The Velvet Vampire

Originaltitel: The Velvet Vampire
Alternativtitel: Cemetery Girls
The Devil is a Woman
Through the looking Glass
The Waking Hour
Herstellungsland: USAUSA
Erscheinungsjahr:  1971
Regie: Stephanie Rothman

Darsteller

Figur

Celeste Yarnall  Diane LeFanu
Sherry Miles  Susan Ritter
Michael Blodgett  Lee Ritter
Gene Shane  Carl Stoker
Jerry Daniels  Juan
Sandy Ward  Amos
Paul Prokop  Cliff
Chris Woodley  Cliffs Freundin
  
Genre: Vampire, Fast vergessene Filme
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Inhalt

Das jungvermählte Paar Susan und Lee lernt auf einer Vernissage in der Galerie ihres Freundes Carl Stoker (Sie haben richtig gelesen, der Typ heißt wirklich so, welch, ähem, raffinierte Anspielung der Autoren, nicht wahr?) die aparte Diane LeFanu (ja, die heißt auch wirklich so) kennen. Man findet sich sympathisch und besonders Lee (und jetzt fällt’s auf, wohl noch so eine Anspielung, wie?) fühlt sich zu der schönen rätselhaften Frau hingezogen, so lädt Diane unser junges Glück zum Blitzbesuch in ihr Haus in der kalifornischen Wüste ein.

Auf dem Weg dorthin mitten im Hinterland Winnetous haben Lee und Susan die obligatorische Autopanne, doch wenn man denkt, jetzt geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Buggy her, denn mit eben einem solchen Gefährt erscheint Diane als Retterin in der Not. Dianes Haus stellt sich als opulente jwd-Oase im spanischen Stil heraus, ausgestattet mit Swimmingpool und allem, was Reichvolk sonst noch so für den lieblichen Müßiggang benötigt, einen mexikanisch-indianischen Butler namens Juan inklusive.
Zum Dinner serviert die Hausherrin "Steak Tatar" (rohes Hackfleisch) und allerlei Schlüpfrigkeiten, die der armen Susan mächtig auf den Keks gehen, weshalb sie schmollend beschließt zu Bett zu gehen. Lee folgt ihr und das Paar tut, was junge Leute dann so treiben, wen sie in einem Film dieser Art mitspielen und nicht ahnen, dass sie von lüsternen Blicken durch einen Spionspiegel beobachtet werden. Als die beiden dann in Morpheus Armen ruseln und dabei wilde psychedellische Träume träumen, wird ein Mechaniker, der unter einem Vorwand ins Haus gelockt wurde, von Madam LeFanu zum Nachtmahl vernascht, denn natürlich ist Gnädigste...nun ja, bei vorliegendem Filmtitel ahnten sie sicher bereits, was für ein Wesen die Dame tatsächlich ist, richtig?

Am nächsten Morgen ist Sightseeing angesagt. Diane fährt mit Susan und Lee zunächst in eine alte stillgelegte Mine, in der Susan von einer Fledermaus attackiert wird. Sie nimmt aber keinen schlimmeren Schaden, so besichtigt man noch die zur Mine gehörende Geisterstadt. Während Susan sich in die Sonne legt, versucht Diane Lee zu verführen. Doch plötzlich unterbricht ein Entsetzensschrei das ehebrecherische Tun: eine Klapperschlange hat Susan gebissen! Diane eilt husch husch herbei und lutscht selbstlos die Wunde aus. Zurück geht es nun in Dianes Domizil, denn Suse soll erst mal ein wenig entspannen. Ob sie denn lieber zurück nach hause möchte, fragt Lee seine Angetraute, doch die beteuert, der Trip fange gerade an, ihr richtig zu gefallen! Versteh' einer die Frauen...

In der nächsten Nacht schließlich verfällt Lee Diane. Dummerweise werden die beiden aber beim Vollziehen des Betrugs von Susan beobachtet. Sie sagt nichts, doch am folgenden Morgen beginnt sie, den Spieß umzudrehen und ihrerseits heftig mit Diane zu flirten. Nun will der in seiner Eitelkeit gekränkte Lee unbedingt abreisen, doch das defekte Auto ist noch nicht repariert. Als er erneut ein Schäferstündchen mit Diane einplant, kommt es für ihn allerdings ziemlich finster. Diane tut sich an seinem Lebenssaft gütlich, was Lee prompt mit seinem Leben zahlen muss. Auch Diener Juan und die zwischenzeitlich eingetroffene Freundin des verschiedenen Mechanikers fallen der Vampirlady noch zum Opfer. Als Susan schließlich die Leichen entdeckt, wird auch ihr klar, was los ist. Es gelingt ihr, sich Diane mit einem Messer vom Hals zu halten und in die Wüstenei zu entkommen. Sie schlägt sich bis zum nächsten Greyhound Stop durch, doch kurz bevor der Überlandbus gen Los Angeles losbraust, erscheint auch Diane mit Unheil verheißendem Blick und besteigt ebenfalls den Bus. Gibt es noch eine Rettung für Susan?

