Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

Originaltitel: Perfume: The Story of a Murderer
Herstellungsland: DeutschlandDeutschland, FrankreichFrankreich, SpanienSpanien, USAUSA
Erscheinungsjahr:  2006
Regie: Tom Tykwer
 

Darsteller

Figur

Ben Whishaw  Jean-Baptiste Grenouille
Dustin Hoffman  Giuseppe Baldini
Alan Rickman  Richis
Rachel Hurd-Wood  Laura
Paul Berrondo  Druot
Guillermo Ayesa  Tallien
Anna Diogene  Talliens Witwe
Sam Douglas  Grimal
Sara Forestier  Jeanne
Corinna Harfouch  Madame Arnulfi
  
Genre: Fantasy, Thriller
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 Deutsches DVD-Cover, erschienen bei Constantin Film / Highlight

Inhalt

Im Paris des vorrevolutionären 18. Jahrhunderts wird ein Kind geboren, das sich durch einen absoluten Geruchssinn auszeichnet, ansonsten aber nicht gerade mit Talenten, Charme oder einfach Glück gesegnet ist: Jean-Baptiste Grenouille, so heißt der Knabe, wächst im Waisenhaus auf und wird mit dreizehn Jahren an einen Gerber verkauft. Als er einige Jahre später in der Stadt Waren ausliefert, trifft er auf eine junge Mirabellenverkäuferin, deren Geruch ihn fasziniert. Als sie bemerkt, daß er sie verfolgt, tötet er sie – wohl versehentlich –, doch damit verfliegt auch ihr Duft. Die Konservierung von Gerüchen wird nun Grenouilles Lebensziel. Dank seiner olfaktorischen Begabung schafft er es, bei dem ausgebrannten Parfümeur Baldini Lehrling zu werden, dessen Geschäft dank Grenouille bald wieder floriert. Als Baldini ihm nichts mehr beibringen kann, zieht Grenouille weiter in Richtung Grasse, einer Parfumhochburg. Unterwegs entdeckt er eine Höhle, in die er sich zurückzieht, bis er eines Tages bemerkt, daß er selbst keinen eigenen Körpergeruch hat, daß er zum Außenseiterdasein verdammt ist, weil ihn buchstäblich niemand riechen kann. Weiter geht’s nach Grasse, doch auf dem Weg dorthin begegnet ihm ein Duft, wie er ihn noch nie zuvor gerochen hat, der Duft der jungen Patriziertochter Laura. Als Grenouille in Grasse einen Weg findet, menschliche Gerüche zu konservieren, beginnt er seinen Plan zu verwirklichen, das vollkommene Parfum zu kreieren. Die Mädchen der Stadt leben von diesem Tag an gefährlich, eine mysteriöse Mordserie beginnt. Lauras Vater ahnt bald Böses, und das mit Recht: Denn als letzte und entscheidende Essenz steht Laura auf Grenouilles Liste…

Kommentar

Fast zwanzig Jahre hat Patrick Süßkind Filmproduzenten aus aller Welt in den Wahnsinn getrieben, weil er, statt in den mit Banknoten gefüllten Pool zu springen, kein Interesse daran zeigte, die Leinwandrechte an seinem Roman „Das Parfum“, einen der größten internationalen Bucherfolge der 1980er Jahre, zu verkaufen. Dann aber gab er 2001 völlig überraschend dem streitbaren Erfolgsproduzenten Bernd Eichinger den Zuschlag, der neben Massenware – bevorzugt für den heimischen Markt – auch alle Jahre wieder Prestigeobjekte für das internationale Publikum in die Kinos bringt, bevorzugt nach aktuellen Weltbestsellern (z.B. „Die unendliche Geschichte“ (1984), „Der Name der Rose“ (1986)). Warum Süßkind gerade ihn nach so langer Zeit erhörte, wußte Eichinger auch nicht zu sagen, griff aber natürlich beherzt zu.

