So finster die Nacht

Originaltitel: Låt den rätte komma in
Alternativtitel: Let Me in
Let the Right One in
Herstellungsland: FrankreichFrankreich, SchwedenSchweden
Erscheinungsjahr:  2008
Regie: Tomas Alfredson
 

Darsteller

Figur

Kåre Hedebrant  Oskar
Lina Leandersson  Eli
Per Ragnar  Håkan
Henrik Dahl  Erik
Karin Bergquist  Yvonne
Peter Carlberg  Lacke
Ika Nord  Virginia
Mikael Rahm  Jocke
Karl-Robert Lindgren  Gösta
Anders T. Peedu  Morgan
  
Genre: Vampire
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 Deutsches Filmplakat

Inhalt

Der 12jährige Oskar lebt mit seiner Mutter im Stockholmer Vorort Blackeberg. Er ist ein Außenseiter, der von seinen Klassenkammerade böse gehänselt wird, ohne dass er sich wehrt. Auf dem Spielplatz vor seiner Wohnung lernt er die 12jährige Eli kennen, mit der er sich anfreundet. Doch Eli ist anders als andere Kinder, sie ist ein Vampir. Sie gibt Oskar den Mut, sich gegen seine jugendlichen Peiniger zu wehren, es bahnt sich eine Romanze zwischen den beiden an. Erst später merkt er, dass Eli ein Vampir ist, was ihn jedoch nicht wirklich stört. Er erkennt die Tragik ihres Daseins, dass sie andere töten muss, um zu leben. Die ungewöhnliche Freundschaft wird hart auf die Probe gestellt, als ...

Kommentar

Das war ja mal eine wirklich positive Überraschung. Zunächst wusste ich nicht so recht, was ich von dem Film halten soll, er fängt sehr ruhig an und ist absolut anders als andere Vampirfilme. Er spielt in der verschneiten Winterlandschaft in einem eher trostlosen Vorort von Stockholm, wo der 12jährige Oskar, der von Kåre Hedebrant sehr melancholisch gespielt wird, ein trauriges Schülerdasein als verschüchterter Außenseiter fristet. Doch der Film entwickelt sich zu einem innovativen und faszinierenden Vampirfilm. Oskar freundet sich mit einem 12jährigen Vampirmädchen an, die von Lina Leandersson sehr traurig und ernst dargestellt wird. Aus dieser ungewöhnlichen Freundschaft entwickelt sich eine Romanze, die erste Liebe für Oskar. Und die Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als er erfährt, dass seine Freundin ein Vampir ist. Sie ist für immer im Körper einer 12jhährigen gefangen und muss töten, um zu überleben - er hingegen würde töten, um sich an seine Peiniger zu rächen. So hat halt jeder seine Probleme. Der Film ist nicht reißerisch oder actionreich, er setzt auf seine fesselnde Story, die aus der Feder von John Ajvide Lindqvist stammt und auch als Roman und Hörbuch erhältlich ist. Hinzu kommen teilweise hervorragend fotografierte Szenen und ein wirklich geniales Ende. Ein Film, der nachwirkt und zum Denken anregt.
Fazit: Frischblut fürs Vampirgenre. Ein Film der durch seine romantisch-melacholische und durchaus anspruchsvolle Art auch Nicht-Vampirfreunde ansprechen wird.

Filmreview von: Marcus Littwin / Alle Reviews von Marcus Littwin

Trailer zum Film

Bilder zum Film

Veröffentlichungen

Der Film ist bei Ascot Elite Home Entertainment auf DVD und Blu-ray erschienen.