Kommentar

Wow! Helter Skelter im Death Valley 69! My little Dune-Buggy in the Sand, aber Eight Miles high!
Das Zweitwerk der Exploitationfilmerin Stephanie Rothman steckt voller Anspielungen auf amerikanischer Mythen, Traumata, Ängste, auf Schreckens- und Drogenvisionen, auf Phantastereien und Beschwörungen des naiven, guten Amerika wie des amerikanischen Alptraums und ist gleichzeitig auch ein Statement einer klugen Filmemacherin, die sich nicht vor den Karren einer von Männern dominierten Filmwelt spannen lassen wollte, dazu aber später mehr!
Völlig offensichtlich aber ist zunächst einmal die Erkenntnis, in dieser Form konnte der Film letztlich wohl tatsächlich nur in Kalifornien und nur um das Jahr 1970 entstehen, als die Flower Power auf ihrem Höhepunkt war, aber dennoch nichts mehr war wie in den süßen Jahren vor 1969, als der Traum einer Generation blutig geendet hatte. Wie weiland die Mitglieder der mörderischen Manson Family brettert unsere Femme Fatale in einem Strandbuggy durch die kalifornische Wüste auf der Suche nach Sex und Blut. Sie steht klar für die freie Liebe, nimmt sich, was sie will, und bringt dann den Tod. Love and Death statt Love and Peace. Und das wussten die rechtschaffenen Bürger des „freiesten“ aller Länder ja schon immer, diesen Hippies und ihren langen Haaren und ihrer Musik und ihren Drogen ist nicht zu trauen, siehe eben Charles Manson. Oh ja, der Traum der Blumenkinder hatte seine Unschuld verloren...

Rothman, begann ihre Karriere als Regieassistentin von Roger Corman. Der war von ihrer effizienten Arbeitsweise beeindruckt, deshalb ließ er sie für seine neu gegründete Produktionsfirma New World Pictures den ersten Film drehen, "The Student Nurses", ein gut gelauntes trashiges Low Budget Movie, das aber überraschend viel Geld einspielte, so dass Corman sie damit beauftragte, einen Vampirfilm zu drehen. Stephanie Rothman überzeugte die Geldgeber recht schnell von ihrer Vorstellung des weiblichen Vampirs, insgeheim hoffte man bei New World wahrscheinlich, ein wenig auf der Euro-Vampyros-Lesbos-Welle eines Jess Franco mitsurfen zu können, und so wurde der Film dann auch fälschlicherweise vermarktet, womit man der Rothman aber ziemlich unrecht tat. Diane LeFanu ist als Figur gänzlich anders angelegt als beispielsweise die vom Kultsternchen Soledad Miranda verkörperte Gräfin Korody in Francos „Vampyros Lesbos“. Zwar ist auch sie eine Femme Fatale im wahrsten Wortsinn, eine dunkle Verführerin, die Tod und Verderben bringt, dennoch ist sie eigentlich keine Aggressorin. Sie wird letztlich von ihren Opfern erwählt, nicht anders herum. Ist dies aber erst mal geschehen, so gibt es keine Rettung mehr, weshalb sie dann auch die arme Susan nicht entkommen lassen kann, denn der mörderische Kreis muss sich ja schließen! Als Diane schließlich Susan in den Greyhoundbus folgt und die Sitzbank hinter ihr besetzt, gelang Rothman hiermit eine wirklich schaurige Szene: Die Präsenz der LeFanu wirkt hier unfassbar bedrohlich und unheimlich, strahlt puren Horror aus. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine der stärksten Szenen des Vampirfilmgenres der 1970’er Jahre überhaupt. Und der Darstellerin Celeste Yarnall, über die ich ansonsten ehrlich gesagt überhaupt nichts weiß, muss schon allein für diese Szene ein hohes Lob ausgesprochen werden. Generell macht sie, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Darstellern des Films, ihren Job fantastisch!

