Dracula nimmt seine Identität an und wohnt an seiner statt bei der Familie Mayberry, wo er sich als Cousin ausgibt. Trotz seiner Eigenartigen wird der nachtaktive Vampirfürst in die Familie integriert, wo er ein Auge auf die hübsche Rachel geworfen hat und plant, sie zu seiner Braut der Finsternis zu machen. Derweil ereignen sich in der Stadt immer mehr seltsame und ungeklärte Todesfälle. Erneut ist ihm der europäische Polizist auf der Spur, der ihn aus seiner Heimat vertrieben hat. Draculas wahre Identität wurde entlarvt, doch ...
Kommentar
Lange hat es gedauert, bis dieser hierzulande vergessene Vampirfilm aus dem Jahre 1958 in Deutschland erschien. Regisseur Paul Landres (Immer bei Anbruch der Nacht) drehte diesen eher trockenen Draculafilm in schwarzweiß mit sichtlich geringem Budget. Die Handlung plätschert nur langweilig vor sich hin, die Handlung wird von langweiligen Dialogen dominiert und richtig gezeigt wie Dracula zubeißt wird auch nicht, absolut unspektakulär. Die Darsteller sind schlecht bis durchschnittlich und dem Vampirfürsten fehlte es deutlich an Ausstrahlung. Erst in der Schlussphase kommt etwas Bewegung ins Spiel, wo dass auch ein kurzer Farbschimmer bei der Pfählung einer Vampirdame aufblitzt. Das Ergebnis ist wenig unterhaltsam und eher was für Vampir-Komplettisten. Dennoch finde ich es schön, dass auch solche Filme in Deutschland veröffentlicht werden.Filmreview von: Marcus Littwin / Alle Reviews von Marcus Littwin
Veröffentlichungen
Der Film ist mit FSK-Logo freiem Wendecover bei Mr. Banker Films / Sunfilm Entertainment auf DVD erschienen.
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Gruft der Vampire - Hammer Collection No. 5
Stand: 18.05.2012 03:59:10
Das Grauen auf Black Torment (Der phantastische Film Vol. 9)
Stand: 18.05.2012 01:45:18
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Weitere Kommentare zum Film
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| Wollo, 16.04.09 |
| Schließe mich Marcus Kritik in vollem Umfang an, viel taugt der Film nicht. Dennoch hab ich mich als alter Vampirfilmspezi sehr darüber gefreut, diesen mir bis dahin gänzlich unbekannten Film entdeckt und gesehen zu haben. Ich muss mittlerweile wirklich nicht mehr alles sammeln, aber sehen ist schon schön. Ich bin halt Komplettist in dieser Hinsicht. |
| Seward, 19.04.09 |
| Tja, so scheiden sich die Geister... Ich hab den Film schon vor längerem gesehn (in Englisch) - und ich muß sagen, ich muß den geschätzten Kollegen Wollo und Zoltan da entschieden widersprechen. Meine positive Einschätzung des Films ist allerdings durchaus subjektiv - genauer gesagt, das, was meine Vorgänger als Manko bewerten (die fehlende Action, das Understatement, die zurückhaltende, undämonische Darstellung Draculas), macht für mich gerade einen nicht unbedeutenden Teil der Qualität des Films aus! Und der reißerische deutsche Titel ist ja leider auch angebracht, falsche Erwartungen zu wecken. (Wegen ähnlicher Meinungsdifferenz hab ich auch schon einmal mit Ruthven diskutiert - da ging es um die Darstellung von Lon Chaney jr. in "Son of Dracula" - ebenfalls je nach Sichtweise eine totale Fehlbesetzung oder ein genialer Besetzungscoup...) Im folgenden eine Review zu "Draculas Rückkehr", die ich schon vor längerem einmal geschrieben und im Forum der "Vampire-World" veröffentlicht habe: 1958 war das Jahr von Hammers „Dracula“ – der erste Vampirfilm in Farbe („in shocking color!