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Preytor, 24.11.09
"Vielleicht der Beste Film von 2008", so vermittelt es uns die Süddeutsche Zeitung auf der Vorderseite der DVD. Auch andere (unbekannte) Magazine geben ihren Senf dazu und loben dieses Werk von Tomas Alfredson. In ,,So finster die Nacht" hat sich der Regisseur an einem Mitstreiter wie ,,Twilight - Biss zum Morgengrauen" versucht, in dem er einen einsamen und schüchternen Jungen die (hier nicht existierende) Welt offenbart. Eli ist ebenfalls sehr ruhig und die beiden verlieben sich. Von der Fiktion her hat mich ,,Twilight - Biss zum Morgengrauen" an dieses Schema erinnert und so hatte Ich mir das auch vorgestellt. Auch die Kennzeichnung mit einer FSK -16 Freigabe lässt darauf führen, dass es um einiges härter ist. Doch wenn man kein Budget oder gar Orchester zu Verfügung hat, dann frage Ich mich ehrlich, wie der Zuschauer an einem Film Spaß haben soll, der keine Handlung enthält. Nachdem die beiden Protagonisten ein niedliches Paar sind, hört die Masche auf zu funktionieren - es passiert einfach nichts mehr. Der Zuschauer bekommt zu Gesicht, wie Oskar seine (Frei-)zeit verbringt oder in der Schule ist. Solche Szenen sind sehr belastend, wenn dann auch gar keine Musik im Hintergrund läuft. Zugegeben, ab und zu waren die Kompositionen lauter als das Getriebe meines DVD-Players. Das einzig wahre das Ich diesem Film hoch anrechnen kann, sind die Gore-Szenen. Und selbst aus diesem Bereich gibt es bessere Filme ("Underworld"). Wer gerade im aktuellen Vampierfieber steckt, der kann sich bei Bedarf ja die Romanvorlage zulegen. ,,Twilight" hat die Messlatte definitiv zu hoch gelegt und diese Romanverfilmung ist einfach nur Müll.
 
