Fight Club
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Inhalt
Jack ist ein kleiner Angestellter einer Automobilfirma und hirbei mit der unrühmlichen Aufgabe betraut, kostenintensive Rückholaktionen zu Lasten der Kunden zu biegen. Er ist von seinem freudlosen Leben angeödet, empfindet sein Dasein so sinnfrei wie ein Hamster-Laufrad. Job von acht bis fünf, Essen in der Pappschachtel aus der Mikrowelle, ein Leben in der Vorstadtmietskasernenhölle. Thirty Something – die vermeintlich besten Jahren des Lebens. Soll das etwa schon alles gewesen sein? Soll das jetzt immer so weiter gehen?
Und dann noch immer diese zermürbende Schlaflosigkeit. Jack beginnt Selbsthilfegruppen für chronisch Kranke aufzusuchen, sich ein wenig Linderung am Leid derer zu verschaffen, denen es noch mieser geht als ihm. Hier trifft er auch Marla Singer, die gleichermaßen eine Abscheu vor sich selber empfindet, und die wie Jack in der Gruppe Krankheiten simuliert um sich etwas weniger ausgestoßen zu fühlen.
Auf dem Rückflug von einer Dienstreise lernt Jack den so dubiosen wie charismatischen Seifenhändler Tyler Durden kennen, einen Draufgänger und Nihilisten, der vieles von dem verkörpert, was Jack gern wäre. Es scheint, als habe er in Tyler sein Alter Ego gefunden, eine Art verbessertes, ätherisches Doppel. Als Jacks Wohnung durch ein böses Schicksal zerstört wird, nimmt Tyler ihn auf und verlangt als Gegenleistung von diesem, dass er ihm „eine rein haut, so hart du nur kannst!“
Der daraus resultierende Faustkampf schlägt weitere unzufriedene Männer in den Bann, und so gründen Jack und Tyler den FIGHT CLUB, eine Art Selbsthilfegruppe für frustrierte Wohlstandsgeschädigte - archaischer Faustkampf als Therapieausgleich für das beschissene Hamsterrad.
Schnell wächst der FIGHT CLUB zu einer Art Geheimloge heran, die überall im Land Wellen schlägt, obschon doch Regel Nummer eins besagt: Sprich niemals über den FIGHT CLUB! Doch Schweiß, Blut und Schmerz scheinen dem netten Postangestellten von nebenan oder dem Typen, der immer dein Motorrad repariert, zu verheißungsvoll, und so dreschen sich bald aller Ortens frustriere Zivilisationsgeschädigte Herren gegenseitig die Fresse ein. Ich blute und es tut höllisch weh, also bin ich! Jack trifft Marla wieder, und diese beginnt eine verstörende Affäre mit Tyler, der immer radikaler wird. Der beginnt nämlich, aus ausgewählten Mitgliedern eine Untergrundarmee für sein „Projekt Mayhem“ zu rekrutieren, mit dem erklärten Ziel, der verhassten Konsumgesellschaft endlich ein Ende zu bescheren. Er bereitet akribisch geplante Attentate auf das Allerheiligste vor: die Banktempel, die Börsen, die Kreditkartengesellschaften. Das Finanzwesen soll zusammenbrechen und die Gesellschaft von vorn anfangen.
Ist Jack aber bereit, dieses Opfer mittragen zu wollen? Könnte er Tylers Pläne überhaupt noch verhindern? Könnte er seinem Alter Ego, seinem anderen Ich also, Einhalt gebieten?
Kommentar
„Fight Club“ war der vierte Film, den David Fincher als Verantwortlicher auf dem Regiestuhl abgedreht hat, und es ist nach Ansicht des Rezensenten auch ganz klar sein bis Dato bestes Werk, wobei der Verfasser dieser Zeilen allerdings anmerken muss, Finchers letzten Film „Zodiac“ noch nicht gesehen zu haben (ist irgendwie an mir vorbei gegangen, wie ich gestehen muss, wird aber sicherlich noch nachgeholt) und auch auf dessen neuesten Streifen „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ schwer neugierig zu sein, der ja dieser Tage in den Kinos anlaufen wird. Aber darum soll es ja hier nicht gehen. Andererseits ist es nicht unwichtig, einen kurzen Blick auf die Arbeitsweise Finchers zu werfen, um vielleicht einen genaueres Auge auf einige Eckpunkte des „Fight Clubs“ haben zu können, um Stil, ja Handschrift und auch die Absicht dahinter besser zu erkennen.