“), mit knallrotem Blut und spitzen Zähnen, prachtvoller victorianischer Ausstattung und gotischem Feeling, und mit Christopher Lee und Peter Cushing als dem neuen Dream-Team im Dracula-Genre. Dagegen hatte diese kleine schwarzweiße B- oder sogar C-Produktion, von der winzigen Firma Gramercy Pictures (im Verleih der United Artists), nicht viele Chancen, international zu reussieren... Zu unrecht! Ums gleich vorwegzunehmen, hier haben wir es mit einer vergessenen Perle des Vampirfilms zu tun. Allerdings enthüllen sich manche der Qualitäten dieses Streifens nicht unbedingt auf den ersten Blick. Bis vor kurzem war die Universal die einzige Rechteinhaberin an der Dracula-Figur gewesen. Das hatte auch noch die Columbia zu spüren bekommen, die 1944 ihre geplante Dracula-Fortsetzung „Return of Dracula“ mit Bela Lugosi umbenennen mußte in „Return of the Vampire“, und der Vampirfigur auch eine andere Identität geben mußte (obwohl Lugosi natürlich dennoch niemand anderen spielte als Dracula!). 1953 waren die US-Rechte allerdings ausgelaufen, Gramercy durfte jetzt also den Titel verwenden, den Columbia damals fallen lassen mußte. Ganz sicher war man sich aber offenbar doch nicht, denn auch hier wird die Hauptfigur kein einziges Mal direkt als „Dracula“ bezeichnet. Überhaupt haben beide Filme, „The Return of Dracula“ und „Return of the Vampire“, eine ganze Reihe aufschlußreicher Parallelen, dazu komme ich später. Hammer hätte noch ein paar Jahre warten müssen (bis 1962, 50 Jahre nach Stokers Tod, da verjährte das UK-Patent), um die Rechte an Dracula umsonst zu bekommen - so konnte Universal mit dem Verkauf der Rechte zumindest noch einmal ein paar Dollar mit seinem Copyright machen. (Aus demselben Grund wurde „The Return of Dracula“ für den Verleih in England dann auch etwas sinnentlehrt umgetitelt auf „The Fantastic Disappearing Man“.) Man braucht durchaus etwas Zeit und Offenheit, um sich auf „The Return of Dracula“ einzulassen. Das Tempo ist äußerst ruhig, und auf eine unaufdringliche Weise bricht der Film so komplett mit allen Sehgewohnheiten, daß man zwischendrin das Gefühl bekommen könnte, es gar nicht mit einem wirklichen Horrorfilm zu tun zu haben. Da wäre einmal Dracula selbst. Dieser Dracula hat kein langes Cape, kein zynisches Grinsen, keine großen, dramatischen Gesten, keine bedrohlich rollende Stimme. Francis Lederer versucht in keinem einzigen Moment, „Dracula“ (oder irgend eines der Elemente, die wir üblicherweise mit Dracula verbinden) zu spielen – er geht die Rolle von einer ganz anderen Ecke her an: Er verhält sich schlicht und einfach in jedem einzelnen Moment so, wie sich Dracula in dieser Situation verhalten müßte. Der Fürst der Vampire hat sich unter einer falschen Identität in eine kleinbürgerliche Familie eingeschlichen – wieso also sollte er sein Inkognito gefährden, indem er zu offensichtlich den bösen Vampir heraushängen läßt? Im Gegenteil – Lederer bemüht sich, seine wahre Identität so perfekt wie möglich zu verbergen, einfach nur den zurückgekehrten Cousin möglichst glaubhaft zu verkörpern. Es ist der einzige Film, den ich kenne, wo Dracula sogar ein oder zweimal ganz offen und liebenswürdig lächelt. Nur wenn es die Situation erfordert, setzt er seine Macht und seinen hypnotischen Blick ein – unso stärker wirken dann diese Momente. Und wenn er seinem Opfer die Vorteile der Unsterblichkeit und des Vampirdaseins klarmachen will, unterlegt er seine Monologe nicht mit einem sinistren, dämonischen Unterton, wie es ein Lugosi machen würde – nein, er versucht das Mädchen schlicht und einfach zu überzeugen und ihr seine Weltsicht tatsächlich schmackhaft zu machen. Kaum ein Schauspieler vor und nach Lederer hat es gewagt, den Dracula dermaßen gegen die gängigen Klischees, derart wahrhaftig zu spielen (von ein paar Momenten bei Oldman oder Langella oder eventuell sogar Chaney jr. einmal abgesehen). Francis (ursprünglich Frantisek bzw. Franz) Lederer war ein tschechischer Schauspieler aus Prag, der zunächst eine Karriere im deutschen Stummfilm begann (er spielte etwa eine Hauptrolle in G. W. Pabsts berühmter „Lulu“-Verfilmung „Die Büchse der Pandora“), dann 1933 vor den Nazis fliehen mußte und in Hollywood erneut Fuß fassen konnte. Zu einem wirklich großen Filmstar wurde er allerdings nie, dazu war ihm wohl auch das