Wollo, 27.11.09
Oh,oh, da muss ich aber leider außergewöhnlich entschieden widersprechen, denn "So finster die Nacht" ist tatsächlich der vielleicht beste Film des Jahres 2008, ganz gewiss aber ist er der beste Vampirfilm seit Ewigkeiten. Seien wir doch mal ehrlich, das Genre war kreativ betrachtet nahezu tot. Was gab es da schon an nennenswerten Beiträgen in den letzten Jahren? Der Vampirfilm, tatsächlich ehemals fast so etwas wie die Königsdisziplin der Filmphantastik, hatte an Stil, Eleganz, Atmosphäre und vor allem Originalität so gut wie vollständig eingebüßt, was eben zum Teil sicher auch damit zu tun hatte, das sich die Sehgewohnheiten des Publikums geändert haben. Die letzten der großen barocken Vampirstreifen waren Coppolas "Dracula" und Jordans "Interview mit einem Vampir", und die haben ja inzwischen auch schon etliche Ostersonntage auf dem Igor-Buckel. Es scheint, in den Jahren danach, jenen, in denen die schönen neuen Cyberwelten unser aller Leben revolutionierten, war der Bedarf an klassischem "Vampirstoff" gedeckt. Was folgte und letztlich auch nötig war, war eine Neuausrichtung, die aber in meinen Augen zumindest das Blockbusterkino betreffend reichlich enttäuschend ausfiel. Die Eleganz wich waffenstarren Ballerfilmen in "Matrix"-Optik a la "Underworld" und "Harte Jungs" Streifen mit Superheldenappeal wie eben "Blade" oder den "Vampires" von Carpenter. Aktuell hat nun Stephanie Meyer mit ihren blutlosen "Twilight" Vampiren die Krone auf, was eine ziemlich schmonzettige Teeniesaga ist für ein Publikum, welches sonst wahrscheinlich hauptsächlich BRAVO-Girl liest (mein Empfinden, will aber niemandem zu nahe treten) und gegen die selbst die gute alte "Buffy", von der ich nie jemals ein Fan gewesen wäre, beinahe schon Hardcore ist. Da fehlt mir als Uraltfan des Genres beinahe alles, nicht nur, wie angesprochen, Eleganz und Stil, auch und sogar besonders das, was diese Art Film eben immer so besonders machte: die Provokation, weil ja auch irgendwie das ganze Rumgesauge eigentlich für was ganz anderes steht; die unterschwellig kritische Note der alten Filme, in welchen der Nosferatu entweder den Untergang symbolisierte (ganz im Sinne von Voltaire oder Marx) oder eben auch in neueren Nischenbeiträgen schon mal die Lösung des Problems sein konnte; das Spiel um düstere Romantik, der Frage danach, was nach dem Tod kommt und vielleicht der subliminalen Sehnsucht nach Übermenschlichem. All das fand sich in den Filmen der letzten Jahre so gut wie nie! In "So finster die Nacht" aber wurde alles exakt auf den Punkt gebracht! Keinesfalls sehen wir hier nur einen zwölfjährigen Jungen, der sich zufällig in einen Vampir verliebt und werden ansonsten hauptsächlich Zeuge seiner Freizeitgestaltung. Und es geht auch nicht ansatzweise um die spärlich, aber sehr, sehr wirkungsvoll eingestreuten Splattereffekte, die hier überhaupt gar nicht dem Selbstzweck dienen, sondern unbedingt zur Geschichte gehören und dem Verstehen derselben dienen. Wir sehen hier eine zutiefst gescheiterte Gesellschaft von Verlierern, die im Plattenbau im Heileweltland Schweden Anfang der 1980'er versuchen, sich durchzuschlagen: Arbeitslose, Alkoholiker, Gestrandete, die zwar irgendwie an ihrem Leben hängen, zum Teil aber trotzdem lange schon aufgegeben