David Finchers Einstieg in die Welt des abendfüllenden Spielfilms (zuvor hatte er sich als Effekt-Spezialist wie als Werbefilmer und Videoclip-Regisseur einen hervorragenden Ruf erworben) war der dritte Teil der „Alien“-Saga, mit dem er sich nicht gerade Lob galore einhandelte. Allerdings müssen die Umstände, unter denen der Film seinerzeit entstand, auch alles andere als entspannt gewesen sein, denn das Drehbuch wurde immer wieder geändert, Hauptdarstellerin Weaver soll wegen der Gage gezickt haben und Fincher kritisierte noch während der Dreharbeiten die Produzenten und das ausführende Studio 20th Century Fox, weshalb ihm das Making of auch in der Quadrilogy Box der Serie gestrichen worden sein soll. Dennoch war das, was seine filmische „Handschrift“ andeutete, schon klar erkennbar: Das Ding endete wie es niemand vermutet hat! Sein nächster Streich war der allseits gelobte Finster-Thriller „Se7en“ mit Morgan Freeman, Brad Pitt, Gwyneth Paltrow und Kevin Spacey, der wiederum den Rezensenten entgegen der allgemeinen Meinung gar nicht so sehr zu begeistern wusste. Auch dieser Film endete mit einem großen Knall, der aber nicht wirklich schwer vorouszuahnen war. Klassischer Fall von gnadenlos überschätzt! Der nächste Film „The Game“, in dem Millionär Michael Douglas von dessen Filmbruder Sean Penn raffiniert und knallhart geläutert wird, war ein Fest, blieb er doch undurchsichtig bis zur letzten Szene und war elegant und voller Suspense wie ein echter Hitchcock-Film inszeniert. Wieder ein Knallerfinale. Und nun „Fight Club“! Unnötig zu erwähnen, dass auch dieser Film sich erst ganz am Ende vollständig erklärt. Wer es braucht und so möchte, der mag jetzt vielleicht an M. „Night“ Shyamalan“ denken, der seine Filme in gewisser Weise in einer nicht unähnlichen Weise herstellt. Na gut, der Unterschied aber ist der, dass „Night“ immer wieder mehr oder weniger den gleichen Film dreht, nur seine Finals, die etwa anderthalb mal klasse funktioniert haben, werden immer vorhersehbarer und konfuser. Kein Vergleich also zu Fincher, der bei der Auswahl seiner Stoffe sehr viel mehr Sorgfalt walten lässt. Ich schreibe das auch nur, weil unlängst das Werk der beiden Filmschaffenden miteinander verglichen Gegenstand einer Diskussion war, an der ich teil hatte und die mich dazu brachte, überhaupt hier und an dieser Stelle über den Fight Club zu berichten, was ich jetzt mal so langsam machen möchte.
Böse Zungen werden jetzt unken, der Rezensent bespreche den Film ohnehin nur, um einmal mehr von Helena Bonham Carter zu schwärmen, die hier die weibliche Hauptrolle spielt, aber das stimmt gar nicht, obschon sie natürlich mal wieder umwerfend ist. Der wahre Grund ist aber der, dass „Fight Club“ einfach ein verteufelt raffinierter Film ist, klug, kontrovers, knallhart, und irgendwie nicht zu greifen. Wie soll man den Film einordnen? Als Thriller? Sicher irgendwie, aber ganz gewiss ist der Film viel mehr als das. Fantasy? Immerhin spielt sich ja ein großer Teil der Handlung in der Fantasie des Protagonisten ab. Drama? Na ja, aber schräge, bitterböse Komödie gleichermaßen irgendwie. Kapitalismuskritik? Schon auch, aber eben nicht so deutlich wie es zunächst scheint! Ja was denn nun, fragen sie sich jetzt? Dann wollen wir den Knoten mal Schritt für Schritt aufdröseln!