Theaterspielen zeitlebens viel zu wichtig. Seine letzte Filmrolle (1971) war noch einmal der Dracula: In „The Devil is not Mocked“, einer Episode aus „Rod Serling’s Night Gallery“. In ein paar anderen Horrorfilmen war er auch noch zu sehen, etwa als Mad Scientist in „Terror is a Man“ (1959). Er starb im Jahr 2000 im Alter von 101 Jahren – insofern der Unsterblichkeit tatsächlich näher als die meisten andern seiner Dracula-Kollegen (lebende selbstverständlich ausgenommen)... Dem Vernehmen nach soll er ursprünglich nur zugesagt haben, die Rolle zu spielen, weil er dachte, es ginge um eine Parodie, und soll dann ganz entsetzt gewesen sein, als er erkannte, daß von ihm verlangt wurde, den Dracula straight zu spielen. Aber offenbar hat er sich dann doch mit ganzer Energie darauf eingelassen, denn genau das tut er: er spielt den Dracula so straight und ernsthaft wie kaum ein anderer. Ohne daß er sich jemals „draufsetzen“ würde, verleiht er dem Vampir nicht nur Größe, sondern auch Verletzlichkeit, eine Aura von Einsamkeit und eine gewisse Melancholie. Gecastet wurde er wahrscheinlich unter anderem wegen seines fremden – in diesem Fall: tschechischen – Akzentes. Aber während Lugosi seinen ungarischen Akzent zum Markenzeichen stilisiert, bleibt er bei Lederer ganz dezent im Hintergrund, wiederum versucht er, möglichst wenig „aufzufallen“. (Interessanterweise sieht man ihn in der ersten Einstellung hinter einer deutschen Zeitung versteckt, um dann eine ungarische Identität anzunehmen... Tja, fürs amerikanische Publikum dürfte es offenbar gereicht haben, zu wissen, das ist einer von drüben, Details unwichtig.) Die übrigen Schauspieler sind alle nicht schlecht, im Zweifelsfall immer mehr um Glaubhaftigkeit als um großes Ausspielen bemüht, was sicher auch der Regie zu danken ist. Die Musik ebenfalls recht qualitätvoll, manchmal vielleicht ein Spürchen „too much“, aber was schön ist, sind die vielen Anspielungen auf das „Dies irae“-Thema, die Gerald Fried immer wieder in den Score einbaut. Das Drehbuch ist ungewöhnlich gut – äußerst sorgfältig aufgebaut, mit Blick fürs Wesentliche genauso wie fürs Detail, mit guten, vielschichtigen Dialogen. Und vor allem mit wesentlich weniger logischen Fehlern ausgestattet als die meisten andern Vampirfilme, die ich kenne. Ein Beispiel für die Genauigkeit, mit der das Script aufgebaut ist: Draculas Ende (er fällt in eine Grube und spießt sich auf) wirkt auf den ersten Blick ein bißchen zufällig und an den Haaren herbeigezogen (vergleichbar etwa mit Draculas Tod in „Dracula braucht frisches Blut“). Aber bei genauerem Hinsehen zeigt sich, daß dieses Ende von langer Hand vorbereitet war – das Bergwerk wird von Anfang an als gefährlich, die Grube als tödlich gezeigt. Das Bergwerk ist mit Warnhinweisen gesichert, und es extra gibt einen Erzählstrang relativ zu Beginn, wo der kleine Sohn der Familie die verschwundene Hauskatze sucht – und sie dann schließlich tot auf dem Boden der Grube findet, wo sie offenbar hineingefallen ist. Außerdem können wir uns hier vorstellen, daß sie vielleicht dem Vampir zur Nahrung gedient hat. Beide Motive werden dann zum Schluß bei Draculas Tod wieder aufgegriffen und schließen den Kreis. (Einzige Frage, die nie wirklich geklärt wird: warum es ein Wesen wie Dracula ausgerechnet in dieses öde Kaff verschlagen hat!) Die Atmosphäre des Films ist derart nüchtern, daß man auf den ersten Blick ziemlich enttäuscht sein könnte. Wiederum: keine wallenden Nebel (außer, wo durch die Geschichte motiviert), keine ausufernden Gewitter und düsteren, verfallenen Häuser. Sogar die Friedhöfe und Grüfte sind vor allem eines: zweckmäßig und nüchtern. „The Return of Dracula“ zeigt keine gotische Seelenlandschaft, sondern eine stinknormale amerikanische Kleinstadt irgendwo in der tiefsten Provinz. Über weite Strecken kommt man sich vor wie in einer dieser x-beliebigen