haben! Noch schlimmer geht es nur ihren Kindern, denen sie aus nachvollziehbaren Gründen nicht die Aufmerksamkeit zuteil werden lassen können, die die doch bräuchten, und die am Beispiel der Erwachsenen ihre eigene traurige Zukunft vor Augen haben. Oskar ist so ein Kind. Er ist einsam, vernachlässigt und verwirrt, denn es ist ja nicht gerade einfach, zwölf Jahre alt zu sein und niemanden zu haben, der einem die Welt erklärt. Von einigen Mitschülern wird er terrorisiert, geschlagen, drangsaliert, und er ergeht sich in Rachefantasien, in welchen er seine Peiniger aufschlitzt, mit ihnen abrechnet. Eli gibt ihm Halt, sie ist seine erste Liebe, obschon sie doch immer so eigentümlich riecht und so ganz anders ist als alles, was er bisher kannte. Die süße Eli ist eine tödliche Gefahr, aber auch sie ist einsam, und sie würde Oskar nie etwas antun. Die sich entwickelnde, zarte Beziehung der beiden, ihre Zuneigung, ja Liebe zueinander, ist stärker als alles, was es für Oskar je gegeben hat, und sie schlägt die ganze Welt, die der Junge bislang kannte, entzwei. Am Ende rettet sie ihn vor seinen Peinigern, und wir sehen ein Finale, welches wir so nicht erwartet haben, ein schauerliches Blutbad im wahrsten Wortsinn, und einen Oskar, der schließlich selig lächelt.... Was bitte schön soll daran "Müll" sein? Der Film ist, wie seine literarische Vorlage übrigens, die zu lesen sich in jedem Fall lohnt, beinahe reine Poesie. Die Kinderdarsteller machen ihren Job unglaublich gut. Angeblich haben die beiden nie das vollständige Drehbuch lesen dürfen, Regisseur Alfredson soll ihnen am entsprechenden Drehtag immer vorgelesen haben, um was es eben ging. Wie groß muss man die schauspielerische Leistung der beiden Darsteller, die ja keine studierten Schauspieler sind, sondern echte Naturtalente, angesichts dieser Räuberpistole, so sie denn stimmt, bewerten? Grandios, kann ich da nur sagen! Nein, nein, hier wollte bestimmt niemand auf den "Twilight"-Zug aufspringen. Hier wollte jemand seine eigene Geschichte davon erzählen, wie es ist, im Vorstadtghetto aufzuwachsen, wenn man etwas anders ist als die Anderen. Wir haben es auch hier nicht mit einer Literaturverfilmung der Art zu tun, wo ein professioneller Filmautor im Auftrag des Studios einen Roman zu einem Drehbuch umschrieb, denn John Ajvide Linqvist, der Urheber dieser genialen Story, hat selber das Drehbuch verfasst und dabei die Größe und das grandiose Talent bewiesen, tatsächlich alles langatmige, das seinem dennoch brillanten Buch sehr wohl mitunter inne wohnt, auszublenden und sich auf den Kern der Geschichte zu beziehen ohne aber seine Prämisse zu verbiegen. Ihm dafür ein sehr großes Chapeau! Alfredson gleichermaßen, denn er hat das alles sehr gut verstanden und hat mit diesem Film ein Highlight gesetzt, an welchem sich im Vampirfilmgenre künftig ein jeder wird messen müssen. Nun ist inzwischen ein amerikanisches Remake des Garns abgedreht worden, von dem ich mir aber sicher bin, dass es niemand brauchen wird. Ich werde es mir dennoch ganz sicher ansehen, und ich weiß jetzt schon, dass man mit diesem sowohl dem Film wie auch dem Buch nichts Neues wird hinzufügen können. Lindqvist und Alfredson ist es gelungen, einen Meilenstein zu setzen. Meine absolute Hochachtung dafür!
 