Worum geht es im „Fight Club“? Im Prinzip um Typen, die ihre Erfüllung darin finden, sich gegenseitig die Sch… rauszuprügeln. Nur darum? Keinesfalls, denn das ist nur ein Teil des Großenganzen. Warum sind die FIGHT CLUB Members überhaupt so gewaltgeil? Nun, sind sie das wirklich? Eine der Regeln des FIGHT CLUBS lautet, ein Kampf dauert nur so lange wie er muss. Das heißt nicht, ein Kampf dauert an, bis es einen Sieger gibt, sondern vielmehr, so lange, bis die Kombattanten das aufgesogen haben, was das Erlebnis des Kampfes ihnen vermittelt: das einfache, ursprüngliche, archaische Empfinden, den Adrealinschub, der ihnen kurzzeitig bietet, was das komplexe tägliche Leben ihnen nicht zu vermitteln vermag. Und darum geht es auch Tyler Durden mit seinem „Projekt Mayhem“. Es geht ihm nicht darum, die Finanzwelt in Schutt und Asche zu legen, weil er den Konsumterror hasst, schließlich tritt er selber stets hip gestylt auf den Plan, seine Beziehung zu Marla Singer bezeichnet er oberflächlich als „Sportficken“, und seine Rekruten aus dem FIGHT CLUB schwört er auf absolute Linientreue ein. Nicht gerade das Verhalten eines Mannes, der den Kapitalismus aus moralischen Gründen ablehnt. Es ist auch nicht Ziel Durdens, als eine Art Robin Hood zu agieren im Sinne von, zerstört die Tempel des Geldes und befreit somit die Armen. Es geht ihm einzig darum, die ungemein komplexen Strukturen zu vernichten, die das heutige Finanzwesen erschaffen hat, diesen unglaublichen Wasserkopf, auf dem die gesamte Gesellschaft aufgebaut ist, der das Leben aller Menschen bestimmt wie nie zuvor, das „Hamsterrad“ aus dem Weg zu räumen, auf das Mensch wieder bei Punkt Null anfangen kann, und diesmal vielleicht alles besser macht, zumindest aber einfacher gestaltet. „Erst nachdem wir alles verloren haben, sind wir frei, alles zu tun“, sagt Durden. Das klingt freilich nach Nietzsche und seiner Philosophie, die ja auch gern von den Faschisten fehl interpretiert wurde/wird, und siehe da, so manch ein Kritiker witterte da auch sogleich latent vorhandenes faschistoides Gedankengut. Von „Big-Star Fascist Movie“ und „Macho-Porn“ war die Rede, von einem „Sexfilm, in dem die Erotik zwischen den Geschlechtern durch Schlägereien ersetzt wird“, so der Filmkritiker Roger Ebert.
Der Rezensent mag dieser Interpretation allerdings nicht zustimmen. Im Gegenteil, seiner Meinung nach bemüht sich Fincher eher, auf die Gefahren zu verweisen, die sich aus einer solchen Reduktion auf das vermeintlich Wesentliche ergeben könnten. Eine verschworene Gemeinschaft, ein einfaches, aber klar definiertes Ziel, einfache, glorifizierte Regeln, eingehämmerte Slogans, hervorgebracht von einer Führerfigur von dämonischem Charisma, dem der einfach strukturierte Mensch gern folgt. Die Figuren in diesem Film leiden nicht an existenziellen Sorgen, sondern haben eher „Luxusprobleme“, vergleicht man sie mit denen, die die meisten Deutschen in den 1920’er Jahre hatten, in der Morgendämmerung des Nationalsozialismus. Sie sind eher ihrer übersatten Existenz überdrüssig, ihres genormten, sinnlosen, vielleicht ansatzweise kafkaesken Daseins (Hamsterrad) in einer Gesellschaft, die scheinbar noch immer genau so empfänglich für solche Simplizitäten ist. Genau das zeigt Fincher im „Fight Club“. Klar, er gibt uns die Prachtkerle Brad Pitt und Edward Norton durchtrainiert und verschwitzt bis in die Berlin Mitte Haarschnitte, die Fäuste fliegen und das Blut fließt dekorativ, das Testosteron schwappt nur so von der Leinwand und so manch ein simpler männlicher Geist, so kann ich mir vorstellen, hätte nicht übel Lust, angestachelt vom Film sogleich vorm Kino noch eine fiese Hauerei zu starten. Aber so ist das, Kunst muss polarisieren! Das soll natürlich keine Entschuldigung sein, sollte tatsächlich irgendwer deswegen die Nase verbogen bekommen haben.