Rothman drehte insgesamt - ungewöhnlich genug - einen Exploitation Film aus weiblicher Sicht. Klar, Sex und Gewalt waren unerlässlich, schließlich gehörte dies bei New World mit zum "guten Ton", doch Rothman inszenierte ihre Sexszenen nicht gewalttätig sondern durchaus sinnlich, und außerdem sind neben den unerlässlich nackten Tatsachen bei den Damen auch ebenso viele nackte Kerle zu sehen. Leider konnte sich Frau Rothman mit ihren feministischen Ideen nicht lange durchsetzen. Große Hoffnungen setzte sie auf den Filmstoff „Boxcar Bertha“, doch den gab Corman dann bei dem damals noch jungen Martin Scorsese in Auftrag, woraufhin dessen Karriere mächtig in Fahrt kam. Rothman sollte schließlich nur noch wenige Filme für New World Pictures inszenieren, nach "Working Girls", einem heiteren, leichten Film, war Mitte der Siebziger Schluss mit der Zusammenarbeit. Stephanie Rothman sah keine Perspektive mehr im Exploitation-Umfeld für sich und ihre Ideen. Desillusioniert zog sie sich vom Regiefach zurück und arbeitet bis heute mit mäßigem Erfolg als Drehbuchautorin.
Mit "The Velvet Vampire" aber hat sie zumindest einen sehr ungewöhnlichen und vielschichtigen Vampirfilm gedreht, der, wie bereits geschildert, viel tiefer geht und darüber hinaus wirklich schöne und starke Bilder zu abgefahrener Psychedelia Musik abliefert, die sich von spielerischer Zärtlichkeit über bedrohliche Nervosität bis hin zu apokalyptischen Kaskaden steigert und immer den richtigen Ton trifft. Noch ein Pluspunkt dieses außergewöhnlichen Films.

Sicher, die Geschichte, die hier erzählt wird, ist im Prinzip hauchdünn, das lässt sich kaum verhehlen! Das schmale Budget, dem Vernehmen nach hat der Film nicht mal 170.000 $ gekostet, sieht man dem Streifen auch häufig genug an, z. B. wenn die Kulissen-Styroporgrabsteine im Wind wackeln (ein Schelm, wer jetzt an Ed Wood denken mag), letztlich aber schadet derlei nicht wirklich dem Charme des Films. Und auch wenn es immer mal wieder holpert im Gefüge der Handlung, auch wenn außer Celeste Yarnall alle Darsteller mit ihren Rollen überfordert sind, auch wenn es sich am Ende doch um reines Exploitationkino handelt, das auf den Eckpfeilern, Sex, Gewalt und textilfreies Fleisch beruht, so ist Rothman doch ein wirklich ungewöhnlicher Beitrag zum Genre gelungen. Sie spielt mit den Stereotypen, bringt ihre politischen Botschaften und feministischen Ideen in einem Film unter, der zu jener Zeit wahrscheinlich ein hauptsächlich männliches Publikum ins Bahnhofskino lockte und konnte somit unwillkürlich eine Zielgruppe erreichen, die vielleicht am ehesten über die Moral von der G’schicht zu sinnieren gehabt hätte. Ob das allerdings so geschehen ist?
Auch wenn sich jetzt manches trashig und billig anhören mag, der Film ist es wert gesehen zu werden. Der Rezensent würde sich jedenfalls freuen, wenn dieser Bericht ein wenig dazu beitragen könnte, diese gerade hierzulande wenig bekannte Perle des feministischen Trashfilms vor dem Vergessen zu retten. Schließlich ist „Velvet Vampire“ in den letzten Jahren so gut wie nie gezeigt worden, gelegentlich auf Frauen- und Lesbenfilmfestivals zwar, wo der Film angeblich auch einen gewissen Kultstatus genießt, ein größeres Publikum indes hat davon nichts mitbekommen. Bekäme der Film vielleicht die Aufmerksamkeit, die er verdient hat, wer weiß, vielleicht ließe sich Frau Rothman ja doch noch mal zu einer Regiearbeit überreden. Ich fände das gut!

Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

In Deutschland ist der Film niemals erschienen. Es existieren international zahllose VHS und DVD Bootlegs von dem Film, eine offizielle DVD erschien in Amerika 2007 bei Cheezy Flicks Entertainment, siehe den Amazon Link. Laut OFDb gab es wohl auch mal eine offizielle japanische VHS-Version, die bei Toshiba erschienen ist. Ferner dürfen sich auch die Freunde der großen, glänzenden Scheiben freuen, denn eine ofizielle Laser Disc (die wohl die Grundlage für die meisten Bootlegs sein dürfte), gab es auch mal irfgendwann, zumindest in den USA, wo sie bei Nelson Pictures erschienen ist.

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