Egal ob man Eichinger, um mal die beiden kursierenden Extreme zu bemühen, als einen der wenigen kontinentaleuropäischen Produzenten sieht, die es zumindest alle paar Jahre mal mit Hollywood aufzunehmen wagen, oder als Verfertiger erfolgreicher Unterhaltungserzeugnisse von meist eher zweifelhafter Qualität – es ehrt ihn, daß er bei allem Willen, den trotz seiner Opulenz inhaltlich auch sperrigen Roman in einen Blockbuster zu verwandeln (und dieser Erfolgswunsch ist nicht notwendig Verrat an der Kunst, sondern bei einem Projekt dieser Größenordnung zunächst einmal ökonomische Notwendigkeit), nicht einfach einen Erfüllungsgehilfen auf den Regiestuhl gesetzt hat, sondern die Inszenierung Tom Tykwer anvertraute, einem hochtalentierten, noch recht jungen Regisseur, der zwar internationales Renommee besitzt, aber bis dahin – abgesehen von „Lola rennt“ (1998) – zielsicher am breiten Publikum vorbeigefilmt hatte. „Das Parfum“ hebt sich denn auch durchaus von dem sonst üblichen Historienfilm-Allerlei ab – ein großer Wurf, das sei schon mal vorweggenommen, ist seinen Machern jedoch nicht gelungen: Tykwer und sein Stamm-Kameramann Frank Griebe finden malerische, in ihren besten Momenten fast unwirkliche Bilder, diese wirken bei aller Schönheit allerdings oft etwas selbstzweckhaft und manieriert (was man bei Tykwer generell seit „Der Krieger und die Kaiserin“ (2000) beobachten kann). Der Film, der inhaltlich ein Fest der Sinne, zumindest des Geruchssinns feiern sollte, ist eine prachtvoll anzusehende Ausstattungsorgie, orgiastisch wirkt er aber eigentlich nie, nicht einmal in der durch Grenouilles Parfum ausgelösten Massenverzückung kurz vor Schluß. In dem Bestreben, den Stoff nicht plakativ umzusetzen, geschmackvoll zu bleiben, ist der Streifen visuell insgesamt etwas zu brav geraten, ist er, auch wenn er sich dem Hochglanz meist verweigert, bildersprachlich ziemlich konventionell. Das zeigt sich exemplarisch an der Lösung des zentralen Problems: Wie stellt man Grenouilles absolute Wahrnehmung von Düften dar? Tykwer widersteht der Versuchung, die Gerüche – z.B. als Farbenströme – zu visualisieren, statt dessen folgt die Kamera Grenouilles Sinn, fährt an die erschnüffelten Objekte heran und zum Teil in sie hinein, zugleich arbeitet die Tonspur hier geschickt mit einem leisen Klangteppich, Rascheln, Tropfen…: eine gewiß akkurate, aber auch nicht wirklich innovative Lösung. Wenn der Film hier und da doch mal rauschhaft wird, ist das der Musik zu danken, die Tykwer – wie in seinen meisten anderen Filmen auch – zusammen mit Johnny Klimek und Reinhold Heil komponiert hat und die von den Berliner Philarmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle eingespielt wurde: ein grandioser Soundtrack, der den Film in vielen Szenen fast schon allein trägt.