kitschigen Family-Soaps. Aber dahinter steckt Absicht. Denn das Dasein in dieser harmonischen Scheinwelt ist vor allem eines: entsetzlich langweilig. Höhepunkt an Unterhaltung ist das alljährliche Halloweenfest im Pfarrhaus mit Prämierung des schönsten Kostüms. Kein Wunder, daß Rachel sich von dem geheimnisvollen Künstler angezogen fühlt! Unterschwellig spielt der Film außerdem auch mit dem Inzest-Tabu: denn Bellac, der Mann, in den Rachel sich hier fast verliebt, ist nicht nur wesentlich älter als sie, sondern als Cousin ihrer Mutter (Ruth spricht ihn auch, deutlich genug, niemals anders an als „Cousin Bellac“) ja zugleich ihr Onkel zweiten Grades. Da zeigt sich dann die dunklere, verdrängte Seite des strahlenden amerikanischen Familienkultes... (Vorwerfen könnte man „The Return of Dracula“ höchstens, daß der ungarische Friedhof, der ganz zu Anfang gezeigt wird, dem amerikanischen Friedhof von später zum Verwechseln ähnlich sieht. Das ist wohl leider doch dem mageren Budget geschuldet, genauso wie die leider manchmal sehr schlampig ausgeführten „amerikanischen Nächte“.) Der Regisseur, Paul Landres (oder Landers – nicht zu verwechseln mit Lew Landers, der „Return of the Vampire“ inszeniert hat) hatte für dieselbe Produktionsgesellschaft ein Jahr zuvor schon einmal einen Vampirfilm gedreht, „The Vampire“ mit John Beal und Kenneth Tobey, war aber ansonsten eher Westernspezialist. Machmal nicht die schlechteste Kombination für einen Vampirstreifen, siehe etwa Lambert Hillyer mit „Dracula’s Daughter“. Hier ists jedenfalls die amerikanische Kleinstadtmentalität, die der Film schnörkellos einfängt, und die in totalem Kontrast zum europäischen Auftreten des Fremden steht. Und wenn die Vampirjäger über den Friedhof zur Pfählung schreiten, sieht es aus, als würden die glorreichen Sieben in Tombstone City zum Showdown einreiten. Spätestens dadurch wird klar, daß eins der unterschwelligen Hauptthemata des Films auch die Konfrontation von amerikanischem Heimatdenken mit dem Ansturm von Ausländern, Flüchtlingen etc. ist. Vielleicht ists auch kein Zufall, daß Dracula in einem aufgelassenen Bergwerk sein Nachtlager aufschlägt: Wo in der Pionierzeit jeder seinen Claim abstecken und damit dieses Land und seine Bodenschätze für sich beanspruchen konnte, drängt nun eine neue Generation von Einwanderern nach und macht der ersten Generation ihre Ansprüche streitig... Dracula tarnt sich als ungarischer Flüchtling (der Ungarn-Aufstand von 1956 lag nur wenige Jahre zurück), und die Vampirjäger arbeiten mit dem Geheimdienst und mit der Einwanderungsbehörde zusammen – der Immigration Officer kommt, um Draculas Papiere zu prüfen. Da zeigt sich nun auch, daß „The Return of Dracula“ ein Produkt des Kalten Krieges ist – eine Warnung, sich vor Unterwanderung durch kommunistische Agenten zu schützen, selbst wenn sie sich als Asylanten, Widerstandskämpfer oder sogar Familienangehörige ausgeben. Sie könnten ihre pervertierte Weltsicht in unvorsichtige Gemeinden einschleusen, so wie ein Vampir sich in eine heile Familie einschleichen kann, um die Töchter (und die Blinden in der Gemeinde!) mit dem Versprechen der Erlösung vom Schmerz und Leid des Alltags auf die Seite des Bösen zu ziehen. Bram Stokers Dracula kam noch als Eroberer, als Nachfahre Attilas, nach London, um das Herz des Empire zu unterwerfen – 50 Jahre später kehrt er nun zurück, getarnt als Flüchtling (und Künstler!), um das Herz des Gemeinwesens, die bibelfeste Provinzkleinstadt, mit seinen Lehren zu vergiften. Daß der Film im ganzen doch nicht so eindeutig patriotisch geraten ist, wie die Produzenten sich das vielleicht gern vorgestellt hätten, sondern genauso auch Sympathie für die Gegenseite weckt, liegt einerseits wohl an der behutsamen Inszenierung, in der die Vampire gar nicht einmal so „böse“ und die Gegner gar nicht einmal so eindeutig „gut“ rüberkommen, und