Außerdem ist da noch die Sache mit dem, ähem, Schwanz! Wir erinnern uns: in einer Szene des Films sehen wir Durden, der einem Kinopublikum für den Bruchteil einer Sekunde einen ordentlichen Schwengel ins Szenenbild einblendet. Wahrscheinlich dient diese Szene in der Hauptsache dazu, uns Durdens Charakter näher zu bringen, so nehmen wir an. Doch wer genau aufpasst, entdeckt jenes Gerät am Ende des Films plötzlich wieder, nur ganz kurz, aber es ist da! Was das soll? Zum einen ist es freilich ein böser, zunächst gelungener Gag, der wie Faust aufs Auge passt (selten war der Vergleich so treffend wie bei diesem Streifen), schließlich aber verkehrt sich der groteske Witz dahinter ins Gegenteil und das Lachen bleibt im Halse stecken. Dann erkennen wir nämlich, dass „Fight Club“ ein Film ist, der uns ein unangenehmes Gefühl vermittelt, ein Unbehagen, das irgendwie nicht zu greifen ist. Warum bloß? Wir sehen einen wirklich klugen Film, der, wie wir schon erfahren haben, durchaus polarisiert, uns dazu zwingt, unser Gehirn einzuschalten, was wohl kaum verkehrt sein kann. Wir sehen erstklassige Schauspieler, Brad Pitt in seiner besten Rolle seit „12 Monkeys“, den stets brillanten Edward Norton und die immer wieder tolle Helena Bonham Carter, die allesamt toll miteinander akteurisch harmonisieren. Wir sehen eine präzise Regiearbeit, die uns auf den Punkt die bitterböse Schlusspointe und uns darüber hinaus auch noch subtil subliminale Ansatzpunkte liefert. Und dann irgendwann sticht uns das Warum? plötzlich in die Augen, die wir nämlich dazu nutzen sollen, zwischen den Zeilen zu lesen, hinter das Augenscheinliche zu blicken. So wie Jack, der am Ende seine dunkle Seite erkennt, sich der aber durch einen Selbstmordversuch zu entziehen versucht, während die Welt um ihn herum in Trümmer fällt. Er versucht sich der Tragweite seiner Taten zu entziehen.
Fazit also: „Fight Club“ ist wirklich ein böser, gemeiner, vielleicht sogar ein ansatzweise gefährlicher Bastard von einem Film, der aber genau deswegen auch so, na ja, erfrischend ist. Kontrovers, toll besetzt und gespielt, ein beinahe Meisterwerk mit überraschendem, ja schockierendem Finale, an dem sich die Geister scheiden. Ein erstklassiger Thriller allemal, aufgrund der verblüffenden Auflösung gehe ich so weit, ihn auch der Fantasy zuzuordnen, auch ohne Oger und Orks. Aber „Macho-Porn“? „Big-Star Fascist Movie“? Nö, jedenfalls nicht, wenn man genau das tut, wozu der „Fight Club“ uns aufordert, nämlich den Blick hinter das Offensichtliche zu tun. Dann ist der Film beinahe genial!
Filmreview von: Wollo / Alle Reviews von Wollo
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Veröffentlichungen
Wer das Format DVD bevorzugt, und das wird vermutlich noch immer der Löwenanteil der Leser sein, der bediene sich bei der 20th Century Fox, wo der Film in eben diesem Medium in den verschiedensten Editionen erschienen ist. Alternativ kann man sich auch bei der Kinowelt gütlich tun um unter anderem ebenfalls eine Special Edition zu erhalten. VHS-Sammler müssten sich wiederum bei der Fox umtun, denn auf ihrem geschätzen Magnetband bekommt man den "Fight Club" dort noch. Die Blu-ray Spezialisten greifen dann wieder bei der Kinowelt zu. Wer noch Laserdiscs sammelt, kann auf verschlungenen Wegen ebenfalls glücklich werden, muss aber wohl tiefer in die Tasche greifen, denn die große Scheibe gibt es nur via 20th Century Fox Japan.
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Weitere Kommentare zum Film
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| Berti, 03.01.09 |
| Dieser Film ist einer der Wenigen in dem mir Brad Pitt überhaupt nicht gefällt. Vom Aussehen und vom Charakter her. Der ganze Film ist verstörend, brutal, total verwirrend- mit einem absolut überraschenden und wirklich krassen Schluss mit dem man in keinster Weise gerechnet hätte! Da ich ihn erst ein einziges Mal gesehen habe und hinterher mehr verärgert als erfreut war, hab ich mir den seitdem kein einziges Mal mehr angetan. Vielleicht denke ich heute ja anders darüber und sollte ihn mir mal mit anderen Augen nochmal rein ziehen. Vor allem aber mit dem Wissen wie der Film danach endet um zu sehen ob er in irgendeiner Weise doch zu erahnen wäre. Bis dahin bewerte ich ihn mal mit 2 Punkten, denn so hab ich ihn leider in Erinnerung... |
| Preytor, 03.12.09 |
| Eine absolut geile Filmkritik der Ich nichts mehr hinzufügen kann! Irgendwie pusht der Film das Bewusstsein weil man genau so wie Tyler Durden sein will. Und das Ganze fährt nicht auf der Depressionsschiene - "Leben hat doch eh kein Sinn". Ein wirklicher toller Film, der meiner Meinung nach auch ziemlich in die Philisophie greift. Brutal, erschreckend und unfassbar. |
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