Preytor, 01.12.09
Hallo Wollo, freut mich sehr, dass du mir mit deinem Feedback geantwortet hast, so werde Ich dir wiederum auch antworten. Habe mir deinen Beitrag durchgelesen (der sehr zum Nachdenken anregte) und habe mir den Film darauf noch mal angesehen. Leider hat sich meine Meinung beibehalten, obwohl Ich das Ganze nicht so objektiv betrachten wollte. Und Ich denke, Ich habe auch einen sehr guten Grund gefunden warum wir beide so unterschiedliche Meinungen zu diesem Film haben. Erstmal muss Ich dir völlig Recht geben, dass es seit Jahren keinen eigenständigen Vampirfilm gegeben hat. Wer Gefallen an dem mittelalterlichen Stil hat, wird die letzten Jahre nichts Großartiges gesehen haben. Ich meinerseits habe auch Gefallen an Verknüpfungen wie Blade, der selbst ja ein Vampir ist, oder eben Underworld. Leider (und wie wir in ein anderen Diskussion schon besprochen haben) ist das Niveau ziemlich angestiegen. Wenn ein Film heutzutage punkten will, dann kann er sich mit zweitklassigen oder effektarmen Einlagen nicht mehr blicken lassen. Früher war das eben noch besser (70 - 80er Jahre), heutzutage sind diese hohen Anforderungen schon Standard. Als eigenständig kann sich Van Hellsing behaupten, der wirklich gut war und nach wie vor noch ist. Doch dazwischen liegen auch wieder ein paar Jahre und einige Möchtegernverschnitte wie ,,Against the dark" sollte man nicht werten lasen. Und auch wenn Ich nicht zu der hypnotisierten Mädchenmasse gehöre und kein Fan von Robert Pattinson bin, fand Ich den „Twilight“ einfach nur umwerfend. (Goldene Regel von mir: Nie Vorurteile zu Filmen die man noch nicht gesehen hat!). Klar sind diese blutarm, ist vor allem für das jüngere Publikum zugeschnitten und dass die Wölfe im zweiten Teil etwas unspektakulär aussehen war klar. (Trotzdem mal eine Empfehlung an dich). So, und jetzt zum eigentlichen, womit Ich dir antworten wollte. Einerseits kann es ,,Twilight" sein, der mich so fasziniert hat und meine Erwartung zu hochgesteckt hat, weswegen Ich bei ,,So finster die Nacht" so enttäuscht war. Hätte Ich ,,Twilight" vielleicht nicht gesehen hätte mir dieser (vielleicht) auch besser gefallen. Anderseits (und da tendiere Ich eher zu) ist mein Leben etwas anders geprägt worden. Ich hatte die Ehre, die 90er Jahre als Kind zu erleben. Für mich und andere Jahrgänger war diese Zeit der größte Boom überhaupt was die Trick- und Kinderfilme angeht. Der ein oder andere wird sich ein Schmunzeln nicht verdrücken können, doch ich schildere dass so wie Ich es empfinde. So weit Ich mich zurückerinnern kann war ,,Das große Krabbeln" mein erster Animationsfilm den Ich gesehen habe. Diese Liebe die der Film verstreut und einen fasziniert gab es bis heute nicht mehr. Inhaltlich haben die beiden nämlich eins gemeinsam: Der Versager denn keiner leiden kann verschwindet und alle freuen sich, bis er zurückkehrt und als Held dasteht - das war toll. Ganz viel Liebe in diesem Streifen, im Gegensatz zu hier. Hier reißen einen die Charaktere, die Story, die Emotionen und die tolle Musik einfach weg. All dass, die ganze (nicht fühlbare) Liebe, die fehlende Musik, die im endlosen Traumland im Schnee versinkt. Und genau wie Sheriff Woody und sein Weltraumfreund - richtig, die Rede ist von Toy Story. So sind die beiden anfangs größte Feinde und können sich keinen Meter leiden. Doch dann vermittelt uns Disney die Botschaft, dass man gemeinsam alles erreichen kann, denn anders hätten die beiden es nie geschafft zu überleben. Der zweite Teil war genau so gut. Für Freundschaft tut man eben alles. Dass sind Maßstäbe, wenn man anderen einen Film (zwar ohne Vampire) empfehlen will, der das Thema Freundschaft richtig zeigt, und nicht so wie dieser trockene Zwieback. Dann erwähne Ich mal dass, was mich bis heute noch als Fan fasziniert. Natürlich kann Ich dir das nicht übel nehmen, wenn du davon nicht begeistert bist (jeder Mensch ist anders geprägt und aufgewachsen) doch die Rede meinerseits ist von Digimon. Genau, dieser doch eher kindlich wirkende Anime, der für Erwachsene einfach nur Kinderkram zu schein seit, ist der Höhepunkt aller filmischen Leistungen (mal abgesehen von Elfenlied) die Ich bis jetzt gesehen habe. Sieben Freunde kämpfen allein mit ihren Partnern in einer ganz fremden Welt, ohne Eltern und Sicherheitsgewährleistung und wachsen als Gemeinde zusammen. Immer wieder zeigt uns Daisuke Kawakami, das man nur gemeinsam stark ist und wie wichtig Freundschaft im Leben ist. Dass hat die damaligen Generation (mich mit eingeschlossen) geprägt. Klar kann dass nur jemand nachvollziehen der dass so miterlebt hat wie Ich. Aber genau aus diesem Grund gibt es für mich so gewaltige Unterschiede: Fuji TV und Pixar haben dass viel viel besser gemacht, viel besser sogar. Solche Filme sind immer wieder rührend, wenn dann auch noch ein genialer Soundtrack läuft und nicht nur mal mit dem (drücken wirs mal vorsichtig aus) abgekauten Fingernagel an der Seite der Gitarre gezupft wird. Was Ich dir damit eigentlich sagen wollte, lieber Wollo, ist eben genau meine Lage, wie Ich den Film wahrgenommen habe, worin der Grund lag und was Ich mir unter einem soliden Film vorstelle, der dass Thema Freundschaft richtig behandelt. Vielleicht kennst du ja auch den ein oder anderen „Trickfilm“ den Ich genannt habe. Das soll nicht heißen, dass jeder neue Film denn Ich sehe automatisch schlechter ist, doch halt eben dieser Vergleich ist der herausragende Grund; verglichen mit „So finster die Nacht“ hat mir diese Liebe einfach gefehlt. Da hatte Ich andere Erwartungen und mit meiner Meinung steh Ich zwar oft alleine da, doch so ist das nun mal, so gehört sich das für jemanden der zu seiner Meinung steht. Und nun: Herzlichen Glückwunsch – sie haben das Ende des Textes erreicht.
 