besonders an der differenzierten Darstellung Francis Lederers. Wie er etwa Jennie nach ihrem Tod zurückholt, und dann zu ihr sagt: „Ja, ich weiß, es tut weh, wieder zu atmen“, das hat etwas Berührendes. Und man glaubt ihm tatsächlich, daß er seine Vision vom ewigen Leben jederzeit dieser leblosen, cleanen amerikanischen Realität vorzieht. Ich könnte mir sogar denken, daß Lederer, der ja selber einmal als Flüchtling ins Land gekommen war, die fremdenfeindlichen Aspekte der Story ganz bewußt unterwandert hat... Eine ähnliche (aber weniger offensichtlich politische) Geschichte wie „The Return of Dracula“ hat schon Alfred Hitchcock 1943 mit „Im Schatten des Zweifels“ erzählt. Interessanter aus vampirischer Sicht ist aber, wie schon zu Beginn angekündigt, ein Vergleich mit „Return of the Vampire“. Beide Filme versuchen, die Welteroberungsversuche des literarischen Dracula auf den jeweils aktuellen politischen Feind zu übertragen, und den Dracula-Mythos mit der gegenwärtigen Alltagssituation zu konfrontieren. In „Return of the Vampire“ sind es die Nazis – deutsche Bomben erwecken den Vampir zu neuem Leben, und während London in Schutt und Asche fällt, ermordet Dracula (bzw. Armand Tesla, wie er hier heißt) einen KZ-Flüchtling, nimmt dessen Papiere an sich und schleicht sich unter diesem Deckmantel in eine Upper-Class-Familie ein (interessanterweise scheinen in dieser Gesellschaftsschicht die Zerstörungen überhaupt keine Rolle zu spielen, man lebt weiter, als wäre das da draußen nur ein vorübergehendes Sommergewitter...). Und in „The Return of Dracula“, wie gesagt, sind es die Kommunisten – erneut ist es ein politischer Flüchtling, der von Dracula ermordet wird, damit er seine Identität annehmen und eine Familie, diesmal aber eine kleinbürgerliche, unterwandern kann. In beiden Fällen ist aber die Warnung dieselbe: hütet euch vor den Asylanten, jeder könnte ein feindlicher Agent sein, also lieber zu mißtrauisch als zu barmherzig sein! Eine Haltung, die unter anderem dazu geführt hat, daß Tausende geflohene Juden dann in ihren Gastländern (USA und England) als feindliche Ausländer, eben als Deutsche, behandelt wurden. Wenn „Return of the Vampire“ bzw. „The Return of Dracula“ heute noch einmal verfilmt würden, käme Dracula höchstwahrscheinlich aus dem Iran oder aus Afghanistan... Abschließend muß aber gesagt werden, daß „The Return of Dracula“ der wesentlich bessere (wenn auch weniger „vampirfilm-typische“) der beiden Filme ist, umso mehr, als die politische Message nicht so holzhammermäßig daherkommt. Die Einbindung des alten Mythos in die moderne Lebenswelt ist viel besser gelungen und konsequenter durchgearbeitet. Die Geschichte läßt sich auch gesellschaftlich oder psychologisch oder als „einfache“ Liebesgeschichte lesen, und weckt Sympathie für beide Seiten. Kleines Detail: es gab ursprünglich – offenbar doch als zaghaften Versuch, dem Hammer-„Dracula“ Paroli zu bieten – eine winzige Farbsequenz: bei der Pfählung von Jennie sieht man ein paar Sekunden lang das Blut rot heraussprudeln. Bei den meisten Fernsehausstrahlungen (auch bei der Kopie, die ich gesehen habe) wurde diese Szene allerdings wieder in Schwarzweiß einkopiert – und ich würde sagen, zum Glück... |
| Wollo, 24.04.09 |
| Stimmt, Seward, jetzt fällt es mir wieder ein, dass Du vor zwei oder drei Jahren genau dieses sehr gelungene Review im VW-Forum veröffentlicht hast und ich damals noch dachte, diesen Film muss ich mir unbedingt mal anschauen. Also war mir der Film gar nicht so unbekannt, wie ich eigentlich dachte. Aber wie der Zahn der Zeit es so macht, er nagte an meiner Erinnerung, und als ich die DVD schließlich letzte Woche in Händen hielt, herrlich reißerisch aufgemacht und mit dem knalligen deutschen Titel "Draculas Blutnacht" versehen, da hab ich natürlich in keiner Weise mehr an das Review und meinen damaligen Vorsatz gedacht, des