Woran es letztlich aber hapert, ist die Dramaturgie. Zunächst beginnt der Film als Entwicklungsgeschichte vor historischer Kulisse, wird dann während Grenouilles Lehre bei Baldini fast zur schwarzen Typenkomödie, mündet anschließend, als Grenouille in Grasse über Leichen geht, in einen (beinahe schon zu) eleganten Thriller, um sich am Ende als Groteske zu versuchen. Tykwer und Eichinger haben eine Filmfassung erarbeitet, die trotz mancher Kürzung nah am Buch bleibt, aber eine eigene Lesart haben sie nicht wirklich gefunden. Entsprechend ausgiebig, aber auch unausgewogen wird ein Off-Erzähler bemüht, dem in der deutschen Fassung Otto Sander seine sonore Stimme leiht (in der Originalversion spricht John Hurt) und der das Geschehen mitunter ausufernd kommentiert, um dann wieder lange zu verstummen, bevor er mal wieder einen Satz einwirft usw. (ein ähnliches Manko, nur gravierender als beim „Parfum“, offenbart die Preußler-Verfilmung „Krabat“, in der ebenfalls Otto Sander als Off-Erzähler die dramaturgischen Schwächen ausbügeln soll, dabei aber lediglich ausspricht, was der Film nicht zu zeigen vermag…). Diese Schwierigkeiten sind nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß Tykwer und Eichinger ausgerechnet bei der Hauptfigur, was sie auch nicht leugnen, Zugeständnisse an das Mainstreampublikum gemacht haben. Grenouilles Unmenschlichkeit, sein fehlender Eigengeruch, wird fast zum blinden Motiv, erscheint kaum als Motivation seines unmenschlichen Handelns; eigentlich, so suggeriert es der Film in der Begegnung mit der Mirabellenverkäuferin und einer späteren Was-wäre-wenn-Rückblende, sehnt sich der arme Grenouille doch nur nach Liebe… Das nimmt der Figur viel von ihrer Dämonie, ohne daß sie an Identifikationspotential gewinnt; schade, denn mit Ben Whishaw hatte man durchaus einen passenden Hauptdarsteller gefunden, der bis dahin auch noch weitgehend unbekannt war (eine mutige Entscheidung Eichingers und Tykwers, zumal zahlreiche Hollywoodstars sich wohl nicht lange hätten bitten lassen) und so – umgeben von einer Reihe prominenter Darsteller, also vertrauter Gesichter – das Fremde Grenouilles hervorragend hätte transportieren können. Tatsächlich liefert Whishaw eine ansprechende Leistung, wirkt aber durch die Verharmlosung der Figur meist weniger bedrohlich als vielmehr wie ein Nerd. Die ihn flankierenden Kollegen wie Dustin Hoffman oder Alan Rickman spielen routiniert, etwas undankbar ist die Rolle der Laura, deren Darstellerin Rachel Hurd-Wood nicht viel mehr zu tun hat, als schön auszusehen – ist Laura doch in erster Linie Projektionsfläche der sie umgebenen Männer, vor allem Grenouilles und ihres Vaters, der sich schon deshalb so gut in den Serienmörder hineinversetzen und zu dessen Gegenspieler werden kann, weil beide in ihren Besitzansprüchen bezüglich Laura ähnlich ticken; nicht umsonst wird er Grenouille schließlich, wiewohl unter dem Einfluß von dessen Parfum, seinen Sohn nennen.

Also, fassen wir zusammen: Der Film ist handwerklich auf höchstem Niveau, er geht inhaltlich weiter, als es Hollywood bei einem Film dieser Größenordnung wohl wagen würde, kommt aber letztlich zu kompromißbereit daher, um der Film zu sein, der er hätte werden können. Immerhin: Finanziell hat sich das Projekt gelohnt, der Streifen spielte mehr als das Doppelte seiner für europäische Verhältnisse immensen Produktionskosten ein. Was bleibt, ist ein aufwendiger, immerhin in Teilen ungewöhnlicher Historienfilm, der trotz seiner immerhin zweieinhalb Stunden Laufzeit weitgehend frei von Längen, aber auch nicht wirklich aufregend ist: eine respektable Literaturverfilmung, nicht mehr, nicht weniger.

Filmreview von: Ruthven / Alle Reviews von Ruthven

Trailer zum Film

Veröffentlichungen

Der Film ist bei Constantin Film / Highlight auf DVD, Blu-ray und auf HD-DVD erschienen.

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Weitere Kommentare zum Film

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Berti, 22.11.08
Zu dem Film wurde bereits alles gesagt. Mir hat er auch nur recht mittelprächtig gefallen was zum Teil daran liegt, dass ich die Buchvorlage kenne worin der Jean-Baptiste ein Monster ist- allein vom Aussehen her und von seinen Taten her sowieso. Im Film kommt er richtig schnuckelig daher- sieht viel zu gut aus für das Ungeheuer das er eigentlich ist. Manche Stellen fand ich richtig eklig weil ich die Gerüche fremder Menschen nicht mag und sie direkt fast aus dem Fernseher raus riechen konnte... Wie er da so das Fett immer raus gefiltert hat usw, brr da schüttelts mich. Der Film ist nett, hat eine interessante Story, wurde auch ganz gut umgesetzt, nur fehlt im das gewisse Etwas. Deshalb leider auch nur 3 Schädel.
 
Lycana6393, 03.02.10
Ich mag den Film...er ist gut dargestellt und alles, aber natürlich ist Jean-Baptiste dort viel zu "süß" dargestellt. Ich habe den Film gesehen bevor ich das Buch gelesen habe. Nach dem Buch war ich etwas enttäuscht vom Film, da das Buch echt genial ist. Der Film bekommt von mir 4 Schädel, da er wirklich gut ist, wenn man das Buch nicht kennt. Kennt man es, ist man etwas enttäuscht, aber trotzdem ein guter Film.
 
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