Wollo, 04.12.09
Lieber Preytor, dann möchte ich sehr gern hierzu auch noch einmal Stellung beziehen, denn es gibt ja nichts Vortrefflicheres als 'ne ordentliche Diskussion, besonders wenn es sich, wie im vorliegenden Fall, um eine Art "Lieblingsfilm" handelt. Und so stellt sich mir zunächst einmal die Frage, was Du denn meinst, wenn Du schreibst, das Niveau sei ziemlich angestiegen? Ich denke, Du meinst das finanzielle Niveau, vertrittst also in gewisser Weise die Meinung, "wat nix kost', dat taucht auch nix", richtig? Das formulierte quasi die Ansicht des Blockbusterfans, der sich vordergründig von einem Film unterhalten lassen will, sich idealerweise zwei Stunden lang das Gehirn mit Effekten, großem Pomp und Tamtam und Stars und allem, was man so für 200 Millionen bekommen kann, wegblasen lässt. Was ja auch vollkommen legitim ist! Kann mir auch schon mal viel Spaß machen, keine Frage, grundsätzlich aber ist meine Philosophie eine andere. Ich bin der Meinung, nicht die Höhe des Budgets ist entscheidend für einen guten Film, sondern letztlich die Qualität der Geschichte, die erzählt wird, das Ausloten der Figuren, die Originalität, mit der ein Regisseur dem Film Stück für Stück Leben einhaucht, das Spiel der Akteure, die Magie, die dabei entsteht, wenn aus der Summe der einzelnen Teile vom ersten Keyboardklick des Autoren bis hin zum Final Cut etwas geschaffen wird, das letztlich Kunst ist. Und tatsächlich glaube ich, lieber Preytor, dass Du das Publikum insgesamt vieleicht etwas unterschätzt, wenn Du schreibst, dass die Leute heutzutage nur noch die großen teuren Streifen sehen will. Klar, die funktionieren an der Kinokasse, aber Film führt ja auch ein Leben fernab der großen Multiplex-Center, wo einen ein Kinobesuch inzwischen beinahe ohnehin arm macht. Sieh mal, mit dem Blockbusterkino ist es doch auch nicht so ganz anders wie mit den Charts. Dort gehen die Plattenfirmen ja auch kein Risiko mehr ein. Das große Geld wird nur noch in die Produktionen von Superstars wie Madonna oder Bruce Springsteen gesteckt, die dann ja nicht zuletzt Dank riesigem Werbeaufwand regelmäßig vorn in den Charts zu finden sind, und eben weil sie dem Publikum bekannt sind. Die "Basis" aber, die vielen wirklich interessanten "kleinen" Bands und Künstler, die haben inzwischen lange andere Vertriebswege gefunden, und denen geht es oftmals trotzdem ganz gut, und die werden auch wahrgenommen. Und es gibt durchaus auch immer noch Bands wie, um jetzt nur mal ein Bespiel zu listen, Depeche Mode, die seit rund dreißig Jahren dabei sind, konstant gute Alben machen, aber immer noch auf "Mute Records" veröffentlichen, einem immer noch recht gut funktionierenden Independent Label, welches zum Beispiel die Philosophie des "kurzen Dienstwegs" beherzigt und damit erfolgreich ist. Und Depeche Mode, die sind gewiss fernab davon, eine Mainstream-Band zu sein, und dennoch fanden sie über die Jahre hinweg konstant ihr Publikum und wurden unlängst von der WDR 2 Hörerschaft, immerhin ein Publikum, dass sich gewiss nicht aus lauter Avantgardisten zusammensetzt, zur besten Band der Welt gewählt. Und in der "Traumfabrik" ist das gar nicht anders. So Leuten wie Spielberg, Emmerich, Jackson oder Bay, denen gibt man bedenkenlos Gigabudgets für ihre Filme, die dann aber auch generalstabsmäßig "konstruiert" werden, damit sie bloß nicht an der Kinokasse absaufen und somit das nächste Studio in den finanziellen Ruin treiben. Doch längst ist dort auch nicht mehr alles Gold, was eben glänzt. Jetzt hat es gerade die gute alte MGM getroffen, über der bedrohlich das Fallbeil der Zahlungsunfähigkeit pendelt. Die Ära der Megasuperhyperpopcornstreifen, die größerschnellerlauterteurer sind, die ist allmählich vorbei, denn auch in Hollywood ist die Rezession längst angekommen. Aber ich glaube auch darüber hinaus, dass ein Umdenken auch dort schon lange stattgefunden hat. Man betrachte mal die größten Stars des aktuellen Hollywood. Leute wie Depp, Pitt, Clooney, Jolie, Spielberg