Films habhaft zu werden. Stattdessen fiel ich eher darauf rein, was das Label werbewirksam verhieß, da war nämlich von einer hammerfilmesken Atmosphäre die Rede, quasi von einer Alternative auf den "Horror of Dracula", und somit ging ich freilich mit völlig falschen Erwartungen an den Film heran. Natürlich war hier nichts gotisch, keine wabernden Nebel, keine Schlossruinen, keine Kutschfahrten durch schaurige Landschaften, kein alter Familienfluch, keine Kinder der Nacht, die wunderbare Musik machen. Wahrlich, Dracula landet tatsächlich in der langweiligsten Gegend der Welt. Die Aura des kalten Krieges ist in dem Film tatsächlich allgegenwärtig, allerdings lässt sich das mehr oder weniger relativ betrachtet über beinahe jeden Streifen dieser Jahre der US-Film-Phantastik sagen. Man spricht ja auch gern vom Paranoia Kino jener Zeit, geprägt von der Angst vor der Bombe des Klassenfeindes. Zumeist standen ja weiland eher außerirdische Invasoren Pate für die bösen, bösen Kommunisten denn die klassischen Universal-Monster der vorhergegangenen Jahrzehnte. Der doch zumindest ansatzweise kritische, nicht gar so typisch patriotische Ansatz des Films ist auch Zoltan und mir, die wir den Film zusammen gesehen haben, durchaus aufgefallen. Der Officer der Einwanderungsbehörde und der Vertreter der Europol (Jahrzehnte, bevor die Behörde überhaupt gegründet wurde) riefen bei uns beiden sogleich den Bezug zum so genannten "Patriot Act" der Bush-Administration auf den Plan. Die scheinbar nachrichtendienstlich tätigen international agierenden Vampirjäger wecken Erinnerungen an die ungute Operation "Gladio", einem schattigen Netzwerk, welches westliche Geheimdienste bis in die frühen 1990'er aufrecht erhielten, einzig zu dem Zweck, gegen die politische Linke vorzugehen. Das hat übrigens nichts mit Verschwörungstheorien zu tun, wer mag, der darf da gern mal googlen, oder besser noch, sich entsprechende Literatur besorgen. Wie auch immer, die hehren Ansätze sind erkennbar, dennoch krankt der Film hauptsächlich an seiner Undynamik. Regisseur Landres mag vielleicht ein fähiger Westernregisseur gewesen sein, doch im Genre der Phantastik herrschen nun einmal ganz klar andere Regeln als bei den Western von gestern, auch wenn der Vergleich des "Einreitens" der Vampirjäger auf dem Friedhof mit dem der "Glorreichen Sieben" in Tombstone (waren das nicht eher Jesse James und seine Spießgesellen?) durchaus passend ist. Dem Film fehlt es an Höhepunkten, an Dramatik. Lederers Interpretation des Fürsten der Vampire ist vielleicht nicht ohne Reiz, gerade wenn man Sewards Ansatz folgt, doch wie gesagt, wir verfielen dem werbetricky Ansatz der Herausgeber der deutschen DVD und waren entsprechend enttäuscht. Allerdings, den Satz „Ja, ich weiß, es tut weh, wieder zu atmen“, den Dracula an die erweckte, ehemals blinde Jenny richtet, den fand ich schon bemerkenswert. Trotz alledem, der Film ist zäh, die Schauspieler wirken uncharismatisch, die Atmosphäre statisch. Insgesamt haben wir es mit einem tempoarmen eher C-Klasse denn B-Film zu tun, dem stets auch das schmale Budget anzusehen ist. An und für sich sollte das ja eigentlich nicht über Wohl und Weh entscheidend sein für einen Film, denn mehr Geld macht nicht per se einen besseren Film, doch hier wird allerdings allzu offenbar, dass es sich um einen typischen Film handelt, der nur darauf abzielte, junge Menschen in die Autokinos, die damals in den 1950’ern gerade in den USA immens populär war, zu locken. Lew Landers „Return of the Vampire“, der ja als Referenzvergleich hinzugezogen wurde, vermittelt zumindest ansatzweise die Eleganz der Universal-Klassiker, was nicht nur an Lugosis prominenter Mitwirkung gelegen hat. Allerdings, zugegebenermaßen war das im Großenganzen auch nicht wirklich ein besserer Film in der Auswertung. |
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