beispielsweise, die waren sich auch nie zu schade, kleine kluge Filme zu machen, mit denen sie nicht den finanziellen Gegenwert eines Ölfeldes in Alaska verdient haben, sondern haben das Publikum ernst genommen, ihm etwas zugetraut, hatten den Wunsch... ja, meinethalben echte Filmkunst zu schaffen, die anderen Geschichten zu erzählen, die nicht nach dem berüchtigten Schema F funktionieren, die unbequeme Wahrheiten von sich geben, oder die auch einfach mal nur ohne Schmalz hoffnungslos romantisch sein dürfen. Was Vorurteile gegenüber Filmen, die ich nicht gesehen habe anbelangt: nun, im Prinzip gebe ich Dir vollkommen recht. Ich weiß jetzt gar nicht, ob Du das weißt, aber ich bin Mitbetreiber der Internetpräsenz Vampire-World und beschäftige mich dort seit etwa acht Jahren mit dem Phänomen Vampirismus in der Popkultur, von daher habe ich mich natürlich auch mit dem "Twilight" Hype auseinandergesetzt. Klar, ich habe die Bücher nicht gelesen, was ich frank und frei zugebe, aber ich weiß um ihre Inhalte, und selbstredend habe ich auch mal reingeschmökert um mitreden zu können. Genau so klar habe ich mich mit der visuellen Umsetzung auseinandergesetzt und kenne etwa ein Drittel des ersten Films und reichlich Ausschnitte aus dem neuen Streifen, genug um zu wissen, dass mich das nicht interessiert. In meinen Augen wird da ein grenzwertiges, konservatives "heile Welt und kein Sex vor der Ehe" Image im schicken Image an junge Menschen verkauft und damit auch noch richtig Kohle gemacht. Schau, ich hab meine Kindheit in den 1970'ern und frühen 1980'ern verbracht, einer Zeit, die extreme Umbrüche im Empfinden und Denken der Menschen mit sich brachte. Endlich weg mit der Kriegsgeneration! Ich will hier nicht so ein "Opa redet vom Krieg" Ding daraus machen, aber mir ging es damals, als ich 16 oder 20 war, um Aufbegehren, etwas anders zu machen als die Generation der Eltern, Rebellion, Rock'n'Roll, etwas bewegen. Und ich bin mir auch sicher, dass meiner Generation das irgendwo in gewisser Weise gelungen ist, denn die Zeiten sind heuer so ganz anders als anno dazumal. Umso entsetzter bin ich einstweilen, wenn ich nun sehe, dass Millionen von Kids sich irgendwo ein muffiges George W. Bush Weltbild, das sich in stylisher Emo-Optik verkleidet hat, verkaufen lassen. Traurig irgendwie, das. Und was die Anime Filme anbelangt, die Du hier gelistet hast, okay, da habe ich wirklich keine Ahnung von. Ich habe mit meinem Sohn, der jetzt sieben ist, so Sachen gesehen wie den "Kung Fu Panda", "Madagascar" oder "Wall E", und die fand ich zum Beispiel tatsächlich gelegentlich grandios. Ja, absolut, richtig gelesen, denn da wird den Kids nicht irgendein Scheiß verkauft, da gibt es immer wieder wirklich kritische Ansätze, über die ich gestaunt habe, und natürlich werden auch Werte vermittelt, eben Liebe und Freundschaft, aber in den Filmen steckt mehr Rock'n'Roll als im ganzen "Twilight" Kosmos. Und um schlussendlich nun auch noch die Brücke zu "So finster die Nacht" zu schlagen, einen Titel übrigens, den ich sehr schön und prosaisch finde, der aber bei weitem nicht so gut und vor allem trefflich wie der Originaltitel daherkommt, nun, ich kann immer wieder nur sagen, hier hat man alles, aber auch sowas von alles richtig gemacht, dass ich fast in Ehrfurcht erstarren könnte. Lindqvist ist, wie ich vermute, ein so genannter Instinktschriftsteller, ähnlich wie Stephen King, mit welchem der gute Mann reichlich oft und sehr wohl zu Recht verglichen wird. Das heißt letztlich, er schreibt drauf los und die Geschichte entwickelt sich dahin, wie es dem Autor gerade gefällt. Eine vorgesehene Storyline scheint nicht zu existieren. Für den Film hat Lindqvist, der kein erfahrener Drehbuchautor ist, seinen Stoff entschlackt, hatte aber genau den richtigen Riecher dafür, nur das filmisch zu erzählen, was eben den Kern, das wirklich Wichtige, die Prämisse der Geschichte ausmacht, und dennoch findet der geneigte Fan manch einen Dialog aus dem Buch eins zu eins im Film wieder. Man darf aber den Film auch toll finden, wenn man das Buch nicht kennt, und findet den Film dennoch gelungen, wenn man den Roman zuvor gelesen hat. Ich bleibe dabei, hier wird eine überaus faszinierende Geschichte zum Besten gegeben, dargeboten in einem Film, der ein sehr ruhiges Erzähltempo aufweist, der seine finstersten Bilder gar nicht in den Horrormotiven zeigt, sondern vielmehr in der so typischen Sozialstudie skandinavischer Herkunft. Ich gebe ja zu, ich bin im Augenblick ein großer Freund skandinavischer Bücher und Filme, ich liebe diese spezielle Stimmung und Spannung, die in diesen Erzeugnissen herrscht. Skandinavien, Schweden insbesondere, hat für mich das UK als Maß aller Dinge in Sachen Thriller abgelöst, allein schon durch die immer so gelungene dichte Atmosphäre. Und ich habe wirklich keine Ahnung, wie ein Land, welches nicht mal 10 Millionen Einwohner hat, über so viele kreative und überaus talentierte Menschen verfügen kann, aber da soll es ja hier nicht drum gehen. Ich wollte nur noch einmal klar machen, warum ich diesen Film so grandios finde: Ich sah hier einen Vampirfilm, der aber nur scheinbar fast zufällig ein solcher geworden ist, sich dann aber doch dieses Vehikels nahezu perfekt bedient um seine Botschaft zu transportieren. Und dazu braucht er nicht einmal all den Glanz, in welchem seine großen Brüder und Schwestern aus Hollywood erstrahlen, die unter ihrem schönen, teuren Schein aber oft nicht mehr vermitteln als eben den schönen Schein. Bei diesen Filmen geht es mir so ähnlich, wie wenn man mir irgendein sinnloses Plastikteil zu verkaufen trachtet, das durch den Ausdruck „Klavierlackoptik“ künstlich veredelt wird. Funktioniert nicht! Gerade das Unkonventionelle, das Ruhige, das Andersartige fasziniert mich bei „So finster..“. Und die Botschaft lautet am Ende tatsächlich: Liebe ist alles! Aber eben nicht nur! Plakative Romantik wird konsequent ausgeklammert, die Antihelden sind verunsichert, verzweifelt, verwirrt, und sie sind Kinder und keine coolen Revolverschwinger oder auch irgendwie für das Genre öde gewordene Femme Fatales. Irgendwer schrieb diesbezüglich tatsächlich mal, der Film werde schon ganz bald zum Kultfilm für Päderasten avancieren, was selbstredend absoluter Schmock ist, denn dazu kann ich nur sagen, der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand’! Im Gegenteil, gerade die jenigen, die auch das Buch kennen, erkennen sogleich den kritischen Ansatz diesbezüglich. Sehr wohl aber zeigt der Film, dass dieses Problem existiert. Die Gesellschaft, in welcher Oskar und Eli leben, ist einfach gnadenlos am Ende. Die Liebe der beiden aber ist unschuldig und rein und wird aufgrund der Umstände tragisch und fatal, und dennoch geht alles gut aus und die beiden haben vielleicht keine Chance, aber sie nutzen sie. Das ist alles so toll und mit einstweilen grimmigem Humor dargestellt, dass ich einfach nur begeistert bin. Das kann sonst kaum ein Film. Nein, ich sah noch nicht oft Filme, die sowohl Vampirfilm waren und darüber hinaus noch so viel Wahrhaftigkeit inne hatten, so unromantisch romantisch waren, so sehr Independent sind und Schweden sowieso, so viel Hoffnung bei so viel Trostlosigkeit zu bieten hatten, so viel Wärme in so eiskalter Kulisse ausstrahlten, eben einfach alles anders machte, als üblich. Echt jetzt. Und am Ende rockt der Film dennoch, man muss sich halt nur darauf einlassen. Okay, genug nun! Ich danke auch noch mal für Deine Worte „Fight Club“ betreffend und möchte Dich, Preytor, dahingehend bestärken, das mit der eigenen Meinung durchzuziehen, auch wenn Du damit immer mal wieder allein dastehst. Egal! So muss das sein! Und nun greife ich einen absolut gelungenen Gag meines Vorredners auf, und sage nur, falls irgendwer das hier überhaupt bis hierher gelesen haben mag, nun ist es aber doch endlich vorbei. Danke! Beim nächsten Mal aber sehe ich wieder davon ab, mich kurz zu fassen. War das etwa ein Witz?
 
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